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Redakteur
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Wer sich einen Plattenspieler zulegen möchte und keine Lust auf klassischen Einheitsbrei hat, der sollte sich mal bei Pro-Ject umgucken. Dort gibt es hochwertige aber budgetfreundliche Plattenspieler in allen Preisklassen, fast allen Formen und so ziemlich allen Farben. Der RPM 1 Carbon sieht außergewöhnlich aus, ist knallrot lackiert und klingt auch noch ziemlich gut. Wir haben ihn im Test.

Minimalistisch-futuristisch: Der Pro-Ject RPM 1 Carbon ist optisch anders als andere Plattenspieler. Und er ist in drei verschiedenen farbvarianten zu haben. Wir haben uns für unser Testmuster für das knallige Rot entschieden.

Vinyl und Plattenspieler sind seit Jahren wieder in aller Munde. Das war jedoch nicht immer so. Mit dem Aufkommen der CD, Mitte der 1980er Jahre, wurden tonnenweise Schallplatten und Plattenspieler entsorgt und gegen das neuere, vermeintlich bessere Medium ersetzt. Dreißig Jahre später gehört die CD selbst zum alten Eisen und wurde vom Streaming abgelöst. Vinyl und Schallplattenspieler hingegen erleben bereits seit einer Dekade einen zweiten Frühling, die Verkaufszahlen steigen rasant und ein Ende ist nicht in Sicht. Ein Hersteller, der umfangreich genug aufgestellt ist, um fast den gesamten Plattenspielermarkt alleine zu bedienen, ist die Firma Pro-Ject aus Österreich. Und sie ist selbst eine irre Erfolgsgeschichte: Gegründet wurde Pro-Ject im Jahr 1991, als Schallplatten gerade so uncool waren wie die CD heute. Dennoch hat sich daraus ein Unternehmen entwickelt, das heute in weltweit über 80 Ländern aktiv ist und fast mehr Plattenspieler im Sortiment hat, als man zählen könnte.

Die Schallplatte boomt weiter …(Foto: pixabay.com/Pexels).

Heute ein vielfältiger Vollsortimenter

Heute bietet das österreichische Unternehmen neben Plattenspielern auch Elektronik, Lautsprecher und Zubehör. So ließe sich eine komplette Anlage aus Pro-Ject-Komponenten zusammenbauen. Das scheint mir auch gar keine ganz schlechte Idee zu sein, denn kaum ein anderer Hersteller bietet eine solche Vielfalt. Sowohl in optischer Hinsicht als auch preislich ist garantiert für jeden was dabei. Beispiel gefällig? Die Plattenspieler reichen vom Einsteigermodell für unter 200 Euro [sic!] bis hinauf zu 10.000 Euro für die High-End-Variante. Dabei ist auch das 200-Euro-Gerät schon durchaus brauchbar und keineswegs Schrott, wie man es zu diesem Preis erwarten könnte und sicher auch anderswo bekommt. Unser Testmodell, der RPM 1 Carbon, ist ein ambitioniertes Einsteiger-Gerät. Eines, das finanziell nicht überfordert und doch schon eine erstaunliche Klangperformance bringt. Zudem wächst der futuristische RPM 1 ein Stück weit mit den Ansprüchen des Hörers mit.

Draufsicht: Der RPM 1 Carbon ist kein klassischer Brettspieler, verfügt aber dennoch über eine solide Basis.

Ungewöhnliche Konstruktion

Was am Pro-Ject RPM 1 Carbon als erstes auffällt, ist die ungewöhnliche Formgebung. Das haben alle RPM-Modelle gemeinsam: Sie verzichten auf die klassische, rechteckige Zarge, wie man sie von alten Plattenspielern kennt. Statt dessen ist das Bauteil, das die Funktion der Zarge übernimmt, v-förmig. Der Winkel aus circa 30 Millimeter starkem MDF nimmt alle Bauteile des Plattenspielers auf. Dazu gehört zum einen das in der Mitte positionierte Tellerlager, in dem sich der Plattenteller dreht. Außerdem den hochwertigen Alu/Carbon-Tonarm am Ende des rechten Auslegers. Für den Motor ist im linken Ausleger nur eine kreisrunde Aussparung vorhanden. Darin wird die Motordose abgestellt, in der sich dann der Antrieb befindet. Diese Konstruktion soll gewährleisten, dass sich Vibrationen des Motors nicht auf den empfindlichen Abtastprozess auswirken. Darum ist der Motor nicht starr mit dem Plattenteller verbunden, sondern nur über einen flexiblen Riemen der den Plattenteller außen antreibt.

Die Motordose ist beim RPM 1 Carbon ausgelagert.

Hochwertiger Antrieb & reibungsarme Lagerung

Der Plattenteller selbst ist ebenfalls circa 30 Millimeter stark und ebenfalls aus gut dämpfendem MDF gefertigt. Die üppige Dicke des Tellers hat aber nicht nur optische Gründe, sie sorgt auch für ein etwas hohes Gewicht. So hat der Teller eine höhere Massenträgheit und rotiert dadurch gleichmäßig. Dazu trägt auch der hochwertige Synchronmotor bei. Er bekommt seine Drehzahl nicht von der Stromnetzfrequenz vorgegeben, sondern von einem eigenen Sinusgenerator direkt in der Motordose. So ist für maximale Drehzahlstabilität gesorgt. Damit der Teller sich möglichst frei dreht und so wenig Reibung wie möglich entsteht, verfügt der RPM 1 über ein invertiertes Tellerleger mit Keramikkugel an der Spitze. Das ganze Gewicht des Plattentellers lastet also auf der kleinen Fläche der Kugel. Der eigentliche Lagerdorn besorgt nur die seitliche Führung, damit der Teller nicht von der Kugel fällt. So sind Reibung und damit verbundene Lagergeräusche auf ein minimum Reduziert.

Der Plattenteller besteht aus massivem MDF und ist rund 30 Millimeter stark.

Der Alu/Carbon-Tonarm

Bis hier hat der Pro-Ject RPM 1 Carbon schon einen wirklich guten und durchdachten Eindruck gemacht. Ein Schmankerl haben wir uns jedoch noch nicht genauer angesehen: Den hochwertigen Alu/Carbon-Tonarm, der dem RPM 1 seinen Namenszusatz gibt. Der Arm ist, wie alle Modelle des Herstellers, eine Eigenentwicklung. Mit den selbst entwickelten Tonarmen ist Pro-Ject so erfolgreich, dass einige Hersteller hochwertiger Plattenspieler diese auf ihren eigenen Laufwerken einsetzen. Bei dem gebogenen Tonarm des RPM 1 handelt es sich um einen 8,6 Zoll langen Arm, der damit etwas kürzer ist als das Standardmaß von 9 Zoll. Wir bewegen uns hier schließlich im Einsteigersegment. Das kann man, angesichts der hochwertigen Machhart des Tonarms, jedoch auch schon mal vergessen. Das Tonarmrohr ist samt Headshell, an dem der Tonabnehmer befestigt wird, aus einem Stück gefertigt. Ein Konstruktionsmerkmal, dass er sich mit den hochwertigsten Tonarmen der Welt teilt.

Der RPM 1 Carbon kommt inklusive Alu/Carbon-Tornarm.

High-Tech Tonarm

Warum das durchgehende Tonarmrohr ein Qualitätsmerkmal ist und wieso er ausgerechnet aus einem hochfesten Alu/Carbon-Materialmix gefertigt wird, ist schnell erzählt: Die Schallplattenwiedergabe ist ein feinmechanischer Vorgang, bei dem winzige Vibrationen aus der Plattenrille gelesen werden. Jede extern hinzugefügte Vibration verschlechtert das Ergebnis. Daher ist es von größter Wichtigkeit, dass Vibrationen beispielsweise aus der Stellfläche nicht bis zu Abtastung vordringen können. Außerdem sollten natürlich im Gerät selbst möglichst wenig Vibrationen entstehen und wenig Spiel vorhanden sein. Darum ist eine starre Verbindung vom Tonabnehmer zum Plattendorn in der Mitte des Tellers nötig, damit hier keinerlei Relativbewegung möglich ist. Genau aus diesem Grund ist der Tonarm aus einem Stück und aus einem scheinbar überdimensionierten Material gefertigt, das auch noch bei hohem Druck und hoher Temperatur verpresst wird. So ist das einzige, was sich zwischen Schallplatte und Tonabnehmer bewegt, die Nadel durch die der Schall aus der Platte entnommen wird.

Umfangreich ausgestattet

Trotz Einsteiger-Status bringt der hochwertige Tonarm alle wichtigen Funktionen mit. So gibt es eine magnetische Anti-Skating-Vorrichtung, die zur Kompensation der an der Nadelspitze entstehenden Skatingkraft dient. Außerdem ist der Azimuth am Tonarmlager verstellbar. Steht die Nadel also schief im Tonabnehmer, kann der Arm dies ein Stück weit ausgleichen, damit die Nadel exakt senkrecht in die Rille taucht. Um die senkrechte Ausrichtung der Nadel in der anderen Achse zu gewährleisten, ist auch die Höhe des Tonarms an der Basis verstellbar. So lässt sich das Tonarmrohr mit vielen verschiedenen Tonabnehmern parallel zur Schallplatte ausrichten. Diese Einstellung nennt man „Vertikal Tracking Angle“, kurz VTA. Mit dem bereits montierten Ortofon 2M Red passen natürlich alle Einstellungen schon. So gestaltet sich die Inbetriebnahme auch für Einsteiger recht simpel. Sie brauchen also keine Angst vor dem Aufbau haben. Wie es genau geht, das beschreiben wir im Folgenden natürlich ausführlich.

Der Tonarm ist in der Höhe verstellbar.

Die richtige Aufstellung

Der Pro-Ject RPM 1 Carbon wird in einem großen Karton weitgehend zusammengebaut geliefert. Zunächst muss das Plattenspieler-Chassis, an dem Teller und Tonarm bereits fertig montiert sind, vom schützenden Fleece befreit werden. Nun kann der Plattenspieler schon an seine Platz gestellt werden. Dieser sollte eben und waagerecht ausgerichtet sein. Ideal ist ein möglichst massives Möbel, das wenig vibrationsanfällig ist. Da der RPM 1 auf drei spitzen Kegeln steht, die in Fachkreisen Spikes genannt werden, sollte die Stellfläche idealerweise kratzfest sein. Falls das nicht gegeben ist, so können Spike-Untersetzer die Stellfläche schützen. Wer keine perfekte Stellfläche hat oder dem RPM 1 einen besonderen Platz schaffen möchte, für den gibt es im Pro-Ject-Zubehör auch Gerätebasen. Diese werden als Upgrade zu allen Plattenspielern des Herstellers angeboten. Dabei handelt es sich um Hochglanz lackierte Basen aus Holz, die ebenfalls über Spikes mit dem Untergrund gekoppelt sind.

Für unseren Test haben wir den RPM 1 Carbon auf die Pro-Ject Ground it-Gerätebase gestellt.

Motor & Antrieb

Als nächstes wird die schwere Motordose ausgepackt und in der Aussparung im Chassis positioniert. Dabei sollte der Schalter möglichst links hinten liegen, damit später der Riemen nicht im Weg ist. Nun muss das kleine Netzteil aus dem Karton gefischt werden, um den Motor mit Strom zu versorgen. Als nächstes kommt der bereits erwähnte Riemen zum Einsatz. Hierbei handelt es sich um einen dünnen, elastischen Rundriemen. Er wird außen um den Plattenteller und anschließend um das Motorpulley gelegt. Das Pulley ist die Treibscheibe auf der Motorwelle. Sie hat zwei Laufflächen. Die kleinere ist für die 33 1/3 Umdrehungen von Langspielplatten, die größere für 45 Umdrehungen. Die Anleitung erwähnt explizit, dass schmutzige Finger die Funktion des Riemens beeinträchtigen können. Da auch die hochglanzlackierte Oberfläche des RPM 1 sauber bleiben soll, gehen wir natürlich ohnehin nur mit frisch gewaschenen Händen ans Werk.

Unauffällig auffällig: Der RPM 1 Carbon kann sich unauffällig integrieren oder er wird zum Blickfänger.

Die Auflagekraft

Da der Tonabnehmer bereits montiert ist, also glücklicherweise nicht justiert werden muss, kommt nun kommt der einfache aber schwierigste Teil der Inbetriebnahme: Das Einstellen der Auflagekraft, mit der der Tonabnehmer die Schallplatte abtastet. Schwierig ist diese Einstellung jedoch nicht wirklich. Die Auflagekraft ist jedoch ein durchaus wichtiger Parameter, da eine falsche Auflagekraft Schallplatte und Tonabnehmer beschädigen könnte. Falls Sie den RPM 1 persönlich beim Händler abholen, stellt er die Auflagekraft sicher gern für Sie ein. Da der RPM 1 leider nicht über eine Skala am Gegengewicht verfügt, benötigen Sie andernfalls eine Tonarmwaage. Ein recht einfaches Exemplar liegt dem Plattenspieler bei. Es funktioniert wie eine Wippe. Setzt man die Nadel im Punk 2 ab, kippt die Wippe, falls die Auflagekraft mindestens 2 Gramm beträgt. Eine grobe Einstellung ist so zwar möglich, genauer geht es aber mit einer digitalen Tonarmwaage. Die gibts natürlich ebenfalls bei Pro-Ject im Zubehör.

Das Ortofon 2M Red ist werkseitig montiert.

Einstellung der Auflagekraft

Zur Einstellung wird als erstes das Gegengewicht hinten auf den Ausleger des Tonarms geschoben und der Arm durch Verschieben des Gewichts ausbalanciert. Anschließend wird die Waage auf dem Plattenteller positioniert und das Gewicht etwas nach vorn geschoben. Und zwar so, dass der Tonabnehmer etwas Übergewicht bekommt und der Tonarm vorn nach unten kippt. Nun wird der Nadelschutz abgenommen und die Nadel genau im Punkt 1 der Balkenwaage oder im Messpunkt der Digitalwaage abgesetzt. Je nachdem was nun angezeigt wird, oder ob die Waage kippt, muss das Gegengewicht vorsichtig weiter vor oder zurück verschoben werden, bis das Gewicht passt. Das Auflagegewicht sollte für den vormontieren Tonabnehmer Ortofon 2M Red circa 1,8 Gramm betragen. Die Wippe sollte also kurz vor dem Punkt 2 kippen. Ist die Einstellung richtig, wird das Gewicht noch vorsichtig festgeschraubt, fertig. Das alles ist wirklich kein Hexenwerk.

Vor Staub kann der Plattendreher durch eine optional erhältliche Haube (Cover it) geschützt werden.

Feintuning

Nun ist der RPM 1 Carbon schon fast spielfertig. Die Anleitung empfiehlt noch, das Antiskating an der Skala an der Tonarmbasis auf ebenfalls 1,8 Gramm zu stellen. Für meinen Geschmack darf es auch etwas weniger sein. Das Antiskating gleicht die Skatingkraft aus, die vorn an der Nadelspitze durch Reibung des Diamanten an der Schallplattenrille entsteht. Diese Kraft zieht den Tonarm nach innen zur Schallplattenmitte hin. Damit der Diamant nicht einseitig abnutzt, muss das Anti-Skating dagegen wirken. Nun wird die beiliegende Ledermatte auf den Plattenteller gelegt. Sie entkoppelt Teller und Schallplatte und sorgt außerdem für etwas Grip, damit die Schallplatte gleichmäßig mit dem Teller rotiert und nicht durchrutscht. Fehlt nur noch der Anschluss an den Verstärker. Da das Signal auf der Schallplatte verzerrt gespeichert ist und der Tonabnehmer nur wenige Millivolt Ausgangsspannung hat, ist ein spezieller Phonoverstärker nötig. Manche Verstärker haben bereits einen eingebaut, sonst gibt es Zubehörgeräte.

Passende Phonoverstärkung

Ob Ihr Verstärker einen MM-Phonoeingang hat, das steht in der Anleitung. Falls nicht, so gibt es ein unschlagbar günstiges Gerät, die „Phono Box E“ für unter 60 Euro von Pro-Ject. Falls es etwas mehr sein darf, hat Pro-Ject auch ambitioniertere Geräte, beispielsweise mit Röhrenverstärkung, im Programm. Eines davon haben wir zum Test gleich mitbekommen: Die AD Box S2 Phono. Die kann das Signal von MM- und MC-Tonabnehmern für die nachfolgenden Verstärker aufbereiten und dieses auch digitalisieren und an den Computer ausgeben. So können Schallplatten zur Archivierung oder für unterwegs digitalisiert werden. Außerdem verfügt die AD Box über einen weiteren Eingang, an dem zum Beispiel ein CD-Player oder der Fernseher angeschlossen werden können. Dank Umschaltung von MM- auf MC-Tonabnehmer ist die AD Box S2 außerdem etwas flexibler als die günstigsten Modelle. Klanglich ist sie in ihrer Preisklasse ebenfalls über jeden Zweifel erhaben.

Klein aber oho: Die optional erhältliche Pro-Ject AD-Box S2 verstärket sowohl Signale von MC- wie MM-Tonabnehmern.

Immer schön bürsten

Bevor die erste Platte auf dem Teller des RPM 1 Carbon landet, nutze ich die Gelegenheit das optional erhältliche Zubehör auszuprobieren. Mit den Bürsten „Clean it“ und „Brush it“ hat uns der Vertrieb gleich noch das passenden Reinigungszubehör mitgeliefert, das für jeden Einsteiger unbedingt empfehlenswert ist! Die „Clean it“ genannte Nadelbürste ist mit vielen kleinen, kurzen Härchen ausgestattet. Sie sollen das Herzstück des Tonabnehmers, den Diamanten, von Schmutz befreien. Eine solche Bürste sollte man unbedingt alle paar Schallplattenseiten mal benutzen, um oberflächlichen Schmutz von der Nadel zu entfernen. Die „Clean it“ macht ihren Job augenscheinlich gut. Gleiches gilt für die Plattenbürste „Brush it“. Sie befreit die Schallplatte direkt vor der Wiedergabe mit feinen Carbon-Härchen von losen Staubpartikeln und ähnlichen Fremdkörpern. Auch diese Art von Bürste sollte man sich als Einsteiger unbedingt zulegen, da lose Schmutzpartikel ansonsten von der Nadel tief in die Rille befördert werden können.

Über das umfangreiche Zubehör lässt sich der RPM 1 Carbon nach und nach upgraden. Ein Muss für Vinyl-Einsteiger sind die Plattenbürste “Brush it!”, die Nadelbürste “Clean it!” und die Libelle (Wasserwaage).

Souveräner Auftritt

Als erste Platte landet das Blues Meisterwerk „Hoodoo Man Blues“ von Junior Wells und Buddy Guy auf dem Teller des Pro-Ject RPM 1 Carbon. Das ist keine audiophile Platte aber sie ist musikalisch überragend. Den alten Blues-Sound gibt der Pro-Ject absolut erstklassig wieder. Der Klang ist differenziert und gleichzeitig auf ein festes und üppiges Bassfundament gebaut. Besonders beeindruckend stellt der Pro-Ject aber die Stimme des Sängers voluminös, üppig und riesengroß mitten in den Raum. Das klingt, gemessen am finanziellen Einsatz, schon richtig richtig gut. Wenn man ein Haar in der Suppe finden möchte, dann wäre das die Auflösung, die absolut gesehen Spielraum nach oben lässt. In der Preisklasse bis 500 Euro, in der der Pro-Ject RPM 1 jedoch spielt, braucht er sich mit seiner Performance in keiner Hinsicht verstecken. Dennoch bin ich gespannt, was noch möglich ist.

Upgrade des Tonabnehmers

Der RPM 1 Carbon wird im Set mit bereits montiertem Tonabnehmer geliefert. Und zwar mit dem Ortofon 2M Red. Das verwundert mich ein wenig, kostet der Plattenspieler doch nur 499 Euro. Dabei handelt es sich um das günstigste Modell der 2M-Serie des dänischen Herstellers. Der Tonabnehmer ist definitiv jeden Euro des geringen Aufpreises wert. Wer möchte, kann damit sehr gut Musik hören. Bass, Höhen und Räumlichkeit hat auch dieser günstige Einsteiger verblüffend gut drauf. Da das Besser aber bekanntermaßen der Feind des Guten ist, möchte ich natürlich hören, wie sich der Pro-Ject mit einem Höherwertigen schlägt. Darum hat der Vertrieb und ein 2M Blue direkt mitgeliefert. Der größere Bruder des Red verfügt über einen hochwertigeren Diamanten, der mehr Details aus der Rille holen soll. Das Praktische: Der Wechsel ist durch den Tausch des Nadelträgers kinderleicht in Sekunden erledigt.

Serienmäßig kommt der Pro-Ject RPM 1 Carbon mit dem vormontierten Ortofon 2M Red. Das ist in der Preisklasse 500 Euro bereits beeindruckend. Klanglich eine Liga weiter nach oben geht es dann mit dem Ortofon 2M Blue.

Rot oder Blau?

Das 2M Blue ist dann auch ein deutlicher Schritt nach vorn. Der Klangcharakter ist natürlich dem des Red ziemlich ähnlich. Beide spielen nordisch nüchtern und sachlich, ganz so, wie man Ortofon-Tonabnehmer kennt. Im Vergleich zum Red zeigt das Blue dann jedoch deutlich mehr Details. Der Hochton wirkt feiner und präsenter. Details sind im gesamten Klangspektrum deutlicher wahrnehmbarer und feiner differenziert. Das fällt jedoch natürlich am ehesten am Hochton auf. Dort stecken die Rauminformation und die Lebendigkeit des Klangs. Allerdings wirken auch Tief- und Mittelton präziser und gleichzeitig feiner differenziert. Eine etwas sauberere Abtastung gibts obendrein, so dass sich das 2M Blue definitiv als lohnenswertes Update zeigt. Erfreulich bezahlbar ist der Nadeleinschub obendrein. So gibt es keinen Grund, beim ersten Nadelcrash oder einfach wenn der Sinn nach etwas mehr steht, nicht zum größeren, blauen Bruder des bereits guten Ortofon 2M Red zu wechseln.

Clamp it!

Ein weiteres Teil aus dem Pro-Ject Zubehörprogramm ist die Schallplattenklemme „Clamp it“. Mit dem Aluminiumteil werden die aufgelegten Schallplatten am Teller festgeklemmt, um eine bessere Verbindung von Vinyl und Teller zu erreichen. Das geht ganz einfach: Liegt die Platte auf dem Teller, wird die Klemme auf den Lagerdorn aufgesetzt, leicht angedrückt und festgeschraubt. Durch die feste Verbindung von Platte und Teller werden Resonanzen aus der Platte direkt abgeleitet. Klanglich macht sich das durchaus deutlich bemerkbar. Die Wiedergabe wird straffer und präziser. Außerdem wirkt das gesamte Klangbild etwas nachdrücklicher. Das fällt zum Beispiel besonders bei der dunklen und basslastigen Stimmung des aktuell gehypten Jazzalbums „Source“ von Nubya Garcia. Durch die gesteigerte Präzision wirkt der Klang vor dem dunklen Bass ausdifferenzierter und detaillierter. Auch Platten mit einem leichten Höhenschlag, die es leider immer häufiger gibt, können mit der Klemme ein Stück weit begradigt und dadurch besser abgespielt werden.

Cool und sinnvoll: Die Plattenklemme “Clamp it!”hat die Platte fest im Griff und zeigt sich tatsächlich als Klangupgrade.

Fazit zum Pro-Ject RPM 1 Carbon

Der RPM 1 Carbon macht den Ansprüchen an einen innovativen und engagierten Hersteller wie Pro-Ject alle Ehre! Der günstige Plattenspieler ist eigenständig designt und makellos verarbeitet. Mit seiner knallroten Hochglanzlackierung ist er ein Eyecatcher in jeder Wohnumgebung und mit seinen technischen Features auch für Technikliebhaber interessant. Eine Besonderheit in beiderlei Hinsicht ist natürlich der einzigartige Alu/Carbon-Tonarm, der dem RPM 1 seinen Namenszusatz und dem Tonabnehmer präzise Führung gibt. Der verbaute Tonabnehmer Ortofon 2M Red ist den geringen Aufpreis mehr als Wert. Mit dem etwas kostspieligeren 2M Blue legt die Performance jedoch noch mal merklich zu. Genau so mit montierter Schallplattenklemme „Clamp it“, die den Klang verbindlicher und präziser macht. Weiteres sinnvolles Zubehör aus dem Pro-Ject Programm rundet den Vinyl-Einsteig ab. Auch ohne Zubehör gehört der Pro-Ject RPM 1 Carbon definitiv zu den besten Plattenspielern seiner Preisklasse.

Test & Text: Jonas Bednarz
Fotos: Philipp Thielen

Gesamtnote: Highlight
Klasse: Mittelklasse
Preis-/Leistung: hervorragend

80 of 100

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Technische Daten

Modell:Pro-Ject
RPM 1 Carbon
Produktkategorie:Plattenspieler
Preis:um 500,00 Euro
Garantie:2 Jahre
Ausführungen:- Schwarz
- Weiß
- Rot
Vertrieb:ATR - Audio Trade, Mülheim an der Ruhr
Tel.: +49 208-882 66 0
www.audiotra.de
Abmessungen (HBT):120 x 380 x 350 mm (inkl. Haube)
Gewicht:- 3,8 Kg
Prinzip:- Brettspieler
Tonarmbasis:VTA
Tonarm:- S-förmiger 8,6-Zoll-Tonarm
Tonabnehmer:- Ortofon 2M Red
Geschwindigkeiten:33 ⅓ und 45 UpM
Lieferumfang:- RPM 1 Carbon
- Tonarm
- Tonabnehmer
- Anleitung
Optionales Zubehör:- Tonabnehmer (z.B. Ortofon 2M Blue)
- Pro-Ject AD Box S2 (Phono-Vorverstärker)
- Ledermatte
- Klemme Clamp it!
- Nadelbürste Clean it!
- Plattenbürste Brush it!
- Acryl-Plattenteller
- Haube
Pros und Contras:+ Vertical Tracking Angle
+ futuriustisches Design
+ exzellentes Preis-Leistungsverhältnis
+ diverse Upgrademöglichkeiten
+ hochwertige Anschlussbuchsen
+ eigener Tonarm
+ sehr gute Verarbeitung
+ analog-natürlicher Klang
+ satte, warme Bassperformance

- Haube
Benotung:
Gesamtnote:Highlight
Klasse:Mittelklasse
Preis-/Leistunghervorragend

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