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Redakteur

 

Wenn man gerade eine richtig gute Lautsprecherfamilie entwickelt hat, macht man erst mal schön ausgiebig Urlaub und genießt den Erfolg. Oder man überlegt sich, wie man noch höheren Ansprüchen gerecht werden kann. Bei Mission in England hat man sich für letztere Option entschieden. Das Ergebnis ist die QX-Serie, der auch unser aktueller Testkandidat QX-1 angehört. Ein sehr kompakter Regallautsprecher, der einmal mehr alle Erwartungen zu übertreffen gedenkt.

Elegant und modern präsentiert sich die kompakte Regalbox QX-1 von Mission.

Elegant und modern präsentiert sich die kompakte Regalbox QX-1 von Mission.

Seit der Gründung von Mission im Jahre 1977 verfolgt das englische Unternehmen das Ziel, Lautsprecher mit hervorragendem Klang zu erschwinglichen Preisen anzubieten. Das gelingt in zuverlässiger Regelmäßigkeit – auch die QX-1 stellt das mit einem Paarpreis von gerade einmal 349 Euro unter Beweis – und hat der inzwischen zur IAD Group gehörenden Marke einen sehr guten Ruf in der HiFi-Welt beschert. Den gilt es nun natürlich immer wieder aufs Neue zu bestätigen, was angesichts des bereits seit mehr als vier Jahrzehnten erfolgreich verfolgten Konzepts scheinbar selbstverständlich gelingt. Wie man es von Mission kennt, weist auch die jüngste Serie namens „QX“ ganz konsequent eine ziemlich umfangreiche Produktpalette auf. Zwar sind noch nicht alle Modelle im deutschen Online-Shop audiolust.de verfügbar, man darf sich allerdings auf insgesamt zwei Regallautsprecher (QX-1 und QX-2), drei Standboxen (QX-3, QX-4 und QX-5) sowie jeweils einen Center (QX-C), Surround-Speaker (QX-S) und Subwoofer (QX-12) freuen. Damit ist auch klar: Die QX-Serie erfüllt Anforderungen aus den Bereichen HiFi und Heimkino gleichermaßen gut und ist sogar noch umfangreicher aufgestellt als die ebenfalls nicht zu unterschätzende LX-Serie. Dennoch gibt es einige Gemeinsamkeiten, allen voran die invertierte Treiberanordnung und der Einsatz modernster Technologien. Zu guter Letzt gibt es auch optisch wie gewohnt keinerlei Grund zur Kritik, was nicht zuletzt mit Missions hohen Ansprüchen bei der Materialwahl zusammenhängt.

Exquisit und topmodern

In der Entwicklungsabteilung der Briten wird definitiv Wert auf Qualität gelegt, für Kompromisse ist da kein Platz. Das zeigt sich nicht nur daran, dass ein so kompakter Lautsprecher wie die QX-1 trotz Abmessungen von 28 x 19,5 x 25,5 Zentimetern satte 6,31 Kilogramm auf die Waage bringt. Schon auf den ersten Blick wird deutlich, dass Mission hier (einmal mehr) einen Lautsprecher für Leute mit Geschmack entworfen hat. Die Farbpalette der aktuell verfügbaren QX-1 umfasst das elegante Schwarzholz, in dem sich auch unser Testkandidat präsentiert, und ein edles, rötlich schimmerndes Rosenholz. Wir können mit der vermeintlich schlichteren Variante allerdings sehr gut leben, denn die Kombination aus Holz (Gehäuse), Aluminium (Top- und Bodenplatte) sowie feinmaschigem Stoff (Frontblende) wirkt wunderbar harmonisch und trotz der insgesamt dunklen Farbpalette alles andere als düster. Elegant und modern, das beschreibt den Look der kompakten Regallautsprecher wesentlich passender.

Der Mix aus Holz und Aluminium zeugt von Eleganz und Stil.

Der Mix aus Holz und Aluminium zeugt von Eleganz und Stil.

Der moderne Touch kommt von den vielen kleinen Feinheiten des Designs der QX-1, die unter anderem mit großzügig abgerundeten Kanten die übliche Gehäuseform auflockert. Die eingesetzten Treiber wirken zumindest teilweise fast schon futuristisch, etwa die Einfassung des Mitteltieftöners oder das Dual-Ring-Prinzip beim Hochtöner – obwohl die visuelle Wirkung in beiden Fällen eigentlich nur eine untergeordnete Rolle spielt. Auch die magnetische Frontblende – die an sich schon ein Extralob wert ist – hält sich nicht an die vorherrschende Linienführung, sondern haftet passgenau auf den beiden Treibern. Optisch ist das perfekt gelöst, so eine Abdeckung sieht man in dieser Preisklasse definitiv nicht allzu häufig. Ebenso wenig wie ein Herstellerlogo, das fast schon ein massives Emblem darstellt. Filigran graviert und sauber auf der Schallwand platziert unterstreicht auch dieses kleine Detail die hohen Ansprüche, die man bei Mission an die eigenen Produkte stellt. Ansprüche, die übrigens mit Blick auf die Ausstattung der Lautsprecher mindestens genauso hoch sind.

Die dank Wabengitter stabile Frontabdeckung haftet magnetisch und passgenau auf den Treibern - ein sehr schönes Detail der QX-1.

Bewährte Methoden effektiv verfeinert

Die QX-1 ist im Zwei-Wege-Prinzip aufgebaut und verfügt über robuste Schraubklemmen zur Aufnahme von Lautsprecherkabeln. Die Anschlüsse sitzen gut erreichbar leicht schräg in ihrem Terminal, direkt unterhalb des großzügigen Bassreflexports. Der beansprucht den oberen Teil der Gehäuserückwand für sich, analog zum Mitteltieftöner auf der Vorderseite. Eine normalerweise unkonventionelle Position, für Mission ist diese Anordnung der Treiber aber völlig normal. Die Engländer fahren ja auch auf der anderen Straßenseite, warum also nicht den Mitteltieftöner über dem Hochtöner platzieren? Zumal das ja wunderbar funktioniert, wenn man weiß, was man tut. Bei Mission ist das ohne Frage der Fall, das hat uns schon der Test der LX-2 gezeigt und das unterstreicht die QX-1 nun noch einmal. Der britische Hersteller bezeichnet diese Anordnung übrigens auch ganz offiziell als „Inverted Driver Geometry“ ( „invertierte Treiber-Anordung“) und beabsichtigt damit die Angleichung der Laufzeiten von Hoch- und Mitteltieftöner. Von optischen Spielereien sind wir also weit entfernt, das hat schon alles eine fundierte Grundlage – wie die Wahl der Treiber selbst.

Bei den Schraubklemmen auf der Rückseite der QX-1 wird absolut nicht gespart, hier kommen sehr hochwertige Exemplare zum Einsatz.

Bei den Schraubklemmen auf der Rückseite der QX-1 wird absolut nicht gespart, hier kommen sehr hochwertige Exemplare zum Einsatz.

Der Mitteltieftöner der QX-1 folgt dem DiaDrive-System von Mission, dessen kurvenförmige Membran aus einem Mix aus Zellstoff- und Acrylfasern für einen besonders klaren mittleren Frequenzbereich sorgen soll (kraftvoller Bass versteht sich bei Mission ja ohnehin von selbst). Dazu gesellt sich ein neu entwickelter Ring-Dome-Hochtöner, der mit einem doppelten Ringaufbau eine hohe Detailtreue liefert und gleichzeitig Verzerrungen unterbindet – so zumindest die Theorie, das nehmen wir in der Praxis natürlich noch etwas genauer unter die Lupe. Doch damit ist noch längst kein Ende in Sicht, die QX-1 haben noch ein paar weitere clevere Details zu bieten. Das betrifft zum Beispiel die Einfassung des Mitteltieftöners und des Bassreflexports, die mit einer Rippenstruktur auf sich aufmerksam machen. Auch das dient nicht nur als Verzierung, sondern der Optimierung des Luftstroms durch das Unterbinden von Störgeräuschen. Dasselbe Ziel verfolgen die Top- und Bodenplatten aus Aluminium, die mit zusätzlicher Masse für erhöhte Steifigkeit sorgen und dadurch unerwünschte Vibrationen ebenso unterbinden wie eine Klangverfärbung und Verzerrungen.

Die Einfassung des Mitteltieftöners sorgt mit moderner Rippenstruktur für reduzierte Störgeräusche - und sieht nebenbei ziemlich gut aus.

Die Einfassung des Mitteltieftöners sorgt mit moderner Rippenstruktur für reduzierte Störgeräusche – und sieht nebenbei ziemlich gut aus.

Detailtreue mit kontrollierter Kraft

Theoretisch sind die QX-1 also hervorragend aufgestellt, praktisch müssen sie sich erst noch beweisen. Wir haben da allerdings inzwischen nicht mehr die Befürchtung, dass der Klang der Regallautsprecher nicht unseren Erwartungen entsprechen könnte. Eine hohe Detailtreue und viel Dynamik setzen wir erfahrungsgemäß bei den Mission-Lautsprechern voraus und stellen die QX-1 diesbezüglich mit „Snow“ von den Red Hot Chili Peppers auf die Probe. Das schnelle Gitarrenspiel von John Frusciante und die groovig-druckvolle Rhythmusfraktion stellen genau den Maßstab dar, an dem sich die Kompaktboxen mindestens messen lassen müssen. Das sieht das Stereo-Pärchen offenbar genauso und nimmt die Aufgabe dankbar an. Die Detailtreue ist absolut perfekt und selbst mit den einsetzenden Synthesizern klingt jede Schwingung der Gitarrensaiten vollkommen unverfälscht und sauber. Daran ändert auch der sich kontinuierlich steigernde Instrumenteneinsatz nichts, sondern sorgt lediglich für einen deutlichen Zugewinn an Dynamik und Volumen. Entscheidenden Anteil daran hat auch die präzise Staffelung der virtuellen Stereobühne, die sowohl ein homogenes Gesamtbild als auch eine klare Zuordnung zu bieten hat.

Das Dual-Ring-System des Hochtöners bürgt für besonders hohe Detailtreue.

Das Dual-Ring-System des Hochtöners bürgt für besonders hohe Detailtreue.

Das Dual-Ring-System des Hochtöners bürgt für besonders hohe Detailtreue.

Die hervorragende Stereo-Darstellung gelingt auch beim zu diesem Zweck immer wieder gern herangezogenen Titel „Naive“ von The Kooks, mit dem die QX-1 erfreut demonstriert, wie weit ihre virtuelle Bühne über die tatsächliche Position der Boxen hinausreicht. Sehr beeindruckend und einmal mehr ein positives Beispiel dafür, dass man auch mit sehr kompakten Lautsprechern großartigen Klang erleben kann. Wer mit einem Budget von maximal 400 Euro an den Erwerb von zwei ausgewachsenen Standlautsprechern denkt, sollte die QX-1 ernsthaft als Alternative in Betracht ziehen. Sie mögen optisch zwar nicht so wuchtig daherkommen, liegen in punkto Eleganz und Klang allerdings deutlich über dem, was der überwiegende Teil der großgewachsenen Kollegen in diesem Preisrahmen bieten kann. Oder um es mal auf dem Niveau gewisser Abendprogramme der Privatsender zu formulieren: Größe ist nicht alles, auf die Technik kommt es an.

Der großzügige Bassreflexport auf der Rückseite der QX-1 ist ebenfalls mit einer Einfassung zur Minderung von Störgeräuschen ausgerüstet.

Der großzügige Bassreflexport auf der Rückseite der QX-1 ist ebenfalls mit einer Einfassung zur Minderung von Störgeräuschen ausgerüstet.

Wo vermeintlich preisgünstige Standlautsprecher vor allem mit stumpfer Power agieren, spielen die QX-1 nicht minder kraftvoll, aber eben deutlich kontrollierter und vor allem wohldosiert auf. Das zeigt sich nicht nur bei „Naive“, sondern auch bei Brian Fallons „Come Wander With Me“, das vor allem von einer großen Portion Groove lebt und daraus den Großteil seiner mitreißenden Stimmung generiert. So gut die QX-1 diese transportieren können, so gut können sie auch ruhigere und geheimnisvollere Töne anschlagen. Dann versprühen die Mission-Lautsprecher sogar akustisch dieselbe Eleganz, die sie optisch zu bieten haben. Mit „Youth & Enjoyment“ von Razz zeigen sie genau das äußerst eindrucksvoll, ohne zu vergessen, an den entscheidenden Stellen wieder all ihrer Energie freies Geleit zu gewähren. Besonders dann, wenn Sänger Niklas Keiser von der eher sanften Stimmlage hin zum rauen Reibeisen wechselt, lässt auch die QX-1 all ihr Temperament heraus. Einen solch spontanen Ausbruch traut man vornehmen Briten eigentlich gar nicht zu, aber wir haben ja schon geklärt, dass man bei Mission gerne mal mutig und unkonventionell agiert – zum Glück!

Das Herstellerlogo darf natürlich nicht fehlen und unterstreicht das hohe Design-Niveau der QX-1.

Das Herstellerlogo darf natürlich nicht fehlen und unterstreicht das hohe Design-Niveau der QX-1.

Fazit

Bei Mission darf man sich sicher sein, dass eine durchdachte Konstruktion und clevere Details wesentliche Bestandteile eines jeden Lautsprechers sind. Wie gewohnt stellt auch die QX-1 eine formvollendete Kombination aus hochwertigem Material und sorgfältiger Verarbeitung dar, die dem Regallautsprecher ein ebenso elegantes Aussehen wie einen makellosen Klang beschert. Stets völlig ausgewogen, zugleich aber auch sehr dynamisch, wird die QX-1 jedem Musikgeschmack gerecht. Qualitäten, die diese Kompaktbox für nahezu jeden Musikfreund interessant machen.

Test & Text: Martin Sowa
Fotos: www.lite-magazin.de

Gesamtnote: 1+
Klasse: Mittelklasse
Preis-/Leistung: sehr gut

98 %

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180308.Mission_Testsiegel

Technische Daten

Modell:Mission QX-1
Produktkategorie:Regallautsprecher
Preis:349 Euro/Paar
Ausführungen:- Schwarz
- Rosewood
- Walnuss
Vertrieb:IAD GmbH, Korschenbroich
Tel: 02161/ 61 78 30
www.iad-audio.de
Abmessungen (HBT):280 x 195 x 255 mm
Gewicht:6,31 kg/St.
Gehäusevolumen:8,1 Liter
Prinzip:2-Wege, Bassreflex
Frequenzbereich:55 Hz - 24 kHz
Hochtöner:1x 38-mm-Ring-Dome-Tweeter, Gewebe
Mitteltieftöner:1x 130 mm, Papier-Faser-Mitteltieftöner
Besonderes:- invertierte Treiberanordnung
- magnetische Frontabdeckung
- massive Schraubklemmen
- Top- und Bodenplatte aus Aluminium
- hohe Detailtreue
- dynamischer Sound
Lieferumfang:- Regallautsprecher QX-1
- selbstklebende Standfüße
- Bedienungsanleitung
Benotung:
Klang (60%):1+
Praxis (20%):1,0
Ausstattung (20%):1,0
Gesamtnote:1+
Klasse:Mittelklasse
Preis-/Leistungsehr gut

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