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Redakteur

Besser geht es kaum? KEF fährt für seinen Zwei-Wege-Monitor LS50 bis heute höchstes Presse- und Publikumslob ein, doch statt sich auf den Lorbeeren auszuruhen, haben die Engländer ihren passiven Erfolgs-Schallwandler nun aktiviert und aktualisiert. Herausgekommen ist die KEF LS50 Wireless – ein-Kompaktlautsprecher mit eigenem Verstärker, DAC und Streaming-Modul. Ist diese Box damit fit für das Digitalzeitalter?

Charakteristische Front: Die geschwungenen Stirnseite bestimmt das markante Design der KEF LS 50 Wireless.

Es gibt Momente, da fragt man sich: Brauche ich das noch? Wer die KEF LS50 Wireless mit ihren Einsatzmöglichkeiten sieht, dem geht genau dieser Gedanke durch den Kopf – und zwar in Hinblick auf die herkömmliche heimische HiFi-Anlage. Im Wohnzimmer stapeln sich meist mehre Audio-Komponenten zu einem beachtlichen Turm, im Zentrum thront ein potenter und deshalb Platz beanspruchender Verstärker, flankiert wird das Ensemble von zwei mannshohen Schallwandlern – insgesamt also eine sicherlich sehr gute, aber raumgreifende Klangkette. Und dann sieht man ein Paar der kompakten LS50 Wireless im Betrieb: Jede Box gerade mal 30 mal 20 mal 30 groß, dazu zwei Strom- und ein Verbindungskabel – das war’s. Und das reicht, zumindest wenn man nicht mehr Stück sagt, sondern File: Musik wird in immer mehr Haushalten vom Rechner oder von einer NAS-Festplatte über WLAN zugespielt, und die Files der Festplatte und einiger Portale besitzen mittlerweile eine Qualität, die die CD deutlich übersteigt. Nun wollen diese exzellenten Hi-Res-Files auch angemessen gewandelt, verstärkt und wiedergegeben werden – und hier kommt die KEF LS50 Wireless ins Spiel. Sie ist die Fortsetzung der auch von uns getesteten KEF LS50 mit anderen Mitteln: Die vor sechs Jahren eingeführte passive LS50, die längst ihren Platz im Lautsprecher-Olymp inne hat, wurde aktiviert und modernisiert, aus einem reinen Schallwandler ist ein modernes Musiksystem geworden, das den heimischen HiFi-Turm alt aussehen lässt.

Display auf Decke: Die OLED-Anzeige ist auch optisch perfekt in das Boxengehäuse integriert. Es funktioniert als Touchdisplay – so stören keine erhabenen Tasten die ebene Fläche.

Bewährtes bleibt – inklusive Uni-Q

Die Metamorphose zur Wireless-Variante fällt auf den ersten Blick kaum auf, denn natürlich hat KEF alles, was den Erfolg der LS50 ausmacht, beibehalten. Das beginnt beim wunderschön gestalteten Gehäuse: Auch die Wireless brilliert mit dieser matten, markant geschwungenen Schallwand, die der Box nicht nur ein unverwechselbares Aussehen verleiht, sondern auch akustisch vorteilhaft die Schallabstrahlung unterstützt. Im Verbund mit dem hochglänzenden, gerundeten Korpus, der makellos lackiert ist, ergibt das ein formvollendetes, elegantes und stylisches Äußeres – also einen Lautsprecher, der besonders in ein modernes Ambiente passt. Das liegt natürlich auch an dem farbig-futuristschen Schallwandler, der im Zentrum der Front sitzt und die Blicke auf sich zieht. Es handelt sich um den sogenannten Uni-Q-Treiber, das berühmte Markenzeichen von KEF: Ein Doppelwandler, bei dem der Hochtöner mitten im Mitteltöner sitzt. Durch diesen koaxialen Aufbau funktioniert der Uni-Q wie eine Einpunkt-Schallquelle, die das Ideal einer Wiedergabe ist: Der Schall soll von einem einzigen Punkt kommen und sich als Kugelwelle im Raum ausbreiten, so dass der Hörbereich gleichmäßig von einem natürlichen Klangfeld beschallt wird. KEF hat hier über 20 Jahre Entwicklungsarbeit investiert und ist auf dem Weg zur Perfektion weit gekommen. Die neueste Generation des Uni-Q besitzt einen aufgesetzte „Tangerine Waveguide“, diese Schallführung soll für eine breite, also weniger gebündelte Abstrahlung der hohen Töne sorgen. In der KEF LS50 Wireless wird dieses akustische Prunkstück auch optisch toll in Szene gesetzt: Der Uni-Q strahlt in Blau, wenn man sich für ein schwarzes Gehäuse entscheidet, er glimmt in Rot bei der Titanium-Ausführung, er glänzt in Kupfer bei der weißen Variante – so oder so oder so: Dieser Schallwandler sieht schlicht fantastisch aus. Soweit ist also alles beim alten geblieben – aber was ist bei der KEF LS50 Wireless nun neu?

Das Uni-Q-Chassis ist das Marken- und Erkennungszeichen von KEF, es adelt auch die LS50 Wireless.

DSP, DAC, AMP – die Dreifaltigkeit der Moderne

Die Verwandlung der passiven Box zum aktiven Musiksystem lässt sich in neun Buchstaben zusammenfassen: DSP, DAC, AMP. Kommen wir zuerst zum offensichtlichsten dieser drei Kürzel, dem AMP: In der Wireless arbeitet bei jeder der beiden Boxen eine Verstärkereinheit, die den Hochtöner mit 30 Watt und den Mitteltieftöner mit 200 Watt antreibt. Der große Vorteil einer solchen integrierten Lösung: Lautsprecher und Verstärker können vom Entwickler perfekt aufeinander abgestimmt werden, die ewige Suche nach den richtigen Spielpartnern hat damit ein Ende. Das Verstärkermodul der LS50 Wireless sitzt auf der Innenseite der Rückwand, auf der Außenseite sehen wir das Kühlblech. Auch diese Wärmabführung ist keine schnöde Standardware, sondern eine schöne Eigenentwicklung, mit dieser geschwungenen und verkleideten Rippenkonstruktion macht die Box auch an Standorten wie dem Schreibtisch, wo man schon mal die Rückseite sieht, eine gute Figur. Nun zum nächsten Kürzel: DAC – das ist der Digital-Analog-Konverter. Er sorgt dafür, dass aus den Nullen und Einsen der Digitalinformationen wieder ein erstklassiges Analogsignal wird. „Er“ ist eigentlich falsch, denn hier arbeitet pro Kanal jeweils ein eigener DAC. Diese Wandlungsarbeit geschieht erst kurz vor Schluss, die Elektronik der KEF LS50 Wireless arbeitet so lange wie möglich mit einem digitalen Signalpfad. Ihn durchlaufen ausschließlich PCM-Signale, das alternative Format DSD bleibt außen vor. PCM geht dafür bis zu einer Qualität von 192 Kilohertz/24 Bit, das bürgt für die amtliche Verarbeitung von hochauflösenden Musikdateien, den sogenannten HiRes-Files. Hohe Samplingraten und Bit-Tiefen sind mittlerweile das Maß der Dinge: Der moderne Ton – sei es Musik oder Film – findet mit hochauflösenden Digital-Formaten statt, die eine immer eindrucksvollere und klangvollere Beschallung bieten. Möglich macht das in digitalen Systemen ein Soundprozessor – und damit sind wir beim dritten Kürzel: DSP. Der Digital Sound Processor ersetzt in der KEF LS50 Wireless einerseits die klassische Frequenzweiche, die bestimmt, welcher Anteil des Signals an welches Chassis geleitet wird. Andererseits bewirkt der DSP aber auch eine Zeitkorrektur, damit die etwas flotteren Signalanteile des Hochtöners und die leicht langsameren Signalanteile des Mitteltieftöners beim Hörer gleichzeitig ankommen. Die Zeitrichtigkeit sorgt für eine größere Stimmigkeit der Wiedergabe. Der DSP kann aber noch mehr: Neben der selbstständig absolvierten Zeitkorrektur gibt er dem Besitzer der KEF LS50 Wireless die Möglichkeit zur Raumkorrektur.

Raumkorrektur via Tablet: Mit der App lässt sich die KEF LS50 Wireless einfach und bequem an die heimischen Gegebenheiten anpassen.

Raumkorrektur für flexible Aufstellung

KEF nennt dieses Feature „Speaker EQ“, mithilfe der Raumkorrektur lassen sich wohnungs- und aufstellungsbedingte Schwächen und Überbetonungen des Klangs ausgleichen. Bestes Beispiel ist die wandnahe Aufstellung, durch die Lautsprecher einen stärkeren Bass bekommen, was aber nicht immer gewünscht ist. Ein zweites Bespiel ist das Box-auf-Desktop-Syndrom: Hier strahlt die Box ihren Schall auch auf die direkt unter ihr befindliche Tischplatte ab, das führt zu ungewünscht starken Schallreflexionen dieser Fläche. Das alles kann man mit dem Soundprozessor über die „Speaker EQ“ kompensieren, dadurch ist man bei der Aufstellung der KEF LS50 Wireless sehr flexibel. Für die Anpassung stehen auf der Rückseite der Box vier Taster zur Verfügung: „DESK“ oder „STAND“ (Box steht auf dem Schreibtisch oder Sideboard) sowie „WALL“ oder „FREE SPACE“ (Box steht wandnah oder weiter im Raum). Noch komfortabler geht die Anpassung über eine App, die KEF für die Steuerung der LS50 Wireless bereitstellt. Wer diese Applikation auf seinem iPhone, Smartphone oder Tablet installiert, erledigt die Abstimmung bequem von der Couch aus. Das Sofa kommt auch abseits der App-Steuerung als Kommando-Zentrale in Betracht, denn KEF liefert zur Bedienung der LS50 Wireless eine schicke, handliche und leichte Fernbedienung, mit der die wichtigen Befehle gegeben werden können: an/aus, laut und leise, Stummschaltung und Quellenwahl. Die Funktionen lassen sich auch über das berührungsempfindliche OLED-Bedienfeld der rechten Box abrufen. Keine Knöpfe mehr! Das Touch-Display ist optisch bruchlos in die Oberfläche der Oberseite integriert, das ist sehr geschmackvoll gelöst und trägt zu dem hochwertigen Eindruck der KEF LS50 Wireless bei. Die Auswahl der Quelle funktioniert über einen einzigen Touch-Bereich, der für jeden Zuspieler-Wechsel aufs Neue angetippt wird. Welche Quelle aktuell läuft, zeigt das Display in Schrift und Zeichen an. Aber welche Zuspiel-Möglichkeiten gibt es denn nun?

Das Anschlussterminal: Die Masterbox beherbergt auf ihrer Rückseite alle Schnittstellen – und die „Speaker EQ“ genannte Raumanpassung.

Es geht fast alles: Die Eingänge und Schnittstellen

Fangen wir mit den Verbindungswegen an, die unsichtbar sind: Bluetooth und WLAN. Bluetooth ist in der Version 4.0 verfügbar, KEF setzt mit dem hier wirkenden aptX-Codec auf jenen Algorithmus, der Bluetooth auch im Kreis der anspruchsvolleren Hörer salonfähig gemacht hat. Im Gegensatz zu den anderen verlustbehafteten Verfahren transportiert aptX die Musik mit geringeren Qualitätseinbußen vom Sender zum Empfänger – vorausgesetzt, dass auch der Sender mit aptX ausgestattet ist. Besser: die Sender, also Plural, denn man kann die KEF LS50 Wireless mit bis zu acht Bluetooth-Quellen verbinden. Wer ohne Abstriche beim Klang kabelfrei streamen möchte, wählt hingegen den WLAN-Weg. Hier zeigt sich die KEF LS50 Wireless Dualband-fähig, sie arbeitet sowohl im 2,4 GHz-Frequenzband als auch im leistungsstärkeren 5 GHz-Band. Dieses Band ist für Media-Streaming und Übertragung von Musik im Heimnetzwerk überlegen, da es aufgrund seiner besseren Leistung unterbrechungsfrei arbeitet und hier deutlich weniger Interferenz-Probleme auftreten – also Funkstörungen durch schnurlose Telefone, Mikrowellen, Bluetooth-Geräte und Computer, die das 2,4-GHz-Band verwenden. Wer die KEF LS50 Wireless lieber an die Datenleine legt – kein Problem: Über die Fast-Ethernet-Schnittstelle und mit einem Netzwerk-Kabel bindet man die Aktivbox in das heimische LAN ein. Man kann die KEF LS50 Wireless aber auch auf ganz kurzem Weg per USB mit dem Computer koppeln, etwa, wenn man die Boxen als Desktop-Monitore auf den Schreibtisch stellt. Wer als Standort das Sideboard wählt, weil er auch seinem Flatscreen-TV zum guten Ton verhelfen möchte, wird sich über den TOSLInk-Eingang freuen, hier finden aber ebenso CD-Player oder andere Zuspieler mit optischem Digitalausgang Anschluss. Über einen elektrischen Digitaleingang verfügt die LS50 Wireless hingegen nicht. Dafür bietet sie einen analogen Line-Input, so kann auch eine nichtdigitale Quelle angeschlossen werden. Analog ist auch der einzige Ausgang der KEF LS50 Wireless: Den Subwoofer-Out werden alle Filmliebhaber begrüßen, die bei Materialschlacht-Streifen das ganz große Getöse wollen. All diese Anschlüsse finden sich auf der rechten Box des LS50 Wireless-Paars, sie ist der sogenannte Master, der den Ton angibt. Die linke Box hingegen ist der Slave, der die Befehle ausführt. Dementsprechend ist seine Rückseite sehr übersichtlich ausgestattet, neben der RJ45-Buchse, über die der Slave mit dem Master gekoppelt wird, gibt es einen Stromnetzanschluss und einen Drehregler, mit dem man die Balance zwischen linker und rechter Box verändern kann.

Aufwändige Augenweide: Das Kühlblech bürgt nicht nur für die Wohltemperierung des Verstärkermoduls, sondern rundet durch seine gelungene Gestaltung die Optik der KEF LS50 Wireless ab.

Anschließen und Einrichten

Der Installation der Aktiv-Box ist einfach, lässt einen aber über den Namenszusatz „Wireless “ schmunzeln: Gleich die erste Maßnahme ist das Verbinden der Boxen über ein mitgeliefertes Netzwerkkabel. Mit drei Metern Länge ist es für den Betrieb auf einem Sideboard passend, wer die Boxen aber auf Ständer stellt und die Kabel unauffällig dahinter gen Boden hin führen möchte, braucht ein längeres Kabel. Als Zweites wird jede Box über ein Netzkabel mit der Steckdose verbunden. Das war es dann aber auch mit den Strippen – wenn man die KEF LS50 Wireless über Bluetooth oder WLAN mit Spielmaterial versorgt. Ansonsten kommt, je nach Quellenauswahl, eine USB-, TOSLInk- oder WLAN-Verbindung hinzu. Aber auch diese Kabel kann man unauffällig verlegen – und so zeigt sich nach dem Aufbau schnell, wie sehr eine solch kompakte, aufgeräumte Lösung das Wohnzimmer optisch entspannt und es von dem herkömmlichen HiFi-Komponentenballast befreit. Mit dem Einschalten geht der Spaß weiter – klingt ein wenig merkwürdig, ist aber bei der LS50 Wireless so. Wer sie per Fernbedienung oder über das Touch-Display aus dem Standby-Schlummer holt, wird mit vier kurzen, sanften Gitarrentönen begrüßt, das Motiv erinnert ein wenig an „Here Comes The Sun“ von den Beatles. Dieses akustische „Ich bin soweit“ ist so dezent, dass es auch auf Dauer nicht nerven wird. Guter Einstieg! Zugleich blenden sich auf dem berührungsempfindlichen OLED-Bedienfeld jene „Taster“ und Informationen ein, die den Status der letzten Hörsession wiedergeben, es erscheinen also die Lautstärke-Steuerung per Plus- und Minus-Zeichen, die aktuell aktive Quelle sowie das Quellenauswahl-Bedienfeld. Wir haben die Box erst nah an der Wand platziert, so dass der Bassbereich betont wird. Das kann bei kleinen, tieftonarmen Lautsprechern hilfreich und erwünscht sein, bei der KEF LS50 Wireless sieht es aber etwas anders aus: Sie besitzt ein so gesundes Bassvermögen, dass die wandnahe Aufstellung zu einer leichten Überbetonung des unteren Frequenzbereichs führt. Durch einen Druck auf die Taste „Wall“ in der rückseiten Speaker-EQ-Abteilung ist dieses Ungleichgewicht im Nu egalisiert. Bei wandfernerer Aufstellung der Boxen wird man sich schnell für die „Free Space“-Einstellung entscheiden, so erhält der Klang sein schönes Volumen zurück. Bei der Raumkorrektur sind wir mittlerweile zur Steuerung per App übergegangen, um uns den Weg zur KEF LS50 Wireless zu sparen, auch Tester haben einen Sinn für Bequemlichkeit. Zu diesem Komfort trägt bei, dass über die App auch die Musikverwaltung der eigenen Files möglich ist. Dann wählen wir doch mal was aus.

So klingt die KEF LS50 Wireless

Wir fangen mit einer Zuspielung an, die dem Produktnamen „Wireless“ zur Ehre gereicht: Musik im Modus „Bluetooth“. Hier liefert die Box ein sehr schönes Klangbild. Mark Knopflers exzellent produzierter Song „Redbud Tree“, auf dem Tablet als hochauflösendes 96kHz/24-Flac-File abgelegt, klingt auch über die Blauzahn-Verbindung richtig gut – und das bei einer äußerst stabilen Verbindung, die auch über zwei Räume hinweg mit geschlossenen Zwischentüren funktioniert. Das sind mehr als die von KEF zugesagten zehn Meter, also: Keine Klage über die die bei Bluetooth oft bemerkte geringe Reichweite. Prima! Wer richtig hochwertig hören möchte und das Potenzial der KEF LS50 Wireless nutzen will, spielt die Musik aber über TOSLink, WLAN oder USB zu. „Redbud Tree“ klingt nun, als sei Knopfler jetzt erst richtig wach geworden, der Klang ist deutlich frischer und feiner. Das Uni-Q-Chassis kann nun seine wahres Können zeigen: Die räumliche Abbildung ist phänomenal, jetzt hört man auch jene klitzekleinen, aber wichtigen Details, die dafür sorgen, dass Musik Emotionen auslöst. Bei diesem Song sind es das Saitenrutschen und die Zupfgeräusche beim wehmütigen Sahne-Solo der Gitarre. Man kann jeden der Finger hören, mit denen Knopfler seine Gitarre zum Singen bringt. In dieser Wiedergabequalität ist das ein wunderschöner Moment zu Schwärmen. Sehr beeindruckend ist auch Fülle des Klangbilds, das die LS50 Wireless liefert. Klar spielen große Standboxen weiter runter, trotzdem hat man bei der Wiedergabe der kompakten Box einfach nicht das Gefühl, etwas zu vermissen. Wer die Augen schließt, wird niemals ein so kleines Schallwandler-Paar als Verursacher des Wohlklangs vermuten. Hier setzt die Wireless also aktiv fort, was die passive Schwester LS50 leistet und ihr geradezu Lobeshymnen beschert hat. Allein beim Filmton mag man sich ein Mehr an Tieftonwünschen, etwa bei den cineastischen Zerstörungsorgien eines Roland Emmerichs.

So oder so: Die KEF LS50 Wireless lässt sich über das OLED-Touchdisplay bedienen – oder mit der formschönen Fernbedienung.

Bei audiophilen Musikproduktionen hingegen nistet sich schnell die „Braucht man eigentlich mehr?“-Frage im Kopf ein. Das überlegt man erst recht nach dem jetzt folgenden Klang-Vergleich: Wir hören „The Hamburg Session”, das mittlerweile dritte Live-Album der göttlichen Deep Funk-Band The New Mastersounds, die originale Analog-Produktion haben wir in zwei verschiedenen Digitalfassungen gehört: In CD-Qualität, also 16 Bit/44,1 Kilohertz, und hochauflösend in 24 Bit/192 Kilohertz. Die CD-Güte ist schon toll: Die Produktio bringt uns bei dem Track „Dusty Groove“ ganz nah an die Musiker des britische Quartetts heran, wir haben definitiv die besten Plätze im Hamburger Kampnagel, der Sound ist herrlich differenziert und durchsichtig. Nun der Wechsel zum HiRes-File. Wir staunen, was noch alles aus dieser Aufnahme herauszuholen ist – und die KEF LS50 Wireless ist auch in der Lage, die Unterschiede darzustellen. Die Orgel, die zuvor doch reichlich Raum beansprucht hat, ist nun etwas schlanker, ohne dünner zu wirken, davon profitiert die funkige E-Gitarre, die gerade mit bei den weichen Wah-Wah-Klängen ein wenig zurückgenommen schien – nun ist alles atemberaubend präsent, Das Klangbild hat an Klarheit zugelegt, auch an Details, die Abbildung ist nochmals ein Stück an die Realität herangekommen. Dabei ist die Wiedergabe der KEF LS50 Wireless ungemein entspannt, obwohl The New Mastersounds wie Hölle grooven. Das alles hinterlässt bei der zuhörenden Runde im Redaktionsraum Spuren: Als der Track vorbei ist, verwandelt sich auch bei den Mithörenden die Gebanntheit in ein Grinsen. Keine Frage, welches File die bessere Qualität hat – und manch einer findet gerade die Antwort auf die Alte-Anlage-Frage: Brauche ich das noch?

Die KEF LS50 Wireless macht große HiFi-Anlagen überflüssig und wertet mit ihrem ästhetischen Design den Wohnraum. Hier glänzt sie in der alternativen Kombination Hochglanz-Weiß/Kupfer.

Fazit

Die KEF LS50 Wireless löst alle Erwartungen ein, die man mit dem Namen LS50 verbindet: Die aktive, also mit Verstärkern ausgerüstete Box besitzt das herausragende Klangvermögen und das tolle Design ihrer phänomenalen passiven Schwester, der LS50, und transportiert deren Qualitäten in die mediale Moderne: Mit einem bordeigenen DAC, integriertem DSP zur Raumanpassung und den digitalen Schnittstellen – WLAN, Bluetooth, LAN, Toslink – ist sie weit mehr als ein aktiver Schallwandler: Die LS50 Wireless erweist sich als Musiksystem für die digitale Ära, als eine bis auf den Zuspieler komplette, komfortable Kompaktanlage, die den Klang vieler platzraubender HiFi-Türme in den Schatten stellt.

Test & Text: Volker Frech
Fotos: www.lite-magazin.de, Herstellerbilder

Gesamtnote: 1,0
Klasse: Referenzklasse
Preis-/Leistung: sehr gut

97 %

95 %

94 %

170322.KEF-Testsiegel

Technische Daten

Modell:KEF LS50 Wireless
Produktkategorie:Regallautsprecher, aktiv
Preis:2.300,00 Euro / Paar
Garantie:2 Jahre
Ausführungen:- Titangrau/Rot,
- Hochglanz-Schwarz/Blau
- Hochglanz-Weiß/Kupfer
Vertrieb:GP Acoustics, Essen
Tel.: 0201 / 170390
www.kef-audio.de
Abmessungen (HBT):300 x 200 x 308 mm
Gewicht:10,0 kg bzw. 10,2 kg (Stück)
Prinzip:aktiv, 2-Wege, Bassreflex
Hochtöner:1 x 25 mm (belüftete Aluminium-Kalotte)
Tiefmitteltöner:1 x 130 mm (Magnesium-/Aluminium-Membran)
Frequenzgang:45 Hz - 45 kHz (stärkere Basserweiterung)
50 Hz - 45 kHz (Standard)
61 Hz - 45 kHz (schwächere Basserweiterung)
(+/- 3 dB, gemessen bei 85 dB/1 m; Herstellerangabe)
Leistung:1 x 30 Watt (Hochton)
1 x 200 Watt (Mitteltiefton)
(Nennleistung der
integrierten Verstärker; Herstellerangabe)
Eingänge analog:1 x Line (Cinch)
Eingänge digital:1 x WLAN (2,4 GHz/5 GHz Dual-Band)
1 x Bluetooth (4.0 mit aptX-Codec)
1 x RJ45-Ethernet mit 10/100 Mb
1 x optisch (TOSLink)
1 x USB (Typ B)
Ausgänge analog:1 x Subwoofer
Maximale Samplingrate:- USB: 24 bit/192 kHz
- S/PDIF optisch: 24 bit/96 kHz
Lieferumfang:- 1 Paar KEF LS50 Wireless (Master+Slave)
- Fernbedienung mit Batterie (1 x CR 2032)
- 2 Netzkabel, 2,00 m
- Cat 6-Netzwerkkabel zum Verbinden der Boxen, 3,00 m
- USB-Kabel (Typ A/Typ B), 2,00 m
- LAN-Kabel, 1,00 m
- Kurzanleitung, Sicherheits- und Garantieinformationen
Besonderes:- herausragender Klang
- integrierter DAC
- integrierter Verstärker
- DSP-Schaltung zur Klanganpassung
- OLED-Touch-Display
- Fernbedienung
- exzellente Verarbeitung
Benotung:
Klang (60%):1+
Praxis (20%):1,0
Ausstattung (20%):1,0
Gesamtnote:1,0
Klasse:Referenzklasse
Preis-/Leistungausgezeichnet

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