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Redakteur

Mit der 3020i hat Q Acoustics einen neuen Regallautsprecher in seinem Portfolio, der optisch anspricht und mit einer Vielzahl an technischen Innovationen aufwartet. Was man von Q Acoustics zudem gewohnt ist: Design und Preis-Leistungs-Verhältnis beeindrucken. Und auch klanglich will der kleine Riese seine mit Testlorbeeren überschütteten Vorgänger nochmals übertreffen.

Zeitlos gestylt und doch ein Blickfang: Die Q Acoustics 3020i.

Als die Gründer von Q Acoustics im Jahr 2006 mit der 1000-Serie ein optisch ansprechendes und klangstarkes Lautsprecher-Portfolio präsentierten, war der Name Q Acoustics in der HiFi-Welt sofort in aller Munde. Zum sauberen Design, zur üppigen Ausstattung und zum imponierenden Klang gesellte sich ein hervorragendes Preis-Leistungs-Verhältnis, das die Linie schnell zum Bestseller in Großbritannien machte. Mit dem Q-TV2 oder der ersten 3000er-Reihe, die auch in unserem Testräumen voll überzeugte, setzten die Briten ihren Weg, hervorragende Schallwandler zu erschwinglichen Preisen anzubieten, dann beeindruckend fort. Eine Philosophie mit Erfolg, heute ist Q Acoustics weit über die Grenzen Großbritanniens in ganz Europa und Nordamerika bekannt und geschätzt. Mit der neuen 3000i-Serie führen die Engländer diese Tradition nun fort: Die Weiterentwicklung der vielfach ausgezeichneten 3000er-Linie setzt auf innovative Verbesserungen und eine überarbeitete Ästhetik – ohne dabei den selbst gesetzten Preisrahmen zu verlassen. Auch wenn die Preisgestaltung vielleicht anderes vermuten lässt, bei jedem Familienmitglied der neuen 3000i handelt es sich um einen hochwertigen, völlig neu überarbeiteten HiFi-Lautsprecher mit Klanganspruch. Neben zwei Regalboxen umfasst die Serie einen Standlautsprecher, einen Centerspeaker und einen formschönen Subwoofer. Das Portfolio ist dabei so gestaltet, dass sich jedes Modell mit anderen 3000er-Lautsprechern zu einem klangstarken Heimkinosystem kombinieren lässt – einen entsprechenden Test finden Sie in Kürze übrigens auch bei uns.

Die 3020i wirken optisch etwas zierlicher als ihre Vorgänger, haben aber in Sachen ausstattung und Klang jede Menge zu bieten.

Optischer Leckerbissen mit Kniff

In unserem Test geht es um den größeren der beiden Regallautsprecher, den 3020i. Dieser präsentiert sich in Arctic White in unserem Testraum, ist auf Wunsch aber auch in den Farben Graphite Grey, English Walnut oder Carbon Black erhältlich. Die Formsprache der Lautsprecher wirkt schlicht, zugleich aber auch elegant. Das vermittelt eine Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit, die sich sehr gut ins moderne Wohnzimmer integriert. Das Gehäuse ist an den seitlichen Kanten stark gerundet und ansatzlos in dem gewünschten Farbton laminiert. Die Verarbeitung der Stoßkanten an beiden Stirnseiten ist vorbildlich und lässt die Box in einem durchgehenden Mattweiß erstrahlen. Beim Blick „ins Gesicht“ der 3020i fallen dann zunächst die beiden attraktiven Chromringe auf, die die beiden Chassis einrahmen. Wer die Technik nicht sehen möchte, setzt einfach die magnetisch haftende Frontabdeckung auf. Ist man Besitzer eines weißen Lautsprechers ist besagter Grill mit einem hellgrauen Akustikstoff bezogen, was für einen schönen Kontrast sorgt. Alle anderen genannten Farbvarianten kommen dagegen mit einer schwarzen Bespannung.
Mit einer Breite von nur 170 Zentimetern bei einer Höhe von 278 Zentimetern präsentiert sich die kompakte Zwei-Wege-Box in der Frontansicht sehr elegant, ja fast schon zierlich. Dieser Eindruck relativiert sich ein wenig, sobald man sich das gesamte Gehäuse anschaut. Um trotzdem ein für einen ordentlichen Grundton erforderliches Gehäusevolumen zu realisieren, haben sich die Ingenieure von der Insel für ein vergleichsweise tiefes Gehäuse entschieden. Dieses ragt 282 Millimetern in die Tiefe. Eine clevere Vorgehensweise, denn während Lautsprecher mit einem ähnlichen Volumen meist deutlich höher und breiter sind, wirken die Q Acoustics Regallinge bei gleichem Fassungsvermögen wesentlich kompakter. Ein optischer Trick, der sich gerade dann bemerkbar macht, wenn die Böxchen ins Regal gestellt oder auf dem Sideboard platziert werden. Wer die Lautsprecher bevorzugt im klassischen Aufbau einsetzt oder gar an der Wand betreiben möchte, für den hält Q Acoustics die optional passenden Ständer und Befestigungswinkel parat.

Saubere Übergänge, keine Einschlüsse oder sichtbaren Stoßkanten: Die Gehäuseverarbeitung kann sich sehen lassen.

Technik, die fasziniert und hörbar begeistert

Das aus einem 125 Millimeter messenden Tiefmitteltöner und einer 22er-Hochtonkalotte bestehende Zwei-Wege-System ist das technische Herzstück der neuen Q Acoustics 3020i. Besonderheiten gibt es hier einige: Der vollständig überarbeitete Tief-/Mitteltöner verfügt beispielsweise über eine Membran aus imprägniertem, beschichtetem Papier. Sie wird von einer ebenfalls neu entwickelten Gummisicke eingefasst. Die Konusform des Schwingsystems verspricht die optimale Balance zwischen Verwindungssteifheit, Festigkeit und Eigendämpfung. Hinzu gesellt sich der neue Hochtöner. Dank seiner elastischen Aufhängung ist dieser von der Schallwand so entkoppelt, dass er vor vom Tieftöner ausgehenden Schwingungen geschützt ist. Ein Aufbau, der eine saubere Hochtonwiedergabe mit deutlich reduzierten Störeinflüssen zum Ziel hat. Übrigens: Die 3020i ist laut Hersteller in der Lage einen Frequenzbereich von 64 Hertz bis 30 Kilohertz wiederzugeben. Sogenannte P2P-Verstrebungen (Punkt zu Punkt) versteifen das Gehäuse obendrein, was die Entstehung von Vibrationen und Störgeräuschen auf ein Minimum reduziert. Das Resultat dieser Anstrengungen soll ein, auch unter höheren Pegeln, überaus präzises und dynamisches Klangbild sein. Apropos Eliminierung von Störeinflüssen: Vom Untergrund entkoppelt werden die 3020i über vier kleine Gummifüße, die fest im Gehäuse integriert sind. Ein weiterer Unterschied zu den einfachen Klebenoppen, die andere Hersteller ihren Lautsprechern beilegen. Statt bei der kleinsten Berührung zu verrutschen, bleiben besagte Füßchen immer an ihrem Platz, selbst wenn der Klangwandler im Regal hin- und hergeschoben wird. Speziell für diesen Zweck, nämlich den Einsatz im Regal, wurde auch das großzügig dimensionierte Anschlussterminal auf der Boxenrückseite neu entwickelt. Die schicken Schraubklemmen wurden so flach konstruiert, dass sie deutlich weniger Platz nach hinten benötigen als herkömmliche Anschlussklemmen. Trotz ihres raumsparenden Aufbaus nehmen die Klemmen auch Bananas oder unkonfektionierte Kabel bis zu einem Querschnitt von vier Millimetern auf. Oberhalb besagten Anschlussmoduls findet sich die für Lautsprecher dieser Größe übliche Bassreflexöffnung. Bündig ins Gehäuse eingelassen, sorgt sie für einen erweiterten Bassbereich. Eine wandnahe Aufstellung geht in diesem Fall mit einer weiteren Pegelerhöhung im Bassbereich einher. Je nachdem wie nahe die Box der Wand kommt, empfiehlt es sich den Reflexport zu verschließen. Zu diesem Zweck liegen den 3020i zwei Schaumstoff-Zylinder bei, mittels derer die rückwärtige Öffnung verschlossen wird. In der Folge spielt die Box dann vielleicht nicht mehr ganz so tief herunter, bietet gerade unter beengten Platzverhältnissen aber eine deutlich präzisere Tieftonabstimmung.

Clever gelöst: Das Anschlussfeld der 3020i ist flach gehalten, ist aber dennoch in der LAge auch Kabel größeren Querschnitts aufzunehmen.

Differenzierte Einheit

Nach der obligatorischen Einspielzeit starte ich meinen Hörtest dann mit Eric Claptons „Lay Down Sally“. Einem Song, der von seiner Leichtigkeit lebt. Diese fußt auf der Vielzahl instrumentaler Details, die bei so manchem HiFi-Setup aber auch gerne auch mal im druckvollen Spiel des Kontrabasses untergehen. Hier ist das glücklicherweise nicht der Fall. Das Q-Acoustics-Duo versteht es von Beginn durch Auflösung und Spielfreude zu begeistern und die Beschwingtheit der Musiker rüberzubringen. Das gesamte Musikensemble basiert auf einem warmen Grundton, der sogleich eine wohlige Atmosphäre liefert. Stimmen werden realistisch und präzise ausgegeben, nichts klingt verfälscht oder gar nasal. Im Gegenteil, Claptons Stimme manifestiert sich regelrecht im Hörraum. Intim, körperhaft und direkt. So muss das sein. Als wäre das noch nicht genug, begeistern die 3020i durch eine detailreiche und akkurate Wiedergabe des instrumentalen Hintergrunds. Das nennt man dann wohl „harmonisches Klanggefüge“. Eine Performance, die man sonst eigentlich nur von teureren Schallwandlern kennt und die sich ganz nebenbei auch noch dynamisch und kraftvoll darstellt. 
Wo wir uns gerade musikalisch auf den Britischen Inseln befinden, kommt nun auch Joss Stone mit „This Ain`t Love“ vom Album „Water For Your Soul“ zu Wort. Genial, wie dynamisch der Tiefton von Beginn an aufspielt, der Bass dominiert von der ersten Minute durch Kraft und Präzision. Das ist umso erstaunlicher bei einem Blick auf die Abmessungen der kleinen Q Acoustics Zweiwegler, die durch dynamische Entschlossenheit und Impulskraft faszinieren. Sowohl die tiefen Grundtöne des Basses, als auch die deutlich höher angelegte Soulstimme der englischen Künstlerin werden sauber voneinander differenziert und glasklar wiedergegeben. Das ganze in einer Offenheit, die Stimmen und alle weiteren Mittelfrequenten Schallanteile unangestrengt durchhörbar macht. Besagte Offenheit zieht sich dann sogar nahtlos in den Hochton hinein. Alles selbstverständlich jederzeit kontrolliert und in beeindruckender Ausgewogenheit.

In der 3020i setzt Q Acoustics auf einen überarbeiteten, sogenannten “High Frequency De-Coupler”.

Die 3020i können auch die Ärmel hochkrempeln …

Anschließend soll es dann etwas heftiger zur Sache gehen. Dazu wählen wir „Master Of Puppets“ aus Metallicas Live-Album „S&M“. Ein Stück, das seinerzeit im Zusammenspiel mit dem San Francisco Symphony Orchester aufgenommen wurde und das nur so vor Tempowechseln und diversen instrumentalen Einzelheiten strotzt. Zugleich ein Song, der impulsstark nach vorn geht und unsere zwei Testkandidaten dann schnell so richtig auf Temperatur kommen lässt. Selbstverständlich unter höherem Pegel, wovon das Q-Acoustics-Duo offenbar aber wenig beeindruckt ist. Auch jetzt spielen die beiden hübschen Böxchen deutlich voller, und energiereicher auf, als man es von Schallwandlern dieser Größe erwarten würde. Die beiden „kleinen“ agieren aber nicht nur groß, sondern auch eindrucksvoll schnell und agil, was sich besonders imponierend darstellt, als Lars Ulrich sein Können am Schlagzeug unter Beweis stellt. Jetzt wird die Technik aufs Äußerste gefordert und die Chassis fast ans Limit gebracht. Die Kontrolle verlieren die 3020i dabei aber nicht, sondern stellen die rasante und schnelle Abfolge von Schlägen punktgenau in den Raum, ohne dabei verwaschen oder überfordert zu wirken. Trotz ihres beachtlichen Tiefgangs wirkt der Bassbereich jederzeit kontrolliert, straff und erfrischend sauber. Selbst nach einer weiteren Pegelerhöhung spielen die 3020i herrlich crisp, frisch und klar intoniert, ohne an Spielfreude, Dynamik und Leichtigkeit einzubüßen.
Zum Testabschluss lassen wir es dann wieder etwas ruhiger angehen und wechseln noch einmal das musikalische Genre. Mit den Eagles und „New Kid In Town“ endet nun zwar unsere Hörprobe, aber nicht unser Staunen. Waren gerade noch Tiefgründigkeit, Energie und Impulsstärke gefordert, entschleunigen die beiden Engländer jetzt gekonnt und grooven sich voll auf den chilligen Sound der 70er ein. Unaufgeregt, dabei aber doch kraftvoll geben die Q Acoustic die markante Gesangstimme Glenn Freys wieder, vergessen dabei nicht den Fokus auf der musikalischen Untermalung zu behalten, die dynamisch und detailreich aufbereitet zum sehr guten Gesamteindruck beiträgt. Wie in den zuvor angespielten Stücken, fällt auch hier der äußerst angenehm warme Grundton der 3020i auf, die dem Song Volumen angedeihen lässt und die Stimmung sehr gut Richtung Auditorium transportiert. 
Auch hier spielen unsere Testgäste fast schon erwachsen und eine Tieftonperformance an den Tag, die sich auch vor größeren Konkurrenten nicht verstecken braucht.

Bündig perfekt eingelassene und metallisch glänzende Ringe setzen optisch ansprechenden Akzente.

Fazit

Mit der 3020i kombiniert Q Acoustics 3020i britische HiFi-Tugenden und modernste Ingenieurskunst. Perfekt für den Einsatz in kleinen Räumen entwickelt, erscheinen die knapp 28 Zentimeter hohen Zwei-Wege-Böxchen filigran, vielleicht sogar ein wenig unscheinbar. Das für einen erwachsenen Sound nötige Volumen wird durch einen cleveren Trick in der Designgebung bereitgestellt. Die 3020i wirken zwar sehr kompakt, haben es klanglich aber faustdick hinter den Ohren und liefern einen saubere, feinaufgelöste Performance, die auf einem überraschend kräftigen und druckvollen Tieftonfundament fußt. Der Sound ist kultiviert, substanziell, leichtfüßig und auch unter höheren Pegeln souverän. Die beeindruckende Technik steckt in einem Gehäuse mit klarer Designsprache und mehr als ordentlicher Verarbeitung. Das alles bieten die Briten für einen Preis von rund 300 Euro an, für das Paar versteht sich, was dieses Modell zu einer ganz klaren Empfehlung für klangbewusste HiFi-Ein- und Aufsteiger macht.

Test & Text: Bernd Heuer
Fotos: Philipp Thielen

Gesamtnote: 1,0
Klasse: Mittelklasse
Preis-/Leistung: hervorragend

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180808.Q Acoustics-Testsiegel

Technische Daten

Modell:Q Acoustics
3020i
Produktkategorie:Regallautsprecher
Preis:299 Euro / Paar
Garantie:5 Jahre
Ausführungen:- Arctic White
- Graphite Grey
- English Walnut
- Carbon Black
Vertrieb:IDC Klaassen, Lünen
Tel.: 0231 / 9 86 02 85
www.idc-klaassen.com
Abmessungen (HBT):278 x 170 x 282 mm
Gewicht:5,5 Kg/Stück
Prinzip:Zwei-Wege-Reflex
Hochtöner:22 mm
Tieftöner:125 mm
Frequenzbereich:64 Hz - 30 kHz
Lieferumfang:- 3020i
- magnetisch gehaltene Gewebeabdeckungen
- Gummifüßchen
- Baumwollhandschuhe
- Bassreflexverschlüsse (Schaumstoff)
- Anleitung
Besonderes:- integratives Design
- beeindruckende Impulsstärke
- griffiger Grundton
- ausgewogene Hoch-/Mitteltonsektion
- exzellentes Preis-/Leistungsverhältnis
Benotung:
Klang (60%):1,0
Praxis (20%):1,0
Ausstattung (20%):1,0
Gesamtnote:1,0
Klasse:Mittelklasse
Preis-/Leistunghervorragend

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