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Vinyl erfreut sich ungebrochen einer großen Beliebtheit. Eine große Auswahl neuer und alter Musik und die Faszination einen physischen Tonträger in den Händen zu halten, haben auch in den letzten Jahren für beachtliche Umsätze in der Industrie gesorgt. Wer gerne Musik hört stellt sich über kurz oder lang die Frage nach der Anschaffung eines Plattenspielers. Und wer hier aus den voll Schöpfen will ohne sein Budget komplett mit dem Dreher alleine auszuschöpfen, findet bei Clearaudio ein überaus interessantes Angebot. Der Compass zeigt mit High-End-Akustik und zeitloser Optik, wo es lang geht.

Elegante Optik, ein attraktiver Preis und toller Sound sollen beim Clearaudio Compass anspruchsvolle Einsteiger glücklich machen.

Bekanntheit erlangte Clearaudio bereits 1978 mit seinem ersten Tonabnehmer. Forschung, Entwicklung und Fertigung haben seit dem ihren festen Sitz in Erlangen. Mit dem Compass möchte Clearaudio die Faszination eines High-End-Plattenspielers in einer erschwinglichen Preisklasse anbieten. Das Versprechen „Made in Germany“ wird dabei mit Ausnahme des Chassis konsequent umgesetzt. Dieses wird von einer Partnerfirma in Tschechien gefertigt. Die klangebenden Bauteile vom Lager und Subteller zu Tonarm und Tonabnehmerkommen hingegen direkt aus Erlangen. Mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von 1.299 Euro ist der Testkandidat sicher kein Plattenspieler von der Stange für Gelegenheitshörer. Mit seinen handgefertigten Bauteilen, zeitloser Optik und hervorragenden akustischen Eigenschaften will er eine ambitionierte Käuferschaft ansprechen. Wer als Einsteiger die Welt des Vinyls betreten möchte, ohne Kompromisse zu machen, findet hier einen verlässlichen und über jeden Zweifel erhabenen Dreher. Für die Einsteigerfreundlichkeit spricht der bereits komplett montierte und betriebsfertige Tonarm mit dem eigens entwickelten MM-Tonabnehmer N1.

Es müssen nur wenige Handgriffe getan werden, um mit dem Compass Musik zu hören. Tonarm und Tonabnehmer sind hier bereits vormontiert.

Optik und Materialien

Optisch strahlt der Compass trotz, oder gerade wegen seinem zeitlosen, minimalistischen Design, eine nicht zu leugnende Erhabenheit und Klarheit aus. Die Chassis ist aus Mitteldichter Holzfaserplatte gefertigt und wahlweise in Silber oder Anthrazit erhältlich. Die Ecken sind abgerundet, die Linienführung klar. An der Unterseite sorgt eine Stahlplatte für das richtige Gesamtgewicht und ein resonanzarmes Spielverhalten. Die Oberfläche wirkt aufgeräumt: Rechts thront der silberne Tonarm, den wir uns gleich noch ganz genau anschauen. Für den Antrieb sorgt ein Gleichstrommotor. An diesen wird ein maßgefertigter, flacher Kevlar-Riemen angelegt und versetzt so den Subteller aus Aluminium in Bewegung. Auf diesem liegt das optische Herzstück des Compass auf: Ein Zwanzig Millimeter starker und 1,3 Kilogramm schwerer Acryl-Teller. Dabei darf man ruhig noch einmal spezifisch erwähnen, wie todschick dieses CNC-gefräste Meisterstück ist. Dieses Gesamtwerk dürfte in jeder Wohnumgebung eine klare Bereicherung fürs Auge sein.

Der transparente Acrylteller ist ein echter Hingucker, besonders weil sich der Compass ansonsten auf seiner Oberseite sehr minimalistisch gibt.

Clearaudio Compass – alles inklusive

Um nicht nur dem Auge, sondern auch dem Ohr zu schmeicheln, braucht es einen Tonabnehmer. Vorhang auf für den T1. Dabei handelt es sich um eine modifizierte Variante des etablierten Satisfy-Tonarms. Sämtliche Komponenten sind aus Aluminium gefertigt, was für einen edlen Gesamteindruck sorgt. Besonders gut gefällt mir auch die kardanische Lagerung. Die unauffällige Kombination aus Saphir- und Kugellager lässt den Tonarm optisch schweben. Wie bereits erwähnt wird das System komplett montiert und eingestellt geliefert. Im Gegensatz zu vielen anderen Herstellern setzen die Erlanger Vinyl-Experten auf eigene Tonabnehmer. Der hier verwendete N1 ist ein Moving-Magnet-System mit elliptischem Nadelschliff. Der Systemkörper, die Headshell und sogar der Absenkhebel sind komplett aus Aluminium gefräst. Lediglich die Verkabelung setzt also einen kleinen Farbtupfer. Hier kommt die hauseigene Direct-Wire-PLUS-Technologie mit durchgehenden Kabeln vom Tonabnehmer bis hin zum konfektionierten MPC-Cinch-Stecker zum Einsatz. Alles Made in Erlangen.

Die kardanische Lagerung des Aluminiumtonarms trägt ihren Teil zum aufgeräumten Look bei. Der Tonarm scheint hier beinahe frei über dem Gerät zu schweben.

Aufstellung und Anschluss

Für festen Stand sorgen drei entkoppelte und bedämpfte, höhenverstellbare Füße. Durch den Verzicht auf einen Vierten ist jeder Fuß voll im Kontakt mit dem Untergrund und das Gewicht gleichmäßig verteilt. Eine waagerechte Ausrichtung wird so zum Kinderspiel. Eine Wasserwaage oder entsprechende App im Smartphone ist dabei obligatorisch. Noch einfacher ist die Montage der mitgelieferten Staubabdeckung. Diese ist ganz klassische aus klarem Acryl gefertigt, mit Ausnahme von zwei schwarzen Einsätzen, damit man genau weiß wie man den Deckel fingerabdruckfrei anheben und schließen kann. Für die Arretierung befinden sich an der Rückseite der Basisplatte zwei Metallstife. Aufstecken, leicht andrücken, fertig. Für den Audio-Anschluss hat Clearaudio sich einmal mehr für fest verlötete Cinch-Kabel entschieden. Durch den Verzicht auf einfache Buchsen wird so eine weitere potenzielle Schwachstelle im Signalweg ausgemerzt. Die Länge genügt auf jeden Fall wenn der Plattenspieler in unmittelbarer Nähe zum Receiver im Rack aufgestellt wird.

Clearaudio setzt auf eine durchgehende Verkabelung von der Nadel bis zum Stecker. Vergoldete Cinch-Anschlüsse sollen letztlich für eine optimale Übertraugung an den Phono-Vorverstärker sorgen.

Es dreht sich

Dem entkoppelten 12-Volt-Gleichsstrommotor attestiert Clearaudio eine hervorragende Laufruhe. Im Gegensatz zu den anderen Modellen ist die Oberseite des Chassis vollkommen frei von Steuerungselementen. Der Ein- und Ausschalter, welcher gleichzeitig auch die Geschwindigkeit setzt, wurde an der Unterseite angebracht. Optisch unauffällig, aber sehr einfach vorne links zu erreichen. Eine ausgesprochen elegante Lösung. Auf Mittelstellung ist der Antrieb aus. Nach links starten wir den Motor mit 33 1/3, nach rechts mit 45 Umdrehungen. Die Abweichung wird vom Hersteller mit einer für diese Klasse üblichen Abweichung von ± 0,05 % angegeben. Mit der Turntable-Speed-App schaue ich mir das ganze spaßeshalber auch mal selbst an. Bei 45 Umdrehungen bewegt sich die Abweichung stets im Raum unter diesem Wert und reicht nie über den Zielwert hinaus. Bei 33 ragt der Wert dann leicht in den Plus-Bereich. Alles im grünem Bereich, einem Artefakt-freien Hörvergnügen steht nichts mehr im Weg.

Die Einstellung der Drehgeschwindigkeit erfolgt direkt mit dem Ein-Aus-Schalter an der Unterseite.

Gegengewicht und Anti-Skate

Ein bisschen Arbeit müssen wir dann doch noch investieren, bevor wir endlich in den Genuss der ersten Klänge kommen. Zuerst will die Schelle, der das Anti-Skate Gewicht am Faden hält, auf den Tonarm geschoben werden. Dieses sorgt später für einen ausgewogenen Lauf der Nadel. Die Rille auf dem Vinyl zieht diese nach innen und dieses kleine, unscheinbare Gewicht hält dagegen. Immer wieder ein faszinierender Vorgang. Als nächstes muss das Gegengewicht des Tonabnehmers aufgedreht und eingestellt werden. Das ist aber denkbar einfach. Für die Einstellung des Auflagegewichts legt Clearaudio eine kleine Wippwaage bei. Diese wird auf dem Plattenteller platziert und unter der schwebenden Nadel in Position gebracht. Das gewünschte Auflagengewicht wird anvisiert und die Nadel abgesenkt. Ist das Gegengewicht korrekt justiert, ist die Waage ausgeglichen und somit alles perfekt eingestellt. Zuletzt mit dem Inbusschlüssel noch das Gewicht festschrauben – fertig.

Clearaudio legt passendes Werkzeug und eine kleine Tonarmwaage bei, auch wenn die meisten Einstellungen und Motagearbeiten bereits im Werk erfolgt sind.

Ausgeglichen

Endlich ist alles verbunden und eingestellt. Auf dem Plattenteller liegt eines meiner liebsten Deutschrock-Alben „Die Sonne ist ein Zwergstern“ von Jupiter Jones. Eine moderne Produktion mit dem Spirit der 2010er. Der Sound vereint knallige Indie-Drums, crunchige Gitarrenriffs und die unverkennbare, rauchige Stimme von Nicholas Müller. Alles wandert präzise aus der Rille auf den Lautsprecher. Definiert und klar. Keinesfalls kalt, sondern eben mit dieser Wärme und akustischen Diffusität, die Vinyl so besonders macht. Besonders gut kommt das bei den langsameren Tracks wie „Atmen“ zur Geltung. Das Piano-Riff ist deutlich zu hören, schmiegt sich sanft an die Drums. Nickis Gesang hält alles zusammen. Kein Element sticht zu deutlich hervor. Der harmonische, weiche Sound lädt dazu ein, sich vor die Lautsprecher zu setzen und einfach nur zu hören. Auch das Stereo-Bild überzeugt. Jedes Instrument hat seinen Platz auf der Klangbühne und auch die Tiefenstaffelung des Mixes wird schön reproduziert.

Der N1-Tonabnehmer ist bereits spielfertig vormontiert.

Kein Drama

Als nächstes dreht sich das Pop-Opus „Melodrama“ von Lorde auf dem Clearaudio Compass. Neben dem neuseeländischen Pop-Wunder war der hochgeschätzte Jack Antonoff hier mit federführend. Synths, Arops und Drumcomputer dominieren die musikalische Seite. Lordes Gesang ist mit reichlich Harmonien angefüttert. Akustisch gibt es hier nichts zu bemängeln, aber die starke Quantisierung der Musik würde jede Unsauberkeit in der Laufgeschwindigkeit des Compass gnadenlos offenbaren. Und auch hier kann ich dem Probanden Bestnoten attestieren. Von Flutter und Wow-Effekten keine Spur. Und auch vom Knacken oder Rauschen, dass vielerorts mit Vinyl in Verbindung gebracht wird, höre ich nichts. Bei hochwertigen Komponenten, korrekten Einstellungen und sauberer Nadel und Platte beschränken sich solcherlei auf das Absetzen der Nadel sowie die Führungsrillen am Anfang und Ende der Seite. Das Album ist zwischenzeitlich bei „The Louvre“ angekommen, das fast ohne Drums auskommt und die Abwesenheit von Störgeräuschen nochmal besonders deutlich macht. So geht Musikgenuss.

Ein Kevlar-Riemen verbindet Pulley und den Subteller aus Aluminium. Die polierte Stahlachse läuft dann auf einem reibungsarmen Teflonspiegel.

Klassiker

Früher haben Platten doch immer geknackt und geraschelt. Im Regal finde ich ein echtes Stück Achtziger-Jahre: „Forever Young“ von Alphaville. Nachdem ich die Platte von Staub befreit habe, lasse ich den Titeltrack laufen. Und ich bin hin und weg. Auch der Synth-Pop Klassiker erklingt nahezu frei von Artefakten und in all seinem Eighties-Glory aus meiner Anlage. Wo wir gerade bei wunderbaren Kleinigkeiten sind. Zwischendurch muss ich nochmal erwähnen wie genial dieser Plattenteller aus Acryl ist. Durch die abgerundete Form und matte Schleifung kann man optisch kaum ausmachen, ob der Teller sich dreht oder still steht. Diese Ruhe bei Bewegung hat was poetisches. Chapeau Clearaudio für dieses Detail. Aber zurück zu Alphaville. Ich höre „Big in Japan“ und bin überrascht wie positiv-ungewohnt alles auf der vierzig Jahre alten Platte klingt. Es lohnt sich, diesen Charme alter Aufnahmen wieder zu entdecken und der Compass ist das ideale Instrument dafür.

Mit tollem Sound und eleganter Anmutung ist der Compass etwas für Auge und Ohr.

Fazit

Clearaudio hat sich vorgenommen einen Plattenspieler zu etablieren, der High End atmet, aber erschwinglich bleibt. Ich würde sagen Mission erfüllt. Der Compass sieht nicht nur fantastisch aus und gibt in jeder Wohnumgebung eine gute Figur ab. Dieser Plattenteller, ach Schallplattenthron aus Acryl ist einfach ein Träumchen. Die ausgewählten, größtenteils in Erlangen gefertigten Komponenten geben im Zusammenspiel einen hervorragenden Vinyl-Player ab, der den Sound so von der Rille auf die Lautsprecher bringt, wie die Musikschaffenden es sich damals und heute gedacht haben. Der vormontierte Tonarm und die einfache Einrichtung setzen die Einstiegshürden so niedrig wie man es im High-End-Bereich nur selten sieht und das Preis-Leistungsverhältnis spricht ebenfalls für sich und fordert die Konkurrenz heraus. Der Clearaudio Compass zeigt wo es lang geht.

Test & Text: Dominik Schirach
Fotos: Simone Maier

Gesamtnote: 85/85
Klasse: Einstiegsklasse
Preis-/Leistung: hervorragend

85 of 85

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Technische Daten

Modell:Clearaudio Compass
Gerätekategorie:Plattenspieler
Preis:1.290 Euro
Garantie:2 Jahre
Ausführungen:- Silber
- Schwarz
Vertrieb:Clearaudio electronic, Erlangen
09131 40300119
www.clearaudio.de
Abmessungen (HxBxT):120 x 435 x 340 (inkl. Abdeckung)
Gewicht:8,4 kg
Antrieb:Riemenantrieb
Geschwindigkeiten:- 33 1/3 U/min
- 45 U/min
Tonarm:Aluminium
Tonabnehmer:N1 (MM)
Ausgänge:1 x Cinch Stereo
Lieferumfang:1 x Compass
1 x Abdeckhaube
1 x Montageset
1 x Netzteil
1 x Anleitung
Pro & Contra:+ fantastischer Sound
+ vormontierter und justierter Tonabnehmer
+ attraktiver Preis
+ hochwertiges, integriertes RCA-Kabel
+ zeitlose, minimalistische Optik

- keine
Benotung:
Klang (60%):85/85
Praxis (20%):85/85
Ausstattung (20%):84/85
Gesamtnote:85/85
Klasse:Einstiegsklasse
Preis/Leistung:hervorragend
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