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Redakteur

Mehr Understatement geht nicht: Der audiodata MusikServer MS II scheint dem Namen nach ein bloßes File-Depot zu sein, doch dieses Gerät hat es in sich: Durch den modularen Aufbau und die maßgeschneiderten Angebote wird aus dem Server auch ein Streamer, ein DAC, ein Music-Player – und nun sogar ein Raumklang-Optimierer, denn audiodata hat seinen hochgelobten Audioprozessor AudioVolver integriert. Das ist ein Angebot, das wir nicht ablehnen können – wir haben den MS II zum Test bestellt.

Riesiges Leistungsvermögen in kompaktem Gehäuse: Der audiodata MusikServer MS II ist kaum größer als eine Präsentbox.

Die klassische Anlage ist ein Auslaufmodell: Die Auftürmung analoger Komponenten weicht immer öfter einer digitalen Lösung, das CD-Regal wird von einer Festplatte oder einem Server abgelöst. Die dahintersteckende Technik kommt allerdings oft aus der Computerbranche und wird audiophilen Ansprüchen nicht gerecht. Hier setzt audiodata an: Der MusikServer ist im Kern ein Computer, dessen Soft- und Hardware speziell auf HiFi- und High End-Bedürfnisse zugeschnitten ist. Dank einer üppigen Festplatte stellt er den Speicher für die digitale Musiksammlung dar. Aber warum sollte so ein potentes Gerät auf das reine File-Speichern beschränk bleiben? Schließlich braucht jeder, der einen solchen Server betreibt, auch einen Streamer, der die Musikfiles über das heimische Netzwerk verschickt, dazu einen DAC, der die digitalen Files wieder in analoge Musik wandelt, und darüber hinaus Soft- und Hardware, die den Aufbau und die Verwaltung des Musikarchivs ermöglicht und schließlich die Fernsteuerung via Smartphone oder Computer erlaubt. Deshalb hat audiodata den MusikServer modular aufgebaut und verschiedene Ausstattungs-Pakete geschnürt, mit denen man nach eigenem Bedarf den Leistungsumfang des Gerät festlegen kann. Diese Pakete gehen über Software und Hardware hinaus: audiodata bietet auch die Beratung, Installation und Wartung als Service an – eine Marktlücke und ein Erfolgsmodell, denn audiodata kann mittlerweile die zweite Gerätegeneration präsentieren. Der MS II bietet aber mehr als eine reine Aktualisierung der bestehenden Technik: Der Clou ist die Integration des AudioVolver. Dieser Audioprozessor korrigiert die Defizite von Lautsprechern und Räumen. audiodata hat die hochgelobte Hardware nun in eine Software verwandelt und offeriert sie als Plug-in für den MS II. Dieser Klangkorrektor steht bei unserer Testausstattung natürlich ganz oben auf der Wunschliste, nach der schließlich „unser“ audiodata MusikServer MS II konfiguriert wird. Doch der Reihe nach.

Der Einschaltknopf ist das einzige Bedienelement des MS II. Neben der blauen Beleuchtung ist die Illumination auch in Weiß, Rot oder Grün erhältlich.

Das Basis-Paket: Speichervolumen und Rechenpower

Der Wunschzettel heißt heutzutage „Konfigurator“, wir finden ihn auf der Homepage von audiodata. Am Anfang der Auswahl steht das „Basis-Paket MS II“. Es beinhaltet die unverzichtbaren Kernkomponenten des MusikServers und seine Behausung. Arbeiten wir uns von außen nach innen vor: Die schicke Hülle besteht aus einem ultrastabilen schwarzen Metallgehäuse, mit den Maßen 8 mal 26 mal 24 Zentimeter erweist es sich als schön schlank. Zur Ableitung von Wärme besitzt es seitliche Kühlrippen, zum Schutz vor hochfrequenten Störfrequenzen ist es HF-dicht. Noch stabiler ist da nur Front: Hier schimmert eine fünf Millimeter starke Platte aus eloxiertem Aluminium – wahlweise in Schwarz oder Silber. Auch beim beleuchteten Startknopf hat man verschiedene Optionen: Der Lichtkranz, der den Schalter umgibt, strahlt je nach Gusto in Weiß, Rot, Grün oder Blau, man kann die Illumination also auf die Beleuchtung benachbarter Geräte abstimmen. Was steckt nun in der Kiste? Das Herzstück ist ein Vierkern-Prozessor, der dreimal so schnell wie sein Vorgänger arbeitet. Dadurch sind jetzt auch äußert rechenintensive Prozesse möglich – etwa die Wiedergabe von hochauflösenden DSD-Streams im DoP-Modus. (Kurzer Exkurs: DoP bedeutet DSD over PCM und bezeichnet ein Verfahren, mit dem DSD-Dateien gestreamt werden können. Zu diesem Zweck werden sie in einen PCM-Container gepackt.) Der MusikServer arbeitet bis DSD128 – das ist 128-fache CD-Qualität. Auch bei PCM, dem zweiten grundlegenden File-Format, geht es in HiRes-Gefilde, der audiodata MusikServer MS II arbeitet hier bis PCM 384 Kilohertz/32 Bit.

Die Alternative: Der audiodata MusikServer MS II ist auch mit schwarzer Front erhältlich.

Solch hochauflösende Musik fordert ihren Platz – und den bekommt sie in Form einer 2-Terabyte-Festplatte. Die HDD-Platte ist für den Rund-um-die-Uhr-Einsatz geeignet, sie hat eine Zertifizierung für den 24/7-NAS/Server-Betrieb. Zwei Terabyte – das reicht für etwa 6000 CDs im FLAC-Format, welches von audiodata für die File-Ablage favorisiert wird. Wer speicherintensivere Fileformate verwendet oder schlicht mehr Musik ablegen möchte, kann hier aufrüsten: optional gibt es eine 3 TB-, 4 TB- oder 6 TB-Festplatte. Das Management des MusikServer MS II übernimmt das Betriebssystem Windows 7. Es wurde von audiodata-Chef Peter Schippers persönlich so konfiguriert, dass alle Prozesse deaktiviert sind, die nicht für die Musikverwaltung und -verarbeitung nötig sind. Dies ist der Schlüssel für eine klanglich bessere Performance, weil die Rechenleistung nicht für überflüssige Aufgaben vergeudet wird. Sie machen bei einem normalen Betriebssystem laut Peter Schippers rund 99 Prozent aus. Diese Power nutzt der Ingenieur nun da, wo sie wirklich gebraucht wird: Digitale Musik wird bei den Verarbeitungsprozessen, beim Streamen und bei der Wiedergabe in einzelne Daten-Pakete zerlegt, die Päckchen werden über verschiedenste Wege der Datenleitungen geschickt und schließlich wieder in der richtigen Reihenfolge zusammengesetzt – das ist eine logistische Meisterleistung. Sie muss aber kontinuierlich gelingen, damit aus dem ständigen Datenstrom wieder ein Musikfluss wird. Wenn es hier an Rechenleistung fehlt, treten Beeinträchtigungen auf: Artefakte, Phasenfehler, Jitter und Rauschen. Die Musik klingt dadurch flach, lahm, weniger dynamisch und nicht so räumlich. Diese Beeinträchtigung wird durch die Optimierung des Betriebssystems vermieden.

Hinter der starken Front sorgen seitliche Kühlrippen für eine Abführung der Wärme. Im Betrieb bleibt der MS II aber meistens cool.

Für Ruhe und Reinheit: Extern-Netzteil und Filter-Netzkabel

Auch jenseits der Informatik-Optimierung setzt audiodata auf sinnvolle Maßnahmen zur Klangverbesserung: Der audiodata MusikServer MS II wird mit einem externen Netzteil geliefert. Das ist sehr gut, denn die modernen, in heutigen Geräten oft verbauten Strom- und Spannungslieferanten sind sogenannte Schaltnetzteile. Sie arbeiten sehr effizient, erzeugen aber hochfrequente Störspannung. Da ist eine Auslagerung und somit eine größere Entfernung von der Signal- und Audio-Elektronik von Vorteil. Zudem empfiehlt es sich, die per Luft und Leiter übertragenen Störungen durch Abschirmungen und Filter unschädlich zu machen. audiodata bietet deshalb zum externen Netzteil mit dem NK 12 Premium optional ein Filternetzkabel an. Es ist speziell für Geräte mit Schaltnetzteilen wie den MS II entwickelt worden. Die Dämpfung des Kabels und zwei schwarze, über das Kabel gezogene Filterelemente bürgen für mehr Ruhe und eine feinere Auflösung als klangliche Meriten.

Das optionale Filternetzkabel NK 12 Premium vermeidet durch seine Abschirmung und mit zwei schwarz gemantelten Filtern die Einwirkung von Störgeräuschen.

Aufrüstung zum Streamer

Nun kommen schon unsere Auswahl-Ausstattungen: Wenn wir den audiodata MusikServer MS II wirklich als reinen Server nutzen wollten, etwa weil wir schon einen separaten Netzwerkspieler haben, dann wäre das „Streaming-Paket I“ für uns das Richtige. Unser Gerät soll mehr können, darum greifen wir lieber zum „Streaming-Paket II“: Nun wird unser MusikServer MS II mit dem ausgezeichneten JRiver Media Center ausgestattet. Hierbei handelt es sich um eine vielfältig einsetzbare Abspiel- und Streaming­-Software. Sie ermöglicht es, den MusikServer nun auch als Musik-Player und UPnP-Server zu nutzen – also als Abspiel- und Organisationstool für fast alle Medientypen. Das Organisieren geschieht am leichtesten mit der darauf abgestimmten Steuer-App JRemote, die es für iOS und Android gibt. Jetzt verfügen wir über eine schön übersichtliche Bedienoberfläche, zum Funktionsumfang der Software gehören die Cover-Anzeige, Server-basierende Playlists und die Volltextsuche im Musikarchiv. So findet man wirklich alles wieder, zumal audiodata hier ebenfalls Konfigurationsarbeit geleistet hat: Mit praxisgerechten Suchbegriffen bekommt man zum Beispiel Alben oder einzelnen Tracks schnell angezeigt. audiodata richtet hier auf Wunsch auch persönliche Varianten ein, Klassik-Hörer etwa werden sicher Abfragen wie „Solist“, „Dirigent“ oder „Orchester” wünschen. Das Streaming-Paket II eröffnet uns darüber hinaus aber auch den Zugang zu Radiostationen und Streaming-Diensten im Internet. Hier ist für den Kunden schon ein Angebot zusammengestellt und eingespeichert. Es ist natürlich beliebig erweiterbar – ohne, dass man eine weitere Software oder App benötigt. Das schon angelegte Streaming-Angebot deckt eine Bandbreite von Electronic bis Klassik ab, dabei sind zum Beispiel Chillout Zone, Audiophile Jazz oder Linn Classical. audiodata hat auf die Qualität geachtet: Hier läuft ausschließlich Musik, die mit einer hohen Datenrate von 320 Kilobit/Sekunde gesendet wird – rund um die Uhr, ohne Werbung, kostenfrei. Natürlich kann man hier auch seine persönlich präferierten Musikdienste einbinden.

Die JRemote-App bietet komfortablen Zugriff auf das eigene Musikarchiv, audiodata hat zudem eine Auswahl an Streaming-Diensten und Web-Radiostationen eingerichtet.

Upgrades zum Rippen, Retten und Datenwandeln

Wer seine Musikschätze zukunftsfest machen möchte und sie von der vergänglichen CD auf die Festplatte des MS II verlagern will, ordert das Rip-Paket: Mit einem hochwertigen, externen DVD-Laufwerk und mit der dann vorinstallierten Rip-Software von dBpoweramp werden die Files im FLAC-Format sauber integriert und amtlich archiviert: Per „AccurateRip“ wird die Fehlerfreiheit des Rip-Vorgangs sichergestellt. Dann wird automatisch in bis zu fünf Online-Datenbanken nach den passenden CD-Informationen gesucht. Wer sein derart erstelltes, wertvolles Musikarchiv sichern möchte, lässt seinen audiodata Musikserver MS II mit einem der drei offerierten Backup-Pakete ausstatten. Mit einem Klick sichert man dann sämtliche Musikdateien in Form einer 1:1-Kopie. Wie geht es aber nun mit den abgelegten Files weiter? Wir wollen gerne unseren bestehenden Redaktionsverstärker einbinden und den MS II quasi wie einen CD-Player mit integrierter Festplatte betreiben können. Deshalb buchen wir das „Hardware-Paket I“: Es besteht aus dem M2Tech HiFace, das ist ein DAC in Form eines USB-Sticks. Dieser bestens beleumundete Digital-Analog-Konverter wandelt HiRes-Files bis 32 Bit/384 Kilohertz in analoge Musiksignale. Über das mitgelieferte Adapter-Kabel wird er an einen Line-Eingang des Verstärkers angeschlossen. Das ist eine prima Lösung für alle, die musikmedial aktuell sein wollen, aber auf die herkömmliche Anlage nicht verzichten möchten. Wer bereits einen D/A-Wandler besitzt, hier aber nur einen PCM-Digital-Eingang (S/PDIF) findet, kann dieses Anschlussproblem mit dem „Hardware-Paket II“ lösen, es bietet einen USB-S/PDIF-Konverter. Auch Weichwaren-seitig können wir unseren MS II noch veredeln: Das „Software-Paket I“ bietet uns ein Modul für zeitgesteuertes Ein- und Ausschalten samt Netzwerküberwachung. So können wir quasi per Kalender bestimmen, wann der MS II läuft. Für uns interessanter ist das „Software-Paket II“: Mit diesem Modul wird der MS II AirPlay-fähig, so lassen sich die Apps der verwendeten Streaming-Dienste wie Apple-Music, Tidal oder Spotify im Original-Layout verwenden.

Als Digital/Analog-Konverter kommt der M2Tech HiFace zum Zuge. Er ist der Übersetzer von digitalen Nullen und Einsen in analoge Musiksignale und damit das Bindeglied zwischen dem MusikServer MS II und dem heimischen Verstärker. Mit dem hier sichtbaren USB-Stecker wird der DAC in die entsprechende Buchse auf der Rückseite des MS II eingesteckt, auf der anderen Seite besitzt der DAC eine Stereo-Miniklinken-Buchse.

Optimum mit dem AudioVolver

Das dritte Softwarepaket ist nun das, was man heutzutage und auf Neudeutsch eine „Killer-Applikation“ nennt: audiodata hat seinen mehrfach ausgezeichneten Audioprozessor AudioVolver in eine Software verwandelt und bietet das Programm nun als Plug-in für den MS II an. Damit bekommt man eine exzellente, ausgereifte Raumkorrektur, die ein Siebtel der Hardwarelösung kostet, aber das gleiche Wunder vollbringt: Die Wiedergabe wird von sämtlichen Nachteilen des heimischen Raums und den Unzulänglichkeiten der Lautsprecher befreit. Damit verschwinden alle Bassüberhöhungen, alle überbetonten Reflexionen; hallige oder zu stark bedämpfte Zimmer werden in einen Idealraum verwandelt. Zudem wird durch die Software das Wiedergabeverhalten der Lautsprecher optimiert: Die Software gleicht die Trägheit aus, die den Mitteltöner und erst recht das Bass-Chassis gegenüber dem flotten Hochtöner ins Hintertreffen geraten lassen. Nach der Korrektur hört man eine zeitrichtige Wiedergabe – die Musik klingt so, wie sie aufgenommen worden ist. Damit die AudioVolver-Software ihr Wunderwerk vollbringen kann, muss vorher der Klang im Hörraum mit einem Messtechnik-Set aufgenommen und analysiert werden. Daraus entsteht ein Korrekturprofil, das dann auf die Musik angewendet wird – ohne die originalen Files anzugreifen: Das AudioVolver-Plug-in kreiert Kopien, die die Korrektur beinhalten, und legt sie als Alternativen zum Ausgangsmaterial ab. Prinzipbedingt sind diese korrigierten Files stets ein wenig leiser als die Originale.

Der AudioVolver bei der Arbeit: Wir ziehen Donald Fagens Album „Morph The Cat“ in das Fenster des Plug-ins, die Software erstellt nun eine Kopie mit Klangkorrektur.

Anschluss und Einrichtung mit Support

Vor dem Hörgenuss sind ein paar Installationen und Einrichtungen vorzunehmen. Der MS II ist ein Computer, man sollte also grundsätzlich ein positives Verhältnis zur IT haben. audiodata hat aber sein Bestes getan, um den Anschluss so geschmeidig wie möglich zu machen. Das mitgelieferte Manual ist ein satt bebildertes, akribisches Handbuch, Peter Schippers hat hier alle Erfahrungen eingebracht, die durch den AudioVolver und den MusikServer seit ihrer Einführung vor etwa einer Dekade angefallen sind. audiodata ist da nah am Kunden dran, weil die Aachener Firma seit eh und je einen vorbildlichen Service anbietet: 30 Tage kostenloser Installations-Support per Fernwartung zählen zum Standardpaket beim Kauf eines MusikServers. Über die Fernwartungssoftware “TeamViewer” hat Peter Schippers dann von Aachen aus Zugriff auf den MusikServer des Kunden, um Installationsarbeiten zu verrichten und Updates aufzuspielen. Über eine Video-Verbindung mittels des Chat-Dienstes FaceTime kann er auf Wunsch auch das Wohnzimmer seiner Kunden besuchen, gegen eine Aufwandsentschädigung tut er das auch in Fleisch und Blut. So lassen sich etwaige Probleme gemeinsam und auf direktem Weg beheben. Über den Installationssupport hinaus bietet audiodata optional eine Fernwartung an, um den MusikServer MS II auf dem Laufenden zu halten oder um für den Fall der Fälle Backups zu erstellen und zu bevorraten. Dieser Support ist eine gute Lösung für alle, die nicht unbedingt Computerkenner sind oder schlicht ihre Zeit anders verbringen möchten. Laut Schippers nimmt das Gros seiner Kunden dieses Angebot in Anspruch.

Die Anschlüsse des MS II: Die beiden gelben USB-Buchsen sind für D/A-Wandler vorgesehen, die beiden blauen USB-Buchsen hingegen für Rip- und Backup-Laufwerke. Die RJ45-Buchse dient als LAN-Schnittstelle zum Router/Switch. Die anderen Signal- und Daten-Schnittstellen sind Servicezwecken vorbehalten oder werden nicht benötigt.

Installation, Einmessung und Einrichtung

Am Anfang steht aber erst einmal der Anschluss der Hardware, das ist leicht gemacht: Über die LAN-Buchse bekommt der MS II Zugang zum heimischen Netzwerk, das mitgelieferte Datenkabel wird mit der gleichartigen RJ45-Buchse vom Router oder Switch verbunden. Die gelben USB-Buchsen des MS II sind für D/A-Wandler vorgesehen, hier wird also der M2Tech HiFace-Stick angeschlossen. Mit dem Adapterkabel geht es dann weiter in unseren Redaktionsverstärker, den Arcam A39. Jetzt noch den Stecker vom Netzteil einstecken, das Netzteil an die Steckdose anschließen, dann können wir einschalten. Binnen weniger Sekunden ist das Betriebssystem hochgefahren und bereit, die SSD-Karte sorgt hier für ordentlich Geschwindigkeit. Nun greifen wir zum Tablet: Wir wollen den audiodata MusikServer MS II bequem vom Sofa aus einrichten, deshalb laden wir die TeamViewer-App herunter. Die Fernwartungssoftware gibt es für iOS und Android. Mit ihr haben wir Fernzugriff auf den audiodata MusikServer MS II: Wir sehen seinen Desktop und können hier, wie auf unserem Computer, Verzeichnisse und Programme aufrufen – etwa die Rip-Software oder das AudioVolver-Plug-in. Zudem hinterlässt audiodata uns hier Notizzettel, etwa Benachrichtigungen über vorgenommene Updates und Wartungsarbeiten, falls man diesen Support gebucht hat. Die Daten für alle Legitimationen, Lizenzen, Zugangscodes und Kennwörter sind im Handbuch auf den letzten Seiten ausgewiesen, hier ist unsere individuelle Konfiguration fein säuberlich aufgelistet. Als Nächstes laden wir uns JRemote herunter, mit dieser bezahlpflichtigen App können wir unser Tablet als Fernbedienung für das JRiver Media Center einsetzen. Die nötigen Daten für die Einrichtung der App liefert uns wieder das audiodata-Handbuch.

Auf dem Tablet sieht man den Desktop des MusikServers – schließlich ist er ein Computer. Neben dem Willkommensgruß erkennt man hier die Icons aller benötigter Tools: das JRiver Media Center, Mp3tag für die Eingabe von Metadaten und das AudioVolver-Plug-in für die Klangkorrektur.

Der AudioVolver: mit Know-How und IT zum Traumklang

Jetzt wird es wieder etwas handwerklicher: Wir starten die Einmessung, um das AudioVolver-Plug-in nutzen zu können. Audiodata liefert dafür gegen eine Leihpauschale von 170 Euro ein Messtechnik-Set. Es besteht aus einer Messbox, sie wird an die noch freie gelbe USB-Buchse des MS II angeschlossen, zum anderen geht ein Cinch-Kabel zu einem Line-Eingang unseres Verstärkers. Die Messbox liefert nun Referenztöne, sie werden allerdings durch die heimische Klangkette und den Raum beeinflusst. Diesen Sound nimmt nun ein Mikrofon auf, das an die Messbox angeschlossen ist und am Hörplatz aufgestellt wird. Für jeden Lautsprecher gibt es einen Messdurchgang. Danach gehen die Daten mithilfe der Fernwartungssoftware TeamViewer zu Peter Schippers nach Aachen. Wir haben ihm bereits für Wartungsarbeiten und Updates den Fernzugriff auf unseren MS II eingeräumt, nun steht Schippers uns bei der Einmessung zur Seite. Der Einmess-Service schlägt noch einmal mit 350 Euro zu Buche. Dafür bringt der Ingenieur jetzt seine Expertise aus 35 Jahren Messtechnik, Akustik und Lautsprecherbau ein. Anhand der Messkurven kann Schippers analysieren, wo der Frequenzgang unausgeglichen ist, wo ausgeprägte Raumresonanzen auftreten, wo die Lautsprecher Schwächen in Bezug auf Paargleichheit und zeitrichtige Wiedergabe haben. Die Korrektur erfolgt nun mit viel Erfahrung, mit einer Spezialsoftware – und in enger Rücksprache mit dem Kunden. Es geht Peter Schippers ausdrücklich nicht darum, auf Teufel-komm-raus einen linearen Idealklang zu erzeugen. Der macht nämlich längst nicht jeden Hörer glücklich, weil der Sound dann mitunter blutleer und seelenlos klingt. Deshalb lotet Schippers mit seinen Kunden die klanglichen Vorlieben aus, bewahrt auf Wunsch auch den Charakter des Lautsprechers, um daraufhin in der Software die Einstellungen für das Korrekturprofil anzupassen. Das Ziel sind zeitrichtige, völlig gematchte Lautsprecher, ein Wunschfrequenzgang und eine Wiedergabe, die von allen Schwächen des Raumes und den Nachteilen einer ungünstigen Boxenaufstellung befreit ist.

Der erste Teil des Mess-Sets: Das Messmikrofon wird so aufgestellt, dass seine Spitze sich am Hörplatz auf Ohrhöhe befindet und waagerecht auf die Boxen gerichtet ist.

Der zweite Teil des Mess-Sets: Die USB-Messbox sendet Referenztöne zum Verstärker und empfängt die vom Mikrofon aufgenommenen Töne im Raum. Diese Daten sind die Grundlage für die Analyse und das Korrektur-Profil, mit dem der Klang optimiert wird.

Der audiodata MusikServer MS II in der Praxis

Bei uns stehen zum Zeitpunkt des Tests die Inklang 13.4 AdvancedLine als Boxen zur Verfügung. Das Ergebnis der Messung entlockt Peter Schippers, der mit audiodata selbst jahrzehntelang hoch- und höchstwertige Lautsprecher bis hin zur legendären sculpture gefertigt hat, große Anerkennung: Die Boxen sind sehr gut gematcht, spielen über den zugesagten Frequenzbereich fast vorbildlich, es müssen nur ein paar Kleinigkeiten interpoliert werden. Schippers ist da – auch bei sehr namhaften und deutlich kostspieligeren Schallwandlern – wesentlich größeren Behandlungsbedarf gewohnt. An die Hamburger Adresse deshalb das Lob: „Die wissen, was sie machen.“ Weil wir mit dem Klangcharakter der Inklang-Boxen auch überaus glücklich sind, fällt die Korrektur sehr moderat aus. Die zeitrichtige Wiedergabe ist bei passiven Boxen allerdings prinzipbedingt unerreichbar, dies kann Peter Schippers aber durch das Korrekturprofil ausgleichen. Die Chassis der Boxen – jeweils ein Hochtöner, ein Mitteltöner, zwei Basslautsprecher – kriegen nach Abschluss der Korrektur ein Musiksignal, bei dem der zeitliche Versatz zwischen den Chassis schon berücksichtigt ist. Dadurch klingt es, als würden sie ihre Signalanteile nicht nacheinander, sondern gleichzeitig und damit zeitrichtig abgeben. Nun zu unserem Hörraum: Hier kann Schippers mehrere kleine Überbetonungen ausgleichen, ebenso die Unausgeglichenheit der Schallreflexionen. Wir haben eine Box halbwegs wandnahe aufgestellt, an der Wand steht zudem ein Audio-Rack, die andere Box hingegen spielt ziemlich frei im Raum. Das führt links und rechts zu unterschiedlichen Abstrahlungen durch die Wände und das Mobiliar. Bei einem normalen Wohnraum sind solche akustischen Defizite noch viel stärker ausgeprägt, denn normalerweise findet alltägliches Wohnen und Musikhören in Koexistenz statt. Ein auf die perfekte Wiedergabe hin eingerichtetes Habitat ist die Ausnahme.

audiodata-Chef Peter Schippers übernimmt von Aachen aus die Fernwartung, aber auch die Analyse der Raum-Messung und die Erstellung des Klangkorrektur-Profils für das AudioVolver-Plug-in.

Zurück zu unserem Raum: Er erweist sich als leicht atypisch. Während heutige Wohnareale meist wegen ihrer Größe, dem Trend zu teppichlosen Dielen und zu reduzierter Möblierung eher hell und hallig klingen, besitzt unser Hörraum eine Dämpfung, die etwas in Richtung Aufnahmestudio geht. Allerdings gibt es Frequenzen, die durch unsere vier Wände eine leichte Überbetonung erfahren. Mit behutsamen Eingriffen sorgt Schippers auch hier für eine Optimierung und Nivellierung. Aus all diesen Eingriffen, Ausgleichungen und Gegenmaßnahmen entsteht in der kommenden halben Stunde unser individuelles Korrekturprofil. Mit ihm wird das AudioVolver-Plug-in fortan alle Files, die auf dem audiodata MusikServer MS II abgelegt werden, behandelt. Peter Schippers bietet seinen Kunden direkt ein paar Musikalben an, sie sind sowohl in der originalen Form als auch in der korrigierten Fassung auf dem Musikserver bereitgestellt. Mit der Bediensoftware JRemote finden wir alle Angebote, auch die von audiodata schon eingerichteten Webradio- und Musikstreamingdienste, im Handumdrehen. Diese Software ist wirklich sehr intuitiv zu bedienen. Wir möchten zur Beurteilung des AudioVolvers aber natürlich Musik hören, die wir in- und auswendig kennen. Deswegen laden wir von Donald Fagen „Morph The Cat“ auf den MusikServer und lassen vom AudioVolver-Plug-in eine korrigierte Kopie erstellen. Sie wird zur Unterscheidung automatisch mit dem Zusatz „(AV)“ versehen. Nun hören wir uns das Ganze mal an, zuerst das Original: Der audiodata MusikServer MS II samt DAC liefert im Zusammenspiel mit unserem Arcam A39 und den Inklang 13.4 AdvancedLine ein ungemein räumliches und klares Klangbild, die Musik klingt detailliert und strukturiert, der Bass hat Tiefgang und die Drums ordentlich Punch. Soweit, so exzellent.

Schallwandler im Einklang: Wo vorher Tweeter, Mittel- und Tieftöner mit zeitlichem Versatz spielten (rote Kurve: die Sprungantwort der Chassis zeigt drei hintereinander erfolgende Ausschläge), spielen sie nach der Korrektur zeitrichtig zusammen (grüne Kurve). Das Resultat ist eine stimmigere Wiedergabe.

Unser Hörraum und die Inklang-Boxen können sich messtechnisch sehen lassen (rote Kurve), hier werden nur ein paar Glättungen für das Korrekturprofil vorgenommen (grüne Kurve). Damit der Charakter der Lautsprecher erhalten bleibt, sind kleine Senken und Erhebungen bewusst nicht eingeebnet.

Jetzt wechseln wir zum korrigierten File – und was wir jetzt erleben, ist unglaublich: Die Präsenz der Musik ist merklich größer. Fagens Gesang klingt eindringlicher, die Instrumente sind noch deutlicher herausgearbeitet und wirken dadurch noch plastischer. Auch die verschiedenen verflochteten Melodielinien, etwa der Bläsersektion, können wir nun noch besser nachverfolgen. Die etwas höhenlastige, aggressive HiHat des Schlagzeugs wirkt jetzt entspannter – und das ist für die gesamte Wiedergabe das Zauberwort: Entspannung. Die Musik erscheint noch selbstverständlicher, aber auch präziser, die erstklassigen Musiker von Donald Fagen spielen nun derart auf den Punkt, dass die unbearbeitete Fassung dagegen schon fast ein wenig hakelig anmutet. In der korrigierten Fassung hat die Musik einen natürlichen, fabelhaften Flow, dabei wirkt die Einspielung, als wenn sie mit mehr Zug und ein paar Schlägen pro Minute schneller eingespielt worden ist. Der Wirkung können wir uns nicht entziehen, ganz unwillkürlich beginnen wir, mit Kopf und Füßen mitzuwippen. Geht es noch intensiver? Ja: Diana Krall hat 2009 das Album „Quiet Nights“ aufgenommen, sanfter Bar-Jazz, dessen große Attraktion der sinnliche Gesang ist. Wenn Krall bei dem Opener „Where Or When“ mit samtig-sanftem Timbre das Ohr bezirzt, dann hat das schon in der originalen Fassung eine ausgesprochene Erotik. In der klangoptimierten Version wird daraus eine geradezu verführerisch-intime Ansprache: „It seemed we stood and talked like this before“ haucht Diana Krall ins Mikro – und die Abbildung ihrer Stimme hat derart an Körperlichkeit gewonnen, dass eine wahrhafte Illusion entsteht: Die charmante Chanteuse scheint direkt vor uns zu stehen und uns diese Zeilen ins Gesicht zu sagen. Mit Augenkontakt. Mehr Abbildungskraft kann man von einer Musikwiedergabe nicht erwarten.

Alles in einem: Der audiodata MusikServer MS II ersetzt die zimmerfüllende Häufung von Zuspieler-, Speicher-, Streamer- und DAC-Komponenten.

Fazit

Der audiodata MusikServer MS II ist eine audiophile Lösung für alle, die ihre Musik auf medial moderne Art genießen möchten: Er ist zuerst ein Server, also ein Speicher für Musikfiles, doch durch seinen modularen Aufbau und die angebotenen Soft- und Hardware-Pakete wächst er auf Wunsch zum Musikplayer, Streamer, DAC und CD-Ripper. Durch diese Ausstattungsvielfalt kann er auch eine bestehende analoge Anlage in die digitale Gegenwart führen – mit einer exzellenten Klangqualität. Die Sensation dieses Geräts ist aber die optionale Klangkorrektur: Der als Software integrierte AudioVolver lässt alle negativen Raumeinflüsse verschwinden und sorgt bei den Boxen für eine zeitrichtige Wiedergabe. Die Musik klingt dadurch wieder so vital und natürlich, wie sie aufgenommen wurde – und das ist eine Offenbarung. Dafür nimmt man gerne die doch anspruchsvolle Installation in Kauf, die audiodata mit einem vorbildlichen Support erleichtert, und deshalb ist auch das Preis-Leistungs-Verhältnis schlicht und einfach sehr gut.

Test & Text: Volker Frech
Fotos: www.lite-magazin.de, Herstellerbilder

Gesamtnote: 1,0
Klasse: Referenzklasse
Preis-/Leistung: sehr gut

99 %

85 %

93 %

171122.audidata-Testsiegel

Technische Daten

Modell:audiodata
MusikServer MS II
Produktkategorie:Musikserver, modular erweiterbar
Preise:Beispielkonfiguration:
- Basis-Paket MS II: 2.220 Euro
- Netzkabel NK12 Premium 150 Euro
- Hardware-Paket I (USB-DAC, Cinch-Kabel 150 cm): 330 Euro
- Software-Paket II (audiodata-Shairport): 90 Euro
- Software-Paket III (AudioVolver-PlugIn): 720 Euro
- Streaming-Paket II (JRiver): 190 Euro
- Support-Paket mit Fernwartung für 1 Jahr: 170 Euro
insgesamt: 3.870,00 Euro

dazu:
- Leihpauschale Messtechnik-Set: 170 Euro
- Einmessen AV-PlugIn per Fernwartung: 350,00 Euro
Garantie:2 Jahre
Ausführungen:- Frontplatte: Alu eloxiert (Schwarz oder Silber)
- Startknopf-Beleuchtung: Weiß, Rot, Grün, Blau
Vertrieb:audiodata Elektroakustik GmbH, Aachen
Tel.: +49 241 / 51 28 28
www.audiodata.eu
Abmessungen (HBT):80 x 260 x 243 mm
Gewicht:4,5 kg
Hardware (MS II):- Intel/Mitac Motherboard mit Quad-Core 4 x 2,0 GHz Celeron Prozessor, per Heatpipe flüssigkeitsgekühlt, 4 GB RAM
- 250 GB Samsung SSD-Festplatte für das Betriebssystem, Bootzeit < 30s
- 2 TB Western Digital 3,5 Zoll HDD-Festplatte mit 24/7 Zertifizierung für NAS/Server-Betrieb (bietet Speicherplatz für ca. 6.000 CDs im FLAC-Format), optional mit 3 TB, 4 TB oder 6 TB Western Digital HDD-Festplatte erhältlich
Eingänge / Schnittstellen:2 x USB 2.0 (Typ A) ,gelb, für D/A-Wandler (Hardware-Paket I/II)
1 x LAN (RJ45-Buchse) als Schnittstelle zum Router/Switch
2 x USB 3.0 (Typ A), blau, für Rip- und Backup-Laufwerk
1 x Mikrofon, Mini-Klinke (wird nicht benötigt)
Ausgänge:1 x HDMI (nur für Servicezwecke)
1 x VGA-Monitor (nur für Servicezwecke)
1 x Line, Mini-Klinke (wird nicht benötigt)
Software (MS II):- Betriebssystem WINDOWS 7 Professional (Einzellizenz, deutschsprachig)
- Mp3tag (Tagging-Software, konfiguriert)
- „TeamViewer“ für (Fern-)Zugriff
Unterstützte Audio-Dateiformate / Containerformate:- PCM bis 384 kHz/32 bit
- DSD bis DSD128
- mp3 (MPEG Layer III)
- wav, FLAC (Free Lossless Audio Codec), AAC (Advanced Audio Coding), ALAC (Apple Lossless Audio Codec), m4a u.a.
Maximale Samplingraten/
Auflösungen
- PCM 384 kHz/32 bit
- DSD128, 5,6 MHz,1 Bit
Lieferumfang:- audiodata MusikServer MS II
- externes Netzteil
- Netzkabel
- LAN-Kabel, Länge nach Wahl (1 - 5 m)
- Handbuch (deutsch)
- 30 Tage kostenloser Installations-Support (per Fernwartung) nach Kauf
Besonderes: ausgezeichneter Klang
- modularer Aufbau
- optionale Software/Hardware-Pakete für maßgeschneiderte Lösung
- erstklassige Verarbeitung
- AudioVolver-Klangkorrektur als optionales Plug-in
- 30 Tage Installations-Support
Benotung:
Klang (60%):1+
Praxis (20%):1,2
Ausstattung (20%):1,0
Gesamtnote:1,0
Klasse:Referenzklasse
Preis-/Leistungsehr gut

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