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Redakteur

 

WLAN-Lautsprecher gelten als modern und praktisch, allerdings nicht unbedingt als audiophil. Wenn sich aber ein Hersteller wie Bowers & Wilkins der Sache annimmt, darf man den Status Quo gerne noch einmal überprüfen. Mit der neuen Formation-Serie von B&W soll Streaming klanglich und optisch endgültig im High-End-Segment ankommen. Das Tor zu dieser neuen Welt öffnet das Wireless-Musiksystem namens Formation Wedge, das besonders für Apple-User und Design-Liebhaber interessant ist.

Der Formation Wedge ist auf den ersten Blick eher Designerstück als Lautsprecher.

Der Formation Wedge ist auf den ersten Blick eher Designerstück als Lautsprecher.

 

Seit mehr als 50 Jahren zählt Bowers & Wilkins zu den ganz großen Namen auf dem Markt. Das ist kein Zufall, die Qualität der B&W-Lautsprecher hat ihnen unter anderem sogar den Einsatz in den legendären Abbey Road Studios beschert. Der Grundstein für den traditionsreichen Erfolg wurde in den 1960er Jahren im südenglischen Worthing gelegt. Zunächst stand dort ausschließlich die Entwicklung innovativer Schallwandler im Fokus, vor allem in jüngerer Vergangenheit kamen aber auch Kopfhörer und aufs Streaming-Zeitalter ausgelegte Lautsprecher hinzu. Dabei spielt selbstverständlich die 2016 erfolgte Übernahme durch das damalige Start-Up EVA Automation aus dem Silicon Valley eine Rolle.

Unter Gideon Yu, dem ehemaligen Technologie-Chef von Facebook, liegt das Augenmerk nun auch verstärkt auf dem Bereich Smart Home. Die Kombination des vorhandenen Know-Hows demonstriert nun die neue Multiroom-Serie namens „Formation“. Insgesamt fünf Komponenten sollen modernes HiFi mit der gewohnt hohen Qualität B&Ws verknüpfen. Das schlägt sich auch im Preis nieder, die Schallwandler der Formation-Serie kosten ab 999,99 Euro aufwärts. Dieser Betrag wird für den Multiroom-Lautsprecher Formation Wedge fällig.

Sein außergewöhnliches Design macht den Formation Wedge zum Hingucker.

Sein außergewöhnliches Design macht den Formation Wedge zum Hingucker.

Neben ihm umfasst das smarte High-End-Portfolio auch noch das Stereo-Paar „Formation Duo“, den Subwoofer „Formation Bass“ und die Soundbar „Formation Bar“. Dazu sorgt der Hub „Formation Audio“ für die Integration von klassischen HiFi-Komponenten wie z.B. einer Stereo-Anlage oder eines Plattenspielers. Genau die richtige Lösung also für langjährige Anhänger der Briten. Wer sich unabhängiger mit dem Bereich des Wireless HiFi auseinandersetzen möchte, wählt hingegen wie wir den Formation Wedge.

Mysteriöser Name und exotisches Design

Beim Wedge stellt sich natürlich die Frage, wofür dieser Name wohl stehen mag. Die deutsche Übersetzung kann schließlich eine Menge unterschiedlicher Bedeutungen haben. Von einer „Käseecke“ über den „Keil“ bis hin zum primär aus slawischen Sprachen bekannten „Caron“ bzw. „Háček“ (wo man den Akzent über dem c auch direkt im Einsatz sieht) ist viel Schönes dabei. Von oben betrachtet erinnert der Wedge in seiner Grundform auch tatsächlich entfernt an einen gedrittelten Käselaib, womit man ihm aber bei Weitem nicht gerecht wird. Im Gegensatz zum Großteil der Konkurrenz wirkt der elegante und futuristische Wedge wie ein Designerstück. Das ist natürlich nicht überraschend, hat sich Bowers & Wilkins doch schon seit jeher mit aufwendiger und gelungener Lautsprecher-Gestaltung einen Namen gemacht.

Der Formation Wedge fühlt sich auch auf dem modernen Dreibein wohl.

Der Formation Wedge fühlt sich auch auf dem modernen Dreibein wohl.

Im Falle des Wedge bildet ein ellipsenförmiges 120-Grad-Design die Basis. Viele feine Rundungen und abwechslungsreiche Flächen in einem exotischen Wabenmuster sorgen für eine beeindruckende Optik. Je nach Lichteinfall variieren die Kontraste der Stoffbespannung in wahlweise schwarzer oder silberfarbener Ausführung. Die Rückseite hingegen ist aus edel anmutendem Holz gefertigt, das die sanften Rundungen der Front widerspiegelt und zusätzlich einen schmalen Bassreflexport beherbergt. Durch dieses rundum ansehnliche Design kann der Wedge sogar auf einem Möbelstück oder dem (vermutlich in Kürze erhältlichen) optionalen Dreibein-Standfuß im skandinavischen Stil mitten im Raum platziert werden. In größeren Räumlichkeiten kann es allerdings passieren, dass er dann etwas verloren wirkt. Die empfehlenswerte Position ist also die klassische Aufstellung in Wandnähe, die sich auch klanglich deutlich positiv auswirkt. Alternativ kann der Wedge sogar – per optionaler Halterung – auch direkt am Mauerwerk montiert werden.

Das Bedienfeld auf der Oberseite des Formation Wedge reagiert dank eines Sensors mit beleuchteten Tasten auf eine sich nähernde Hand.

Das Bedienfeld auf der Oberseite des Formation Wedge reagiert dank eines Sensors mit beleuchteten Tasten auf eine sich nähernde Hand.

Dabei sollte man jedoch auf eine einigermaßen niedrige Position achten, damit das Soft-Touch-Bedienfeld ist auf der Oberseite bei Bedarf zugänglich bleibt. Viel ist hier zwar nicht zu sehen, aber neben der Formation-Taste (zur Einbindung ins Netzwerk und zur Kombination mehrerer Geräte) kann per Fingerdruck die Wiedergabe gestartet bzw. pausiert und die Lautstärke reguliert werden. Einen An/Aus-Schalter braucht es nicht, der Wedge schaltet nach 15 Minuten ohne Signalzufuhr automatisch in den Standby-Modus. Ebenfalls schick: Die beleuchteten Tasten verfügen über einen Sensor, der die entsprechenden Symbole illuminiert, sobald sich eine Hand nähert.
Am Fuß des Wedge geht es hingegen deutlich unscheinbarer zu. Hier sind die seltener benötigten Elemente untergebracht, nämlich der Reset-Button und die Anschlüsse. Die Zuführung der nötigen Kabel erfolgt über einen Ausschnitt auf der Rückseite, der nebenbei bemerkt sehr schmal ausfällt. Besonders viele Kabel benötigt man nämlich gar nicht.

Am liebsten ungebunden auf drei Wegen

Wie die Produktbezeichnung des Wedge verrät, sind er und seine Verwandten aus der Formation-Familie in erster Linie auf die drahtlose Wiedergabe ausgelegt. Sein Anschlussfeld beinhaltet deshalb neben dem Stromanschluss und einem Ethernet-Port auch nur einen USB-Slot für Service-Updates. Für die Verbindung mit anderen Geräten bevorzugt der Wedge die Optionen WLAN (z.B. für Spotify Connect oder das kostenpflichtige Roon) oder AirPlay. Außerdem kann er per Bluetooth mit Musiksignalen gefüttert werden.

Auf der Rückseite des Formation Wedge ist ein schmaler Bassreflexport zu finden.

Auf der Rückseite des Formation Wedge ist ein schmaler Bassreflexport zu finden.

Theoretisch kann der Wedge dabei Dateien bis hin zum HiRes-Format mit 96 kHz/24 Bit verarbeiten. Das gilt allerdings nicht im Single-Betrieb, da der Wedge aktuell auf die oben genannten Zuspieloptionen mit einer maximalen Auflösung in CD-Qualität (44,1 KHz/16 Bit) beschränkt ist. Zukünftige Updates dürften hier das Streaming-Angebot erweitern und dann auch hochaufgelösten Signalen den Weg ebnen. Allerdings macht sich die derzeitige Einschränkung bei einem One-Box-System im Alltag klanglich auch nicht wesentlich bemerkbar, zumal der Wedge über ein sehr solides Drei-Wege-System mit insgesamt fünf Treibern verfügt.

Der Tieftonbereich wird von einem 150 Millimeter großen Subwoofer versorgt, darüber arbeiten jeweils zwei Mittel- und zwei Kalottenhochtöner mit. Dieses Quartett ist paarweise angeordnet, nämlich mit einer leichten Neigung nach links bzw. rechts oben. So soll der Wedge trotz des One-Box-Prinzips eine möglichst breite Stereobühne aufbauen. Damit das gelingt und die klangliche Qualität stimmt, sind die doppellagigen Hochtöner entkoppelt. In den mittleren Frequenzen kommen die bewährten FST-Mitteltöner (die Abkürzung steht für Fixed Suspension Transducer) zum Einsatz, die für eine besonders neutrale und hochauflösende Wiedergabe bekannt sind. Sie messen jeweils 90 Millimeter im Durchmesser und sind daher in der Lage, auch in größeren Räumen ihre Qualitäten auszuspielen. Und falls es doch einmal nicht reichen sollte, kann der Wedge mit anderen Formation-Mitgliedern in einem Multiroom-Verbund kombiniert werden.

Das Schutzgitter unter der feinen Stoffbespannung sorgt für ein exotisches Wabenmuster.

Das Schutzgitter unter der feinen Stoffbespannung sorgt für ein exotisches Wabenmuster.

Gut vernetzt für die Teamarbeit

In einer solchen Formation (daher der Name der Familie) kommunizieren mehrere Geräte in unterschiedlichen Räumen drahtlos miteinander. So sind sie in der Lage, bei Bedarf alle zugleich dieselbe Musik wiederzugeben. Mit praktischer Erfahrung können wir an dieser Stelle leider nicht dienen, der Wedge hat uns – erfahrungsgemäß der hohen Nachfrage aus Testredaktionen wegen – als Alleinunterhalter besucht.
Also zurück zur Theorie: Meist basiert ein Multiroom-System auf der Einbindung ins vorhandene WLAN. An diesem Punkt geht B&W allerdings neue Wege und setzt stattdessen auf ein eigenes Mesh-Netzwerk. Der Hintergrund sind mögliche Interferenzen, die bei einem geteilten WLAN auftreten können und dann eventuell einen negativen Einfluss auf die Signalübertragung und damit den Klang haben. Diese Gefahr droht bei einem unabhängigen Netzwerk nicht. Zudem soll dadurch die Synchronisation der diversen Lautsprecher verbessert werden, um einen unerwünschten Echo-Effekt zu vermeiden. Das ist definitiv ein Pluspunkt für die Formation-Familie.

Anschlussseitig ist der Formation Wedge sparsam ausgerüstet, er setzt auf drahtlose Quellen.

Anschlussseitig ist der Formation Wedge sparsam ausgerüstet, er setzt auf drahtlose Quellen.

Die Abkehr vom WLAN hat allerdings auch einen Nachteil: Android-User sind beim Wedge ohne zusätzliche Ergänzungen (z.B. Roon) relativ eingeschränkt. Die B&W-App dient nämlich nur der Einrichtung (und Klanganpassung) der Formation-Produkte und ist kein Media-Player. Der Funktionsumfang dürfte in Zukunft erweitert werden, aktuell ist es den Androiden per WLAN allerdings nicht möglich, lokal oder auf NAS-Laufwerken gespeicherte Medien an den Wedge zu streamen. Apple-User haben hier mit AirPlay einen klaren Vorteil und können auch bequem auf Netzwerk-Speichermedien zugreifen.
Für User des weit verbreiteten Spotify spielt das Betriebssystem zum Glück keine Rolle, sie können den Wedge und seine Formation-Kollegen über die entsprechende Streaming-App via Spotify Connect direkt mit ihrem Account verknüpfen. Die Spotify-Wiedergabe wird dann ohne Umweg an den Wedge gestreamt.

Die Stoffbespannung des Formation Wedge sorgt je nach Lichteinfall für ein abwechslungsreiches Farbenspiel.

Die Stoffbespannung des Formation Wedge sorgt je nach Lichteinfall für ein abwechslungsreiches Farbenspiel.

Einem Wedge ist eine App nicht genug

Die B&W-App wird allerdings in jedem Fall zur Inbetriebnahme der Formation-Produkte benötigt und steht daher selbstverständlich im jeweiligen App-Store als kostenloser Download zur Verfügung. Die Einrichtung neuer Komponenten ist damit schnell erledigt, obwohl B&W ziemlich konsequent eigene Wege verfolgt. Wichtig ist deshalb, dass man für die Erstinstallation am Smartphone Bluetooth und vor allem die Standort-Freigabe zumindest vorübergehend aktiviert, damit der Wedge von der App erkannt wird.

Sind die Voraussetzungen erfüllt, taucht er quasi umgehend in der Geräteliste auf. Im nächsten Schritt kann ihm bzw. dem übergeordneten Raum ein individueller Name zugewiesen werden (z.B. „Büro“). Anschließend folgt noch die Einbindung ins Heimnetzwerk (einfach vorgeschlagene Netzwerknamen anwählen und das Passwort eingeben) und schon ist der Wedge betriebsbereit. Wer nun Spotify als Quelle nutzen möchte, startet einfach die App und wählt unter den Einstellungen die Option „Mit einem Gerät verbinden“. Dieser Menüpunkt ist auch bei laufender Wiedergabe über das Lautsprecher-Symbol unten links erreichbar. Hier sind alle im WLAN registrierten und mit Spotify kompatiblen Geräte anwählbar. Im Normalfall sind es das Smartphone selbst und eben auch der Wedge. Tippt man den entsprechenden Eintrag an, wechselt die Wiedergabe sofort zum B&W-System.

Interessant ist beim Wedge, dass auch die Bluetooth-Verbindung via App hergestellt wird. Dazu wählt man zunächst über deren Einstellungen (über das Zahnrad-Symbol oben rechts erreichbar) den gewünschten Raum aus, in unserem Fall also „Büro“. In den Raum-Einstellungen können wir dann weitere Formation-Geräte hinzufügen und Bluetooth-Geräte koppeln. Über diesen Menüpunkt gelangen wir zu einer kurzen Anleitung, die uns dann wieder auf den gewohnten Weg ins Smartphone-Menü leitet. Dort wird wie gewohnt das Pairing mit dem Wedge hergestellt. Ohne den „Umweg“ über die App wird der Kopplungs-Versuch allerdings vom Wedge abgelehnt. Der Extra-Schritt lohnt sich also, nicht zuletzt weil die Verbindung anschließend absolut stabil ist und beim Sound locker mit den netzwerkbasierten Alternativen mithält.

Pegelfest ab durch die Mitte

Mit seinem nicht gerade geringen Gewicht weckt der Wedge auch klangliche Erwartungen, insbesondere an seine Bassqualitäten. Bei niedrigen Pegeln (unter ca. 40 Prozent der Gesamtlautstärke) kommen seine Vorzüge allerdings noch nicht wirklich zum Tragen. Der Tiefton mit Punch (z.B. von einer Bass Drum) kommt bereits durch, eine voluminöse Bassgitarre hingegen versteckt sich hier noch. Trotzdem muss man nicht gleich weitere 1.099,99 Euro in einen „Formation Bass“ investieren – die B&W-App schafft mit ihrem Equalizer schnell Abhilfe.

Wie bei der Herstellung einer Bluetooth-Verbindung navigieren wir in den entsprechenden Raum und tippen den Wedge an. Im folgenden Schritt können wir den Basspegel in Echtzeit anheben und bekommen augenblicklich ein ausgewogeneres und voluminöseres Klangbild geboten. Diese Anpassung ist deshalb sehr empfehlenswert, auch weil die „natürliche“ Power des Wedge erst bei gehobener Zimmerlautstärke wirklich in Fahrt kommt. Für Partys genau richtig, als Multiroom-typische Hintergrundbeschallung hingegen ein bisschen zu viel des Guten. Da hilft dann wie gesagt die App und einen Vorteil hat diese anfängliche Zurückhaltung letztlich auch: Tiefton und damit das Volumen legen auch bei Pegeln deutlich jenseits der Zimmerlautstärke noch zu, wenn andere One-Box-Systeme schon wieder in Richtung Kontrollverlust schlittern. Diese Gefahr ist bei B&W nicht so schnell zu befürchten, der Wedge agiert unaufgeregt wie der sprichwörtliche Fels in der Brandung.

Der Wedge schöpft Kraft aus sauberen Quellen

Also gehen wir beim Hörtest direkt in die Vollen und lassen Queen mit „Another One Bites the Dust“ ran. Hier zeigt sich sofort, dass es dem Wedge weder an Präzision noch (mit ein bisschen Feintuning) an Power mangelt. Auch „The Race“ von Yello klingt unter diesen Umständen ganz hervorragend. Während das Tieftonfundament ins Zimmer gepumpt wird, spielt der geschwungene Speaker auf relativ breiter Bühne auf. Zur echten Stereo-Bühne fehlt ihm zwar ein bisschen (dafür gibt es ja auch die „Formation Duo“), liefert aber bei vernünftigem Quellmaterial dennoch beste Voraussetzungen, um nicht nur mit Kraft, sondern auch mit kontrollierter Staffelung der höheren Frequenzbereiche aufzuwarten.

Die Aufstellung in Wandnähe oder im Regal birgt klangliche Vorteile für den Wedge.

Die Aufstellung in Wandnähe oder im Regal birgt klangliche Vorteile für den Wedge.

Schön ist übrigens, dass man die Klang-Anpassung wie erwähnt bei laufender Wiedergabe vornehmen kann und damit quasi den Sound „live“ abmischt. So können wir beim nächsten Titel auch problemlos wieder ein bisschen Bass herausnehmen. Der sehr intensive Tiefton in „The Package“ von A Perfect Circle liefert dem Wedge nämlich genau das Material, das ihm auch schon in der Werkseinstellung sehr gut gefällt. In der Regel kann es aber nicht schaden, dem Wedge die Extraportion Bass angedeihen zu lassen, um sein volles Potenzial auszuschöpfen.

Für Details immer zu haben

Das zeigt sich dann unter anderem bei „Shame“ von Elle King. Die außergewöhnlich vielseitige und kraftvolle Stimme der US-Sängerin nutzt den ihr gebotenen Freiraum voll aus, ohne sich dabei mit der instrumentalen Besetzung in die Quere zu kommen. Der Wedge bringt über seine Mittel- und Hochtöner jedes Detail des stimmungsvollen und energiegeladenen Gesangs präzise und authentisch zur Geltung. Dabei wird die Aufnahme nicht im Geringsten verfälscht, was natürlich auch entsprechendes Quellmaterial erfordert. Mit irgendwelcher x-beliebigen Ballermann-Partymusik  oder unsauber komprimierten MP3s sollte man nicht allzu viel erwarten. Bei Elle King hingegen sieht das deutlich besser aus und lässt sich besonders schön an den bisweilen rau und ungeschliffen anmutenden „divaesquen“ Einlagen ablesen. King bringt ihre Stimme hier bewusst und kontrolliert ein wenig zum Ausbrechen, um so das homogene Gesamtbild gleich viel aufregender zu gestalten – ein Vorhaben, das mit dem Wedge sehr gut gelingt.

Neben der silbergrauen Ausführung ist der Formation Wedge auch in klassischem Schwarz zu haben.

Neben der silbergrauen Ausführung ist der Formation Wedge auch in klassischem Schwarz zu haben.

Die primär dafür verantwortlichen Mitteltöner beeindrucken deshalb nicht nur mit Energie und Dynamik. Sie besitzen zudem eine unerschütterliche Kontrolle, mit der sie stets den Überblick behalten und die Wiedergabe souverän moderieren. Das zeigt sich zum Beispiel auch im Intro von Pink Floyds „Time“. Das schrille Weckerklingeln hat so manch günstiges One-Box-System schon in einer apokalyptischen Kakophonie zum Scheitern gebracht. Der Wedge hingegen sitzt absolut fest im Sattel und lässt sich überhaupt nicht aus der Ruhe bringen. Im musikalischen Teil des Songs demonstriert er dann auch seine Fähigkeiten in Sachen Staffelung der virtuellen Bühne. Hier lassen sich die einzelnen Instrumente sehr sauber verorten und formieren sich zu einem hervorragenden Gesamtbild. Wenn zukünftige Updates noch mehr Möglichkeiten in Sachen HiRes-Wiedergabe eröffnen, dürfte der Wedge hier sogar nochmal einen Schritt nach vorne machen.

Der Formation Wedge gehört zu der Sorte Lautsprecher, die sich nicht verstecken muss.

Der Formation Wedge gehört zu der Sorte Lautsprecher, die sich nicht verstecken muss.

Fazit

Falls es noch Zweifel an der Berechtigung von drahtlos vernetzten Multiroom-Lautsprechern im Luxus-Segment gegeben hat, räumt Bowers & Wilkins diese nun aus. Dem Formation Wedge sieht man sein großes Potenzial direkt auf den ersten Blick an. Das Wireless-System beeindruckt mit seiner herausragenden Optik und einem (mit ein paar Anpassungen) absolut solidem Sound, der vor allem bei höheren Pegeln der direkten Konkurrenz voraus ist. In Sachen Design und Klang muss der Wedge seine Mitbewerber also definitiv nicht fürchten. Hinsichtlich des Funktionsumfangs und Anwendungskomforts gibt es Stand Juni 2019 vor allem für Android-Nutzer allerdings noch Luft nach oben – hier dürften die ersten Updates wohl schon in Kürze folgen. Für reine Streaming-Nutzer mit iOS-Geräten und einem Faible für das gewisse Etwas ist der Wedge aber auch jetzt schon eine ernsthafte Überlegung wert.

Test & Text: Martin Sowa
Fotos: Philipp Thielen

Gesamtnote: 93/95
Klasse: Spitzenklasse
Preis-/Leistung: angemessen

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Technische Daten

Modell:Bowers & Wilkins
Formation Wedge
Produktkategorie:Wireless-Musiksystem
Preis:Wedge: 999,00 Euro (uvP)
Stand: 59,00 Euro (uvP)
Garantie:2 Jahre
Ausführungen:- Schwarz
- Silbergrau
Vertrieb:B&W Group Germany GmbH, Halle/Westf.
Tel.: 05201 / 87 17 0
www.bowerswilkins.com
Abmessungen (HBT):232 x 440 x 243 mm
Gewicht:6,5 kg
Prinzip:Drei-Wege, Bassreflex
Hochtöner:2 x 25 mm entkoppelter doppellagiger Kalottenhochtöner
Mitteltöner:2 x 90 mm FST-Mitteltöner
Tieftöner:1 x 150 mm Subwoofer
Frequenzbereich:35 – 28.000 Hz
Anschlüsse:1x Ethernet-Anschluss
1x USB-A-Eingang (nur Service)
WLAN
Bluetooth 4.1 mit aptX
AirPlay 2
Lieferumfang:- Formation Wedge
- Stromkabel
- QuickStart-Guide
- Garantiekarte
- 60-Tage-Roon-Testcode
Pro und Kontra:+ elegantes Design
+ flexible Aufstellung
+ wirksame Echtzeit-Klanganpassung per App
+ sehr pegelfest
+ präzise Detailwiedergabe
+ zuverlässige Bedienung

- (noch) eingeschränkter Funktionsumfang
- kein Anschluss für kabelgebundene Quellen
Benotung:
Klang (60%):93/95
Praxis (20%):93/95
Ausstattung (20%):93/95
Gesamtnote:93/95
Klasse:Spitzenklasse
Preis-/Leistungangemessen

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