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Redakteur

Welchen Aufwand kann man betreiben, um dem High End-Ideal einer reinen, unverfälschten Wiedergabe so nahe wie möglich zu kommen? Wie weit lassen sich Präzision, Plastizität und Stimmigkeit der Abbildung perfektionieren? Eine Antwort auf diese Fragen ist gerade in Duisburg zu bestaunen: Hier präsentiert der weltweit berühmte Hornlautsprecher-Hersteller Acapella Audio Arts zurzeit sein überaus selten gebautes Sphäron Excalibur. Wir haben die einzigartige Gelegenheit ergriffen, dieses Opus Magnum zu hören und hier nun vorstellen zu können.

Audiophile Macht: Das raumgreifende Sphäron Excalibur ragt 2,30 Meter in die Höhe und nimmt etwa 1, 7 Quadratmeter Fläche ein. Hier ist das Lautsprecher-System in schwarzem Acryl und mit roten Hörnern realisiert.

Braucht das ein Mensch? – Das ist im High End-Bereich die falsche Frage. Hier geht es um ein höheres Ziel: um das Streben nach einer bislang unerreichten Qualität, nach dem absolut Machbaren, dem Maximum – unter Nutzung des derzeitigen Wissensstandes und der verfügbaren Technologien sowie durch Entwicklung neuen Know-hows, und zwar ohne Rücksicht auf Kosten, Materialeinsatz und Marktabsatzchancen. Dieses Ziel war auch die Triebfeder für den Acapella-Mitbegründer Alfred Rudolph: Nachdem er Anfang der 1980er das aufsehenerregende Sphäron gebaut hatte, das damals als ultimativer Hornlautsprecher der Superlative galt, stellte sich Rudolph die Frage: Geht es noch mal besser? Kann ich es noch mal besser? Oder etwas pathetischer: Kann ich, wie in der Artus-Sage, das Schwert aus dem Stein ziehen? Das war die Geburtsstunde des Sphäron Excalibur.

Die roten sphärischen Hörner für den Mitten- und den Mitten/Bass-Bereich sind der optische Blickfang der Sphäron Excalibur. Hinter den Hörnern steht das spiegelnde, namensgebende Schwert.

Im Zeichen des Schwertes

Die mythische Klinge ist nicht nur Namenspate dieses imposanten Ausnahme-Lautsprechers, sondern auch sichtbarer konstruktiver Bestandteil: Das mit Spiegelacryl bewehrte Schwert dient als Träger der Hornsektion. Zuoberst das ausladende Mitteltieftonhorn, darunter das mit 60 Zentimetern Durchmesser fast schon klein wirkende Mitteltonhorn, dazwischen und nach innen versetzt dann der ebenfalls mit einem Hornvorsatz ausgestattete Ionenhochtöner. Sein Gehäuse bildet den Übergang zu dem hochaufragenden schwarzen Tiefton-Turm: Er beherbergt ausschließlich die gewichtigen Module für die Bässe. Sie bringen zusammen stattlichste 800 Kilogramm auf die Waage und bilden zusammen eine 2,30 Meter aufragende Säule. Das gesamte Sphäron Excalibur beansprucht nun eine Standfläche von rund drei Quadratmetern und wiegt – festhalten: 1,3 Tonnen. Pro System. Einen solchen Extrem-Schallwandler baut man natürlich nicht alle Tage, sondern nur auf Bestellung und mit großem Vorlauf. Denn jedes Sphäron Excalibur ist ein Unikat, konstruiert und gefertigt nach Wunsch des Kunden. Dieses Großprojekt bindet die Kräfte der Hornlautsprecher-Manufaktur. Hier sind deshalb seit etlichen Jahren auch Alfred Rudolphs Söhne involviert, insbesondere Richard Rudolph gilt als treibende Kraft – auch und gerade bei dem aktuell fertiggestellten Modell. Dieses Sphäron Excalibur steht noch bis zum Sommer bei Acapella Audio Arts in Duisburg, bevor es seine Reise nach Fernost antritt. Das ist die Gelegenheit, diesen extrem seltenen Lautsprecher zu erleben – schauen und hören wir ihn uns an!

Der Ionen-Hochtöner mit seinem Bronze-Horn ist von einer schwarzen Acrylglas-Raute mit hochglanzlackierter Wurzelholz-Rahmung eingefasst.

Flammen-Klang: Der Ionen-Hochtöner

Beim ersten Betrachten des Sphäron Excalibur mag man wegen der weitspannenden Horntrichter und dem mächtigen Bassturm den fast schon zierlichen, im Zentrum positionierten Hochtöner fast übersehen – dabei hat dieser Schallwandler einen kaum überschätzbaren Anteil an der Qualität des Klangs: Er sorgt für die wunderbare Leichtigkeit, Luftigkeit und Transparenz. Dies gelingt ihm, weil hier das Lautsprecher-Ideal verwirklicht ist: die masselose Verwandlung von elektrischen Musiksignalen in Luftschwingungen. Der Ionen-Hochtöner kommt ohne klassische Membran aus. Die Schallwandlung geschieht durch eine pulsierende Plasma-Flamme: Die Membran besteht aus einem konstanten Lichtbogen, hervorgerufen durch eine Hochspannung, die an zwei Elektrode anliegt. Diesem Lichtbogen wird nun das Musiksignal zugeführt, dadurch pulsiert die Flamme im Takt der Musik: Der Lichtbogen hat durch das aufmodulierte Musiksignal nämlich mal mehr, mal weniger Elektronen, dadurch schwankt das Volumen, also der Platzbedarf. So werden die Moleküle der Umgebungsluft mehr oder weniger stark verdrängt. Diese Bewegung der Luft ist nichts anderes als Schall – also Musik.

Blick in die Flamme: Der hinter dem Bronze-Horn sitzende Ionen-Hochtöner erzeugt den Ton ohne herkömmliche Membran, sondern mit einer Plasma-Flamme. Diese anspruchsvolle Schallwandlungs-Technologie beherrschen nur wenige Hersteller auf audiophilem Niveau.

Filigranes Feuer mit Class-A-Verstärkung

Dieses Wandlungsprinzip ist überaus komplex, Acapella ist einer der wenigen Hersteller, die es audiophil beherrschen. Das filigrane Feuer ist allerdings nur für die Wiedergabe des Hochton geeignet – und selbst hierfür ist Verstärkung vonnöten. Die liefert einerseits ein Class-A-Treiberverstärker, er kräftigt in sauberster Weise das zarte elektrische Musiksignal vor dessen Entsendung in die Plasma-Flamme. Nach der Verwandlung in Schall bedarf das Signal aber nochmals der Verstärkung. Dies besorgt das vorgesetzte Horn aus purer Bronze. Derart ausgestattet vermag der Ionen-Hochtöner ab etwa 5.000 Hertz bis hoch zu sagenhaften 50 Kilohertz arbeiten. Sein Werk verrichtet dieser Hochtöner mit einer derartigen Präzision, dass seine Integration in die Sphäron Excalibur einen akribischen Abstimmungsprozess gezeitigt hat. Der Tweeter samt seiner Technik sitzt in einem langgezogenen, kubischen Gehäuse, das frontseitig mit schwarzem Acrylglas verblendet und von Wurzelholz eingefasst ist. Um nun eine stimmige Wiedergabe zu erreichen, wurde der Hochtöner in zahlreichen Hörsitzungen immer wieder leicht vor- und zurückversetzt. Es geht hier letztlich um einen halben Millimeter, der den Unterschied macht, ob die Laufzeiten der Chassis, also das Timing mit den Hörnen und den Bass-Woofern, stimmt.

Die Hörner beeindrucken sowohl durch ihre skulpturale Gestalt als auch durch ihre fantastische Lackierung.

In High End-Sphären: Die Hörner

Eigentlich gehört ja auch der Hochtöner mit seinem metallenen Vorsatz zur Hornsektion, doch wir widmen uns jetzt den großen trichterbewehrten Schallwandlern. Sie prägen das optische Erscheinungsbild des Sphäron Excalibur – und haben den weltweiten Ruf Acapellas als renommierter Hersteller von Hornlautsprechern begründet. Die Duisburger Manufaktur gehört hier zu den Pionieren, Acapella reklamiert für sich die Erfindung des sphärischen Horns. Erst diese besondere Horn-Form, die sich zum Hornmund hin immer stärker weitet, ermöglicht eine anspruchsvolle Wiedergabe. Die bis dato bekannten Konus- und Exponential-Hörner haben zwar einen tollen Wirkungsgrad, das heißt: Sie verstärken ordentlich das Signal einer kleinen Membran, die hinter dem Horn in einer Kammer schallwandelt. Doch diese Trichter-Arten verzerren und verfärben den Ton. Erst das sphärische Horn arbeitet ohne diese Defizite. Es sorgt für eine kugelförmige Abstrahlung der Schallwellen – eben so, wie sich in der Natur der Schall von einer Punktschallquelle weg ausbreitet. Durch diese Kugelwellentrichter oder sphärischen Hörner wird die gerichtete Abstrahlung stark reduziert. Die Erfindung des Sphärenhorns ist somit der Grundstein für eine audiophile Wiedergabe. Nicht umsonst ist dieser Horntyp Namenspate bei dem Sphäron Excalibur.

Das riesige Horn des Mitteltieftöners durchmisst über einen Meter.

Dynamik und Druck

In diesem Lautsprechersystem arbeiten gleich zwei Hörner für den Mitten- und Bassbereich. Auch ihnen ist es zu verdanken, dass das Sphäron Excalibur einen Wirkungsgrad von über 103 Dezibel erreicht. Damit ist eine Dynamik und ein Druck möglich, die den unvorbereiteten Hörer im wahrsten Sinn des Wortes vom Hocker hauen können. Hörner sind flott – und damit ideale Spielpartner für den Ionen-Hochtöner. Dieser Tweeter gibt ab etwa fünf bis sieben Kilohertz an den Mitteltöner ab. Er ist an dem „kleinen“ Trichter zu erkennen – das bedeutet immer noch 60 Zentimeter Durchmesser. Der genaue Wert der Übernahmefrequenz ergibt sich durch Feintuning in den ausgiebigen Hörtests. Ein Lautsprecher wird bei Acapella als Instrument betrachtet, das individuell abgestimmt wird, bis es seine optimale Spielkultur entfaltet. Deshalb ist auch die Übernahmefrequenz hin zu den tieferen Tönen ein Circa-Wert: Bei etwa 500 Hertz beginnt der Aufgabenbereich des Mitteltieftonhorns. Mit seinem über ein Meter messenden skulpturalen Trichter ist dieses Horn der große Hingucker – aber diese Dimensionierung ist natürlich kein Selbstzweck. Auch dank dieses Vorsatzes kann das dahinter sitzende Chassis die Schallwandlung bis runter zu den Bässen übernehmen. Doch ab einem gewissen Punkt bekommt das Horn Verstärkung.

Die Bass-Lautsprecher sind bei normaler Beleuchtung durch die Bespannung verdeckt. Hier erkennt man die Mächtigkeit der 18-Zoll-Woofer.

Tower Of Power: Der Tiefton-Turm

Bei der Schallwandlung der ganz tiefen Töne wird das Horn von klassischen Konus-Lautsprechern unterstützt. Das ist ein großer Unterschied zu dem früheren Sphäron: Dies benötigte ein zwölf Quadratmeter großes Basshorn, das an die Wohnraum-Wand angekoppelt war. Das aktuelle Sphäron Excalibur ist da doch deutlich mobiler: Für den Bass sorgen pro Seite vier mächtige 18-Zoll-Chassis. Die Lautsprecher werden im Vorfeld eingespielt, vor dem Einbau ausgiebig auf ihre akustische und mechanische Perfektion hin getestet, gegebenenfalls nachgearbeitet und so gemäß der selbst auferlegten engen Toleranzen optimiert – oder aussortiert. Jeder dieser selektierten 45-Zentimeter-Woofer arbeitet nun in einem eigenen Gehäuse, vier dieser 200-Kilo-Module ergeben dann aufeinandergeschichtet den eindrucksvollen, raumhohen Tiefton-Turm. Die Bass-Woofer nehmen ihre Arbeit ab 100 Hertz auf, insgesamt spielt das System runter bis 15 Hertz, wobei ab 25 Hertz ein leichter Pegelabfall einsetzt. Zur Einordnung: Einem jungen Menschen mit völlig intaktem Gehör attestiert man eine Hörfähigkeit bis 20 Hertz. Die ganz tiefen Lautgebungen des Sphäron Excalibur sind also eher spürbar denn wirklich hörbar.

Die seitlich-hintere Ansicht offenbart die Massivität und Qualität des Gehäuses:
Der dickwandige Holzkorpus von Schwert und Säule ist standardmäßig mit hochglänzendem Acryl bekleidet.

Modularer Aufbau, monolithische Erscheinung

Zurück zum Aufbau: Ihren modularen Charakter sieht man der Bass-Sektion kaum an. Der monolithisch wirkende Tiefton-Turm ist frontal mit einer schwarzen, kaum merklich in zwei Hälften unterteilten Stoffbespannung bekleidet, die die Chassis bedeckt. Seitlich ist die Säule inklusive der vorderen Schrägen mit einem fünf Zentimeter dicken Holzträger gemantelt. Über ihn zieht sich eine drei Millimeter starke, hochglänzende Acrylschicht. Der Schreiner, der für Acapella arbeitet, vollbringt hier wahre Kunst. Gerade die ansatzlose und durchgängige Ausführung des kantenreichen Ausschnitts, in den seitlich das Hochtöner-Gehäuse hineinragt, zeugt von höchstem Können. Was für ein konstruktiver und fertigungstechnischer Aufwand! Auf der Rückseite ist in diesen Turm die passive Frequenzweiche eingebaut, eine – Überraschung! – aufwändige Konstruktion: Wegen der hohen Leistungen erfolgen die Pegelanpassungen mit teueren Übertragern statt mit normalen Lastwiderständen. Die Weiche weist den Bass-Lautsprechern, den Hörnern und dem Ionen-Hochtöner die Frequenzen zu, die sie schallwandeln sollen. Hier kann man in geringem Umfang den Mittelton an die eigene Vorliebe und die vorgeschalteten Zuspieler und die Elektronik anpassen – und die schauen wir uns auch kurz an.

Die mächtige Mono-Endstufe wurde auf Wunsch des Kunden eingebaut, sie ist hängend hinter dem Ionen-Hochtöner im kubischen Gehäuse untergebracht.

Feinste Zuspieler, edle Elektronik

Acapella wird zwar zuerst als Lautsprecher-Hersteller angesehen, die Expertise der Manufaktur erstreckt sich jedoch ebenso auf den Bereich der Zuspieler und Verstärker. Als analoge Quelle betreibt Alfred Rudolph den von ihm entwickelten und kurz vor der Perfektion stehenden Plattenspieler „LaMusika Laudatio“, ein High End-Laufwerk in herrlichstem Holz mit mehreren Schwungmassen und Antrieben. Als Abtaster bevorzugt Rudolph das Ortofon Cadenza Black. Digital kommt mit „The Audio One“ ein Musik-Server/Streamer samt DAC zum Einsatz, den Acapella in Zusammenarbeit mit dem Schweizer Hersteller ReQuest Audio entwickelt hat, quasi eine Kompaktversion des herausragenden helvetischen Musikservers „The Beast“. Als Vorverstärker und Konverter kommt abermals eine Kooperations-Komponente zum Zuge. Es ist der Prototyp eines Modells, das Acapella gemeinsam mit Acousence entwickelt, hinter diesem Unternehmen steht mit Ralf Koschnicke einer der versiertesten Tonmeister Deutschlands. Und die Endstufen? Sie sind von Lorenz Martensen entwickelt worden, der für Acapellas LaMusika-Modelle die Elektronik macht. Hier wurde ein Kundenwunsch erfüllt: Das eigentlich passive Sphäron Excalibur wird mit Endstufen ausgestattet. Weil ein fester Einbau zu klanglichen Nachteilen führt, hat Alfred Rudolph in jedem Lautsprecher eine Spezialseilaufhängung installiert. Die derart entkoppelten Mono-Endstufen sitzen nun – pro Seite eine – in dem kubischen Gehäuse hinter dem Ionenhochtöner. Die wattstarken Kraftwerke sind derart hochpotent, dass sie über Drehstrom versorgt werden, nur so verstärken sie frei von jeglichen dynamischen Einbußen. Das sollen sie nun bitte vollführen, denn wir kommen endlich zum wichtigsten Teil: dem Musikgenuss.

Als analoger Zuspieler dient der von Acapella entwickelte Plattenspieler „LaMusika Laudatio“. Auf der Plattenmitte sitzt die Klemme, auf ihr wiederum thront der auswechselbare Klemmenknopf.

So klingt die Sphäron Excalibur

Als erstes hören wir von LP ein echtes Jazz-Schätzchen: den „Red Bank Blues“ von Count Basie von seinem 1973er-Studio-Album „Basie Jam“. Die Nummer ist alles andere als bluesig-getragen, sondern eine hochenergetische und temporeich swingende Improvisation, bei der jeder Instrumentalist der achtköpfigen Combo brilliert – und das Sphäron Excalibur platziert dabei die Musiker mit einer atemberaubend realistischen Abbildung direkt vor uns. Wer den Unterschied zwischen HiFi und High End wissen will, kann sich viele wortreiche Erklärungen anhören – oder wenige Sekunden Musik mit diesem Schallwandler. Wir erleben eine absolut holografische Abbildung! Dabei lösen sich die optisch so raumgreifenden Lautsprecher akustisch vollständig in Luft auf, sie verschwinden zugunsten der Musik und der Musiker: Count Basie rechts vor uns am Klavier, das Piano materialisiert gleich mit den ersten einleitenden Akkorden wenige Meter vor unserem Hörplatz. Ganz links hingegen der Gitarrist Irving Ashby, der hier über einen kleinen Verstärker eine semiakustische Gitarre spielt – diesen Gitarrentyp kann man mit dem Sphäron Excalibur sofort und ohne Mühe wahrnehmen und bestimmen. Grandios! Neben Ashby steht die dreiköpfige Bläsersektion, zentral dann Ray Brown am Kontrabass und dahinter Louie Bellson am Schlagzeug. Wir schließen kurz die Augen und können die Musiker auf der imaginierten Bühne vor uns förmlich sehen. Aber nicht nur das: Dem Sphäron Excalibur gelingt es, die spezielle elektrisierende Atmosphäre wiederzugeben, die einer Jamsession innewohnt: Die Instrumentalisten spielen sich die Bälle zu, ein Solo jagt das nächste, die Musiker putschen sich gegenseitig auf, schließlich verdichtet sich das Zusammenspiel mit Hochenergie in den Tutti-Passagen – und das alles durchflutet das weitläufige Atrium, in dem wir die Schallwandler hören, mit einer unglaublichen Selbstverständlichkeit und Leichtigkeit.

„The Audio One“ ist Acapellas Musikserver/Streamer, er bietet zwei SSD mit je einem Terabyte Speicherplatz und einen exzellenten DAC. Als Upgrade sind zweimal zwei Terabyte möglich sowie die Versorgung mit einem Extra-Netzteil.

Unfassbare Dynamik

Wir sitzen hier mit offenem Mund und staunen, wie uns diese Energie durchströmt, welche Grenzenlosigkeit die Wiedergabe hat – nicht nur in punkto Räumlichkeit: Das Sphäron Excalibur besitzt auch eine unfassbare Dynamik, es vereint Kraft mit Geschwindigkeit. Wir hören auf einer überaus amtlichen Lautstärke, trotzdem wirkt die Wiedergabe völlig entspannt, mühelos, frei von Limitierung. Wir vernehmen kleinste Nuancen, etwa das Changieren des Metalltons, wenn Drummer Louie Bellson das durch den Track treibende Ride-Becken an leicht variierenden Stellen anschlägt. Und wir werden von dem Schlagzeugsolo, dem Höhepunkt und Finale dieser Jamsession, geradezu körperlich attackiert: Das Sphäron Excalibur liefert ansatzlos und mit gnadenloser Direktheit die Trommelwirbel, die harten, einzelnen Schläge auf die Snare und die kraftstrotzend getretene, voluminöse Bassdrum. Das ist ein akustisch-physisches Spektakel, weil wir die Musik nicht nur hören, sondern auch körperlich spüren – und mitunter regelrecht erschrecken: Eine derart große Dynamik ist man von normalen Schallwandlern schlicht nicht gewohnt. Wie laut die Wiedergabe bei aller Differenziertheit und Transparenz ist, merken wir erst, als wir uns mit Alfred Rudolph zwischenzeitlich verständigen wollen und erst bei Ruflautstärke zu ihm durchdringen, dabei sitzt er keinen Meter von uns entfernt. Das Sphäron Excalibur hat einen derart hohen Wirkungsgrad, dass gerade mal ein Watt Leistung nötig ist, um diese Lautstärke zu erreichen.

Das Anschluss-Terminal ist mit ultrasoliden Klemmen ausgerüstet, die Verbindungen sind mit handgefertigten Kabeln aus der eigenen Manufaktur realisiert. Für das Mittelton-Horn gibt es eine Pegelanpassung: Durch Umstecken können die Mitten angehoben abgesenkt werden.

Verfeinerung auf allerhöchstem Niveau

Zu welch verfeinerter Wiedergabe das Sphäron Excalibur fähig ist, erfahren wir nun in einer verblüffenden Demonstration: Alfred Rudolph tauscht den Knopf der Plattenklemme. Mit diesem Puck wird die Schallplatte auf den Teller des Plattenspielers gepresst. Überdies sorgt die aus Holz und Metall gefertigte Klemme auch für die Ableitung der Vibrationen, die beim Abspielen einer Schallplatte mechanisch entstehen und akustisch den Klang verschlechtern. Die Ableitung geschieht über das Vinyl zum Holz der Klemme, über den Knopf, mit dem man die Klemme festzieht, und dann über die Achse des Plattentellers. Diese Ableitung beeinflusst Rudolph nun durch den Austausch des Knopfs. Gerade war ein mit Amboina überzogenes Exemplar im Einsatz, nun kommt ein Knopf mit Ebenholz zum Zuge. Wir gehen wieder in Count Basies „Red Bank Blues“ hinein – und können es kaum fassen: Wir hören eine völlig veränderte Wiedergabe! War der Klang vorher rund, fast ein wenig weich, so ist er nun zupackender, prägnanter: Das beginnt beim Schlagzeug, das direkter klingt, forscher, gerade die Snare hat nochmals zugelegt. Auch die Gitarre hat eine Metamorphose durchlaufen: Ihr Ton setzt sich nun besser durch, der Saitenanschlag hat mehr Biss, mehr Kraft – als habe Irving Ashby sich entschieden, bei diesem Durchlauf eine größere Energie in sein Spiel zu legen. Der Bass hingegen wird drahtiger, dafür aber besser nachvollziehbar. Auch die Räumlichkeit hat sich verändert: Die größere Direktheit vermittelt uns ein konzentrierteres Bühnengeschehen. Nun kommt ein Schlangenholz-Knopf auf die Klemme, er liegt klanglich zwischen dem Wohlfühl-Sound von Amboina und der Analytik von Ebenholz. Wieder ist der Unterschied krass: Das Schlagzeug wirkt nun zurückgenommener, die Gitarre hat weniger Grip, der Bass hingegen gewinnt an Fülle. Mancher mag hier einen entspannteren Hörgenuss haben, wir bevorzugen klar das Klangbild mit Ebenholz. Alternativ vielleicht Erle, was wir danach hören und dabei vor allem den volleren Gitarrenton schätzen. Es ist unfassbar: Wir reden hier über wenige Gramm Holz, die den Klang beeinflussen – und diese Nuancierungen kann das Sphäron Excalibur mühelos abbilden. Das ist Verfeinerung auf allerhöchstem Niveau!

Die drei Millimeter starke, hochglänzende Acrylschicht sorgt für den optischen Glanz der Gehäuseseiten.

Im großen Saal des Wiener Musikvereins

Zeit, die Musik zu wechseln. Von der kleinen Jazz-Combo geht’s zum großen Sinfonieorchester, zur ausgezeichneten Aufnahme von Sergej Prokofievs „Peter und der Wolf“, eingespielt von den Wiener Philharmonikern unter Karl Böhm. Der Erzähler ist Karlheinz Böhm – und hier entlarvt das Sphäron Excalibur die einzige Schwachstelle der Aufnahme: Karlheinz Böhm steht anfangs auf der Bühne, bei seinen weiteren Erzählungen kann man nun hören, dass er die Texte in einer Sprecherkabine aufgenommen hat. Abgesehen davon erleben wir diese Einspielung in einer bisher noch nicht gehörten Qualität: Die Intensität, mit der wir das musikalische Märchen hören, zieht uns in den Bann. Das ist eigentlich eine Erfahrung, die der echten Live-Aufführung im Konzertsaal vorbehalten ist. Und dort sitzen wir nun offenbar: Wir haben die herrliche Breite eines vollbesetzten Klangkörpers vor uns, und wie im wahren (Bühnen-)Leben fahren uns die Pauken, die die Gewehrschüsse der Jäger imitieren, mächtig und erschreckend in die Glieder. Wir genießen hier gleich eine doppelte Klangkultur: das famose Spiel des Weltklasse-Orchesters und die exzellente Wiedergabe über die Sphäron Excalibur, die uns in den großen Saal des Wiener Musikvereins versetzt.

Generationsübergreifendes Teamwork: Neben den Firmengründern Alfred Rudolph (l.) und Hermann Winters (4.v.l.) sind seit etlichen Jahren Robert Rudolph (2.v.l.) und Richard Rudolph (3.v.l.) an der Konzeption und Produktion beteiligt (5.v.l.: lite-Redakteur Volker Frech).

Musikalischer Höchstgenuss

Der nächste musikalische Umzug führt uns in den Klangkosmos von Nina Hagen: Ihre Hommage an Zahra Leander beginnt mit „Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen“ – und dann haut uns die klassisch ausgebildete Rock- und Pop-Sängerin ihren exzentrische Gesang mit fetten Beats, Synthesizer-Orgien, abgrundtiefen Bässen, Drum-Samples sowie einem Sortiment an Klangeffekten, darunter zersplitterndes Glas, um die Ohren – uff! Hier zeigt uns das Sphäron Excalibur mit der Dynamik und Wucht der Wiedergabe mal locker die eigenen Grenzen auf – bist du zu schwach, ist sie zu stark. Mit dem Wechsel von der analogen Schallplatte zum digitalen File zeigt die Sphäron Excalibur noch etwas anders auf: Die Limitierungen, die die digitale Produktion der Musik oder das Sampling von analogen Aufnahmen mitunter hat, weil es an der Auflösung und Schnelligkeit mangelt, das ehedem integre, kontinuierliche Analogsignal angemessen in Digitaldaten zu übersetzen oder diese wieder zu Musik zu rekonstruieren. Dies merken wir beim Hören von Donald Fagens Song „Trans-Island Skyway“: Fagen ist ein ausgewiesener Soundtüftler, die analogen Alben, die er früher mit Steely Dan gemacht hat, sind klanglich erstklassig. Doch diese klinische, platte Produktion von 1993 lässt jegliche Lebhaftigkeit und Tiefe vermissen, das Stück wirkt blutleer, steril und zweieinhalbdimensional. Es geht auch anders: Rabih Abou-Khalil spielt seine orientalische Komposition „Nashwa“, anfangs solo mit der Oud, der arabischen Laute, dann in Begleitung seines Bassisten Glen Moore und eines vielköpfigen Percussion-Ensembles – und in der exzellent produzierten Aufnahme von 1991 erleben wir diese notwendige Tiefe, Fülle und Integrität. Es geht doch! Und wenn die gewissenhaft gesampelte oder digital produzierte Aufnahme dies bietet, verwandelt das Sphäron Excalibur die Einspielung schließlich wieder in einen musikalischen Höchstgenuss.

Das Sphäron Excalibur ist für ein weiträumigeres Ambiente gedacht, Acapella empfiehlt den Lautsprecher ab einer Raumgröße von etwa 40 Quadratmetern.

Fazit

Mit der Sphäron Excalibur präsentiert Acapella Audio Arts einen Schallwandler der Superlative: Dieser Lautsprecher zeigt, was in punkto Präzision, Plastizität und Dynamik möglich ist und zu welcher Perfektion die Abbildung geführt werden kann. Dies bewirken der zentral platzierte Ionen-Hochtöner, die sphärischen Mittelton- und Mitteltiefton-Hörner, die die Schwert-Seite des Sphäron Excalibur zieren, sowie vier 18-Zoll-Woofer, die sich zu der imposanten Tiefton-Säule auftürmen. In Summe ergibt das einen Vier-Wege-Lautsprecher, der nahezu Raumhöhe hat, rund drei Quadratmeter Platz einnimmt und etwa 1,2 Tonnen wiegt. Im Effekt ergibt das einen Ausnahme-Schallwandler, der dem Hörer sofort den Unterschied zwischen HiFi und High End vor Ohren führt und zeigt, wie nahe eine Wiedergabe an die Realität heranreichen kann – ein einzigartiges Erlebnis! Bis zum Sommer bietet Acapella die seltene Gelegenheit, das Sphäron Excalibur nach vorheriger telefonischer Anmeldung in Duisburg anzuhören. Diese Chance sollte man sich nicht entgehen lassen, hier lernt man wieder das Staunen.

Test & Text: Volker Frech
Fotos: Philipp Thielen

Klasse: Referenzklasse
Preis-/Leistung: angemessen
190402.Acapella-Testsiegel

Technische Daten

Modell:Acapella Audio Arts
Sphäron Excalibur
Produktkategorie:Standlautsprecher, passiv
Preis:- ab ca. 560.000 Euro / Paar
- Sonderanfertigung mit Mono-Endstufen: ab ca. 620.000 / Paar
Garantie:2 Jahre
Ausführungen:- nach Wunsch
- Gehäuse: Acryl (Weiß oder Schwarz), sämtliche Holzfurniere oder Lackierungen (gegen Aufpreis)
- Horn: alle Automotiv- oder RAL-Farben
Vertrieb:Acapella Audio Arts, Duisburg
+49 203 36 12 22
www.acapella.de
Abmessungen (HBT):2.300 x 1.700 x 1.700 mm (mit Horn)
Gewicht:ca. 1,2 - 1,3 t / Stück
Prinzip:4-Wege-Lautsprecher mit aktivem Ionen-Hochtöner, passivem Horn-Mitteltöner, passivem Horn-Mitteltieftöner und passiven Konus-Tieftönern (im Bassreflex-Gehäuse)
Empfohlene Raumgröße:ab ca. 40 m²
Hochtöner:1 x Ionenhochtöner mit Hornvorsatz
Mitteltöner:1 x Konus-Lautsprecher mit sphärischem Hornvorsatz (Durchmesser: 62 cm)
Mitteltieftöner:1 x 254 mm, Konus-Lautsprecher mit sphärischem Hornvorsatz
Tieftöner:4 x 460 mm Konus-Lautsprecher
Frequenzbereich:15 Hz - 40 kHz
Übergangsfrequenzen:ca. 5 - 7 kHz / 500 Hz / 100 Hz
Verstärkerleistung:ab 15 Watt
Wirkungsgrad:ca. 103-107 dB / 1 W / 1 m
Impedanz:8 Ohm
Lieferumfang:- Acapella Sphäron Excalibur
- Service: Lieferung, Einrichtung und Aufbau beim Kunden
- Bedienungsanleitung
Pros und Contras:+ extrem offenes, präzises und transparentes Klangbild
+ überragende räumliche Abbildung, exzellente Dynamik
+ verzerrungs- und verfärbungsfreie Schallwandlung
+ intensives Feintuning seitens des Herstellers bis zur absoluten Stimmigkeit der Schallwandler
+ exzellente Verarbeitung
+ Fertigung auf und nach Wunsch des Kunden

- lange Fertigungs- und Lieferzeit
Klasse:Referenzklasse
Preis-/Leistungangemessen

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