von

Redakteur
English
Zur Übersetzung unserer Seiten nutzen wir Google Translate. Dazu wird eine Verbindung zu Google-Servern hergestellt und Daten werden übertragen (weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung). Wenn Sie damit einverstanden sind, können Sie über folgenden Button Google Translate aktivieren.

Sie können auch anders: Acapella Audio Arts, berühmt für raumgreifende High End-Lautsprecher mit Hornvorsatz und Ionenhochtöner, fertigen auch Schallwandler ohne jene Markenzeichen – und erreichen mit diesen scheinbar konventionellen Lautsprechern trotzdem eine exzellente Wiedergabe. Bestes Beispiel ist der Zwei-Wege-Schallwandler Acapella Harlekin, der optisch und akustisch mit einigen außergewöhnlich Lösungen aufwartet – letztlich auch mit dem hypersphärischen Horn.

Der Acapella Harlekin ist mit seinem ausgefallenen Design ein Hingucker im heimischen Ambiente.

Obwohl dies mittlerweile der vierte Acapella-Schallwandler ist, den wir im Test haben, handelt es sich hier um eine Premiere: Im Gegensatz zur BassoNobile, zur Campanile 2 und zur Sphäron Excalibur, die durchweg als Immobilien zu bezeichnen sind, ist der Acapella Harlekin geradezu ein kompaktes und transportables Leichtgewicht. Deswegen haben wir erstmals einen Schallwandler der Duisburger Manufaktur in unserer Redaktion zu Gast. „Kompakt“ ist nun aber relativ: Der Acapella Harlekin ist zwar das kleinste Standmodell von Acapella, mit den Maßen 122 mal 30 mal 47 Zentimeter und einem Gewicht von 75 Kilogramm erweist er sich aber als stattlich-ausgewachsener Vertreter seiner Gattung. Trotzdem wirkt der Harlekin alles andere als massig – und das liegt an seinem einzigartigen Design.

Harlekinesk: Der Hochtonkopf steht mit seiner Kante auf dem Hauptkorpus. Der exzentrische Kalotten-Tweeter ist von einem Hornvorsatz eingefasst und so in die nach hinten gewölbte Front eingelassen.

Harlekins Haupt: Balanceakt des Charakterkopfs

Bei der Gestaltgebung des Harlekin fällt natürlich als erstes sein Kopf ins Auge: Ein separater, quaderförmiger Korpus birgt den Hochtöner – doch dieser Quader liegt nicht etwa flach auf dem großen Hauptgehäuse auf, sondern balanciert allein auf seiner Längskante. Das klingt nach einer fragilen Kontaktfläche, doch in Wirklichkeit ist der Übergang so robust realisiert, dass man den gesamten Harlekin an diesem Kopf aufhängen könnte. Dafür ist der Hochtonkorpus leicht in einen Ausschnitt des Hauptgehäuse eingesenkt. Dieses außergewöhnliche Design ist zum einen ein Hingucker, zum anderen symbolisiert es das Harlekineske: Der Spaßmacher der Commedia dell’arte unterläuft die gängigen Normen und kippt die feste Gesellschaftsordnung. Zudem sorgt die Gestaltgebung für eine optische Leichtigkeit des Lautsprechers – und die wurde im Zuge der Neuauflage noch stärker betont: 2007, bei der Weiterentwicklung zum MK II-Modell, hat der Kopf auf der Rückseite eine charakteristische Kürzung erfahren. Die daraus resultierende Schräge sorgt für zusätzliche optische Dynamik.

Der Hochtonkopf ist gegenüber dem Mitteltieftöner leicht nach hinten versetzt. Dies sorgt im Zusammenspiel für eine zeitrichtige Wiedergabe. Optisch bewirkt der Versatz eine Auflockerung der Anmutung. Die gegenüber der Vorgängerversion deutliche und zudem schräge Kürzung des Hinterkopfs bringt zusätzlich Dynamik in das Design.

Hochton mit dezentem Horn

Auch die Formung der vorgesetzten Front widerspricht der bloßen Bezeichnung als Quader: Die aus mattiertem Acryl gefertigte Stirn des Hochtonkopfs weist eine nach hinten fliehende Wölbung auf. Diese Front beherbergt den leicht nach unten versetzten, also exzentrisch positionierten Hochtöner. Hier kommt eine 25 Millimeter messende Kalotte aus Kunstseide zum Einsatz. Der Tweeter ist über einen Hornansatz als Schallführung in die nach hinten fliehende Kopfplatte eingelassen. Horn, exzentrisch, nach hinten fliehend – man ahnt es schon: Hier hat Acapella im Prinzip das hypersphärische Horn verwirklicht, das wir in ausladender Form bereits bei der BassoNobile und der Campanile 2 kennengelernt haben. Beim Harlekin, soll es für ein exzellentes Abstrahlverhalten und eine beeindruckende räumliche Abbildung sorgen. Zur akustischen Optimierung ist der hölzerne Hochtonkopf massiv, denn im Innern wurde er zur Vermeidung jeglicher Resonanzen mit Epoxidharz vergossen und mit Quarzsand gefüllt. Bei unserem Testmodell ist der Kopf schwarz lackiert, er kann aber in jeder gewünschten Farbe gefertigt werden.

Beim Übergang vom Kopf zum Rumpf greift das Gehäuse des Mitteltieftöners mit seinem markanten Ausschnitt die Form des Hochtonquaders auf. Die leichte Schräge der aufgesetzten Front, ihre leichte Absetzung vom Korpus durch eine Ziernut sowie die nach unten hin zunehmende Fasung der Frontkanten sorgen für eine schlanke Erscheinung des Harlekin.

Harlekins Rumpf: Edel-Gehäuse mit Design-Finessen

Diese Wahlmöglichkeit gilt sogar in noch größerem Umfang für das Hauptgehäuse. Unser Exemplar ist bis auf die Front in wunderschönes Ahorn-Echtholzfurnier gekleidet. Die markante Maserung und die herrliche Textur wird dabei auf allen Seiten durch jeweils spiegelbildlich applizierte Furnierhälften betont. Das ist eine Augenweide! Beim Furnier stehen verschiedenste Holzsorten zur Auswahl. Alternativ kann der Korpus aber auch mit Acrylglas beplankt oder mit einer Lackierung überzogen werden. Hier sind alle Farben des Automotiv- und RAL-Kosmos möglich. Nun zum Gehäuse an sich: Gegenüber der alten Version besitzt der aktuelle Harlekin ein geschmeidigeres Design. Das liegt vor allem an der Front: Sie ist nun aufgesetzt und durch einen zarten Spalt vom restlichen Korpus aus leicht abgesetzt. Zudem erweist sich ihre Abschrägung im oberen Bereich der Front als deutlich dezenter, zu den Seiten hingegen aber als raffinierter und betonter. Dies trägt ebenso zur optischen Verschlankung bei wie die mittige vertikale Ziernut und der wesentlich prägnantere V-Ausschnitt für den Hochtonkopf. Dieses Gehäuse beherbergt nun einen einzigen Lautsprecher. Er ist für die Wandlung der Mitten und Bässe zuständig. Es handelt sich um einen eher ungewöhnlich großen, zehn Zoll messenden Konus-Lautsprecher, der nach Acapella-Vorgaben von SEAS gefertigt wird. Auffallend ist zudem die glänzend schwarze Lackierung der Papiermembran. Dieser Überzug erhöht die Steifigkeit der schwingenden Fläche und damit die Präzision des Speakers. Dieser Lack erstreckt sich sogar noch über den Ansatz der starken Sicke hinaus. Dieser Kniff dient der mechanischen Bedämpfung der Resonanzen, die in der Sicke entstehen können. Auffällig ist auch der verhältnismäßig große, ebenfalls schwarz glänzende Phase Plug. Er dient der Wärmeableitung – und die hat sich dieser Lautsprecher auch verdient, weil er als Mitteltieftöner die Schwerstarbeit bei der Schallwandlung übernimmt.

Augenweide: Unser Harlekin ist mit Echtholz-Furnier bekleidet. Die wunderschöne Textur des Ahorns wird auf allen Seiten durch jeweils zwei spiegelbildlich aufgebrachte Furnierplatten betont.

Geschlossener Korpus für sauberen Klang

Dieser Woofer verrichtet seine Arbeit nun in einem geschlossenen Gehäuse. Der Harlekin spielt also ohne Bassreflex-Abstimmung. Dadurch werden Strömungsgeräusche und phasenverdrehte Signalanteile vermieden, was zu einer saubereren, verzerrungsärmeren Wiedergabe führt. Allerdings arbeitet der Speaker auf ein Luftkissen, das sich beim Zurückschwingen der Membran im geschlossenen Gehäuse aufbaut. Zudem werden diese Schallanteile der zurückschwingenden Membran komplett in Wärme statt in Schall umgesetzt. Dadurch liefern Lautsprecher mit geschlossenem Gehäuse meist einen leicht geringeren Pegel und fallen im Bass etwas schneller ab. Beim Harlekin sieht das offenbar anders aus: Acapella attestiert ihm einen Wirkungsgrad von 91 Dezibel, damit bietet er einen satten Kennschalldruck, wie er bei heutigen Schallwandlern üblich ist. Zudem ist sein Frequenzgang bis hinab zu 25 Hertz ausgewiesen, damit beherrscht er einen Tiefton, den selbst manche Subwoofer nicht erreichen. Dementsprechend sind beim Harlekin große mechanische Kräfte am Werk. Um ihrer Herr zu werden und dem Gehäuse alle Schwingungen auszutreiben, besteht der Korpus aus einem Materialmix von MDF und Multiplex. Gerade dieses Mehrschicht-Holz übernimmt die Aufgabe, das Gehäuse intern zu stabilisieren und zu versteifen. Im Innern ist der Harlekin in der MK II-Version mit einer komplett überarbeiteten Dämmung versehen, auch hier macht’s die Mischung aus verschiedenen Materialien. Sie entfalten ihre volle Wirkung aber erst in Kooperation mit einem Diffusor. Diese und weitere konstruktive Kniffe gehören allerdings zum gehüteten Know-how von Acapella. Wer es genau wissen will, muss den Harlekin also durchsägen.

Der Zehn-Zoll-Woofer schallwandelt die Mitten und Bässe. Die glänzende Lackierung hebt ihn von der matten Front ab, akustisch bewirkt die Beschichtung eine größere Steifigkeit der Membran.

Qualitäts-Klemmen im entkoppelten Boden

Beim Betrachten des Harlekins stellt sich eine Frage: Wo sind die Anschlüsse? Auch hier liefert Acapella eine eigene Lösung: Die Klemmen befinden sich auf der Unterseite des Gehäuses, auf der anderen Seite sitzt dann im Inneren des Korpus auch direkt die Frequenzweiche. Die darauf befindlichen Bauteile sind durchaus sensibel für Schwingungen, deshalb ist der gesamte Boden des Harlekin mit Dämmmaterial vom restlichen Korpus entkoppelt und wird, abgesehen von der Befestigung hin zur Frontseite, nicht mit dem Gehäuse verschraubt. Da sorgt der Harlekin beim ersten, ahnungslosen Anklemmen von Kabeln doch für eine Überraschung. Die Anschlüsse hingegen kennen wir bereits von den anderen Acapella-Schallwandlern. Die Manufaktur setzt stets auf ultrasolide und ultrateure Qualitäts-Klemmen des bestbeleumundeten Kölner Herstellers Mundorf. Bei der Harlekin ist pro Schallwandler ein Klemmenpaar verbaut, das ermöglicht den Anschluss eines Verstärkers. Bi-Wiring oder Bi-Amping ist also nicht möglich. Die Beschränkung auf ein Klemmenpaar entspricht allerdings der von Musikhörern meistgewählten Anschlussweise, deshalb spart diese Limitierung unnötige weitere Klemmen, die mehr Kosten verursachen und in Verbindung mit den zumeist eingesetzten Brücken den Klang verschlechtern. À propos Klang: Hören wir uns den Harlekin doch mal an.

Gut verborgen: Die Anschlussklemmen ragen aus dem Boden des Harlekin. Die beiden Anschlüsse sind über die rückseitige Aussparung zugänglich.

Der Acapella Harlekin in der Praxis

Dafür stellen wir den Harlekin erst mal auf und richten ihn aus. Hierum kümmert sich beim Kunden in der Regel Acapella und steht mit Rat und Tat zur Seite, bis der Schallwandler optimal spielt. Wir lernen den Harlekin als unkomplizierten Gast kennen: Er sorgt schon in der Pi-mal-Daumen-Aufstellung, also ohne Feinjustierung, für ein dreidimensionales, ziemlich stimmiges Stereo-Bild. Wir ändern nur noch geringfügig die Einwinklung hin zum Hörplatz. Die beiden Lautsprecher sind nun ziemlich genau auf uns ausgerichtet, man kann gerade noch die nach innen weisenden Wangen ihrer Gehäuse sehen. Jetzt ist die Abbildung amtlich. Wir haben als erste Musik „How It Feels“ von Sophie Zelmani gewählt, weil sich ein Song mit Gesangsstimme besonders gut die Ausrichtung der Lautsprecher eignet. Das ist auch hier so. Doch bei dieser Wiedergabe zieht unwillkürlich etwas anders unsere Aufmerksamkeit auf sich: Es ist die unglaublich echt und knackig klingende Akustikgitarre, die den Song einleitet. Das Melodiepattern, welches Gitarrist Lars Halapi spielt, hat eine tolle Präsenz – und das, obwohl er mit der rechten Hand nicht nur die Saiten anschlägt, sondern sie zugleich mit dem Handballen abdämpft. Diese charakteristische Palm Mute-Technik sorgt für einen perkussiven, schnell abklingenden und mitunter bassreichen Ton – und genau dies hören wir hier in Vollendung. Die Gitarre klingt dabei absolut körperhaft und glaubhaft: Lars Halapi steht links mit seiner Sechssaitigen keine drei Meter von uns entfernt, und wir hören jeden Anschlag, aber auch jede kleine Unsauberkeit beim Niederdrücken oder zu späten Absetzen der Finger von den Saiten. Dazu hat die Gitarre genau jenen Punch, den sie auch in natura besitzt. Nun steigt Bassist Thomas Axelsson ein, sein Viersaiter ist anfangs in den Hintergrund gemischt und klingt völlig harmlos. Erst als Schlagzeug und Gesang einsetzen, wird der Bass mit seinem wahren Frequenzgang präsentiert. Das ist ein cooler produktionstechnischer Kniff – und der haut uns in der Wiedergabe mit dem Harlekin fast vom Hocker: Diesen abgrundtiefen Bass haben wir bei der Nummer bislang so noch nicht gehört! Wir haben beim unserem Verstärker Hegel H360 eine gar nicht so hohe Lautstärke eingestellt, trotzdem wirkt dieser Tiefton bereits auf Trommelfell und Magen!

Der Kopf ist sicherlich der Hingucker des Harlekin, doch auch die Front des Hauptkorpus steckt voller Design-Items – angefangen von der oberen Abschrägung und dem prägnanten V-Ausschnitt über die zunehmende Fasung der Kanten bis hin zur mittigen Ziernut …

Unerhörte Feinheiten

Da probieren wir doch mal was aus: Wir wechseln das Stromkabel unserer Netzleiste gegen das Audioquest Monsoon – und dies führt gerade beim Bass zu einer noch besseren Konturiertheit. Da der Harlekin sensibel die Wirkung solcher Feintuning-Maßnahmen abbildet, wechseln wir auch mal das Lautsprecherkabel. Angefangen haben wir mit dem Supra Cables Quadrax, mit ihm sind im Bass die untersten Frequenzen etwas betonter. Nun nehmen wir das QED X-Tube XT-40, dass den Bass etwas voller und runder wirken lässt. Das ist jetzt Geschmackssache. Wir bleiben beim QED-Kabel und freuen uns, dass der Harlekin für solche „Späße“ zu haben ist und feinste Veränderungen abbildet. Jetzt genießen wir den ganzen Song, denn der hat hinter dem scheinbar monotonen Ablauf etliche Finessen zu bieten. Das beginnt beim Marimbaphon, es ist links genau hinter der Akustikgitarre positioniert und schleicht sich fast unmerklich mit zarten Wirbeln, die mit weichen, filzbezogenen Klöppeln gespielt sind, in den Song. Toller Effekt! Die nun rechts einsetzende, kurze Melodiephrasen einwerfende E-Gitarre sorgt dafür, dass das musikalische Geschehen quasi immer wieder von rechts nach links und zurück pendelt. Darüber hinaus unterlegt sie den Songs mit gaaanz leise angezupften Moll-Akkorde in hohen Lagen – diese Harmonien fallen uns erstmals mit dem Harlekin auf, obwohl wir den Song kennen. Er holt wirklich alles raus, was in diese Produktion gesteckt worden ist!

… und dem Firmenschild, dass die scheinbaren Hälften der Front zusammenhält.

Die Kunst der Verführung

Dazu gehören auch die Schläge von Peter Korhonen auf Fell und Metallrand seiner Snare Drum. Diese sogenannten Rim Shots sind mit einem speziellen Hall versehen, der den Hall der restlichen Produktion konterkariert. Dieser Effekt wird gerne bei Reggae- und Dub-Produktionen eingesetzt, jetzt entdecken wir diese Facette auch bei „How It Feels“ – und jetzt wird uns bewusst, dass wir den Song erst jetzt so richtig verstehen. Der Gesamtsound wird nun noch ordentlich aufgefüllt und angedickt, insbesondere durch Robert Qwarforths verschwurbelte Orgeltöne, aber auch durch die von weiter hinten posierten Background-Sänger Fredrik Lanerfeldt und Heinz Liljedahl, die den Sologesang von Sophie Zelmani unterstützen. Trotz dieser Dichte ist alles perfekt gestaffelt, vollkommen transparent zu hören und ergibt wie selbstverständlich ein Ganzes. Chapeau! Dabei steht Sophie Zelmanis Stimme klar im Vordergrund und direkt vor uns – und uns passiert etwas, was wir mit diesem Song noch nicht erlebt haben: Die leicht lollita-artige Stimme fängt an, uns zu gefallen. Dem Harklekin gelingt es, das Organ der Schwedin in uns bislang unbekannter Intensität und mit ungeahntem Facettenreichtum abzubilden. Wir erleben das leichte Gurren in ihrer Stimme, das gewollte Anrauen von Töne, das Hauchen der Vokale, aber auch die tonalen Veränderungen, die durch das Öffnen und Schließen des Mundes entstehen – samt der fast unhörbaren Atmer und jener Geräusche, die durch die Bewegung der Lippen entstehen. Diese Frau will uns mit ihrer Stimme verführen, und zum ersten Mal gelingt es ihr.

Die Lackierung der Membran reicht über den Rand der Sicke. Dies dämpft etwaige Resonanzen dieser Rahmung.

Mitten im besten Konzertsaal der Welt

Mit dieser Durchsichtigkeit, Direktheit und Abbildungskraft ist der Harlekin doch wohl wie für die Wiedergabe klassischer Musik gemacht – das testen wir mit dem Scherzo aus Anton Bruckners Vierter Sinfonie Es-Dur. Enoch zu Guttenberg dirigiert das Orchester der KlangVerwaltung durch diesen dritten Satz. Er ist mit „Bewegt“ überschrieben – und genau diese Emotion ruft die Wiedergabe bei uns hervor. Das beginnt schon vor der ersten gespielten Note, denn zu Beginn dieser Echo-prämierten Live-Aufnahme hören wir durch zahlreiche Mini-Nebengeräusche zuerst den Raum – und die Abbildung des Ambientes ist schlicht klasse! So werden wir aus unserem realen Hörzimmer geholt und sitzen mitten im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins, dem wohl besten Konzertsaal der Welt. Das steigert das Musikerlebnis ungemein, denn wir haben diese leichte Vorspannung und Vorfreude, die einen live kurz vor dem Einsatz des Orchesters überkommt. Dann geht’s endlich los – aber ganz leise: Die Geigen spielen ein zartes Dauertremolo, darüber setzen die Hörner mit gedämpftem Ton ihre Jagdsignale, dann steigen die Trompeten mit ihren Fanfaren ein. Zusammen mit den Bratschen, Celli und Kontrabässen sowie den Wirbeln der Pauken steigert sich der Klangkörper nun bis ins Forte – um dann statt der erwarteten Tutti-Entladung das strahlende, von verschiedenen Bläsergruppen dominierten Hauptmotiv zu präsentieren. Was für ein Beginn! Und was für eine Wiedergabe!

Hinter dem Hochtonkopf geht’s weiter: Auch hier hat Acapella den Übergang zum Hauptkorpus durch die Applikation eines schwarzen Dreieckprofils als Design-Item realisiert.

Der Spaßmacher

Mit dem Harlekin ist das Crescendo des Klangkörpers einfach mitreißend: Diesem Lautsprecher gelingt es, die verschiedenen Instrumentengruppen, ja, selbst einzelne Orchestermusiker hörbar zu machen, so dass wir sie trotz des großen Musikeraufgebots und trotz des sich immer weiter aufschaukelnden und verdichtenden Klanggeschehens genau im Orchester verorten können. Zugleich erleben wir dieses große Aufgebot an Musikern als Einheit, eben als Klangkörper. Dabei beeindruckt die Dynamik und Vitalität, mit der das Orchester der KlangVerwaltung agiert und vom Harlekin wiedergegeben wird. Die Fähigkeit, das fast Unhörbare hörbar zu machen, haben wir bei der Introduktion kennengelernt, die Potenz für das fast schon Brachiale hat der Harlekin beim Crescendo bewiesen. Nun erleben wir die Feindynamik, mit der die Geigen an- und abschwellen, um den Flöten Raum zu geben, aber ebenso den weit hinten stehenden Blech-und Holzbläsern, die mit sanftem Ton weitere Motive vorstellen. Diese kleinen Lautstärkeveränderungen sorgen für die Frische und Lebhaftigkeit. Das beherrscht der Harlekin vorzüglich, und auch mit dieser Fähigkeit erweist sich der Harlekin als echter Spaßmacher.

Der Acapella Harlekin eignet sich perfekt für mittelgroße Räume, Dank seines guten Wirkungsgrads harmoniert er auch mit Verstärkern geringerer Leistungsstärke ab 20 Watt. Hier wird der Schallwandler vom 250 Watt starken Hegel H360 angetrieben. Als Zuspieler dient der SACD-Spieler Oppo UDP-203.

Fazit

Ja, sie können anders: Acapella Audio Arts beweisen mit dem Harlekin, dass exzellenter Klang auch abseits der berühmten raumgreifenden Riesenhörner möglich ist. Hornfrei ist Harlekin dann aber doch nicht: Sein extravaganter Hochtonkopf ist letztlich die konstruktive Umsetzung des hypersphärischen Horns. Der hier spielende Kalotten-Tweeter harmoniert bruchlos mit dem Mitteltieftöner, der im großen geschlossenen Hauptkorpus reichlich Volumen zur Verfügung hat. Dadurch gelingt diesem Zwei-Wege-Lautsprecher eine ungemein dynamische, lebhafte und frische Wiedergabe mit toller Transparenz, sehr guter Räumlichkeit und mächtigem, ultratiefen Bass. So präsentiert sich der Harlekin als echter Spaßmacher – erst recht, wenn man den Preis für diesen High End-Schallwandler in Betracht zieht.

Test & Text: Volker Frech
Fotos: Philipp Thielen

Gesamtnote: 97/100
Klasse: Referenzklasse
Preis/Leistung: sehr gut

96

98

98

200305.Acapella-Testsiegel

Technische Daten

Modell:Acapella Audio Arts
Harlekin MK II
Produktkategorie:Standlautsprecher
Preis:9.435 Euro / Paar
Garantie:2 Jahre
Ausführungen:Front:
Lack-Ausführung (in jeder gewünschten Automotiv- oder RAL-Farbe)

Korpus:
- Echtholzfurnier (Ahorn, Birne, Makassar, andere Holzsorten auf Anfrage möglich)
- Acryl-Ausführung (in jeder gewünschten Automotiv- oder RAL-Farbe)
- Lack-Ausführung (in jeder gewünschten Automotiv- oder RAL-Farbe)
Vertrieb:Acapella Audio Arts, Duisburg
+49 203 36 12 22
www.acapella.de
Abmessungen (HBT):1215 x 300 x 465 mm
Gewicht:ca. 75 kg / Stück
Prinzip:Zwei-Wege-Lautsprecher, passiv, geschlossen
Hochtöner:1 x 25,4 mm, Kalotte mit Hornansatz
Mitteltieftöner:1 x 254 mm, Konus-Lautsprecher
Frequenzbereich:25 Hz - 25 kHz
Wirkungsgrad:ca. 91 dB / 1 W / 1 m
Impedanz:8 Ohm
Lieferumfang:- Acapella Harlekin MK II
- Bedienungsanleitung
Pros und Kontras:Pros und Kontras:
+ einzigartiges Design
+ ausgezeichnete Verarbeitung
+ agile, frische und transparente Wiedergabe
+ sehr gute räumliche Abbildung und Dynamik
+ Fertigung auf und nach Wunsch des Kunden
+ Service: Beratung und Aufbau-Betreuung, bis der Schallwandler optimal spielt

- kein Bi-Wiring oder Bi-Amping möglich
Benotung:
Klang (60%):96/100
Praxis (20%):98/100
Ausstattung (20%):98/100
Gesamtnote:97/100
Klasse:Referenzklasse
Preis/Leistungsehr gut

lite - DAS LIFESTYLE & TECHNIK MAGAZIN Über uns | Impressum | Datenschutz | Kontakt