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Redakteur
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Schallplattenspieler und Vinyl sind wieder in aller Munde und die Verkaufszahlen brechen einen Rekord nach dem anderen. Kein Wunder also, dass viele flammneue Plattenspieler-Modelle angeboten werden Hier teilt sich das Angebot in zwei Lager: Günstige Einsteigergeräte und teures High-End. Wem die Einsteigergeräte zu einfach und die High-End-Geräte zu kostspielig sind, der findet im Magnat MTT 990 einen richtig guten Plattenspieler mit High-End-Ambition zum vergleichsweise kleinen Preis.

Black is beautiful: Der Magnat MTT 990 besticht bereits durch seinen eleganten Auftritt.

Dass es heute noch Schallplatten, Plattenspieler und allerlei Zubehör für die analoge Musikwiedergabe gibt, das ist wenigen Enthusiasten zu verdanken. Sie hielten der Schallplatte auch in den 90er Jahren die Treue, während sich das Gros der Konsumenten auf die CD stürzte und seine Schallplatten teilweise entsorgte. Für DJs hingegen war Vinyl als Arbeitsmaterial hingegen immer unverzichtbar und Audiophile schwören bis heute auf den besseren Klang der Platte im Vergleich zur CD. Gut so, denn sonst gäbe es sie heute wohl nicht mehr. Dank der Treue weniger gibt es heute wieder umso mehr Einsteiger und Wiedereinsteiger, die zur Plattenwiedergabe (zurück) finden. Das aktuelle Angebot an Plattenspielern ist dementsprechend groß. Während im High-End-Bereich der Purismus regiert und jedes bisschen Ausstattung richtig viel Geld kostet, liefern sich im Einsteigerbereich dutzende alte und neue Hersteller harte Kopf-an-Kopf-Rennen, indem sie sich mit der besten Ausstattung zum günstigsten Preis überbieten. In der Preisliga bis ca. 500 Euro gibt es darum heute eine nie dagewesene Auswahl an Wiedergabegeräten. Da kann die Entscheidung mitunter schwer fallen, denn zu den aufgerufenen Preisen bieten die meisten Modelle einen erstaunlich guten Gegenwert. Sie bleiben jedoch Einsteigergeräte, die zwar Schallplatten wiedergeben und mitunter auch wirklich gut klingen. Den eben erwähnten audiophilen Anspruch, besser zu klingen als ihr digitale Pendant, erfüllen aber die wenigsten. Für alle, die höhe Anforderungen an die Wiedergabequalität haben, sind sie auf Dauer dann eher ungeeignet. Den recht neuen MTT 990 habe ich unbewusst genau in diese Kategorie einsortiert. Im Test hat er mich dann aber eines Besseren belehrt. Beim ersten Plattenspieler aus dem Hause Magnat handelt es sich nämlich um einen durchaus ambitionierten Vinyldreher.

Vom Lautsprecherhersteller zum Vollsortimenter

Magnat als reinen Lautsprecherhersteller zu bezeichnen, stimmt schon lange nicht mehr. Die Marke, die sich einst durch Produkte aus dem Bereich Car-HiFi einen Namen machte, hat ihr Sortiment inzwischen deutlich ausgebaut. Lautsprecher gibt es selbstverständlich immer noch: Von der günstigen Kompaktbox bis zum großen High-End-Standlautsprecher ist an klassischen Schallwandlern alles vertreten. Verschiedenste Formen und Farben inklusive. Auf der Suche nach Surroundlautsprechern für das Heimkino oder Bluetooth-Boxen für die Küche wird man bei Magnat ebenfalls fündig. Anspruchsvolle Elektonikbausteine wie Vollverstärker, CD-Player und sogar anspruchsvolle Röhrenverstärker in Hybridbauweise gibt es seit Jahren ebenfalls. Da ist der Schritt, das Sortiment auch um einen Plattenspieler zu erweitern, nur folgerichtig. Und es ist gar nicht so abwegig ist, dass ein Lautsprecherhersteller auch einen Plattenspieler entwickelt und fertigt. Der Vergleich von Lautsprechern mit Plattenspielern ist nicht so weit hergeholt, wie man vielleicht meinen könnte. Eine Eigenschaft unterscheidet beide von anderen HiFi-Bausteinen: Beide sind elektromechanische Wandler. Sie wandeln also elektrische Signale in mechanische bzw. umgekehrt. Das macht ihre Konstruktion anspruchsvoller als die eines rein elektronischen Geräts. Das wiederum macht auch den Einfluss auf den Gesamtklang der Anlage größer, als den eines Verstärkers beispielsweise, der sich idealerweise wie ein verstärkendes Stück Draht verhält und den Klang idealerweise überhaupt nicht beeinflusst. Plattenspieler und Lautsprecher hingegen verhalten sich eher wie Musikinstrumente, die selbst ihren eigenen Klang mitbringen. Dementsprechend sorgfältig sollten sie konstruiert sein. Exakt darauf ist Magnat seit vielen Jahren spezialisiert.

Die Verarbeitung ist erstklassig – bis ins kleinste Detail.

Black is beautiful

Auf den ersten Blick erscheint der, bereits mit dem ROAST-Award ausgezeichnete, Magnat MTT 990 im besten Sinne unspektakulär. Seine schlichte Zarge hat das Plattenspieler Standardmaß von 45 x 35 Zentimetern und ist rundherum hochglänzend und tiefschwarz lackiert. Und zwar mit einer so perfekten Oberflächenbeschaffenheit, wie man es von einem exklusivem Lautsprecherhersteller erwarten darf. Den höheren Anspruch des MTT 990 im Vergleich zu Einsteigerplattenspielern erkennt man dann auch recht schnell an der größeren Bauhöhe. Während die Zarge der Einsteiger häufig nur wenige Zentimeter stark ist (Stichwort: Brettspieler), hat der Magnat das gleiche Format wie legendären, klassische Modelle von Thorens oder Linn. Die üppige Bauhöhe der Zarge bietet reichlich Platz für die Innereien und verleiht ihm ein erwachsenen und wirklich erstzunehmenden Auftritt.

Entkopplung und Schutz

Apropos Auftritt: Der MTT 990 steht nicht platt mit der Zarge auf seiner Stellfläche, sondern ist über vier gefederte und höhenverstellbare Füße effektiv vom Untergrund entkoppelt. So wird Vibrationen aus dem Untergrund sogleich Einhalt geboten. Das ist auch unbedingt sinnvoll, denn von außen zugetragene Vibrationen würden das Klangerlebnis verwaschen. Schließlich basiert das Prinzip eines Plattenspielers genau darin, mikroskopische Vibrationen aus der Plattenrille zu entnehmen und diese in elektrische Signale um zu setzten. Kommen nun Vibrationen aus der Stellfläche oder aus der Luft hinzu, addieren diese sich zum Nutzsignal und verfälschen dieses. Aus diesem Grund kann es auch durchaus sinnvoll sein, den Plattenspieler mit Staubschutzhaube zu betreiben. Eine solche liegt dem MTT 990 selbstverständlich bei. Sie schützt die Feinmechanik jedoch nicht nur vor mechanischer Verunreinigung, sondern auch vor Verunreinigung durch Luftschall. Besser aussehen tut der Magnat meines Erachtens allerdings ohne Haube. Ich bevorzuge eher den ungetrübten Blick auf die entscheidenen Teile: Den schwarzen Geschwindigkeitswahlschalter vorne links, den ebenfalls schwarzen Plattenteller dahinter, den schwarzen Tonarm in der hinteren rechten Ecke und den kleinen grünen Farbklecks vorne rechts: Den Tonabnehmer.

Die Haube gehört beim MTT 990 selbstverständlich zum Lieferumfang.

33, 45, 78

Der Geschwindigkeitswahlschalter bietet vier Stufen: Stop, 33 Umdrehungen für LPs, 45 Umdrehungen für Singles und sogar 78 Umdrehungen für Schelllackplatten und Konsorten. Wenn man mich fragt, ist das die einzige überflüssige Sonderausstattung des ansonsten auf die wichtigen Dinge reduzierten Plattenspielers, Schelllackplatten spielt heute schließlich kaum noch jemand ab. Sie verlangen obendrein noch eine spezielle Nadel und auch einen speziellen Entzerrvorverstärker, um von 33er oder 45er Vinyl-Platten dann doch in die Schranken verwiesen zu werden. Richtig gut gefällt mir der schwarze Plattenteller. Er besteht aus Polyoxymethylen, einem Kunststoff, dem seit Jahren besonders gute akustische Eigenschaften zugeschrieben werden. Aufgrund seiner Materialbeschaffenheit konnte er wohl auch recht dünn ausfallen. Ob er mit oder ohne die mitgelieferte Filzmatte betrieben wird, das bleibt dem Betreiber überlassen.

Der Magnat Plattendreher steht sicher auf gefederten und höhenverstellbaren Füßen.

Motorisierung

Der Teller selbst rotiert direkt auf der Motorwelle, denn der MTT 990 ist ein DirectDrive. Das heißt: Es gibt kein klassisches Lager in dem sich der Teller dreht, sondern die Motorwelle übernimmt auch die Lagerung des Tellers. Damit das klanglich gut funktioniert muss der Motor besonders laufruhig und vibrationsarm sein, denn jede Eigenschaft des Motors wird unmittelbar auch auf den Teller übertragen. Bei klassisch konstruierten Plattenspielern mit Riemenantrieb sind Motor und Teller durch einen Riemen voneinander entkoppelt. Das verhindert einerseits die Übertragung von Vibrationen, überlässt den Plattenteller andererseits aber auch ein Stück weit sich selbst, denn eine genaue Kontrolle gibt es in diesem System nicht. Bei einem Direkttriebler wie dem MTT 990 hingegen lässt sich die Geschwindigkeit und damit die Tonhöhe besonders präzise anhand der Motordrehzahl überwachen. Der Streit, welche Antriebsform die bessere ist, tobt wohl schon seit dem es HiFi gibt. Seltener sind definitiv die DirectDrives davon jedoch auf eine schlechtere Qualität zu schließen ist ein Fehlschluss.

Das Anschlussfeld des Magnat MTT 990 ist übersichtlich gehalten. Mehr benötigt man allerdings auch nicht.

Schneller Systemwechsel

Neben der Antriebsart ist der – selbstverständlich ebenfalls schwarze – Tonarm ein weiteres Schmankerl des MTT 990. Auf den ersten Blick erscheint der Tonarm mit seinem J-förmige Tonarmrohr vielleicht eher unspektakulär. Der Teufel steckt hier jedoch im Detail: Beispielsweise verfügt der Tonarm über ein Wechselheadshell. Das Headshell ist der vorderste Teil des Arms. An ihm wird der Tonabnehmer befestigt. Über das Wechselheadshell des Magnat kann ich den montierten Tonabnehmer innerhalb weniger Sekunden wechseln. Möglich macht das ein SME-Bajonettverschluss, der mittels Überwurfmutter verschraubt ist. Klingt kompliziert, ist aber tatsächlich ganz einfach: Mutter lösen, Headshell wechseln, Auflagekraft einstellen und schon kann der Sound eines anderen Tonabnehmers genossen werden.

Komfortables Alleinstellungsmerkmal

Fast zumindest, denn für höchsten Klanggenuss sollte noch die Höhe des Tonarms noch an den Tonabnehmer angepasst werden, denn der VTA (Vertical Tracking Angle) beeinflusst insbesondere die Basswiedergabe des Tonabnehmers. Häufig ist diese Einstellung mit einiger Arbeit verbunden: Es müssen Madenschrauben gelöst und der Tonarm in seiner Klemmung verschoben werden, um dann wieder mit den Madenschrauben befestigt zu werden. Das klingt nicht nur wenig spaßig, das macht auch keinen Spaß. Der Magnat MTT 990 hat diesbezüglich noch ein Ass im Ärmel: Die komfortable und stufenlose Verstellung der Tonarmhöhe erfolgt hier über ein großes „Rändelrad“ an der runden Tonarmbasis. Dieses Feature hebt ihn eindeutig aus der Masse der vielen Plattenspielermodelle heraus, sowas bieten nur die wenigsten Wettbewerber. Wer eine ruhige Hand hat, der kann die Tonarmhöhe sogar im Betrieb verstellen und den klanglichen Effekt dadurch unmittelbar nachvollziehen. Das Antiskating lässt sich ebenfalls mit etwas Übung während der Wiedergabe verstellen. Für die Einstellung der Auflagekraft, die klassisch am Gegengewicht geschieht, sollte der Plattenspieler dann jedoch unbedingt stillstehen. Der Tonarm des Magnat hat aber noch eine Besonderheit, die man nicht auf den ersten Blick erkennt und die Ihn dennoch von den einfacheren Geräten abhebt: Der Tonarm kommt nicht in der Standardlänge von neun Zoll, sondern ist einen Zoll länger. Das bedeutet, dass der Tonabnehmer in einem größeren Radius über die Platte geführt wird. Das wiederum verringert den Spurfehlwinkel und die dadurch verursachten Abtastverzerrungen. Genaueres zur Abtastgeometrie wäre wohl mal einen eigenen Artikel wert, hier würde die Ausführung des Themas wohl zu weit führen. Rückseitig bietet der MTT990 ein hervorragendes Anschlussfeld mit solidem Kaltgeräteanschluss statt festem Käbelchen und vergoldeten Cinch-Buchsen zur Aufnahme des hochwertigen mitgelieferten Cinch-Kabels.

Über das Rändelrad an der Tonarmbasis kann die Tonarmhöhe bequem verändert werden.

Kinderleichte Einrichtung

Bei meinem Testexemplar handelt es sich um die Variante mit mitgeliefertem Tonabnehmer. Wer möchte, bekommt den Magnat MTT 990 jedoch auch ohne Abtastsystem und zahlt entsprechend weniger. Aus zwei Gründen plädiere ich jedoch für die Kombi: Erstens ist der montierte Tonabnehmer Audio-Technica AT95E völlig zurecht eine Legende im gehobenen Einstiegsbereich und zweitens ist er bereits im Headshell montiert. Die fummelige und mitunter langwierige Justierung auf den richtigen Einbauwinkel entfällt also. Fertig montiert kann der MTT 990 von jedermann innerhalb weniger Minuten in Betrieb genommen werden. Dazu sucht man sich einen geeignete Standort, der eine Grundfläche von mindestens 50 x 50 Zentimetern haben sollte. Auch nach oben ist ein der halbe Meter Luft ein guter Richtwert, so geht die Staubschutzhaube dann mühelos auf. Steht der Plattenspieler an seinem Platz, sollte er über seine vier höhenverstellbaren Füße waagerecht ausgerichtet werden. Dafür benötigt man eine kleine Dosenlibelle. Die passende Wasserwaagen-App vom Smartphone tut es übrigens auch. Nun werden Netz- und Signalkabel eingesteckt und mit ihren jeweiligen Außenstellen verbunden. Anschließend kann der überraschend schwere Plattenteller vorsichtig auf der Motorwelle abgesetzt werden. Die kraftschlüssige Verbindung geschieht durch die Konusform beider Teile, die von der Schwerkraft aneinander gepresst werden. Dann wird auch schon das Headshell samt Tonabnehmer montiert. Dafür wird es vorsichtig und mit montiertem Nadelschutz vorn in den Tonarm gesteckt und mit der bereits erwähnten Überwurfmutter vorsichtig fest gezogen. Fehlen noch die Einstellung auf Auflagekraft, Antiskating und natürlich VTA!

Feinjustage

Für die Einstellung der Auflagekraft wird das mitgelieferte Gegengewicht vorsichtig hinten auf den Tonarm gedreht. Die Skala sollte dabei nach vorn zeigen, so ist sie immer leicht erkennbar. Ist das Gewicht ein gutes Stück aufgeschraubt, kann der Tonarm aus seiner Halterung genommen werden. Dann wird der Tonarmlift an dem kleinen Hebel an der Tonarmbasis abgesenkt. Je nachdem zu welcher Seite der Tonarm nun kippt, muss das Gewicht weiter auf- bzw. zurückgedreht werden. Sobald der Tonarm in der Schwebe bleibt, ist dieser Schritt erledigt. Nun kann er zurück in die Arretierung gebracht werden. Im nächsten Schritt drehe ich die Skala am Gewicht auf Null, ohne dass das Gewicht dabei verdreht wird. Von diesem Punkt aus wird nun das gesamte Gewicht im Uhrzeigersinn auf den Tonarm gedreht, bis die Skala knapp über zwei Gramm anzeigt.

Die Feinjustage findet über die entsprechenden Werkzeuge am Ende des Tonarms statt.

Antiskating

Anschließend folgt das Antiskating. Ähnlich wie beim Antrieb scheiden sich die Geister auch hieran. Grundsätzlich handelt es sich bei der Skatingkraft um eine, durch Reibung der Nadel an den Rillenflanken verursachte Kraft, die den Tonarm zur Plattenmitte hin zieht. Diese kann ausgeglichen werden, indem die Antiskatingkraft den Tonarm wieder nach außen zieht, so dass sich in Summe eine Null ergibt. Genau diese Null zu treffen ist aber vermutlich eher ein Glücksspiel als Mathematik. Daher mein pragmatischer Vorschlag: Vertrauen Sie ihren Ohren. Ein guter Wert für den Start der Antiskating-Experimente ist die halbe Auflagekraft, also in diesem Fall etwas mehr als Eins. Der Einfluss des VTA ist hingegen unstrittiger. Er bestimmt, in welchem Winkel der Nadeldiamant in der Rille steht. Ich möchte, dass er senkrecht steht und dafür muss der Tonarm exakt horizontal ausgerichtet sein. Das stellt man am MTT 990 durch das verdrehen der Tonarmbasis ein. Auch hier kann man durchaus etwas experimentieren, denn beschädigen lässt sich durch einen leicht abweichenden VTA kaum etwas.

Exzellente Wiedergabequalitäten

Bevor der erste Ton erklingt, versetzt mich der MTT 990 in Staunen. Anders als ein riemenbetriebener Plattenspieler beschleunigt der DirectDrive in Sekundenschnelle auf Solldrehzahl. Noch etwas spektakulärer ist aber das Anhalten des Plattentellers, denn der Dreher verfügt über eine Motorbremse. Schaltet man ihn also aus, so bleibt der Teller innerhalb einer halben Umdrehung stehen. Das wirkt schonmal verdammt cool! Selbst auf 45 Umdrehungen beschleunigt der MTT 990 erstaunlich schnell. Die benötigt er jetzt auch, um das aufgelegte Album „Snow“ von den Angus & Julia Stone wiedergeben zu können. Die beiden Australier legen großen Wert auf Wohlklang und haben ihr jüngstes Album daher in hoher Auflösung pressen lassen. Der Magnat nimmt es gern an und liefert eine klangliche Performance ab, die ernstzunehmend gut ist! Seine Spielweise ist im besten Sinne highfidel, das heißt neutral und sauber. Fangen wir beim Antrieb an: Ich bin relativ unbedarft, was Direkttriebler angeht. Ich besitze zwar einige Vinyldreher, darunter aber keinen DirectDrive. Der MTT 990 hat mich jedoch im ersten Anlauf von dieser Antriebsart überzeugt. Während man günstigeren Plattenspielern mitunter anhören kann, dass ihr Gleichlauf nicht der beste ist, dreht der Magnat stoisch seine Runden. Laufgeräusche sind ihm dabei völlig fremd. Bei gedämpftem Licht erkennt man nichtmal, dass er sich überhaupt dreht, weil er eben vollständig rund läuft. Die App RPM bestätigt den hervorragenden Gleichlauf und die richtige Geschwindigkeit auch messtechnisch. Diese Ruhe findet sich dann auch im Klang wieder. Dieser wirkt insgesamt sehr souverän und kraftvoll. Viel souveräner als die meisten Einsteigerplattenspieler, die sich zwar stets nach Kräften bemühen, dann am Ende häufig aber doch nicht vollends überzeugen. Mit dem Magnat kann man auch mit dem vormontierten Tonabnehmer wirklich richtig gut und zufrieden seine Lieblingsmusik genießen.

Geliefert wird der MTT 990 inklusive des Audio-Technica Tonabnehmers AT-95E.

Klanglich langzeittauglich

Was seine tonale Abstimmung angeht, so profitiert der Magnat MTT 990 auch vom Audio Technica AT95E. Dieser Tonabnehmer ist zwar günstig, hat seinen guten Ruf jedoch nicht von ungefähr. Wenn man unbedingt etwas bemängeln will, dann wäre das wohl am ehesten die Empfindlichkeit auf Verunreinigungen der Platte. Staubkörner sind jederzeit gut hörbar. Die Musik ist jedoch noch besser hörbar, denn umgekehrt läuft auch das AT95E am Magnat zur Höchstform auf. Beide ergänzen sich perfekt. Diese Kombi vermittelt Musik, ohne dabei selbst auffällig zu werden. Der MTT 990 liefert einen wunderbar neutralen Klang, der keinen Frequenzbereich plakativ bevorzugt. Schon nach kurzem Hinhören beeindruckt mich diese Neutralität. Sie ist nämlich in keinster Weise langweilig oder nölig, sondern macht mich eher neugierig. Hört man genau hin, wird die Impulsivität und gleichzeitige Unbeschwertheit schnell deutlich. Die verschiedenen Klangfarben der Instrumente werden schlichtweg sauber reproduziert.

Musikalischer Fluss

Der MTT 990 holt sämtliche akustischen Details sauber aus der Rille und fächert sie frei vor mir auf. So bekomme ich fast schon einen visuellen Eindruck vom Aufnahmeraum in dem dieser Titel entstand. Die Tiefenstaffelung ist einfach imposant. Hinzu kommt eine Fülle an Feinstinformationen der verschiedenen Instrumente und über den Raum. Diese Liebe zum Detail kommt dann auch der Sprachverständlichkeit zu Gute. Stimmen wirken von der begleitenden Instrumentalisierung gelöst, sind aber dennoch jederzeit in die Musik eingebettet. So muss das sein. Was mich ebenso begeistert: Der musikalische Fluss. Der Magnat spielt einfach engagiert und straff. Hier ist Zug drin und die Agilität fast schon fühlbar. Zugleich wird eine musikalische Atmosphäre aufgebaut, die einfach lebendig und frisch erscheint. Lediglich eine winzige Betonung des oberen Bassbereichs würde ich dem AT95E attestieren. Das fällt aber vermutlich nur im direkten Vergleich zu einem anders abgestimmten Gegenspieler auf.

Der MTT 990 sieht richtig gut aus und spielt für einen Plattenspieler der 1000-Euro-Klasse ganz groß auf.

Unfairer Vergleich

Das ist aber Meckern auf wirklich hohem Niveau, denn der Gegenspieler des Magnat ist in diesem Fall der legendäre Linn LP12, der in der günstigsten Variante schon dreimal so teuer ist wie der MTT 990. Dennoch schafft es der kleine Schwarze irgendwie dran zu bleiben und eine Performance abzuliefern, an die ich mich auch langfristig gut gewöhnen könnte. So kann ich nach ausgiebigem Hören sagen, dass ich den Magnat MTT 990 für uneingeschränkt langzeittauglich halte und ihm in seiner Preisklasse eine absolute Empfehlung ausspreche. Mit dem MTT 990 stößt man in klangliche Sphären vor, in denen es richtig Spaß macht, den Fernseher erst gar nicht einzuschalten und einfach Musik zu hören.

Fazit

Der erste Plattenspieler aus dem Hause Magnat ist rundum gelungen. Der MTT 990 bietet alles auf, was das anspruchsvolle Analog-Herz begehrt: Klassisches Aussehen, eine hervorragende Verarbeitung, einen modernen Direktantrieb, einen Tonarm in Überlänge, Wechselheadshell und Höhenverstellung, drei Geschwindigkeiten und eine kinderleichte Inbetriebnahme. So kann jeder anspruchsvolle Einsteiger oder ambitionierte Aufsteiger ohne großen Aufwand und Vorwissen erstklassig Musik von Vinyl genießen. Ohne die Möglichkeit des schnellen Tonabnehmerwechsels wäre der Magnat bereits uneingeschränkt langzeittauglich. Durch das Wechselheadshell und die damit verbundene Flexibilität ist er das umso mehr.
So ausgestattet ist der Magnat MTT 990 einer der erschwinglichsten Plattenspieler, bei dem man sich für lange Zeit keine Gedanken machen muss, was die höheren Regalebenen beim Händler noch zu bieten haben könnten. Statt dessen kann man die Zeit nutzen, um einfach hervorragend Musik zu hören und zufrieden sein. Insofern ist der Magnat MTT 990 ein besseres Schnäppchen, als viele halb so teure Einsteigerplattenspieler.

Test & Text: Jonas Bednarz
Fotos: Philipp Thielen

Gesamtnote: 79/80
Klasse: Mittelklasse
Preis-/Leistung: sehr gut

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191004.Magnat-Testsiegel

Technische Daten

Modell:Magnat
MTT 990
Produktkategorie:Plattenspieler
Preis:999,00 Euro
Garantie:2 Jahre
Ausführungen:- Schwarz (Hochglanz)
Vertrieb:Magnat Audioprodukte GmbH, Pulheim
Tel.: 02234 / 8070
www.magnat.de
Abmessungen (BHT):450 x 162 x 367 mm
Gewicht:11 Kg
Antrieb:Direktantrieb
Geschwindigkeiten:- 33 ⅓ Upm
- 45 Upm
- 78 Upm
Ausgang (analog)- Cinch
Phono-Vorversrtärker:- MM
Lieferumfang:- MTT 990
- Netzkabel
- Tonarm
- Abtastsystem AT95E
Pros und Contras:+ exzellente Verarbeitung
+ Headshell ab Werk montiert und justiert
+ elegantes Design
+ hohe Flexibilität
+ höhenverstellbare Füße
+ 10-Zoll-Tonarm

- keine Contras
Benotung:
Klang (60%):79/80
Praxis (20%):79/80
Ausstattung (20%):78/80
Gesamtnote:79/80
Klasse:Mittelklasse
Preis-/Leistung:sehr gut

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