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Redakteur

„Defining true Audio“, dieser Philosophie folgt Quadral seit Jahren, und das spiegelt sich im klangstarken Portfolio der Niedersachsen wider. Mit dem Sondermodell Merin verpflanzt Quadral nun erneut modernste Technik in einen klassisch-eleganten Korpus. Wieviel Klang-Definition und Hörvergnügen hier tatsächlich verpackt sind, das soll der schicke Regallautsprecher nun unter Beweis stellen.

Kompakter Schönling. Die Quadral Merin schaut verdammt gut aus, will aber nicht nur durch ihre optischen Vorzüge begeistern …

Seit Jahrzehnten steht die hannoverische Lautsprechermanufaktur Quadral für Schallwandler, die durch Klangneutralität, Detailfreude, höchste Präzision und formschöne Gehäuse aus der breiten Masse herausstechen. Mit der Aurum-Linie gelingt es den Niedersachsen beispielsweise seit mehr als 35 Jahren die audiophile Fangemeinde immer wieder neu zu begeistern. Mit jeder neuen Generation legt das deutsche Traditionsunternehmen die Messlatte dabei immer noch ein gutes Stück höher. Mit ihrer aktuellen Sonderserie, die aus dem Standlautsprecher Rubin und der Regalbox Merin besteht, hat Quadral sich am eigenen, breiten Portfolio orientiert und zwei Modelle entwickelt, die sich sowohl klanglich wie optisch in jedem Wohnzimmer heimisch fühlen sollen. Das Gehäuse der Merin wird in der klassischen Bugform produziert und entweder in Hochglanz weiß oder schwarz lackiert – so ähnlich, wie man auch bei der Kreation der Chromium Style 2, vorging. Auch in Sachen Technik wurde geklotzt statt gekleckert, dazu aber später mehr. Zusammengefasst haben die Hannoveraner mit der Merin ein echtes Schmuckstück in ihrem Portfolio, das mit einem Stückpreis von 340 Euro auch das Portemonnaie künftiger Besitzer nicht zu sehr strapaziert.

Besonders stolz ist man bei Quadral ein den hier eingesetzten Hochtöner. Die Aufgesetzte Brücke verspricht einen breiteren Abstrahlwinkel und schützt die Kalotte vor mechanischer Beschädigung.

Moderne trifft klassische Eleganz

Lautsprecher in Bugform sind heutzutage eher selten geworden. Viele Hersteller scheuen die hohen Produktionskosten im Vergleich zu einem eckig-konstruierten Speaker. Schade, bietet diese Bauform doch nicht nur ästhetische Vorteile, durch die nicht parallel zueinander stehenden Seitenwände werden klangschädigende Resonanzen im Gehäuseinneren effektiv reduziert. Stehende Wellen werden bereits in ihrer Entstehung gehindert, das wiederum macht sich in einer saubereren und entspannteren Klangdarstellung bemerkbar. Am Beispiel der Merin verjüngen sich beide Seitenwangen des Korpus sanft nach hinten und bieten stehenden Wellen im Inneren somit kaum Angriffsfläche. Optisch kann sich diese Gehäusegeometrie ohnehin sehen lassen, wie unser Testmodell beweist. Der Korpus wirkt durch die elegant geschwungene Form sehr edel, ein Eindruck der durch die sehr hochwertige Verarbeitung und Lackierung des Gehäuses nochmals unterstrichen wird. Mit einer Höhe von circa 30,9 Zentimetern bei einer Breite von knapp 18 Zentimetern fällt der Speaker eher kompakt aus, zeigt sich zugleich aber auch als wohlproportioniert. Die weiße Hochglanzlackierung unseres Testkandidaten ist makellos ausgeführt und lässt ihn sofort zum Eyecatcher im Wohnzimmer werden. Im oberen Abschluss der Gehäusefront ist eine silberne Plakette mit dem Namensschriftzug des Herstellers eingebettet, die den Lautsprecher selbst bei montierter Frontblende ausweist und die die schwarze Front obendrein gekonnt auflockert. Besagte Blende ist mit schwarzem Akustikstoff bezogen und kann einfach aufgesteckt werden. Einen sicheren Halt versprechen vier in den Ecken der Schallwand eingelassene Gummieinsätze. Alle Chassis, sowie das Anschlussfeld sind sauber in den Korpus eingelassen und schließen bündig ab. Wie von Quadral gewohnt, setzt man auch in der Merin auf modernste Technik aus eigener Entwicklung. In erster Linie fällt diesbezüglich das 135 Millimeter durchmessende Chassis mit titanbeschichteter Polypropylenmembran ins Auge, das sich um die präzise Reproduktion sämtlicher Mittel- und Tieftonanteile kümmern soll. In Hannover entschied man sich nicht ohne Grund für Titan als Werkstoff, schließlich bietet es dank hoher Festigkeit bei zugleich geringem Gewicht entscheidende Vorteile für die Audiowiedergabe. Obwohl hauchzart aufgezogen, zeigt sich die Membran verwindungssteif und zugleich leicht genug, um schnellste Ein- und Ausschwingbewegungen resonanzarm zu bewältigen. Das wiederum soll sich in einem präzisen und dynamischen Tief-/Mittelton widerspiegeln. Für die Wiedergabe höherer Frequenzbereiche steht eine 25 Millimeter Hochtonkalotte aus Aluminium parat. Auch hier sollen die ausgewählten Materialien ein Maximum an Dynamik, Präzision und Souveränität gewährleisten, sie soll in erster Linie aber auch neutral bleiben. So ausgestattet, ist die Merin bestens vorbereitet um tatsächlich Klangkultur vom Feinsten zu kreieren.

Elegant und unauffdringlich thront das Herstellerlogo in einer speziel dafür vorgesehenen Vertiefung im oberen Abteil der Merin.

Anschluss und Aufstellung

Mit den Design Stativ G Lautsprecherständern offeriert Quadral eine gute Möglichkeit, die neuen Boxen sicher aufzustellen. Optisch ansprechend, und wahlweise in weißer, schwarzer und silberfarbener Variante angeboten, fügen sie sich perfekt in modern gestylte Wohnumgebungen ein. Ihre elegante Erscheinung inkl. Glasfuß machen die Lautsprecherständer zu einem echten Hingucker. Höhenverstellbare Spikes bieten die ideale Möglichkeit zur Nivellierung, sorgen obendrein für einen sicheren Stand und helfen den Lautsprecher lediglich punktuell an den Boden ankoppeln. Punkte, die sich positiv auf die Klangqualität der Schallwandler auswirken. Im hinteren der beiden Rohre befinden sich – sowohl im unteren wie oberen Bereich – kleine Öffnungen, durch die Lautsprecherkabel gezogen werden können. Sehr praktisch, so verschwindet das Strippenwirrwarr aus dem Blickfeld. Für die Signalzufuhr hält die Merin rückseitig ein massives Single-Wire-Anschlussfeld aus Metall bereit. Die beiden hier platzierten, vergoldeten Schraubklemmen sind großzügig dimensioniert und nehmen problemlos Kabel bis zu einer Stärke von sechs Quadratmillimetern auf. Freunde von konfektionierten Strippen kommen selbstverständlich auf ihre Kosten. So lassen sich auch Kabelschuhe oder, nach dem Entfernen der üblichen Blindstopfen, auch Bananenstecker verbinden. Auch in Sachen Aufstellung und Ausrichtung erweisen sich die niedersächsischen Klangkörper als äußerst flexibel. Trotz rückwärtiger Bassreflexports können die Lautsprecher in Wandnähe aufgestellt werden, ohne dass der Bass ausfranst oder unkontrolliert wummert. Bei größeren Räumen kann es sogar von Vorteil sein, diese Aufstellungsvariante zu wählen, da sich die Tieftonwiedergabe dadurch etwas voluminöser darstellt und der Bass an Volumen und Knackigkeit gewinnt. Sobald der Aufstellort gefunden ist, geht es an die Ausrichtung der Boxen. Klassischerweise werden die Lautsprecher auf den Referenzplatz ausgerichtet. Diese seit Jahren bewährte Aufstellungspraxis stellt für viele Klangenthusiasten das Nonplusultra dar, um eine perfekte Klangbühne zu erzeugen. Die Merin ist bei der Ausrichtung allerdings weniger wählerisch und muss nicht zwingend direkt auf den Hörplatz ausgerichtet werden. Eine Flexibilität, die gerade im Wohnraumeinsatz von Vorteil ist.

Die optional erhältlichen Lautsprecherständer ruhen auf höhenverstellbaren Spikes.

Das bündig eingelassene Anschlussfeld ist großzügig dimensioniert und nimmt auch Kabel größeren Querschnitts auf.

„Defining true Audio“ … wir überzeugen uns selbst

Nachdem unsere Testgäste aus Hannover nun aufgestellt und ausgerichtet sind, wird es Zeit ihnen endlich ausgiebig auf den Zahn zu fühlen. Nach kurzer Suche findet „Brothers In Arms“ das Dire-Straits-Mega-Album in SACD-Ausführung dann auch seinen Weg in den Player. Das im legendären Gitarrenriff endende, lange Intro in „Money for Nothing“ meistern die beiden hübschen Zweiwegler dann auch gleich mit Bravour. Die darauf einsetzende, sanfte Stimme wirkt räumlich, klar und präsent, Beats kommen äußerst druckvoll, zugleich aber auch präzise rüber. Das Klangbild rastet mit den ersten Tönen förmlich ein, alles scheint perfekt aufeinander abgestimmt. Das nennt man wohl Homogenität. Bei genauerem Hinhören erleben wir nun packendes Klangensemble, das unweigerlich zu rhythmischem Zucken im Bein und den Mundwinkeln führt. Als die Gitarre hinzustößt, ist die unsere Überraschung vollends perfekt. Die kleinen Kompakt-Speaker spielen merklich größer auf, als ihre Gestalt es vermuten lässt und beweisen vollständige Kontrolle über die gesamte Bandbreite des Songs. Störendes Klirren oder dumpfes Wummern, Fehlanzeige! Die schicken Quadrals spielen das gesamte Stück sauber und jederzeit kontrolliert und bleiben selbst in höheren Pegellagen souverän. Zimperlich sind sie also auch nicht. Weiter geht’s mit Emily Smiths „Lord Donald“. Ein eher ruhigeres Stück, dafür aber mit unglaublich schönen – und für so manchen Schallwandler fiesen – Höhen und einer Vielzahl an Instrumenten, die dargestellt werden wollen. Für die Merin stellt dieser Song aber offenbar keinerlei Hürde dar. Die einleitende Gitarre wird genauso zart und detailliert wiedergeben wie die hohe, zugleich aber auch kräftige Stimme der Schottin. Auch hier zeigen sich Hoch- und Mitteltöner als eingeschworene Einheit und geben jede Facette dieses ungewöhnlichen, zugleich aber wunderschönen Musikstücks voller Leben wieder. Sogar das akzentbedingte, stark gerollte „R“ der Künstlerin wird so präzise wiedergeben, als stünde sie direkt im Hörraum. Über die gesamte Dauer von 4:59 Minuten taucht man als Zuhörer tief in den Song ein und wird von den Quadrals mit einer dynamischen, zugleich aber sauber gestaffelten und detaillierten Darbietung belohnt. Mit den Paperboys wartet anschließend die nächste audiophile Klangdarbietung auf uns. Den Titel „Stars“ vom Album „Live at Stockfisch Studio“ haben die Kanadier im berühmten Stockfisch Record Studio produziert. Besser gesagt: hier wurde ein musikalisches Feuerwerk in bester HiFi-Qualität aufgenommen. In der Reproduktion zeigt sich dann noch einmal, aus welchem Holz die Merin geschnitzt ist. Neben eines fein gesponnenen Rahmens, der die wunderbar aufgenommene Instrumentalisierung perfekt in Szene setzt, werden selbst feinste Zeichnungen in den Stimmen der beiden Künstler zu Ohr geführt. Selbst das leise Quietschen des Bogens, in dem Moment zu hören, als die erste Saite der Geige angespielt wird, ist deutlich und präzise hörbar und sorgt für echte Gänsehautstimmung.

Die Merin zeigt sich in der Aufstellung flexibel und überrascht durch ein sehr gutes Rundstrahlverhalten.

Temperament, Tonalität und Neutralität

Sobald dann der Kontrabass einsetzt, wird der Tiefton noch eine Stufe dynamischer wiedergegeben, allerdings ohne sich dabei in den Vordergrund zu drängen. Keine Spur von aufgedicktem oder übertriebenem Bass, wie man ihn von vielen ähnlich dimensionierten Regallautsprechern kennt. Ganz das Gegenteil ist hier der Fall, selbst im Eifer des Gefechts neigen die Quadrals nicht zur Übertreibung. Das wiederum kommt ganz klar der Tonalität und Abbildung zugute, die man sich hier kaum besser wünschen könnte. Auffällig ist zudem, mit wieviel Detailverliebtheit die vergleichsweise kompakten Speaker hier ans Werk gehen. Alles klingt schlüssig, ausgewogen und irgendwie richtig. Erst deutlich oberhalb der vielzitierten Zimmerlautstärke geraten die Boxen dann leicht an ihre Grenzen und lassen es ein wenig an Auflösung und Präzision vermissen. Angesichts der Pegel, die wir inzwischen fahren, ist das für einen Schallwandler dieser Größe und Preisklasse aber nicht wirklich als Kritikpunkt zu sehen. Betreibt man die Merin hingegen bei moderater Lautstärke (und auch ein gutes Stück darüber), verzücken sie durch eine unglaublich plastische und präzise Darstellung, welche sich über den gesamten Frequenzbereich erstreckt und es weder mit Dynamik noch mit Detailfreude vermissen lässt.
Zum Testabschluss gönnen wir uns dann noch ein paar eher ausgefallenere Stücke des Albums „Queen – Live at the Opera“. Im Vergleich zur vorigen Scheibe geht es schon dann deutlich intensiver zur Sache. Kein Problem für die das niedersächsische Pärchen, das sich auch hier keine Blöße gibt und das rasante Klaviersolo von Beginn an ohne Fehl und Tadel reproduziert. Jeder Tastenanschlag sitzt punktgenau und selbst die stilistisch stark verzerrte Gitarre kann die Merin nicht aus der Ruhe bringen. Als Freddy Mercury einstimmt, steht die Bühne. Jetzt hat man beinahe das Gefühl, live dabei zu sein. Die aufpoppenden Stereoeffekte, bei denen die schnell geschlagene Hi-Hat von links nach rechts übergeben wird, blenden ebenfalls perfekt über. So, als würden sie über der virtuellen Bühne schweben. Die Auflösung, mit der die Schallwandler diese Wucht an Informationen abspielen, ist schlichtweg begeisternd.

Der 135 MIllimeter durchmessende Tiefmitteltöner sorgt für den erforderlichen Tiefgang und ordentlich Punch in der Grundtonwiedergabe.

Fazit

„Defining true Audio“. Selten hat ein Hersteller-Slogan die Messlatte für eine vergleichsweise kompakte Regalbox so hoch angelegt. Die Merin beweist in unserem Test, dass Eleganz und Klang durchaus Hand in Hand einher gehen können. Mit seiner Formsprache sprüht dieser Lautsprecher vor Charme und überzeugt ganz nebenbei durch seine hohe Verarbeitungsqualität. In puncto Technik wurde ebenfalls nicht gegeizt und klanglich begeistert die Merin ihr Auditorium durch Präzision, Souveränität und Dynamik. Zusammengefasst ist die Quadral Merin also ein absoluter Tipp für anspruchsvolle HiFi-Aufsteiger, die einen eleganten, klangstarken Speaker suchen, der obendrein keine großen Löcher in die Geldbörse reißen soll.

Test & Text: Bernd Heuer
Fotos: www.lite-magazin.de

Gesamtnote: 1,0
Klasse: Mittelklasse
Preis-/Leistung: sehr gut

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170804.Quadral-Testsiegel

Technische Daten

Modell:Quadral
Merin
Produktkategorie:Regallautsprecher
Preis:340 Euro/Stück
Garantie:5 Jahre
Ausführungen:- Weiß, Hochglanz
- Schwarz, Hochglanz
Vertrieb:Quadral, Hannover
Tel: 0511 / 7 90 40
www.quadral.com
Abmessungen (HBT):309 x 177 x 270 mm
Gewicht:5,15 kg/Stück
Hochtöner:1x 25 mm, Aluminiumkalotte
Tiefmitteltöner:1x 155 mm, Titanium-PP
Prinzip:2 Wege, BAssreflex
Besonderes:- exzellente Verarbeitung
- elegantes Design
- hochwertige Technik
- Impulsstark
- sehr gute Staffelung
- flexibel in der Aufstellung
Benotung:
Klang (60%):1,0
Praxis (20%):1,0
Ausstattung (20%):1,1
Gesamtnote:1,0
Klasse:Mittelklasse
Preis-/Leistungsehr gut

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