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Chefredakteur

Apple-Fans lieben ihr MacBook. Der mobile Begleiter ist schön, stark und schnell. Aber irgendwann kommt auch das beste MacBook in die Jahre. Weggeben muss man es deshalb aber noch lange nicht. Wir zeigen, wie Sie dem mobilen Apple-Rechner neues Leben einhauchen und ihn ohne großen Aufwand zur HiRes-/Streaming-Zentrale und zum Mittelpunkt Ihrer HiFi-Anlage machen.

Das alte MacBook (oder auch ein Windows-Rechner) kann ohne großen Aufwand zur HiRes-Musikzentrale werden.

Wer ein MacBook besitzt, nutzt in der Regel die praktische Musikverwaltungssoftware iTunes. Als eines der weltweit meistbenutzten Multimedia-Verwaltungsprogramme bietet iTunes nicht nur den Zugriff auf die eigene, auf den Rechner oder in der Cloud angelegte Musiksammlung, sondern ist auch gleich noch mit einem gigantischen Shop verknüpft. Einem, der mehr als 20 Millionen Titel offeriert, die sich zu Preisen von zumeist 0,99 Euro legal downloaden und auf dem eigenen MacBook ablegen lassen. Klingt nach einer allumfassenden Lösung, mit der man sein Laptop mit dem angebissenen Apfel zu einer echten HiFi-Zentrale machen kann. Leider nur bedingt, denn neben den vielen Vorteilen gibt es auch einen entscheidenden Nachteil: iTunes ist maximal in der Lage Audiotracks in CD-Qualität – und auch nur in bestimmten Dateiformaten zu importieren und abzuspielen. Beispielsweise sind Dateien der Formate FLAC, WMA und DSD für das Verwaltungsprogramm tabu. Ähnliches gilt für besagten Store, der keinen einzigen Titel jenseits CD-Qualität anbietet. Einfach auf ein anderes Verwaltungsprogramm umsteigen bringt auch wenig, denn der in allen MacBooks bis Baujahr 2013 verbaute Wandler ist nicht für die Wandlung und Wiedergabe in besserer Klangqualität ausgelegt.

Altes MacBook Pro HighRes-fit machen

Das ist allerdings kein Grund auf besten Sound zu verzichten, denn mit ein wenig Aufwand wird sich das MacBook schnell zur audiophilen Musikzentrale.
Was man dazu benötigt? Nicht viel, zunächst einmal eine vernünftige DSL-Leitung. Idealerweise mit einer Download-Geschwindigkeit von mindestens 6.000 kbit pro Sekunde, was inzwischen in nahezu jedem deutschen Haushalt Standard sein dürfte. Sind Sie nicht sicher, ob dies auch auf Ihren Haushalt zutrifft, können Sie die in an Ihrem Standort verfügbaren Download-Geschwindigkeiten z.B. über www.wieistmeineip.de checken. Ist dies erledigt, benötigt es neben besagtem MacBook (idealerweise eines mit CD-Laufwerk) nur noch ein entsprechendes Verwaltungsprogramm, einen USB-DAC und ein Pärchen Aktiv-Lautsprecher. Letzteres ist in den meisten Haushalten – in denen das MacBook bereits für die Musikwiedergabe eingesetzt wurde – sogar vorhanden. Die Zutatenliste für ein allumfassendes, einfach zu bedienendes und HiFi-System, ist also erfreulich übersichtlich. Wer noch ein bisschen mehr aus seinem alten Rechner holen will, dem sei noch der AudioQuest JitterBug ans Herz gelegt, der einfach zwischen MacBook und USB-DAC geklemmt wird.

Wer klanglich noch einen drauflegen will, ohne dafür zu tief in die Tasche greifen zu müssen, ergänzt sein Setup durch einen JitterBug aus dem Hause AudioQuest. In unserem Test hat dieses kleine Helferlein erstaunliche Ergebnisse geliefert.

Das Setup:

Doch genug der Theorie, wir zeigen wie es geht und haben uns ein Set aus einem MacBook Pro (Baujahr: 2011), der HighRes-Audio-Software Audirvana Plus, dem USB-DAC AudioQuest DragonFly black und einem Pärchen mobiler Bluetooth-Lautsprecher Dockin D Fine+ zusammengestellt. Hier noch einmal alles in der Übersicht:

Apple MacBook Pro
Handelsübliches MacBook Pro aus 2011 mit OSX Yosemite-Betriebssoftware, 2,8 GHz-Prozessor, 4 GB Arbeitsspeicher und CD-Laufwerk (bei ebay gebraucht ab 500-600 Euro zu kriegen).

Audirvana Plus
Software-HighRes-Audioplayer für Mac. Download unter www.audirvana.com. Preis: Vollumfängliche Testlizenz 15 Tage kostenlos. Kaufversion rund 70,00 Euro. Damit einhergehend erhält man noch Gutscheine für Streamingdienste wie Tidal oder Qobuz im Wert von rund 50 Euro.

AudioQuest DragonFly Black
Der DragonFly Black verarbeitet Dateien via USB-Zuspielung bis 96kHz/24bit. Eine separate Stromzufuhr ist nicht nötig. Der USB-Stick-große Wandler muss lediglich in die entsprechende Buchse am Rechner gesteckt werden und schon kann es losgehen (Test hier). Preis: 99,00 Euro.

Dockin D Fine+
Aktiv-Lautsprecher, die sich für den stationären Einsatz am Schreibtisch eignen. Der Clou dabei: Jede Dockin-Box ist mit einem leistungsstarken Akku ausgestattet und kann auch als mobiler Bluetooth-Lautsprecher für bis zu zehn Stunden ununterbrochenen Musikgenuss verwendet werden Preis: um 180,00 Euro/Stück

Für unseren Test paarten wir das MacBook mit zwei Docking D Fine+. Dieser Lautsprecher kann sowohl kabellos und auch kabelgebunden engesteuert werden, was höchste Flexibilität und ungeahnten Komfort verspricht.

Woher bekomme ich HighRes-Musikdateien her?

Bevor es nun aber in den Praxisteil geht, gilt es zu klären, wie die Musik auf das MacBook kommt und wo hochaufgelöste Musikstücke legal zu erwerben sind. Hier gibt es mehrere Möglichkeiten:

1.) Mit Hilfe oftmals kostenloser Programme lässt sich beispielsweise die eigene CD-Kollektion in verlustfreier Klangqualität im FLAC- oder ALAC-Format auf dem eigenen Rechner oder einem externen Speichermedium ablegen. Einmal „gerippt“, wird ihr MacBook dann mittels eines der vielen praktischen Wiedergabeprogramme (z.B. Audirvana Plus, Windows Media Player) zur anspruchsvollen HiFi-Quelle. Die unkomprimierte Lagerung Ihrer CD-Sammlung ist technisch gesehen zwar kein echtes HighRes aber immerhin eine deutliche Steigerung gegenüber der verlustbehafteten Komprimierung, wie sie beispielsweise das MP3-Format bietet.

2.) Es geht klanglich aber auch noch eine Stufe höher. Täglich steigt das Angebot sogenannter HighRes-Songs unterschiedlichster Musik-Genres zum Download. Stöbern Sie doch einfach mal durch www.highresaudio.com, www.hdtracks.com, oder www.24bit96.com, um nur einige der legalen Download-Portale zu nennen. Komplette Alben weltbekannter Künstler sind hier teilweise bereits ab 10 Euro zu haben.

Hochaufgelöste Musikfiles in unterschiedlichsten Formaten bekommt man z.B. bei www.highresaudio.com.

Was sind eigentlich WAV-, FLAC-, ALAC- und DSD-Dateien?

Die drei erstgenannten Abkürzungen beschreiben hochaufgelöste Audioformate. WAV (Waveform Audio File Format), FLAC (Free Lossless Audio Codec) und ALAC (Apple Lossless Audio Codec) stehen gleichermaßen für verlustfreie Audiokompressionsverfahren. Das Kürzel FLAC gilt hier inzwischen als Standard im Downloadbereich. ALAC hingegen erfreut sich hauptsächlich unter iTunes-Usern großer Beliebtheit und diente auch der digitalen Speicherung meiner CD-Sammlung auf dem MacBook. CD-Inhalte lassen sich in diesem Format schnell und einfach auf dem Apple-Rechner ablegen.
Der Vorteil aller drei Formate: Als FLAC, WAV oder ALAC abgelegte Songs nehmen im Vergleich zum Original deutlich weniger Speicherplatz ein. Trotz Komprimierung werden sie später verlustfrei reproduziert. DSD hingegen steht für „Direct Stream Digital“. Eine hochauflösende Audiosignalspeicherung, die beispielsweise auf der SACD (Super Audio CD) zum Einsatz kommt. Aufgrund seiner höheren Samplingfrequenz und seines höheren Dynamikumfanges wird dieses Format unter anspruchsvollsten Musikfreunden immer beliebter, erfordert aber auch höhere Speicherkapazitäten. So benötigt ein in DSD abgelegter Song schnell mal 150 – 200 MB, während der gleiche Titel in FLAC-Version nur etwa halb so viel Speicherplatz einnimmt.

USB-DAC verbinden

Der einfachste Teil des hier beschriebenen Ugrade-Vorgangs. Wie bereits erwähnt, entscheide ich mich hier für den kürzlich von uns getesteten AudioQuest DragonFly black. Dieser nun einfach in eine freie USB-Buchse am MacBook gesteckt. Anschließend wird in den Systemeinstellungen des MacBooks die Kategorie Ton geöffnet und der DragonFly als Tonausgabegerät ausgewählt. Das war es auch schon. Anschließend werden noch die Lautsprecher mit dem DAC verbunden. Das war`s.

Der DragonFly Black wird via USB an das jeweilige Quellgerät gekoppelt.

Der DragonFly Black wird einfach via USB mit dem MacBook bzw. Windows-Rechner verbunden.

Audirvana Plus installieren

Jetzt ist es fast geschafft – fehlt lediglich die Software-Installation des gesagten HighRes-Audioplayers Audirvana Plus. Im ersten Schritt besuchen wir die Audirvana-Homepage, um besagtes Wiedergabeprogramm runterzuladen und zu installieren.

Das funktioniert einfacher, als gedacht:
1. www.audirvana.com besuchen
2. Reiter “Audirvana Plus/Download trial version” anwählen
3. Geschäftsbedingungen zustimmen (Download beginnt automatisch)
4. Geladene Datei öffnen und Geschäftsbedingungen erneut zustimmen
5. Geladene Datei in Ordner “Programme” verschieben
5a. Evtl. Icon ins Dock legen (für schnelleren Zugriff)
6. Programm öffnen und Testlizenz anfordern (1 Klick)

Damit wäre der einmalig durchzuführende Software-Installationsvorgang auch schon abgeschlossen. Fehlen lediglich die individuellen Einstellungen, die ebenfalls nur ein einziges Mal hinterlegt werden müssen und sich wie folgt darstellen:

1. “Voreinstellungen” in Audirvana Plus öffnen und “Audio Filter” anklicken
1a. Konverter “iZotope 64-Bit SRC” und “Maximales Upsampling” wählen
2. Reiter “SysOptimizer” anklicken
2a. Häkchen bei “System für Audio-Wiedergabe” + Audirvana Plus priority “Extreme” auswählen
3. Reiter “Audio System” anklicken
3a. Mojo als “Bevorzugtes Gerät” auswählen.

Alle Einstellparameter werden über das übersichtlich gestaltete Software-Menü vorgenommen.

MP3s klingen einfach besser

Damit wäre die Soft- und Hardware-Installation auch schon beendet. Zeit also, sich dem Hörtest zu widmen, den ich sogleich mit John Legends “All Of Me” beginne. Und obwohl dieser Titel lediglich in MP3-Version zugespielt wird, reichen nur wenige Sekunden aus, um zu erkennen, dass sich beschriebenes Upgrade lohnt. Im Vergleich zur Wiedergabe über die im MacBook verbaute Wandlereinheit tönt der Kuschelsong des US-Amerikaners jetzt nämlich deutlich freier, runder und irgendwie richtiger. Dabei gelingt es dem Setup sowohl feine wie dynamische Klanganteile sauber herauszuarbeiten und schön vor dem Auditorium auszubreiten. Apropos Dynamik: Als ich im Anschluss zu Rage Against The Machines MP3-File “Take The Power Back” greife, wird der Unterschied noch deutlicher. All das, obwohl ich noch gar nicht damit begonnen habe, hochaufgelöste Dateien zuzuspielen. Jetzt nämlich punktet die neue HiFi-Kette durch eine Wucht im Bass, die ich in dieser Intensität in Zusammenhang mit diesem Song bislang noch nicht gehört habe. Eine Dynamik, die die Lebendigkeit dieses Tracks nahezu perfekt vermittelt, während Zack de la Rochas unverwüstliche Stimme über Gitarrenriffs und Drums zu regieren scheint. Eine Performance, die ganz eindeutig dem hier eingebundenen USB-DAC zu verdanken ist. Dynamik ist aber lange nicht alles, denn neben jeder Menge Druck fällt die nicht ganz perfekte aber immerhin deutlich verbesserte Staffelung der vierköpfigen Band auf. Klangsuppe war also gestern.

Um das klangliche Maximum aus dem MacBook zu holen, verbinden wir es selbstverständlich per Kabel.

HiRes ohne Aufwand

Mit dem Grace-Jones-Titel “Use Me” – in 96 Kilohertz – geht es dann endlich in sogenannte HighRes-Gefilde. Ein eher langsam beginnendes und mit fortgeschrittener Laufzeit stetig intensiver werdendes Stück. Eines, das von der ersten Sekunde an blitzsauber und ohne jegliche Tendenz von Härte oder Umwegen zu Gehör gebracht wird. Sauber, wohlstrukturiert und erstaunlich druckvoll wären wohl die passenden Attribute. Die Vorstellung ist schlichtweg aufgeräumt, unverzerrt und clean – aber keinesfalls seziert. So muss Musik sein, so macht es richtig Spaß. Eine Performance, die ich meinem MacBook bei aller Liebe nicht im Ansatz zugetraut hätte.
In den letzten Testabschnitt geht es dann mit nochmals hochwertigerem Futter, genau gesagt mit dem Eagles-Klassiker „Hotel California“. Einem mir aus vielen Hörchecks bestens bekannten Song, der mir sogar in einer Abtastrate von satten 192 Kilohertz vorliegt. Kein Problem für Audirvana Plus, das den Track perfekt für den DAC vorbereitet und in 96 Kilohertz ausgibt. Wie gesagt, damit wären wir noch immer auf Studio-Niveau! Als hätte mein Setup nur auf diesen Track gewartet, geht es dann auch nochmal einen Schritt nach vorn. Innerhalb weniger Augenblicke offeriert mein Verbund aus MacBook, USB-DAC und Aktiv-Böxchen nun eine akustische Breitbandigkeit, die man sich kaum besser wünschen könnte. „Breitbandig“ ist dabei gleich in doppeltem Sinne zu verstehen. So bedeutet es, dass meine neue Streaming/HiRes-Quelle sowohl tiefste Basspassagen, wie die zu Beginn eingesetzten Bongos, als auch die höchsten Tongefilde sauber, akkurat reproduziert. Bässe genau auf den Punkt, punchige und satte Grundtöne und Mitten, sowie eine niemals überzogene Hochtondarstellung. Eine, die sich durch ein genau dosiertes Maß an Akkuratesse und Präzision auszeichnet. Obendrein liefert mein Testsetup eine fast schon als überragend zu bezeichnende Natürlichkeit von Tieftonereignissen. So wird mir ein Einblick in die Raumtiefe gewährt, der zuvor und von dieser Quelle beileibe nicht zu erwarten war.

Sehr cool: Der DragonFly Black signalisiert über einen Farbcode welche Art von Eingangssignal vorliegt (Grün=Standby, Blau=48 kHz, Magenta = 96 kHz).

Fazit

Eingefleischte Apple-Nutzer die sich bislang über die schwache Audio-Performance ihres Alu-Rechners geärgert haben, dürfen sich über ein klanglich extrem effizientes Upgrade freuen. Um Audirvana-Plus-Software, AudioQuest DragonFly black und flexibel einsetzbare Aktiv-Lautsprecher erweitert, wird das legendäre Laptop mit dem angebissenen Apfel im Handumdrehen zum Herzen einer kompakten HighRes-Anlage. Dass die Boxen ganz nebenbei noch ganz unkompliziert und flexibel im mobilen Einsatz genutzt werden können und sich der DragonFlay black sich ebenso perfekt als mobiler Klangverbesserer am Smartphone, Tablet oder Mobilplayer eignet, sind weitere Argumente mal über ein Upgrade des eigenen MacBooks nachzudenken.

Test & Text: Roman Maier
Fotos: Philipp Thielen

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181019.AudioQuest-Testsiegel

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