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Am Onlinegiganten Amazon kommt heutzutage keiner mehr vorbei. Dabei fing alles sehr bescheiden für das Unternehmen mit Hauptsitz in Seattle an – Jeff Bezos gründete Amazon 1994 in seiner Garage in Seattle als Onlineversandhandel für Bücher. Heute kann man auf Amazon praktisch alles kaufen, was es zu kaufen gibt – von Büchern über Haushaltswaren bis hin zu Bekleidungsartikeln, Kosmetik und Video-Streaming. Amazon gilt zwar nach wie vor als größter Buchladen der Welt mit einer Auswahl von 1 Million Büchern. Doch der Internetriese will mehr – und zwar ein ernstzunehmender Player im Bereich der Lebensmittelbranche werden.

In der Lebensmittelbranche geht es um ein riesiges Geschäft. Jedes Jahr geben die Deutschen rund 176 Milliarden Euro für Lebensmittel aus. Der Online-Handel in diesem Bereich steckt in Deutschland allerdings noch in den Kinderschuhen und spielt eine weitgehend unbedeutende Rolle: Nur rund ein Prozent des Umsatzes in der Branche entfallen auf das Internet. Nachdem Amazon 2017 bereits die US-Supermarktkette Whole Foods erwarb wagte der Internetgigant den Sprung nach Europa – der Deal mit Whole Foods hatte nahegelegt, dass Amazon nach Supermarktketten für Kooperationen in seinen Hauptmärkten suchen könnte, darunter Großbritannien, Frankreich und Deutschland.

Die ersten Gehversuche im Lebensmittelmarkt hat Amazon bereits hinter sich. Jetzt will der Online-Gigant mehr … (Bild: pixabay.com/Alexas_Fotos).

Partnerschaft mit französischer Supermarktkette Monoprix

Dass Amazon seine Marktpräsenz weiter ausweiten will, zeigt sich unter anderem am Zusammenschluss mit einer der größten Supermarktketten Frankreichs, Monoprix. In Zukunft will die französische Supermarktkette, deren Mutterkonzern, den etwas irreführenden Namen Casino trägt. Gewöhnlich assoziiert man Casinos oder auch Online Casinos mit Slot Maschinen, Pokertischen und gut gekleideten Menschen, seltener mit Gemüse und Produkten aus dem Kühlregal. Das erste Gebäude des erfolgreichen Einzelhandelsunternehmen war auch ursprünglich eine Spielbank. Sie wurde vom Eigentümer der heutigen Supermarktkette, Geoffroy Guichard, gekauft und in ein Lebensmittelgeschäft umgewandelt.
Auch Morrisons, die viertgrößte Supermarktkette in Großbritannien, ist bereits eine Kooperation mit dem Internetriesen eingegangen. Künftig werden frische Produkte und Tiefkühlkost geliefert, die Amazon Prime-Kunden beispielsweise per Smartphone online über das Programm „Amazon Fresh” von Morrisons bestellen können. Kooperationen mit deutschen Supermärkten stehen aber noch aus. Interesse von Amazon besteht Gerüchten nach aber an Real, der Supermarkt-Tochter des Handelsrieses Metro. Fast ein halbes Dutzend Liefer-Partnerschaften hat Amazon mittlerweile, darunter Rossmann. Die Drogeriemarktkette legt die Preise und das Sortiment fest, Amazon sorgt für den Online-Vertrieb und die Logistik.

Amazon Fresh liefert Essen vor die Haustür

Über einen Einstieg von Amazon Fresh in den deutschen Markt wurde längst schon spekuliert. Der Supermarktservice ist bis jetzt in rund 20 Städten weltweit verfügbar, von den USA bis nach London sowie in Teilen von Tokio. Seit 2017 können ausschließlich Amazon Prime-Kunden in Teilen Berlins, Potsdams, Hamburg und München über Amazon Fresh per Computer oder Tablet frische Lebensmittel online bestellen. Insgesamt rund 85.000 Produkte bietet Amazon Fresh an, von Obst und Gemüse über frisches Fleisch bis hin zu Backwaren, darunter 6.000 Bio-Produkte. Und zwar nicht nur von großen Supermarktketten – auch llokale Geschäfte und Restaurants können ihre Produkte über Amazon Fresh vertreiben. Für die Lieferung wird pro Monat eine zusätzliche Gebühr fällig. Ab einem Bestellwert von 40 Euro können Amazon Prime-Mitglieder zudem eine unbegrenzte Anzahl von Artikeln versandkostenfrei bestellen. Bestellungen, die bis Mittag bei Amazon eingehen, werden noch am selben Tag versandt. Bestellungen am nächsten Tag sind danach in einem ausgewählten zweistündigen Fenster möglich, sofern sie bis 23:00 Uhr eingehen. Amazon verspricht zudem, dass, wenn ein Kunde einen Artikel bestellt, der nicht mehr verfügbar ist, das Unternehmen einen Ersatz mitsendet, wenn der Artikel wieder vorrätig ist. Für frische Ware, die nicht den Erwartungen entspricht, werden die Kosten erstattet.

Ab einem Warenwert von 40 Euro könnenPrime-Mitglieder versandkostenfrei bestellen (Bild: pixabay.com/kirstyfields).

Bauchschmerzen beim Lebensmittelhandel

Dem Lebensmittelhandel in Deutschland bereitet Amazon Fresh Bauchschmerzen. Denn Deutschland ist für Amazon der zweitwichtigste Markt der Welt. Mit Amazon als potentiell neuen Player im Bereich der Lebensmittelbranche könnte es zu einer Verschärfung des Wettbewerbs in Deutschland kommen, wie der ehemalige Vorstandsvorsitzende der Supermarktkette Rewe, Alain Caparros, vor der Einführung von Amazon Fresh warnte. Denn allein schon wegen des preislichen Unterschiedes zwischen Produkten, die man bei Amazon Fresh oder dem lokalen Supermarkt um die Ecke kaufen kann, wird es wahrscheinlich zu Preiskämpfen kommen. Zu den am stärksten gefährdeten Unternehmen zählen kleine regionale Ketten, die bereits vor dem Auftauchen von Amazon einem intensiven Wettbewerb ausgesetzt waren.
Der Einstieg von Amazon in den Lebensmittelmarkt wird damit den Druck auf traditionelle Supermärkte auf der ganzen Welt erhöhen, die von der Umstellung auf Online-Shops, kleinere lokale Geschäfte und Discounter wie Aldi und Lidl betroffen sind. Experten sehen die Einführung von Amazon Fresh als aggressive Ausweitung der Marktmacht von Amazon im Bereich der Lebensmitteleinzelhandels- und Dienstleistungswirtschaft an. Zudem bestehen so für das Unternehmen weitere Möglichkeiten, mehr Informationen über Kunden zu erhalten, von ihrer Gesundheit bis zu ihren Lieblingsmarken.

Welche Kooperationen Amazon mit deutschen Supermarktketten eingeht, ist derzeit noch nciht klar (Bild: pixabay.com/TeroVesalainen).

Von Büchern zu Lebensmitteln

Amazon hat seine Wurzeln als Online-Buchhandlung längst überschritten. Die Entscheidung, sich mit Whole Foods zusammenzuschließen und 2017 mit Amazon Fresh den Angriff auf die deutsche Lebensmittelbranche zu starten, mag im Widerspruch zum ursprünglichen Online-Konzept von Amazon stehen. Tatsächlich bietet Amazon bereits seit über einem Jahrzehnt einen Lebensmittel-Lieferservice an. Amazon Fresh wurde 2007 erstmals in der Beta-Phase in Mercer Island, Washington, gestartet und expandierte später nach Seattle, San Francisco, Los Angeles, San Diego, New York und Philadelphia sowie in viele andere US-amerikanische Städte. Bisher hatte Amazon mit seinem Konzept nur begrenzte Auswirkungen auf den Lebensmittelmarkt – Prognosen zeigen aber, dass sich das ändern könnte. Inwieweit die preissensiblen Konsumenten in Deutschland das Angebot von Amazon Fresh annehmen werden und Amazon seine Kooperationen mit deutschen Supermärkten angehen wird, bleibt abzuwarten. Noch ist Amazon Fresh bei den Kunden nicht wirklich angekommen, aber für die noch überschaubaren Lieferziele Berlin, Potsdam, Hamburg und München, funktioniert das System frische Lebensmittel schnell zu verschicken und an die Haustür zu liefern dennoch erstaunlich gut.

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