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Redakteur

Es gibt Sätze, die möchte man als Kunde nicht hören. Etwa den: „Dieser Lautsprecher ist leider nur als Standbox lieferbar und ausschließlich in Schwarz.“ In Zeiten von „Geht nicht gibt’s nicht“ kann das nicht die Lösung, sein, hat sich Inklang gedacht. Der Hamburger Boxenhersteller setzt deshalb auf ein Konzept mit Köpfchen: Customizing. Dadurch wird alles veränderbar. Alles? Fast alles – das Design und der Klang sind nicht verhandelbar.

Die 10.2 setzt Akzente: Mit ihrer charakteristischen Form und der erstklassigen Lackierung werten diese Lautsprecher den Wohnraum auf.

Die 10.2 setzt Akzente: Mit ihrer charakteristischen Form und der erstklassigen Lackierung werten diese Lautsprecher den Wohnraum auf.

Customizing ist die Kunst, ein Serienprodukt mit so vielen Wahlmöglichkeiten anzubieten, dass der Kunde am Ende doch etwas Eigenes hat. Das Verfahren ist in anderen Branchen Gang und Gäbe, etwa in der Autoindustrie, wo durch die verschiedenen Ausstattungsoptionen ein Wunschwagen entsteht. Dieses Konzept hat Thomas Carstensen, der Gründer und Geschäftsführer von Inklang, auf den Boxenbau übertragen in seiner Serie „AdvancedLine“ realisiert. Hier bietet er für die verschiedensten Vorlieben, Anforderungen und Raumgrößen sieben Basis-Modelle vom großen Standlautsprecher bis zur kleinen Regalbox an, mittlerweile hat Inklang das Angebot noch um einen Center-Lautsprecher ergänzt, um auch den Heimkino-Markt zu erschließen. Diese Standard-Modelle kann der Kunde nun konfigurieren. Das geht bei einem Besuch im Vorführraum an den Hamburger Elbbrücken, wo Inklang persönliche Beratungsgespräche anbietet, das geht aber auch mit dem Konfigurator auf der Inklang-Homepage. So oder so: Dem Kunden stehen auf dem Weg zum Wunschlautsprecher über 400 Varianten offen. Zwei Eigenschaften sind allerdings gesetzt: Die Gehäusegeometrie und die Lautsprecherbestückung. Sie bürgen schließlich für den optischen und akustischen Charakter der AdvancedLine. Das gilt auch für den kleinsten Vertreter der Reihe, die 10.2. Diese Kompaktbox haben wir in einer maßgeschneiderten Version zum Test gebeten.

Customizing von der Couch: der Konfigurator

Das Maßschneidern geht mitunter flott. Wer weiß, dass sein Klang von Inklang kommen soll, kann sich seinen Wunsch-Wandler bequem vom Sofa aus zusammenstellen, hierfür haben die Hanseaten ihren Konfigurator entwickelt. Dieser Online-Auswahlberater führt einen Schritt für Schritt zu einer Lösung, die den eigenen Wünschen und Bedürfnissen am Besten entspricht. Am Anfang steht die Größe des Raums, in dem die Boxen spielen werden. Wir wollen ein kleines Habitat beschallen, klicken also „Bis 25 qm“ an – und schon pickt der Konfigurator die geeigneten Modelle aus dem Portfolio. Uns schwebt ein kleine Box vor, die entweder auf einem Sideboard stehe soll oder auf einem Ständer, und wir möchten diese Box auch mit einem kleineren Verstärker ab 20 Watt betreiben können. Zwei Modell bleiben nun noch übrig, wir wählen die fast schon handliche, etwa schuhkartongroße 10.2.

Inklangs Kompakteste: die 10.2 AdvancedLine

Mit dieser kleinsten Box der AdvancedLine haben wir uns für einen Zwei-Wege- Bassreflex-Wandler entschieden, ein Hochtöner und ein Tiefmitteltöner sorgen für den Klang – und beim ersten Anblick für ein wenig Verwunderung: Der Kalotten-Tweeter sitzt unter dem Tief-/Mittentöner. Inklang spricht dieser Chassis-Anordnung eine Reihe von Vorteilen zu: Sie soll die Aufstellung des Lautsprechers leichter machen, sie soll zu einem Plus bei Präzision und Tiefenstaffelung führen, durch den größeren Abstand zwischen dem oben positionierten Tiefmitteltöner und der unten angesiedelten Bassreflexöffnung werde die Tieftonausbeute der Bassreflexabstimmung verbessert, überdies werde der Mitteltonanteil, der über das Bassreflexrohr austritt, deutlich reduziert, und nicht zuletzt habe so das Abstrahlverhalten des gesamten Lautsprechers verbessert werden können.
Diese Speaker-Anordnung ist ein weiteres Kennzeichen der Inklang-Lautsprecher – wie auch die Wahl der Chassis: Inklang verwendet durchweg Schallwandler des renommierten norwegischen Herstellers SEAS. Bei der 10.2 AdvancedLine ist ein 29-Millimeter-Hochtöner mit leichtem Hornvorsatz und starkem Magnetsystem für die Dynamik und den Detailreichtum verantwortlich, unterhalb von 2.400 Hertz übernimmt dann ein 12-Zentimeter-Treiber die Mitten und Bässe. Hier kommt ein Chassis in Langhub-Ausführung zum Zuge. Bei derartigen Schallwandlern können die Schwingspule im Magnetfeld und damit auch die Membran weiter auslenken; durch diesen längeren Hub erreicht der Wandler ein größerer Schalldruck. So liefert der Speaker trotz seiner geringer Membranfläche genügend Pegel im Bassbereich. Durch die stärkere Auslenkung entsteht aber auch mehr Wärme – und weil der Tieftmitteltöner eh die meiste Arbeit verrichten muss und damit Hitze produziert, sitzt in der Mitte der Membran ein sogenannter Phase-Plug, diese konusförmige „Nase“ sorgt für die Ableitung dieser Antriebs-Wärme.

Inklang setzt den Hochtöner unter den Tiefmittentöner - diese Anordnung soll akustische Vorteile bieten und ist ein Merkmal der AdvancedLine.

Inklang setzt den Hochtöner unter den Tiefmittentöner – diese Anordnung soll akustische Vorteile bieten und ist ein Merkmal der AdvancedLine.

Wahl ohne Qual

Wir haben uns also grundsätzlich das Modell 10.2 ausgesucht, und nach der Entscheidung für eine Basis-Box kommt nun die eigentliche Konfiguration. Dieses Auswählen und Probieren macht richtig Spaß, weil wir den aktuellen Ausstattungsstand unserer zukünftigen Lautsprecher direkt in einer 360-Grad-Vorschau sehen können. Zuerst stellt sich die Frage, ob wir die Box auf den optionalen Design-Fuß stellen möchten. Der sieht wirklich schick aus, schlägt allerdings mit knapp 400 Euro zu Buche. Wir bestellen den Lautsprecher erst mal ohne Ständer und werden ihn wohl auf unser Sideboard stellen. Jetzt geht es um die Farbe – und hier herrscht an Auswahl nun wirklich kein Mangel: Inklang bietet sieben Trendfarben von Schneeweiß bis Schlammbraun, dazu die drei Akzentfarben Violett, Petrol, Senf; wer hier noch nicht fündig geworden ist, sucht sich den genehmen Farbton aus dem gesamten Spektrum der Normen NCS oder RAL aus. Die aktuellste Steigerung dieser Auswahl-Fülle: Wer seine Wände mit den Farben des englischen Herstellers Farrow & Ball gestaltet hat, kann seine Boxen in einem exakt darauf abgestimmten Ton bestellen. Für derlei Wünsche ist ein leichter Aufpreis fällig. Wir leisten uns ein kräftiges Petrol.

Der nächste Schritt ist weniger augen- als ohrenfällig: Inklang bietet uns an, bei der Frequenz-weiche aufzurüsten: Statt der Standardversion können wir eine „Referenz-Frequenzweiche“ einbauen lassen, Inklang verspricht uns ein nochmals gesteigertes Klangerlebnis. Gut, nehmen wir, die Edel-Platine besticht bei der Begutachtung durch beste Bauteile, und sie imponiert auch durch ihr Gewicht: Satte 772 Gramm an allerfeinster Elektrotechnik. Das ist uns den Aufpreis von knapp 90 Euro wert, schließlich haben wir hier erstmals Einfluss auf die klangliche Qualität der Box, also quasi audiophile Mitbestimmung. Weiter geht es mit der Ausstattung in der Abteilung „Exterieur/Zubehör“: Sollen die Sockelplatte und die Füße silbern oder schwarz eloxiert sein? Sollen die Boxen auf Spikes gelagert werden statt auf den standardmäßig gelieferten Standfüßen? Brauchen wir zum Schutz eine Abdeckung für die Lautsprecher? Schauen wir mal – im wahrsten Sinne des Wortes, denn in der Vorschau erkennen wir ja sofort, wie es aussieht. Nachdem wir alle Varianten durchgespielt haben, verzichten wir auf den Speakerschutz und wählen als Standbeine die Füße in Silber. Dieses „Schuhwerk“ ist im Rändel-Look gehalten, das sieht sehr gediegen aus.
Fertig? Fertig! Wir haben in weniger als einer Stunde unseren Wunsch-Wandler kreiert. Ihm können wir jetzt noch die finale individuelle Note verleihen, indem wir unseren Namen auf das Anschlussterminal lasern lassen.

Mit der optionalen Referenz-Frequenzweiche kann die Inklang-Box audiophil aufgewertet werden. Hier sind beste Bauteile des renommierten Herstellers Mundorf verbaut.

Mit der optionalen Referenz-Frequenzweiche kann die Inklang-Box audiophil aufgewertet werden. Hier sind beste Bauteile des renommierten Herstellers Mundorf verbaut.

Ausgezeichnete Anmutung

Wir haben uns einen richtig schicken Lautsprecher zusammengestellt – und fragen uns nun zum ersten Mal: Warum empfinden wir diesen Schallwandler als schön? Letztendlich handelt es sich doch auch hier um einen Quader, schlicht gehalten, ohne jeglichen Schnickschnack. Woran liegt es also? Eine alte Gestalter-Weisheit hilft uns auf die Sprünge: „Details sind keine Details, sie sorgen für das Design“. Das trifft auf die Formensprache der AdvancedLine-Serie im Ganzen zu und damit auch auf die 10.2. Eine schlanke Front, dazu eine charakteristische Tiefe des Gehäuses – diese Proportionen sorgen für ein optisches Ebenmaß; sie sind aber trotzdem so spezifisch, dass sie für einen hohen Wiedererkennungswert bürgen. Die fünffach-seidenglanzlackierte Oberfläche sorgt nun für einen sanften Schimmer und unterstützt damit die edel-dezente Erscheinung. Der eigentliche Design-Kniff ist aber die umlaufende Fase: Durch diese Abschrägung der Gehäusekante vermeidet Inklang, dass das Gehäuse kantig-boxig wirkt, diese Fase ist das vielleicht entscheidende Detail der insgesamt eleganten Anmutung.
So sind es einige vermeintliche Kleinigkeiten, die in Summe ein gelungenes Design ergeben. Diese Gestaltung hat nun auch höhere Weihen erlangt: Für die zeitlos-reduzierte Anmutung ist Inklang mit dem German Design Award 2016 ausgezeichnet worden. Mit dieser geschmeidigen Erscheinung und einer passenden Lackierung fügt sich der Inklang-Lautsprecher deshalb eigentlich in jedes Ambiente ein, in nüchtern-moderner Umgebung wirkt er aber besonders stimmig. Das funktioniert auch mit etwas kräftigeren oder ausgefallenen Lackierungen: Unseren Mut zur Farbe Petrol haben wir nicht bereut, die Box sieht in dieser Lackierung modern und nobel aus, ohne an Dezenz zu verlieren, sie wertet den Wohnraum auf, ohne ihn zu dominieren. Die Wertigkeit beruht auch auf der ausgezeichneten Verarbeitung: Erstklassige Lackierung, hochwertige Werkstoffe, dazu zeugt das Gewicht von knapp neun Kilo von einer massiven Fertigung, allein die Front des MDF-Gehäuses ist gute zwei Zentimeter stark.

Das Detail macht das Design: Bei Inklang sorgt die umlaufende Fase für einen hohen Wiedererkennungswert.

Das Detail macht das Design: Bei Inklang sorgt die umlaufende Fase für einen hohen Wiedererkennungswert.

Top-Terminal für schonendes Setup

Wer schön gestaltete Boxen herstellt, macht sich mitunter auch über eine angemessene Verpackung des Zubehörs Gedanken. Inklang liefert die Gerätefüße im schicken Schuber, sie liegen präsentabel in einem Schaumstoff-Einschub. Die Füße sind schnell ein geschraubt, nun geht’s ans Anschließen, damit die 10.2. endlich Kontakt mit dem Verstärker bekommt. Inklang hat dafür ein vorzügliches Terminal eingebaut: Die Kabelklemmen sind massiv und vergoldet, sie nehmen selbst große Kabelquerschnitte auf, natürlich können auch Kabel mit Schuhen und Bananenstecker angeschlossen werden. Wer ein pures Kabel benutzt, wird sich über die freilaufenden Andruckscheiben freuen. Sie verhindern, dass beim Festklemmen die filigranen Drähtchen der Litze in Mitleidenschaft gezogen werden. Ein gutes Feature, das für schonendes Setup sorgt. Das Terminal hat insgesamt vier Aufnahmen, dies ermöglicht Bi-Amping und Bi-Wiring, in beiden Fällen müssen die vergoldeten Brücken entfernt werden, die die Klemmen für den Hochton und den Tiefmittelton kurzschließen. Die üblichste Art des Anschlusses funktioniert jedoch nach wie vor mit einem Kabel pro Box für den Betrieb an einem Verstärker. In diesem Fall bleiben die Brücken drin. So kommt die Box bei uns an, und so nehmen wir sie auch in Betrieb.

Edel und gut: Das Terminal hat vergoldete Kabelklemmen mit freilaufenden Andruckscheiben - so wird die empfindliche Litze geschont. Das Stoffschild zeigt an: In dieser Inklang-Box sitzt eine Referenz-Frequenzweiche.

Edel und gut: Das Terminal hat vergoldete Kabelklemmen mit freilaufenden Andruckscheiben – so wird die empfindliche Litze geschont.
Das Stoffschild zeigt an: In dieser Inklang-Box sitzt eine Referenz-Frequenzweiche.

Aufstellen und Einsspielen

Kleine Boxen, kleiner Abstand – mit dieser Faustformel im Kopf haben wir die 10.2 auf unser Sideboard gestellt, wir haben mit etwa 1, 50 Meter Entfernung angefangen. Das war dann doch etwas zu eng aneinander, zumal unser Hörsofa ziemlich genau zwei Meter entfernt steht. Darum haben wir die Lautsprecher peu à peu voneinander entfernt. Bei 1,70 Meter war es dann optimal: Die Größenverhältnisse stimmten, das musikalische Geschehen erschien als homogener Klangraum. Dabei haben wir die Boxen ein klein wenig zum Hörplatz hin eingewinkelt, und so war die gewünschte Illusion perfekt: Diana Krall, die grandiose kanadische Jazz-Sängerin und Pianistin, stand mit ihrem Klavier nun wirklich im Mittelpunkt, umgeben von ihrer Begleitcombo. Aber so richtig Spaß hat die Musik noch nicht gemacht, kein Wunder: Die Inklang-Lautsprecher verströmten noch Lackgeruch, als wir sie auspackten. Für nagelneue Boxen gilt: spielen lassen. Wer Lautsprecher direkt aus dem Lieferkarton heraus anschließt und anhört, erlebt sie in ungeschmeidiger Verfassung. Die Schallwandler müssen sich erst eine zeitlang bewegt haben, dann sind sie eingespielt und zeigen ihr wahres Können. Bei der Inklang war die Veränderung verblüffend: Binnen eines Tages verwandelte sich das anfangs etwas kalte, leicht blecherne Klangbild in eine runde, stimmige Wiedergabe, dazu kam ein deutlicher Zugewinn an Klarheit im Klangbild. Diese Verwandlung hat sich am nächsten Tag fortgesetzt, die 10.2 AdvancedLine ist immer besser geworden. Eine derart deutliche Veränderung in so kurzer Zeit haben wir selten erlebt.
Großen Einfluss auf den Klang hat auch die Wahl des Standorts. Die 10.2 macht es einem hier leicht. Ihr massives, von innen mit Folie akustisch bedämpftes Gehäuse ist äußerst schwingungsresistent, und die Bassreflexöffnung der Box weist nach vorne, der Luftaustausch findet also über die Frontseite statt. Dadurch lässt sich die 10.2 in Wandnähe aufstellen, und sie verhält sich auch im Regal ziemlich unkritisch. Trotzdem ist diese Aufstellung klanglich selten zufriedenstellend. Besser ist die freie Platzierung auf einem Sideboard, diese Positionierung hatten wir ja auch geplant. Das Ergebnis war hier schon sehr gut, aber solche Möbel als Stellfläche sind durchaus schwingungsanfällig und damit einem definierten Klang eher abträglich. Was tun? Bloße Standfüße reichen da selten, für eine gute akustische Ankoppplung sollte man schon zu Spikes greifen. Man kann aber auch sogenannte Absorberfüße einsetzen, die die unerwünschte Schallenergie schlucken.
Für den Betrieb auf dem Sideboard hätten wir die 10.2 AdvancedLine also doch besser mit Spikes bestellt. Gut, dass wir noch welche in unserer Redaktion haben, mit diesen spitzen Kegeln ist das Klangbild nun richtig klar. Allerdings: Wir haben ein Lowboard, die 10.2 steht also ziemlich tief. Und ihr Hochtöner, der in etwa auf Ohrenhöhe sein sollte, sitzt unten. Den optimale Klang der Box haben wir deshalb erst im Schneidersitz auf dem Boden genießen können. Wer nun nicht zum Yoga neigt, sollte die 10.2 also auf einen Ständer stellen. So kann die Box ihr komplettes Klangvermögen ausspielen.

Die 10.2 kann wandnah aufgestellt werden, möglich macht's der zur Front abstrahlende Bassreflexkanal.

Die 10.2 kann wandnah aufgestellt werden, möglich macht’s der zur Front abstrahlende Bassreflexkanal.

Inklang im Klang

Wir haben ja geahnt, was uns erwartet, schließlich waren von Inklang schon die Modelle 13.2 und 17.2 zu Gast in unserer Redaktion. Und es hat sich dann schnell bestätigt: Auch die Kleinste von Inklang repräsentiert den Charakter der AdvancedLine. Die 10.2 AdvancedLine schallwandelt herrlich frisch und ungemein präzise, das Klangbild ist äußerst aufgeräumt und detailreich. Das kommt einer auf Atmosphäre angelegten Aufnahme wie dem Diana Krall-Album „Glad Rag Doll“ sehr entgegen, das Album lebt von der hörbaren und fast spürbaren Intimität der kleinen Combo, mit der Diana Krall Ragtime- und Jazzstücke der 1920er wiederaufleben lässt. Die 10.2 verschafft uns einen exklusiven Zugang zu dem kleinen Aufnahmeraum der New Yorker Avatar Studios, so dicht sind wir am musikalischen Geschehen. Krall steht zum Greifen nah vor uns, sie haucht mit ihrer samtenen, erdigen Stimme „There Ain’t No Sweet Man That’s Worth The Salt Of My Tears“, und spätestens, wenn man ihr Atmen nach den einzelnen Zeilen dieser Klage hört, weiß man, dass dieser Lautsprecher in der Lage ist, die entscheidenden Details herauszuholen und akustisch abzubilden. Musikalische Magie entfaltet sich ja oft gerade durch die leisen Stellen, durch kleine und fast unmerkliche Geräusche im Klanggeschehen. Wenn Details optisch das Design bestimmen, dann sorgen sie akustisch für die Authentizität. Die Abbildung dieser Feinheiten gelingt der 10.2 ausgezeichnet, nicht nur beim Gesang, sondern auch bei der E-Gitarre: Erst das typische Geräusch, das beim Rutschen über die Saiten entsteht, lässt die Gitarre lebendig werden, und mit der 10.2 klingt Marc Ribots Saitenspiel ungemein natürlich: Man hört Hornhaut auf Stahl, und man sieht fast seine Spielhand über die Saiten wandern. Welchen Reichtum einer guten Aufnahme die 10.2 abbilden kann, zeigt sich dann auch am Ende des Songs: Er schließt mit einem Schlag auf das Becken, das gedengelte Metall klingt eine Ewigkeit aus, und in dieser Zeit durchreisen wir einen Kosmos an Klangfarben – ein faszinierendes akustisches Erlebnis! Im Höhen- und Mittenbereich ist die 10.2 AdvancedLine fabelhaft – aber wie steht es mit dem Bass? Kann die kleine Box mit ihrer geringen Membranfläche auch den Tiefton abbilden? Ja, das gelingt ihr überraschend souverän. Nicht nur bei der Krall-Combo, wo der sechssaitige Bass von Dennis Crouch ein warmes und voluminöses Fundament liefert, sondern auch im orchestralen Gefüge. Das Scottish Chamber Orchestra spielt die Polka aus Antonín Dvořáks Tschechischer Suite, die Kontrabässe sind schön präsent, die 10.2 gibt sie eher knackig als breit wieder, einen Tiefstbass kann diese Box natürlich nicht liefern. Trotzdem klingt die 10.2 auch beim großen Bühnengeschehen deutlich größer, als sie ihren Maßen nach ist, und sie präsentiert die Kontrabässe mit ihrem charakteristischen Volumen. Das erlebt man besonders intensiv am Ende des einleitenden Allegretto grazioso, hier verklingt die Musik nach einem Frage- und Antwortspiel von Streichern und Bläsern schließlich mit Kontrabass-Tönen im Pianissimo. Wunderbar! Mit dieser Orchesteraufnahme beweist die 10.2 nochmals ihre größte Qualität: Sie liefert durch ihre exzellente Präzision eine beeindruckende Plastizität. Hier ist bis zur letzten Note jeder Bogenstrich der Streicherfraktion hörbar, und wer sich schon immer gefragt haben sollte, wo die Bässe im Orchester verortet sind, weiß es spätestens jetzt, denn der 10.2 gelingt es mühelos, die Dimensionen eines Klangkörpers und seine Tiefenstaffelung vor das akustische Auge zu führen.

Nobel bis zum Schuhwerk: Inklang stattet seine Boxen mit eloxierten Metallfüßen in Rändel-Optik aus. Auch die Spikes sind in diesem Design gehalten.

Nobel bis zum Schuhwerk: Inklang stattet seine Boxen mit eloxierten Metallfüßen in Rändel-Optik aus. Auch die Spikes sind in diesem Design gehalten.

Fazit

Die 10.2 AdvancedLine trumpft mit den gleichen Qualitäten auf, die schon die größeren Modelle der AdvancedLine ausmachen: Sie ist optisch formschön und akustisch exzellent. Die 10.2 erzeugt ein äußerst klares, präzises und straffes Klangbild, sie bietet dem Hörer einen ungemein großen Detailreichtum. Trotz ihrer geringen Maße liefert die Box einen erstaunlich voluminösen Klang. Damit ist sie eine erste Wahl für Musikliebhaber, die trotz geringen Platzes nicht auf eine High-End-Wiedergabe verzichten möchten und Wert auf eine individuelle Note legen – mit dem pfiffigen „Customizing“ räumt Inklang seinen Kunden ein Mitspracherecht bei der Kreation des eigenen Wunsch-Wandlers ein.

Test & Text: Volker Frech
Fotos: www.lite-magazin.de

Gesamtnote: 1,1
Klasse: Spitzenklasse
Preis-/Leistung: angemessen

89 %

95 %

86 %

161109-inklang-testsiegel

Technische Daten

Modell:Inklang
10.2 AdvancedLine
Produktkategorie:Regallautsprecher
Preis:899,00 Euro / Stück
Garantie:5 Jahre
Ausführungen:- 7 Trendfarben
- 3 Akzentfarben (Aufpreis: 19,95 €/Box),
- individuelle NCS- bzw. RAL-Farbe (Aufpreis: 59,95 €/Box)
- optional: Referenz-Frequenzweiche (Aufpreis: 89,90 €)
Vertrieb:Inklang, Hamburg
Tel.: 0800 / 7242388
www.inklang.de
Abmessungen (HBT):334 x 142 x 289 mm
Gewicht:8,5 kg/Stück
Hochtöner:29 mm (Aluminium-Magnesium-Membran)
Tiefmitteltöner:120 mm (Aluminium-Membran, Phase Plug)
Frequenzbereich:50 Hz - 25 kHz (Herstellerangabe)
Trennfrequenz:2.400 Hertz
Lieferumfang:- 10.2 AdvancedLine
- Rändelfüße
- Sockelplatten
Optionales Zubehör:- Spikes inkl. Bodenaufnahme in Rändeloptik (19,95 €/4 Stk.)
- 10.2 Design-Fuß (399,00 Euro/Stück)
- Design Lautsprecherabdeckung (29,95 Euro/Stück)
Besonderes:- Customizing-Prinzip: Boxen sind individuell konfigurierbar
- optional: höherwertige Frequenzweiche (Aufpreis: 99,90 Euro)
- Hochtöner ist unter dem Tiefmitteltöner postitioniert
- klares, klar gestaffeltes Klangbild
- ausgezeichnetes Design, insbes. in Verbindung mit den Standfüßen
- kostenloses Lasern des eigenen Namens auf das Anschlussterminal
Benotung:
Klang (60%):1,1
Praxis (20%):1,0
Ausstattung (20%):1,1
Gesamtnote:1,1
Klasse:Spitzenzklasse
Preis-/Leistungangemessen

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