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Redakteur

Auna hat einen nostalgischen Plattenspieler mit Riemenantrieb designt, der in einem schicken Koffer im Retro-Style offeriert wird und zwei Stereolautsprecher und einen USB-Port bereithält. So lassen sich all Ihre Schallplatten abspielen und digitalisieren. Wie das funktioniert und für wen dieser obendrein erstaunlich preisgünstige Plattenspieler besonders geeignet ist, haben wir herausgefunden.

Ausgefallene Kofferbauweise im Nostalgie-Look: Der Auna Peggy Sue ist im schicken Jeans-Denim-Bezug erhältlich und spielt Singles und LPs zuverlässig ab.
Foto: Michael B. Rehders

Wer sich auf der IFA 2017 umgesehen hat, dem sind sicherlich die zahlreichen Plattenspieler aufgefallen, die von verschiedenen Herstellern vorgestellt wurden. Vinyl ist wieder in – nicht nur unter eingefleischten Highendern. Grund genug also, mal in den Keller oder auf den Dachboden zu gehen, um die alten Schallplatten wieder herauszukramen. Und wer seinem Nachwuchs mal die Helden seiner Kindheit vorspielen möchte, beispielsweise „Der kleine Muck“, „Der gestiefelte Kater“ oder „Jim Knopf und Lucas der Lokomotivführer“, der kann nun seine alten „Europa“-Hörspiele stolz wieder hervor holen. Auch die lange nicht gehörten ABBA- und Elvis-LPs werden sicherlich für schöne Erinnerungen sorgen, wenn diese auf dem Auna Peggy Sue abgespielt werden. Schwelgen Sie einfach mal wieder in vergangenen Zeiten, ich habe es getan.

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Unter dem Deckel des Holzkoffers kommt der Plattenspieler zum Vorschein. Auna hat bei der Ausstattung an die wichtigsten Features gedacht – selbst ein Nadelschutz befindet sich am Tonarm, um das Nadelsystem beim Transport zu schützen. Darüber hinaus kann der Arm arretiert werden. So schlingert er beim Tragen nicht unkontrolliert herum, sondern bleibt fest und sicher an Ort und Stelle.
Foto: Michael B. Rehders

1950er-Jahre Retro-Design mit moderner Technik

Für diesen Test werde ich meine Redaktionsräume mal wieder verlassen. Der Weg führt mich direkt ins Hamburger Schanzenviertel, genauer zum Kult-Plattenladen „Selektra“, wo ich den Auna Peggy Sue auf Herz und Nieren testen werde. Der Grund: Hier stehen mir zahllose Vinyls zur Verfügung. Also, los geht’s: Dank Trageschlaufe am Koffer kann ich den Plattenspieler locker über die Schulter hängen, so wird der Transport zum angenehmen Spaziergang. Ideal sind Handgriff und Trageriemen auch, um den Peggy Sue mit an den Strand oder in den Stadtpark zu nehmen, während sich dieser sicher geschützt im Holzkoffer befindet. Genau wie die eigenen Schallplatten stets geschützt sein sollten, sollte es auch der Plattenspieler sein. Der Transportkoffer ist mit klassischen Blue-Jeans-Stoff bezogen und im 50er-Jahre-Look gestaltet. Zwei kleine Stereo-Lautsprecher sind ebenfalls in das Gehäuse eingelassen. Somit muss der Schallplattenspieler nicht zwingend an eine Stereoanlage angeschlossen werden, sondern kann im Kinderzimmer oder unterwegs sofort genutzt werden, um die Anwesenden mit Hörspielen und Musik zu beschallen. Der USB-Anschluss auf der Rückseite versorgt den Peggy Sue mit Strom. Entweder geschieht dies über die 220 Volt Steckdose oder ein anderes USB-Gerät (zum Beispiel ein Notebook oder eine Powerbank) übernimmt diese Aufgabe. Sollte der ungewöhnliche Auna-Dreher via USB mit einem Notebook verbunden werden, lassen sich die aufgelegten Platten über dasselbe Kabel auch gleich digitalisieren. Eine praktische Lösung, wie ich finde. Vor allem, weil das für die Digitalisierung notwendige Programm zum Lieferumfang gehört. Es kann also in dieser Beziehung direkt losgehen. Übrigens: das Überspielen ist ein Kinderspiel (siehe unten den Praxistest).
Wer hingegen die bestmögliche Klangqualität in der Wiedergabe ausschöpfen möchte, findet auf der Rückseite entsprechende Stereo-Cinch-Ausgänge. Über sie lässt sich der Peggy Sue direkt mit der heimischen Stereoanlage verbinden. Ein Kopfhörerausgang in 3,5-Millimeter-Ausführung ist ebenfalls vorhanden. Er erlaubt den analogen Musikgenuss auch dann, wenn der Nachwuchs bereits schläft.
Das Beste aber ist: Während andere Hersteller das Tonabnehmersystem oftmals optional mit einem (saftigen!) Aufpreis anbieten, gehört es beim diesem Gerät zum Lieferumfang dazu – und das Tonabnehmersystem ist darüber hinaus im Peggy Sue bereits vormontiert. Das hat bei Auna vermutlich Methode und war bei unserem Test des Auna TT-10 BT auch der Fall. Die Musikwiedergabe kann also sofort beginnen, ohne dass auch nur ein Cent an Extrakosten entsteht.

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Große LPs passen perfekt auf den Plattenteller. Der Tonarm sollte allerdings behutsam bewegt werden, da dieser aus relativ leichtem Kunststoff besteht.
Foto: Michael B. Rehders

Für Singles und Langspielplatten

Ich wollte es fast nicht glauben, aber auch die großen LPs (Langspielplatten) können auf dem Plattenteller des Peggy Sue problemlos abgespielt werden. Platz ist nämlich ausreichend vorhanden. Ebenso nimmt der Teller noch Singles, moderne 10-Inch-Vinyls und sogar alte Schellackplatten auf. Die Geschwindigkeit kann individuell geregelt werden, da die verschiedenen Formate in unterschiedlichen Geschwindigkeiten abgespielt werden müssen: 33 Umdrehungen/Minute (LP), 45 U/min. (Single und 10-Inch) sowie 78 U/min. (Schellack) können wahlweise eingestellt werden.
Da Singles eine größere Öffnung in der Mitte haben als die LP, liegt dem Peggy Sue ein passender Puck (Adapter) bei. Damit dieser nicht verloren geht, hat Auna eine passgenaue Vertiefung neben dem Plattenteller platziert, in der der Puck aufbewahrt werden kann. Sehr durchdacht!

Der Peggy Sue befindet sich gut geschützt im Transportkoffer, der von einem modischem Blue-Jeans-Stoff bezogen ist. Stabile Metallscharniere und ein Klippverschluss sorgen für einen sicheren Transport. Links und rechts neben dem Klappgriff befinden sich die eingelassenen Stereolautsprecher (oben links). Auf der Rückseite des Koffers (oben rechts) sind alle benötigten Anschlüsse angebracht. Via USB-Port kann ein PC oder Notebook verbunden werden. Über diesen Weg oder beispielsweise per Powerbank kann der Peggy Sue mit Strom versorgt werden. Alternativ kann der Plattenspieler mit dem beigelegten USB-Netz-Adapter auch direkt über eine Steckdose angeschlossen werden. Eine Stereoanlage findet Anschluss über zwei Cinch-Buchsen. Gut zu sehen ist der praktische Trageriemen (unten). Ansprechend finde ich zudem die beige Innenseite des Deckels mit dem „Nostalgy“-Schriftzug.
Foto: Michael B. Rehders

Digitalisierung der alten Schätze, ein Kinderspiel

Bevor die Schallplatten auf einem Notebook digitalisiert werden können, muss schnell noch die entsprechende Software aufgespielt werden. Dafür wird die beiliegende CD ins Laufwerk gelegt. Ist sie eingelesen, genügt ein Klick auf den Reiter „Setup“. Nur wenige Sekunden später erscheint ein Icon mit dem Namen „Audacity“ auf dem Desktop. Ein kurzer Doppelklick reicht und das Programm öffnet sich bereits. Damit ist der schwierigste Teil der Arbeit bereits erledigt.

Mit dem zum Lieferumfang gehörigen USB-Kabel (Bild oben) werden Auna Peggy Sue und Notebook verbunden (Bild unten). Nun kann die Digitalisierung starten. Dazu gilt es einfach eine Schallplatte abspielen und mit der Maus am Notebook die Aufnahmetaste klicken. Sobald das Musikstück oder die Platte zu Ende gespielt sind, wird auf „Pause“ oder „Stopp“ gedrückt. Fertig. Das kennen viele von uns sicher noch von der Erstellung der guten alten Mix-Tapes. Wie bereits eingangs erwähnt: auch dieser Schritt ist ein Kinderspiel.
Fotos: Michael B. Rehders

Wer noch eine umfangreiche Plattensammlung besitzt, der kann seine Schätze auf dem preiswerten Aura Peggy Sue nicht nur abspielen, sondern überdies mit ganz wenig Aufwand auch digitalisieren.

Großartiges Klangerlebnis für wenig Geld

Neben seinen technischen Raffinessen und dem ansprechenden Retro-Design überzeugt dieser Plattenspieler durch einen sehr ordentlichen Klang. Bereits die kleinen eingelassenen Stereolautsprecher beschallen das Wohnzimmer ausreichend laut. Die Höhen- und Mittenwiedergabe ist ohne Fehl und Tadel. Als Elvis „Love Me Tender“ ins Mikro haucht, ist seine Stimme vorzüglich zu verstehen, die Gitarre tönt natürlich. Mir gefällt der Klang deutlich besser als von so manchem Kofferradio. Um die Gleichlauffähigkeit des Plattenspielers zu prüfen, schließe ich den Auna an das Soundsystem im „Selektra“ an. Als der erste brandneue Reggae-Sampler startet, kommt sofort ein kräftiger Bass zum Vorschein. Auch wenn es sich bei meinem Testgast nicht um einen Vinyldreher handelt, der es mit High-End-Produkten im Preisbereich ab 1000 Euro aufnehmen könnte, läuft hier alles rund und schön. Der Antriebsriemen dreht den Plattenteller wunderbar gleichmäßig. Klanglich stimmt es auch: Die Stereobühne ist angenehm weit. Das ganz leichte „Knistern“ unter Bob Marleys Stimme zeugt von der typischen Klangeigenschaft der allermeisten Schallplatten. Der Tonarm lässt sich angenehm einfach anheben, schwenken und sicher auf der Platte absetzen. Wer nicht so geübt mit dem Umgang von Schallplatten ist, benutzt besser den Lifthebel. Damit lässt sich der Tonarm anheben und an der gewünschten Stelle wieder absenken. Auna hat tatsächlich an alles gedacht.

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Die LP dreht sich sehr gleichmäßig, während die Nadel die Rillen sicher abtastet.
Foto: Michael B. Rehders

Als nächstes lege ich eine Single auf. Die Geschwindigkeit ändere ich von 33 U/min. auf 45 U/min. Die Platte ist brandneu, es ist kein „Krauschen“, „Knacken“ oder „Knistern“ zu hören. Stattdessen tönt karibische Musik glasklar aus den Lautsprechern. Auch das klingt erstaunlich gut – erst Recht, wenn ich bedenke, dass dieses Gerät für unter 70 Euro zu haben ist. Anschließend drehe ich die Lautstärke mal etwas höher. Die Drums hämmern auch jetzt noch vollkommen verzerrungsfrei und der Kickbass drückt ordentlich auf die Brust. Die warme Stimme des Künstlers wird unverrückbar in den Raum gestellt, alles in allem wird eine sehr angenehme Atmosphäre erzeugt. Insgesamt gefällt mir diese Abstimmung sehr gut bei hoher Lautstärke, da die Ohren von Zischlauten bohrenden Hochtonattacken verschont bleiben. Der Klang ist angenehm weich und stressfrei. Für einen Player dieser Preisliga ist das ein Novum.

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Vor dem Abspielen einer Single, muss der Puck aus der Einlassung genommen werden.
Foto: Michael B. Rehders

Mit Hilfe des kleinen Pucks können auch Singles abgespielt werden, ohne dass diese auf dem Plattenteller verrutschen.
Foto: Michael B. Rehders

Als Letztes entdecke ich noch ein altes Hörspiel: „Der kleine Muck“. Diese Platte findet sich in einem Karton, den ich vor Jahren auf dem Dachboden verstaut habe. Ich nehme die LP heraus und spiele sie auf dem Peggy Sue ab. Die schwarze Scheibe dreht sich einwandfrei, ebenso das EUROPA-Logo auf dem Label. Die Nadel setzt vorsichtig auf und es erklingt die vertraute Titelmusik. Die Erzählung von Hans Paetsch ist einzigartig. Seine rauhe und kehlige Stimme ist über die eingebauten Stereoboxen klar und deutlich wahrnehmbar. Schlagzeug und Flöten sind gut zu differenzieren. So genieße ich die Geschichte vom kleinen Muck, der in einer Hafenstadt in Arabien lebt. Mehr noch fasziniert mich der Umstand, dass mir plötzlich Bilder in den Kopf schießen. Ich erinnere mich daran, wie ich damals an einem Sommerabend in meinen Kinderbett liege und diese Geschichte zum ersten Mal höre. Ich meine mich sogar noch an den Geruch des warmen Sommerwinds zu erinnern, der durch das geöffnete Fenster weht und mir über das Gesicht streicht. Frisch duftendes Laub nahm ich damals wahr. Ich bin beeindruckt, der Auna Peggy Sue bzw. meine alte Platte verschafft mir gerade wunderbare, längst vergessen geglaubte Erinnerungen! Wenn es Ihnen ähnlich geht, und Sie das Thema „Platte“ für sich wiederentdeckt haben, schicken Sie uns doch kurz die Top-Ten Ihrer persönlichen Sammlung.

Die Single wird zuverlässig abgespielt. Dank des Pucks liegt die Scheibe sicher auf dem Drehteller.
Foto: Michael B. Rehders

Fazit

Mit dem Peggy Sue präsentiert Auna einen schicken Retro-Plattenspieler, der nicht nur mit seinem 50er-Jahre-Design und dem Blue-Jeans-Bezug punktet, sondern vor allem mit seiner funktionalen Bedienung. Vinyls können im Handumdrehen auf einem Notebook digitalisiert werden. Alle Anschlusskabel und die dafür notwendige Software gehören zum Lieferumfang. Dank eingebauter Stereolautsprecher benötigt der Auna keine externen Boxen. So lassen sich die eigenen Platten zuhause oder auch unterwegs abspielen. Der Riemenantrieb arbeitet vorzüglich und spielt Singles, LPs oder moderne 10-Inch-Vinyls vollkommen gleichmäßig ab. In der Summe eignet sich der Peggy Sue ganz hervorragend für Musikliebhaber, die gelegentlich mal wieder eine Vinyl hören wollen oder Teenies, die sich an den alten Platten ihrer Eltern erfreuen wollen. Für schlappe 70 Euro offeriert der Auna Peggy Sue ein fantastisches Preis/Leistungsverhältnis, so dass wir diesen Retro-Plattenspieler vorbehaltlos empfehlen können.

Test, Fotos & Text: Michael B. Rehders

Gesamtnote: 1,2
Klasse: Einstiegsklasse
Preis-/Leistung: hervorragend

87 %

98 %

99 %

171020.Auna-Testsiegel

Technische Daten

Modell:Auna
Peggy Sue
Produktkategorie:Platenspieler, mit USB
Preis:67,89 Euro
(stand: 19.10.2017)
Garantie:- 24 Monate Gewährleistung
- 60 Tage Widerrufsrecht
Ausführungen:- jeansblau
Vertrieb:Chal-Tec, Berlin
Tel.: 030 / 408173509
www.auna.de
Abmessungen (HBT):360 x 134 x 275 mm
Gewicht:2,50 Kg
Anschlüsse:- USB
- Cinch
- 3,5mm-Klinken-Kopfhörer-Ausgang
Antrieb:Riemenantrieb
Sonstiges:- Digitalisierungs-Software
- 33/45/78-Wiedergabe
- Lifthebel
- integrierte Lautsprecher
- Tragegriff
Lieferumfang:- Auna Peggy Sue
- USB-Netzadapter
- USB-Kabel
- Tonabnehmer vormontiert
- Antriebsriemen eingebaut
- Single-Puck
- Bedienungsanleitung in deutsch
Besonderheiten:- Kofferbox im Retro-Design mit Jeans-Bespannung und Trageriemen
- USB-Schnittstelle
- Stereolautsprecher integriert für direkte Wiedergabe
- Digitalisierung von Schallplatten via USB auf PC/Notebook
- Lieferung mit installiertem Tonabnehmersystem
- Plattenspieler ab Werk komplett montiert und justiert
Benotung:
Klang (60%):1,3
Praxis (20%):1+
Ausstattung (20%):1+
Gesamtnote:1,2
Klasse:Einstiegsklasse
Preis-/Leistungausgezeichnet

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