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Redakteur
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Mit der 8c präsentiert Dutch & Dutch einen Lautsprecher, der die große Unbekannte jeder Wiedergabe unschädlich macht: den Raum, in dem die Anlage spielt. Dafür ist der aktive Drei-Wege-Lautsprecher mit cleveren Features ausgestattet und ermöglicht sowohl eine Klangoptimierung als auch eine Raumanpassung. Was der High End-Schallwandler noch kann, haben wir in diesem Test herausgefunden.

Durch die aparte Mischung aus naturbelassener Echtholz-Eiche und geschwungener weißer ABS-Front tritt die Dutch & Dutch 8c sehr wohnraumfreundlich auf (Lautsprecher-Ständer Liedtke-Metalldesign).

Das wäre das Ideal: Der Lautsprecher klingt einfach so, wie er ist. Doch hier macht der heimische Raum einen Strich durch die Rechnung: Was wir hören, ist eine Mischung aus dem Direktschall, der von den Boxen auf kürzestem Weg zu unseren Ohren gelangt, und dem Raumschall, der durch Reflexionen des Musiksignals von den Zimmerwänden entsteht und dadurch etwas verzögert bei uns ankommt. Ein Lautsprecher strahlt die Musik nämlich nicht nur nach vorne, sondern – je nach Frequenz – in verschiedenste Richtungen ab. Diesen Raum- oder Diffusschall sollte man nicht unterschätzen, ganz im Gegenteil: Den größten Einfluss auf den Klang einer Anlage hat der Raum, in dem sie spielt. Und meist sind die Räume akustisch nicht ideal, je nach Beschaffenheit betonen sie manche Frequenzbereiche oder dünnen andere wieder aus. Was wäre nun, wenn man diesen Einfluss egalisieren könnte und die Lautsprecher so spielten, wie sie es im Idealfall vermögen? Das ist der Ansatz für die 8c von Dutch & Dutch. Die Niederländer kommen aus dem professionellen Beschallungs- und Studio-Bereich – und das merkt man diesem Schallwandler, mit dem sie nun auch im Consumer-Bereich durchstarten wollen, an.

Das Gehäuse ist mit dickwandigem Echtholz bekleidet, die naturbelassene Maserung fühlt sich genauso gut an, wie sie aussieht.

Aparte Anmutung durch Echtholz-Oberfläche

Die Studio-Monitor-Anmutung haben die Niederländer bei der 8c durch eine sehr ansprechende, wohnraumtaugliche Optik vermieden: Der Lautsprecherkorpus aus fast zwei Zentimeter dickem Birkensperrholz, der innseitig mit Falzverbindungen und umfangreichen Verstrebungen maximal stabilisiert wurde, ist außen mit ebenso dickem, echtem Eichenholz bekleidet. Dessen Struktur kann man beim Darüberstreichen sehr schön fühlen, die Holzoberfläche ist auch optisch ein Hingucker. Erst bei ganz naher Betrachtung fallen die Nahtstellen der Furnierteile auf. Unser Modell ist naturbelassen, alternativ ist der Korpus in schwarz oder braun koloriertem Holz zu haben. Die Vorderseite hingegen besteht aus einer aufgesetzten Front, sie ist durch sechs unsichtbare Gewindestangen mit dem Korpus verbunden, zugleich aber durch eine Spezialdämmung vor den Schwingungen des restlichen Gehäuses gefeit. Diese Schallwand ist in dem Kunststoff ABS realisiert, die Veredlung wurde mit Spritzlack erreicht, so ergibt sich eine wunderbar glatte Oberfläche. Bei der Eiche natur-Version ist diese Front mattweiß oder mattschwarz, bei den anderen beiden Gehäusevarianten hingegen immer mattschwarz. Wir haben als Testexemplar die aparte Kombination Eiche natur/Weiß. Das lässt die 8c deutlich filigraner wirken, als sie de facto ist: Sie bietet die für einen Kompaktlautsprecher stattlichen Maße von 48 mal 27 mal 38 Zentimetern. Diese Größe und die massive Bauweise schlagen, neben der hochwertigen eingebauten Technik, dann auch mit einem Gewicht von 26 Kilogramm zu Buche.

Die Kalotte des Hochtöners sitzt zum Schutz hinter einem Gitter – und zur optimalen Abstrahlung in einem sich sanft gerundeten Waveguide.

Ausgefuchstes Akustik-Konzept

Doch zurück zur Front: Der Kunststoff ABS macht die komplexe und auffällige Gestaltung der Schallwand möglich. Sie besitzt seitliche Rundungen, dazu eine Taillierung und hin zu den beiden Speakern deutliche Vertiefungen. Beim oben positionierten Hochtöner ist sie besonders ausgeprägt: Die Ein-Zoll-Kalotte, die zum Schutz der Aluminium-Magnesium-Membran hinter Gittern sitzt, ist von einer sich sanft öffnenden Schallführung umgeben. Dieser Waveguide sorgt dafür, dass der Hochton nicht nur im sogenannten Sweet Spot seinen vollen Klang entfaltet, sondern auch seitlich von diesem optimalen Hörplatz einen perfekten Frequenzgang bietet. Der Klang bleibt deshalb auch dort tonal ohne Verfärbung. Der darunter sitzende Mitteltöner ist ebenfalls von einer Schallführung eingefasst, die das Abstrahlverhalten verbessert. Das Acht-Zoll-Chassis ist mit einer schwarzen Polypropylen-Gewebe-Membran bestückt, dieser Kunststoff ist leicht und zugleich steif, dazu sorgt die hohe innere Dämpfung des Verbundmaterials dafür, dass die Membran resistent gegen Resonanzen ist. Der aus dem Zentrum herausragende Phase Plug sorgt dabei für die Wärmeableitung des hinter der Membran sitzenden Chassisantriebs. Der Mitteltöner muss nämlich ordentlich arbeiten, er übernimmt ab 1.250 Hertz und schallwandelt dann bis runter bis 100 Hertz.

Auch der Mitteltöner ist in die kunstvoll geformte Schallwand mit einer Schallführung eingepasst.

Cardioid-Lautsprecher

Ein Chassis dieser Größe strahlt im tiefen Mittenbereich seinen Schall aber nicht nur in Richtung Hörer, sondern in alle Richtungen. Diese Schallanteile werden von den Wänden reflektiert, vermischen sich dann mit dem Original-Signal und führen so zu einer Klangverschlechterung. Deshalb verfolgt Dutch & Dutch ein ausgefuchstes akustisches Konzept, um die Schallabstrahlung zusätzlich zu den Waveguides zu optimieren: An den Seiten des Gehäuses sehen wir vergitterte Öffnungen, hier kann also jener Schall nach außen dringen, den der Mitteltöner bei seiner Rückwärtsbewegung in die Box hinein abstrahlt. An den Gehäuseöffnungen trifft dieser austretende Schall nun auf den rundherum in den Raum abgestrahlten Schall des Mitteltöners. Da diese beiden Schall-Anteile phasenverkehrt sind, löschen sie sich hier weitgehend aus. Damit strahlt die 8c ihre Mitten nicht rundherum ab, sondern in einer Art Nierenform: viel nach vorn, wenig zu den Seiten und nach hinten. Eine derart abstrahlende Box nennt man auch Cardioid-Lautsprecher – und genau dafür steht das „c“ im Modellnamen. Durch diesen Kniff kann man die 8c nah an die Wand stellen, ohne sich die negativen Klangeinflüsse von Reflexionen einzuhandeln. Der geringe Wandabstand ist aber nicht nur möglich, sondern auch überaus erwünscht – und damit sind wir beim zweiten Teil des Konzepts.

Die seitlichen Gehäuseöffnungen sorgen dafür, dass der Mitteltöner nicht rundum abstrahlt, sondern als Cardioid-Lautsprecher den Schall überwiegend nach vorne abgibt. So werden klangschädliche Schallreflexionen von den Seiten und der Rückwand vermieden.

Interaktion mit dem Gemäuer

Der zweite Teil betrifft die Basswiedergabe. Von den Bässen war bislang noch gar keine Rede, sie sieht man erst, wenn man sich die Rückseite der 8c anschaut: Hier sind zwei 8-Zoll-Subwoofer mit Aluminium-Membranen untergebracht. Diese beiden leistungsstarken Langhub-Lautsprecher strahlen also in Richtung Wand – und somit genau in die Direktion, die für die Schallausbreitung der Mitten tabu ist. Was dort schädlich ist, wird beim Bass genutzt – und funktioniert wegen der großen Wellenlängen der tiefen Töne bestens: Die Subwoofer sind extra so konzipiert, dass sie in Interaktion mit dem Gemäuer treten, die Wand anregen und sie zur Schallabstrahlung nutzen. Die Subwoofer bilden mit der Wand also ein akustisches System, das keine diffuse Reflexion des Schalls bewirkt, sondern eine halbkugelartige Abstrahlung. Für diese akustische Kopplung sollte der Abstand zum rückwärtigen Gemäuer gering sein, zehn bis 50 Zentimeter sind ideal. Doch was ist nun, wenn der Raum nicht mitspielt, wenn die Wände gerade hier für ein Wummern sorgen und das Zimmer auch ansonsten nicht gerade ideale akustische Bedingungen bietet?

Die beiden Subwoofer strahlen gen Rückwand und bilden mit ihr ein akustisches System für die Basswiedergabe.

Passgenaue Abstimmung auf den Raum

Damit die Dutch & Dutch 8c auch wirklich passgenau auf den Raum abgestimmt ist, kann man bei diesem Lautsprecher eine Raumanpassung vornehmen – besser: vornehmen lassen. Hierfür sollte Ihr Fachhändler einen Einmess-Service anbieten. Das dafür nötige Equipment inklusive einer Schritt-für Schritt-Erklärung bekommt man dann zugeschickt: Ein Messmikrofon samt Stativ, das man am Hörplatz aufbaut, ein Audio-Interface, an das man einerseits die Lautsprecher anschließt – und andererseits das ebenfalls bereitgestellte Notebook. Die beiden 8c-Boxen schließt man nun per LAN-Kabel an das heimische Netzwerk an und gewährt den Lautsprechern Zugang zum LAN. Das erledigt man ebenso über das Notebook wie den Start des Webbrowsers: Mit einem Fingertipp wird automatisch die App zur Einstellung und Steuerung aufgerufen. Im Idealfall tauchen auch sofort beide Lautsprecher samt ihrer Seriennummer auf. Nun gewährt man dem Fachhändler über die Fernwartungssoftware „TeamViewer“ den temporären Zugang zum Netzwerk – und ab hier übernimmt der Fachhändler die Raumanpassung. Dafür wird über jede 8c einzeln ein sogenannter Frequenz-Sweep geschickt, also ein kontinuierlicher Ton, der bei den ganz tiefen Frequenzen startet und bis hin zu den ultrahohen Tönen ansteigt. Das Mikrofon zeichnet den Ton auf – und so kann man das ausgesandte Referenzsignal mit dem im Raum aufgenommenen Signal vergleichen. Daraufhin nimmt der Fachhändler aus der Ferne die nötigen Korrekturen vor, damit der Raum egalisiert wird. Anschließend gibt es einen Kontroll-Messvorgang – und wenn alles stimmt, werden die Daten für diesen Raum in dem Lautsprecher gespeichert, der interne Soundprozessor arbeitet ab nun mit diesem Klangprofil. Hier ist größte Akribie geboten: Die Software warnt nicht immer vor der Eingabe von Werten, die für den Prozessor „unverdaulich“ sind – und so kann es passieren, dass die 8c beim nächsten Einschalt- und Boot-Vorgang streikt. Mit dem Soundprozessor der 8c kann man übrigens auch nachträglich jederzeit Klangeinstellungen vornehmen, dafür bietet die App auch einen einfach bedienbaren Equalizer.

Die Browser-basierte App ermöglicht das Klang-Management: So kann man jederzeit die Einstellungen ändern und auch Höhen und Bässe anpassen. Hier werden auch die Daten eingetragen, die sich aus der Raumeinmessung ergeben. Bis zu 27 Filter können gesetzt werden, um die 8c an das Ambiente anzupassen.

Mehr als ein Lautsprecher

Wir haben es schon gemerkt: Die 8c ist mehr als ein gewöhnlicher Lautsprecher. Das zeigt schon ein Blick auf die Anschlüsse – und hier merkt man, dass Dutch & Dutch aus dem Tonstudio- und Profi-Bereich kommen. Die Musik nimmt die 8c über eine XLR-Buchse entgegen. An diesem Audio-Input kann man sowohl analoge Signale zuspielen als auch digitale Files einspeisen – diese Kombi-Buchse funktioniert also als symmetrischer analoger Eingang oder als digitale AES3-Schnittstelle. Das sind Gold- und Studio-Standards bei der Signalzuführung. Allerdings ist AES begrenzt: Über diesen Standard ist nur PCM bis 96 Kilohertz/24 Bit möglich, diese HiRes-Qualität übersetzt der interne High End-DAC dann wieder in analoge Signale. Wer die 8c digital nutzt, geht bei der Verkabelung von der Quelle zum Input des einen Lautsprechers, führt das Signal über die „Thru“-Buchse wieder mit einem zweiten Kabel heraus, dann in den anderen Lautsprecher hinein und terminiert den dortigen Thru-Ausgang mit dem mitgelieferten Stecker – mit dieser Verlinkung funktioniert die Digital-Verkabelung. Damit die Boxen wissen, wer sie sind und was sie tun sollen, besitzt das Terminal auch einen Set-Taster.

Die linke Kombi-XLR-Buchse akzeptiert wahlweise ein analoges symmetrisches Signal oder ein digitales AES3-Signal. Den Modus stellt man mit dem rechten Taster ein. Über ihn definiert man die Box im digitalen Modus als linken oder rechten Schallwandler, im analogen Modus legt man hier die Eingangsempfindlichkeit fest. Die LED zeigen die aktuelle Einstellung an. Die weiteren Buchsen dienen der Weiterleitung des Digitalsignals („Thru“), dem Anschluss eines Subwoofers („Sub“) und der Anbindung an das heimische Netzwerk („Network“).

1.000 Watt-Verstärker in audiophilem Class-D

Mit diesem Taster bestimmt man, ob die 8c im Digital-Betrieb als linke oder rechte Box funktionieren soll, im analogen Betrieb hingegen legt man hier die Eingangsempfindlichkeit der 8c fest – entweder wählt man für kräftige Musiksignale „high level“ (+4 dBu), oder für schwächere Signale „low level“ (-10 dBV). Eine LED zeigt uns an, welche Einstellung gerade aktiv ist. Dies sind typische Funktions-Features eines Studio-Lautsprechers. In diesem Anwendungsbereich ist es auch üblich, dass Lautsprecher aktiv sind – und so hat auch die 8c ihre Verstärker gleich an Bord: Für den Hochton und den Mittelton arbeitet jeweils ein 250 Watt-Amp, für die Subwoofer kommt ein 500-Watt-Kraftwerk zum Zuge. Macht insgesamt 1.000 Watt Leistung – pro Box! Die Verstärkermodule stammen von Pascal Audio, die Dänen genießen einen exzellenten Ruf und haben die Class-D-Technik, mit der auch die Verstärker der 8c funktionieren, im audiophilen Bereich hoffähig gemacht. Bleibt noch die RJ45-Buchse: Die hierüber hergestellte Netzwerkanbindung wird bislang allein für die Klangoptimierung und Raumanpassung genutzt, aber geplant ist natürlich, hierüber auch das Musikstreaming möglich zu machen. Das ist allerdings noch Zukunftsmusik, genauso wie die schon seit längerem in Aussicht gestellte Roon-Fähigkeit. Bleiben wir also bei dem, was die 8c aktuell bietet – und das ist bereits beeindruckend.

Das Equipment zur Raumanpassung wird zur Verfügung gestellt, der Aufbau geht schnell und einfach.

Die Dutch & Dutch 8c in der Praxis

Um die 8c betreiben zu können, benötigen wir nun noch einen Zuspieler mit Lautstärkeregelung, wir nutzen dafür unseren RME ADI-2 DAC, als Abspieler dient ein Laptop mit der audiophilen Player-Software Audirvana Plus, der die Tracks aus unserem Netzwerk abspielt. Wir haben die Einmessung der 8c in einem schön herausfordernden Raum mit einer netten Bassüberhöhung vornehmen lassen – schließlich wollen wir ja wissen, was die Raumanpassung leistet. Um nachvollziehen zu können, was sich ändert, haben wir uns vor der Einmessung ein Stück angehört, das wir nun, nach der Anpassung, gleich als erstes wieder wählen: Ingram Washington singt die wunderschöne Dinah Washington-Nummer „What A Difference A Day Makes“. Für uns lautet die schlagende Erkenntnis allerdings so: What A Difference A Room Equalization Makes! Vorher hatten wir schon eine Ahnung, welche Klasse die 8c hat, aber jetzt merken wir, wie gut die weitgehende Egalisierung des Raumeinflusses dem Klang tut. Das betrifft zuallererst den Bass: Hier hatten wir vorher einen sehr voluminösen Tiefton. Das mag einem unverstärkten Kontrabass, wie ihn Peter Bjornild hier spielt, manchmal gut tun, weil ein gezupfter akustischer Viersaiter schon durchaus seine trockenen Momente hat. Doch so war es einfach zuviel des Guten, das Instrument klang schon nicht mehr natürlich. Hinzu kam, dass durch den überprominenten Bass etliche Details des Klangbilds verdeckt wurden. Jetzt sind diese Details klar zu hören – die Raumanpassung vergrößert damit den akustischen Reichtum dieser exzellenten Aufnahme. Das beginnt schon beim sanften Becken des Schlagzeugs, das lange ausklingt und nun über fast drei Takte hinweg wahrnehmbar ist – und zwar mit all den feinen, changierenden Nuancen, die angeschlagenes Metall beim Ausklingen zu bieten hat. Dieses akustische schillernde Metall ist vorher irgendwie im leichten Klangmulm, den der Raum erzeugt, verschluckt worden.

Mithilfe des Messmikrofons wird die 8c so klangoptimiert, dass der Einfluss des Zimmers egalisiert wird.

Überragende Abbildung

Von der neuen Reinheit profitiert natürlich auch die räumliche Abbildung. Das Schlagzeug, auf das wir schon unser Ohrenmerk gelegt hatten, ist nun deutlich exakter zu verorten – und zwar mit jeder Trommel und in jeder Dynamikabstufung. Das ist hier ein besonderes Fest, denn Drummer Marcel van Engelen spielt mit Besen statt mit Stöcken. Das sorgt für einen ganz eigenen, sehr feinen Klang beim Anschlag der Snare oder der Toms, hier bieten die vielen feinen Drähte der Besen die Möglichkeit, den Anschlag sehr sensibel zu gestalten, und genau dies vollführt van Engelen: Obwohl sein Spiel eigentlich sparsam ist und von wohlgesetzten Akzenten lebt, ist diese ungemein transparente und körperhafte Wiedergabe schlicht großartig! Dabei sitzt der Schlagzeuger hinter einer durchaus starken Besetzung, die Combo umfasst neben dem Bassisten noch einen Pianisten, einen Tenorsaxophonisten, einen Flügelhornisten, eine Harmonika-Bläserin und einen Violinisten. Alle diese Musiker stehen auf der imaginären Bühne vor uns, die Plastizität ist exzellent. Dieser Eindruck ändert sich auch kaum, wenn wir auf dem Sofa zur Seite rücken und damit die optimale Hörzone verlassen. Der Klang bleibt tonal verfärbungsfrei, die Abbildung stabil – und im Zentrum steht nach wie vor Ingram Washington mit seiner dunkel timbrierten, sonoren Bassstimme. Washington weiß, wie virtuos man mit der Stimme spielen kann: sanftes Raunen, leichtes Hauchen, wohlgesetzte kleinste Atmer, mal durch den Mund, mal durch die Nase – all diese Kleinigkeiten, die beim Hören für eine Gänsehaut sorgen, transportiert die 8c mit einer sagenhaften Selbstverständlichkeit. Diese Feinstaufösung geht einher mit einer ausgezeichneten Offenheit und Akkuratesse: Washingtons Gesang ist mit einem ausladenden Hall versehen, wir können die Augen zumachen und die wunderbare Weite genießen, die dieser Hall uns vorgaukelt. Die 8c entführt uns aus unserem Alltag und versetzt uns in einen andern Raum. Unser Zimmer ist akustisch offenbar inexistent geworden.

Der Phase Plug in der Mitte des Mitteltöners dient der Wärmeableitung. Der Metalldom verhindert, dass der hinter der Membran sitzende Antrieb des Mitteltöners überhitzt.

Entdeckungserlebnis

Das zahlt sich natürlich auch bei Aufnahmen aus, die komplett auf Raum- und Klangwirkung hin komponiert und produziert sind. Bestes Beispiel dafür ist das Klangtüftler-Duo Yello. Wir wählen „Till Tomorrow“, die Yello-Kollaboration mit dem Trompeter Till Brönner. An diesem Track beeindruckt uns aber erst einmal etwas anderes als der Weltklasse-Bläser: die Bassfähigkeit der 8c. Ein synthetisches Tiefton-Pattern leitet den Track ein, und dieser Bass ist überraschend voluminös. Gut, die 8c besitzt nun auch einen relativ großen Korpus, allerdings spielen die Woofer hier in einem geschlossenen Gehäuse, was den Bass sehr kontrolliert macht, ihn aber auch in der Tiefe begrenzt. Doch hier kommt ja die Rückwand als Teil des Bass-Abstrahlsystems mit ins Spiel – und es zahlt sich erneut aus, dass der Raum durch die Einmessung neutralisiert ist. Zuvor hätten wir nun keinen fetten, sondern einen fettigen Bass gehabt, der ein wenig zum Wummern neigt. Nun ist der Tiefton ungemein konturiert und präzise. Die abgesetzten Töne des Bass-Patterns sind ein Genuss für sich! Nominell spielt die 8c bis 30 Hertz, wir sind uns aber sicher, dass die Wiedergabe noch tiefere Frequenzen erreicht. Der Genuss geht nun mit der Dreidimensionalität dieser Musik weiter: Wir erleben hier einen unendlichen Kosmos an Klängen und Geräuschen, Effekten und Stimmenraunen, die uns in einem riesigen virtuellen Raum, den uns die 8c aufbaut, umgeben und einhüllen, mal links starten und dann rechts scheinbar in die Unendlichkeit entschwinden – die Masse der akustischen Reize ist schon fast überbordend. Durch die klare und feinauflösende Schallwandlung wird das Zuhören zu einem regelrechten Entdeckungserlebnis. Till Brönner steht nun mitten in diesem überwältigenden Klanggeschehen, er spielt fantastisch – aber die wahre Attraktion dieses Tracks ist die von Yello um ihn herum kreierte Klangwelt und die Wiedergabe durch die 8c.

Trotz ihres Volumens fügen sich die Dutch & Dutch 8c gut in den Wohnraum ein. Am besten positioniert man sie auf Stativen, so verhindert man Schwingungsübertragungen zwischen Lautsprecher und dem Sideboard.

Fazit

Die Dutch & Dutch 8c bringt die Qualitäten eines exzellenten Studio-Monitors in das heimische Wohnzimmer: Der aktive Drei-Wege-Kompaktlautsprecher spielt ungemein klar, offen und präzise, das Klangbild ist neutral, auch außerhalb des Sweet Spots verfärbungsfrei und bietet einen überraschend kräftigen Bass. Dies ermöglicht das akustische Konzept der 8c: Einerseits wird der Schall durch Waveguides vor den Chassis geführt, andererseits wird der Mittteltöner durch seitliche Gehäuseöffnungen zum Cardioid-Lautsprecher, wodurch er überwiegend nach vorne strahlt und ungewünschte Raumreflexionen vermeidet. So wird der Raumeinfluss reduziert – und so ist eine wandnahe Aufstellung möglich, die für die Basswiedergabe auch gewünscht ist: Die beiden Subwoofer strahlen zur hinteren Seite und bilden mit der Rückwand des Raums ein akustisches Wiedergabesystem. Um den ansonsten klangverschlechternden Einfluss des Ambientes zu egalisieren, lässt sich die 8c durch den integrierten Soundprozessor auf den Raum anpassen und klangoptimieren. So kann der mit 1.000 Watt-Verstärkern bestücke Lautsprecher ungeachtet des Raums seine akustischen High End-Qualitäten ausspielen – und die sind derart exzellent, dass man mit der 8c ein musikalisches Entdeckungserlebnis hat.

Test & Text: Volker Frech
Fotos: Philipp Thielen

Gesamtnote: 97/100
Klasse: Referenzklasse
Preis-/Leistung: angemessen

98

96

96

190823.Dutch & Dutch-Testsiegel

Technische Daten

Modell:Dutch & Dutch
8c
Gerätekategorie:Kompaktlautsprecher, aktiv
Preis:ab 9.950,00 Euro / Paar
Garantie:2 Jahre
Ausführungen:- Korpus: Eiche natur, Front: Weiß
- Korpus: Eiche natur, Front: Schwarz
- Korpus: Schwarz, Front: Schwarz (+ 400,00 Euro)
- Korpus: Braun, Front: Schwarz (+ 400,00 Euro)
Vertrieb:Dutch & Dutch, Rotterdam
Tel.: +31 10 737 0863
info@dutchdutch.com
Abmessungen (H x B x T):480 x 270 mm x 380 mm
Gewicht:26 kg / Stück
Prinzip:3 Wege, aktiv
Hochmitteltöner:1 x 25,4 mm Kalottenmembran (Aluminium-/Magnesium-Legierung)
Mitteltöner:1 x 200 mm Konusmembran (Polypropylen-Gewebe-Membran)
Tieftöner: 2 x 200 mm Langhub-Subwoofer, Konusmembran (Aluminium)
Frequenzgang:30 Hz - 20 kHz (+/- 1 dB)(Herstellerangabe)
Übergangsfrequenzen100 Hz, 1.250 Hz
Schalldruckpegel (max.):106 dB (Herstellerangabe)
Leistung der Verstärkermodule:2 x 250 W + 1 x 500 W (Herstellerangabe)
Eingänge/Schnittstellen:1 x analog (symmetrisch, XLR)
1 x digital (AES3, XLR)
1 x RJ45 (nur Daten)
Ausgänge:- 1 x analog (symmetrisch, XLR) für Subwoofer
- 1 x digital (AES3, XLR) zur Signalweiterleitung
Maximale Samplingrate/Auflösung:PCM 96 kHz/24 Bit
Lieferumfang der getesteten Konfiguration:- Dutch & Dutch 8c
- Bedienungsanleitung
Pros und Contras:+ exzellente räumliche Darstellung
+ höchst präzises, natürliches Klangbild
+ akkurater Bass
+ digitale Raumakustik-Korrektur und Klangregelung
+ Eingänge mit Studio-Standard (symmetrischer Analog-Eingang, digitale AES3-Schnittstelle
- einstellbare Eingangsempfindlichkeit

- keine S/PDIF-Schnittstelle
- HiRes nur PCM bis 96 Kilohertz/24 Bit möglich
Benotung:
Klang (60%):98/100
Praxis (20%):96/100
Ausstattung (20%):96/100
Gesamtnote:97/100
Klasse:Referenzklasse
Preis/Leistungangemessen

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