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Audio Physic geht neue Wege: Der Schallwandler-Spezialist präsentiert seine Classic 15 mit einer hochglänzenden Glas-Oberfläche, die dem klassischen Design der Serie einen rasanten Modernitätsschub verleiht. Unsichtbar sind hingegen die pfiffigen Konstruktions- und Know-How-Features, die das Gehäuse und die Chassis frei von Vibrationen halten, damit dieser Zweieinhalb-Wege-Lautsprecher auch klanglich glänzt. Wie das funktioniert, haben wir im Test entdeckt.

Die Classic 15 passt mit ihrer kühlen Glasoptik besonders gut in ein modernes Ambiente, doch sie harmoniert dank ihrer klassisch-schlanken Formgebung ebenso mit einer Einrichtung im Retro-Look.

Glas? Bei diesem Material zucken Audiophile reflexartig zurück: Dieser Werkstoff gilt als kritisch, weil er für Klirren und klangliche Härte sorgt – wenn man ihn nicht zu zähmen weiß. Wie es geht, weiß Manfred Diestertich: Als Chefentwickler zeichnet er seit rund zwanzig Jahren für die audiophilen Schallwandler der Sauerländer verantwortlich, er hat sich dabei intensivst dem Thema Entkopplung gewidmet und ist bei der Classic-Serie der Glas-Bändiger: Für diese Reihe hat Diestertich eine spezielle Gehäusekonstruktion entwickelt, die die optischen Vorzüge der Verglasung inszeniert, die akustischen Kniffeligkeiten aber unter Kontrolle hat.

Die Echtglas-Verkleidung sorgt einen durchgängig perfekten Hochglanzeffekt-Effekt.

Verglaster Spezial-Aufbau

Die Bändigung des Glases gelingt durch einen Sandwich-Aufbau des Gehäuses: Der Kern besteht aus einem MDF-Korpus, der mit zwölf Millimeter Materialstärke und durch seine inneren Verstrebungen für die Robustheit und Resonanzfreiheit bürgt. Dieser Kern wird nun mit Glasscheiben beplankt – doch was sich hier so schnöde-einfach liest, hat Diestertich einige Zeit des Ausprobierens und Optimierens gekostet. Dann war die beste Lösung erreicht: Die Korpusränder werden mit einem dicken, doppelseitigen Spezial-Klebeband versehen, auch innerhalb der Fläche werden einige Streifen appliziert. Das Klebeband sorgt für einen definierten Abstand der Glasscheibe, so dass ein Zwischenraum entsteht. Wie bei einer Raum-in Raum-Lösung oder einer Doppelverglasung bei Fenstern dient die dazwischen befindliche Luft nun als Schallisolator. Zudem ist das Klebeband dauerelastisch, wodurch es Vibrationen absorbiert. Ebenso elastisch sind die nun zusätzlich aufgebrachten Fixierungspunkte, die auch zur Beruhigung der Glasscheibe beitragen. Hier hat Manfred Diestertich in etlichen Hörsessions die akustisch optimalen Orte für die Klebepunkte ermittelt. Zum Finale kommt die Verglasung des Gehäuses: Die sorgsam geschliffenen und sauberst gefasten Paneele werden behutsam auf Front, Wangen und Oberseite aufgelegt und sanft angepresst. Bei diesen Scheiben handelt es sich Echtglas, das von der Innenseite lackiert ist – so wird der spezielle High Gloss-Effekt erzielt, der Farbigkeit und Glanz kombiniert und zudem eine perfekt ebene Oberfläche ermöglicht. Durch diese Verfahren sind theoretisch verschiedenste Farbtöne möglich, in der Praxis bietet Audio Physic die Classic 15 erst mal in den Farben Schwarz, Weiß, Rot, Anthrazit, Silbergrau und Perlweiß an. Dabei gibt es eine Konstante: Der obere Frontbereich, in dem die Chassis sitzen, ist immer in Schwarz gehalten.

Die Glasplatten sind mit einer feinen Fase versehen. Dieser Schliff sorgt im Design für eine noch größere optische Geschmeidigkeit und trägt zu der hochwertigen Anmutung der Classic 15 bei.

Schlanke Eleganz

Die Glasoptik sorgt dafür, dass die Classic 15 eine moderne, leicht kühle Anmutung besitzt und sich deshalb besonders gut in ein modern eingerichtetes Ambiente passt. Die Verglasung unterstreicht zudem die schlanke Eleganz dieses Schallwandlers. Mit den einer Höhe von knapp einem Meter, einer Breite von gerade mal 17 Zentimetern und einer Tiefe von 24 Zentimetern ist die Classic 15 eine grazile Klangsäule. Deshalb sorgt ein Sockel aus schwarz lackiertem MDF für den sicheren Stand. Mit ihm erweitert sich die Grundflächen auf 21 mal 30 Zentimeter. Unter diesen Sockel werden die mitgelieferten Spikes geschraubt, die für eine definierte Ankopplung an den Boden sorgen. Der Sockel erfüllt noch eine zweite Funktion: Er ist Teil der Bassreflexabstimmung, welche die zierliche Classic 15 zu einem ziemlich unzierlichen Bass verhilft. Der Korpus über dem Sockel wird deshalb durch vier Abstandhalter auf Distanz gehalten, damit hier Luft zirkulieren kann. Denn auf der Gehäuseunterseite dient ein schlitzartiger Kamin als Bassreflex-Port. Die hier austretende Luft trifft auf den Sockel auf und wird nun zu allen Seiten in den Raum abgeleitet. Dadurch erreicht die Classic 15 eine gleichmäßigere Tiefton-Abstrahlung.

Die obere, stets schwarze Hälfte der Front ist abnehmbar. Nun bekommt man einen Eindruck von dem Sandwich-Aufbau des Gehäuses.

Seidenkalotte für luftige Höhen

Die hautsächliche Schallabstrahlung übernehmen aber natürlich die Chassis auf der Front. Sie sind für die gesamte Classic-Serie neu entwickelt worden. Dies beginnt schon beim Hochtöner. Hier kommt eine 22-Millimeter-Kalotte aus Kunstseide zum Einsatz. Ihre Robustheit erlaubt einen kräftigen Antrieb, eine aufwändige Belüftung sorgt dafür, dass die dabei anfallende Wärme abgeführt wird und der Tweeter stabile Arbeitsbedingungen hat. Das dankt er mit einer linearen und impulstreuen Wandlungsfähigkeit bis hin zu beachtlichen 30 Kilohertz, was einen eine luftig-leichte Wiedergabe verspricht. Zur Optimierung des Abstrahlverhaltens ist diese Kalotte von einem kleinen Hornvorsatz eingefasst. Er dient als Schallführung und lenkt somit sanft die Höhen, sodass sie nicht in Konflikt mit den daran ankoppelnden Mitten geraten. Dadurch erzielt die Classic 15 eine größere akustische Präzision. Doch weshalb ist dieses Horn nun von einem aufgeklebten Filzring umgeben? Dies ist wieder eine Diestertich-Dämpfung: Der Filz verhindert die akustische Anregung der schwarzen Glasscheibe, die die Chassis der Classic 15 einfasst. Diese Schallwandler sind paarweise gematched, also auf gleiches Wiedergabeverhalten hin selektiert. Dies ist insbesondere beim Hochton wichtig, nur so kann das Classic 15-Paar, in das die Tweeter eingesetzt wird, eine homogene Wiedergabe bieten.

Der Hochtöner ist als Kalotte aus Kunstseide realisiert. Die ihn umgebende hornartige Mulde dient der Schallführung, der einfassende Filzring verhindert eine mechanische Schwingungsanregung der vorgesetzten schwarzen Glasplatte.

Herkulanischer Mitteltieftöner

Nagelneu sind auch die beiden Chassis, die sich um die Mitten und Bässe kümmern. Den härteren Job hat dabei der obere Speaker: Er agiert als Mitteltieftöner und ist somit für alle Frequenzen zuständig, die unterhalb des Hochtöner-Arbeitsbereiches von 3.000 Hertz liegen. Dafür besitzt er eine hochrobuste 15-Zentimeter-Mebran aus einem gewebtem Glasfaser-Material. Durch die Verwebung des leichten Materials wird eine große Verwindungsresistenz bei geringem Gewicht erreicht. Zudem besitzt dieser Konus eine hohe innere Dämpfung, so dass es auf der Membranfläche keine Areale gibt, die zu partiellen Resonanzen neigen – selbst bei hohen Pegeln. Damit der Mitteltieftöner seine Herkulesarbeit ohne Hitzeschlag leisten kann, besitzt er einen Phase Plug als Wärmeableitung. Dies ist der leicht konische, schwarze Metall-Zylinder, der im Zentrum des Konus sitzt. Er vermeidet eine zu starke Erwärmung, die die elektrischen und magnetischen Eigenschaften des Speakers verändern würde, was Verzerrungen im Klangbild zur Folge hätte. Die konische Form des Phase Plug soll dabei für eine optimale Schallabstrahlung bürgen, außerdem zur Vermeidung von Kompressionseffekten beitragen und Verzerrungen im Mittenbereich, für den das menschliche Ohr besonders empfindlich ist, minimieren.

Der Mitteltieftöner leistet die meiste Arbeit, deshalb besitzt er zur Wärmeableitung einen Phase Plug. Für den sicheren Sitz des Speakers und zur Vibrationsvermeidung werden seine Befestigungsschrauben im Gehäuse von Neopren-Dübeln aufgenommen.

Diestertichs Delikatessen: Spezialsicke und Doppelkorb

Der Mitteltieftöner bekommt für die Schallwandlung der tiefen Frequenzen ab 500 Hertz abwärts Verstärkung: Ab hier spielt der darunter sitzenden Tieftöner mit. Zusammen sorgen die beiden Chassis dafür, dass die Classic 15 bis 38 Hertz runter kraftvollen spielt. Im Verbund mit dem Hochtöner agieren zwar insgesamt drei Chassis, durch die Aufgabenteilung der beiden unteren Speaker spricht man aber von einer Zweieinhalb-Wege-Schallwandlung. Die beiden Konus-Lautsprecher sind dabei bis auf den Phase Plug sehr ähnlich aufgebaut. Sie besitzen die gleiche Sicken-Konstruktion, die so aufwändig ist, dass die Chassis-Fertigung einen Ping-Pong-Prozess zwischen China und Deutschland nötig macht, weil nur hierzulande das nötige Know-How für die Sickenmontage sitzt. Zudem sind beide Chassis mit einer besonderen Doppelkorb-Konstruktion ausgestattet, die erstmals in der Classic-Serie eingesetzt wird. Normalerweise besitzt ein Lautsprecherchassis einen Korb, er trägt alle Komponenten, sowohl den starren Magnetantrieb als auch die schwingende Membran, die mitschwingende Zentrierung samt Spule sowie die vibrierende Sicke samt Einfassung. Zugleich ist der Korb die Kontaktstelle zum Boxengehäuse – und damit potenzieller Überträger von Schwingungen, die das Chassis erzeugt. Diese Vibrationen hat Manfred Diestertich nun durch den ausgeklügelten Doppelkorb stillgelegt: Der innere Korb reduziert mit seinen exzellenten Dämpfungseigenschaften die Weiterleitung der Schwingungen, der aus Aluminiumdruckguss bestehende äußere Korb sorgt für die Stabilität des Gesamtgebildes. Die gemeinsame Kontaktfläche der beiden Körben beschränkt sich dabei auf einen schmalen Ring. Die Entkopplung von Chassis und Gehäuse geht aber noch weiter: Der Doppelkorb ist nicht einfach in den Boxenkorpus eingeschraubt, stattdessen finden die Schrauben in Kunststoff-Hülsen halt, dies erschwert abermals die Übertragung von Vibrationen auf das Gehäuse.

Der Tieftöner ist wie der Mitteltieftöner mit einer Membran aus verwobener Glasfaser ausgerüstet. Die fühlbare Struktur des Gewebes bewirkt eine große Stabilität und Steifigkeit der Membran.

Hoher Fertigungsaufwand, herausragende Verarbeitung

All diese Maßnahmen zeugen von einem großen Know How-Einsatz und einem immensen Fertigungsaufwand – und wer die Classic 15 intensiv inspiziert, entdeckt eine makellose, absolut saubere Verarbeitungsqualität. Davon zeugt auch die Rückseite: Die Classic 15 ist mit exquisiten Lautsprecherklemmen ausgestattet, den nextgen von WBT. Sie bestehen vor allem aus Kunststoff – gemäß dem WBT-Credo, dass eine geringe Metallmasse die Klangbeeinflussung minimiert. Nur an den wirklich notwendigen Kontaktflächen zur Signalübertragung kommen nun entweder Feinsilber oder, wie hier, reines Kupfer zum Zuge. Die Klemmen arbeiten, wenn blanke Litze oder ein Kabelschuh eingeführt wird, materialschonend: Sie geben eine Art Ratschen-Geräusch von sich und bieten eine leichten Widerstand, wenn beim Anziehen ein ausreichend hoher Anpressdruck erreicht ist – gemäß der zweiten WBT-Erkenntnis, dass ein maximaler Druck nicht besser ist, sondern nur schädlich für die Materialoberflächen. Hinter den Klemmen geht es mit dem Aufwand weiter: Im Inneren der Classic 15, bei der Frequenzweichen-Platine, kommt Kupferschaum zum Zuge – ein eigentlich völlig HiFi-fremdes Material, mit dem Diestertich experimentiert hat und das nun im Signalweg der Weiche laut dem Chefentwickler eine signifikante klangliche Verbesserung bewirkt. So wie bei der Weiche werden im Briloner Werk an den meisten Teilen, die in die Lautsprecher eingebaut werden, noch Modifikationen vorgenommen. Der von Audio Physic verwendete Wahlspruch „Handcrafted in Germany“ ist also keine hohle Phrase, und die lange Garantie zeugt von dem berechtigen Stolz auf die Güte der eigenen Produkte.

Die Klemmen sind hochwertige nextgen von WBT. Die Classic 15 ist auf ein Paar dieser Anschlüsse beschränkt: Die Erfahrung hat Audio Physic gezeigt, dass die meisten Käufer auf den Single Wire-Betrieb setzen, also nur einen Verstärker und pro Box ein Lautsprecherkabel verwenden. Darum verzichten die Briloner auf einen unnötige Kosten verursachenden, aber auch klangverschlechternd wirkenden Klemmen- und Brückenüberschuss.

Die Audio Physic Classic 15 in der Praxis

Die Aufstellung der Schallwandler ist leicht, denn die Anleitung von Audio Physic erklärt vorbildlich, wie man das beste Ergebnis erzielt. Wir haben die Lautsprecher in einem Abstand von rund 2,20 Metern zueinander aufgestellt, zum Sofa sind es etwa 2,30 Meter Distanz. Die Boxen haben wir leicht zum Hörplatz hin eingewickelt, noch zwei kleine Korrekturen, dann ist die Abbildung optimal. Zur Ausrichtung haben wir „Move To The Grove“ von der Blues Company gewählt, diesen Song nehmen wir auch gleich als ersten Test-Track, denn er besitzt alles, was wir zum Ausloten der Fähigkeiten der Classic 15 brauchen. Die Band hat den Song live eingespielt, was wir an wenigen Sekunden Applaus merken – aber die reichen, um uns schon das Konzertfeeling zu geben, und mit dem Einsatz der Band ist klar, dass wir ganz nah vor der Bühne stehen. Direkt vor uns passiert viel, denn die Company ist groß besetzt: Schlagzeug, Bass, zwei Gitarren, volle Bläsersektion, dazu mehrere Backgroundsängerinnen, die den Bandleader, Sänger und Gitarristen Todor „Tosho“ Todorovic unterstützen. Die Classic 15 weiß die Musikermenge blendend zu differenzieren und zu positionieren: Die Rhythmussektion hinten, die Gitarren weiter vorn und seitlich rahmend, der Background hingegen ziemlich weit vorn, nahe bei Sänger Tosho. Obwohl das musikalische Geschehen dicht und vielschichtig instrumentiert ist, sind alle Instrumenten und Stimmen glasklar herauszuhören.

Die Classic 15 löst das Motto des der Briloner, das auf dem Firmenemblem verewigt ist, im Hörtest ein.

Es groovt wie Hölle

À propos Glas: Die akustische Härte ihrer Hülle ist der Classic 15 überhaupt nicht anzumerken, die Dämpfungs- und Entkopplungsmaßnahmen haben sich gelohnt. Die Classic 15 klingt ausgewogen, besitzt dabei durch den agilen Hochtöner eine schöne Offenheit und Auflösung. So verlassen wir mit geschlossenen Augen unseren Testraum und tauchen in die Atmosphäre des Mainzer SWR-Funkhauses ein, wo die Company „Move To The Groove“ mitgeschnitten hat. Der Song ist eigentlich eine musizierte Anleitung, was ein guter Song braucht, um unwiderstehlich zu sein und die Körper der Zuhörer in Bewegung zu versetzen. Zugleich zeigt die Nummer, ob die Schallwandler das auch umsetzen können. Ein Löffel Rhythmus – ja, die Blues Company groovt wie Hölle, und die Classic 15 hat uns schon längst zum Fußwippen und Kopfnicken gebracht. Einen Becher Timing – jawohl, die Band spielt auf den Punkt, und die Classic 15 bildet dies präzise ab. Neben dem flotten Hochtöner arbeiten auch die beiden Konus-Chassis sehr impulstreu. Dazu agieren die Chassis als akustisches Team, so dass die Wiedergabe wie aus einem Guss klingt. Weiter im Groove-Rezept: Es braucht eine große, fette Bassdrum und einen tiefen, rollenden Bass. So bekommt bei dem Auftritt nun die Rhythmussektion die Gelegenheit zu kurzen Soloeinlagen – und die Classic 15 die Möglichkeit, ihre Dynamik und ihr Tieftonvermögen zu beweisen. Auch hier lässt sie kaum Wünsche offen, trotz des für eine Standbox relativ kleinen Gehäusevolumens bietet die Classic 15 einen richtig vollen, satten Bass und demonstriert ihre Kraft mit ordentlichem Punch, insbesondere bei dem zwischenzeitlichen Trommel-Feuerwerk. Das alles begleiten die Gitarren mit einem wunderbar drahtigen, funkig-bluesigen Sound, so dass wir am Ende des Songs mit einem Grinsen auf dem Sofa sitzen und auf „Repeat“ drücken.

Die Glasfläche unseres Testmodells ist innseitig Silbergrau lackiert, dieser leicht funkelnde Farbton sorgt für eine besondere Brillanz.

Klang-Upgrade durch Fuß-Austausch

Doch bevor wir uns den Spaß noch einmal gönnen, betreiben wir ein wenig Tuning, denn das akustische Potenzial der Classic 15 lässt sich noch weiter ausreizen. Wir schrauben dafür statt der mitgelieferten Spikes die optional erhältlichen Standfüße VCF II M8 Magnetic unter die Sockel der Lautsprecher. VCF bedeutet „Vibration Control Foot“ – und das beschreibt exakt die Tätigkeit dieser Füße: Sie reduzieren die Schwingungsübertragung und sorgen für eine Entkopplung der Classic 15 vom Untergrund. Das bewirkt ein Sandwich aus zwei Neodym-Magneten mit einer dazwischen eingespannten SSC-Spezialgewebe-Konstruktion. SSC ist das Kürzel für „String Suspension Concept“. Darunter versteht man eine spezielle Seiltechnik, sie bewirkt im Wesentlichen den Entkopplungseffekt der Füße. Die Wirkung dieser Füße haben wir bereits in unsrem Test der Audio Physic Classic 8 erlebt, und auch diesmal ist der Effekt verblüffend: Es scheint, als hätten wir die Lautstärke leicht angehoben, dabei haben wir am Pegel unsers Verstärkers Hegel H360 nichts verändert. Dazu erscheint das ganze Geschehen nun noch ein wenig frischer – das optische Pendant wäre ein Blick durch eine frisch geputzte Glasscheibe. Details sind deutlicher, etwa das sauber-akzentuierte Hi Hat-Spiel von Schlagzeuger Florian Schaube oder die Saitenarbeit von Gitarrist Mike Titre, die nun mehr Drive hat und für ein intensiveres Funk-Feeling des Songs sorgt. Zudem ist der Bass konturierter, dadurch wirkt er noch kräftiger, ganz so, als hätte Arnold Ogrodnik nun die Saiten etwas stärker angeschlagen. Mit dem Einsatz des Gesangs kommt dann das nächste Staunen: Tosho erscheint uns jetzt noch präsenter, noch zugewandter – und offenkundig hat er einen Schritt auf uns zu getan. Auch die beiden Background-Sängerinnen haben an Gegenwärtigkeit und Nähe gewonnen, wir hören in ihren Gesangssätzen nun stimmliche Feinheiten, die wir vorher schlicht nicht wahrgenommen haben. Im Ganzen hat die Wiedergabe an Präzision und Auflösung gewonnen.

Zwischen Korpus und Sockel sitzen Abstandhalter. Sie lassen das Gehäuse der Classic 15 scheinbar schweben. Akustisch ist die Distanz nötig, damit die Luft durch den Bassreflex-Schlitz auf der Korpusunterseite strömen kann. Unter den Sockel sind hier statt der Standard-Spikes die optionalen VCF II M8 Magnetic-Standfüße geschraubt.

Classic 15 versus Classic 12: hörbares Holz

Wir haben vorhin davon gesprochen, dass die Glasverkleidung der Classic 15 bei der Wiedergabe keine negativen Härten im Klang verursacht. Der vibrationsdämpfende Sandwich-Aufbau neutralisiert die akustischen Eigenschaften des Glases. Nun hat die Classic 15 in der Classic Line von Audio Physic eine enge Verwandte: die Classic 12. Sie besitzt die gleiche Grundkonstruktion, die gleichen Maße, die gleiche Bestückung – doch bis auf verglaste Front ist ihr MDF-Korpus rundherum mit Echtholfzurnier bekleidet – ohne darunterliegenden Sandwich-Aufbau. Da stellt sich natürlich die Frage: Ist der Unterschied hörbar? Wir haben uns zur Beantwortung beide Versionen in den Testraum geholt, und damit sie die gleichen Voraussetzungen haben, ist auch die Classic 12 auf den VCF-Standfüßen gelagert. Weil wir die Blues Company so gut im Ohr haben, machen wir mit „Move To The Grove“ weiter – und wirklich: Mit der holzverkleideten Classic 15 klingt es anders. Der Gesamtklang hat ein Mehr an Wärme, vor allem der Bass ist etwas weicher und breiter. Mhhh… das hat auch was, aber die verglaste Classic 15 wirkt einen Tick vitaler, vielleicht auch etwas analytischer, was uns im direkten Vergleich besser gefällt. Das ist natürlich Geschmackssache – und mitunter eine Frage der Musik. Wir haben als Kontrastprogramm nun Klassik aufgelegt, Jaap van Zweden dirigiert das Netherlands Radio Philharmonic Orchestra durch den ersten Satz aus Anton Bruckners Vierten Sinfonie. Diesen romantisch-schwelgerischen Kopfsatz mit seinen Naturschilderungen erleben wir mit der Classic 12 in einer schöneren Wiedergabe: Die Hörner klingen erdiger, die Geigen besitzen mehr Schmelz, die Kontrabässe etwas mehr Körper. Dabei bieten beide Lautsprecher-Varianten einen sehr guten Über-und Durchblick, denn in punkto Auflösungsfähigkeit und Detailreichtum agieren beide Versionen mit der gleichen Bravour. Die Classic 15 bietet den Klang aber pur, die Classic 12 hingegen mit einer wärmenden Note ihrer Verkleidung – das Holz ist hörbar.

Hier der „Gegenspieler“ der Classic 15: die in Echtholz gekleidete Audio Physic Classic 12.

Fazit

Mit der Classic 15 beweist Audio Physic eindrucksvoll, dass auch hochkritische Materialien handhabbar sind: Dieser Standlautsprecher glänzt optisch mit seiner gläsernen Hülle, die klanglichen Härte des Materials wurde aber mit viel Know How neutralisiert. Wesentlich dafür ist der Sandwich-Aufbau des Gehäuses, der die Oberfläche vom Korpus quasi akustisch entkoppelt. Wie wirksam diese Konstruktion ist, zeigt der Vergleich mit der holzverkleideten, nichtentkoppelten, aber ansonsten baugleichen Classic 12, die dadurch ein wenig wärmer und weicher klingt. Als Zweieinhalb-Wege-Lautsprecher gelingt der Classic 15 eine glasklare, offene und detailreiche Wiedergabe, die Chassis agieren präzise und mit gutem Timing. Das zahlt sich auch in der satten Basswiedergabe aus, trotz des schlanken Gehäuses liefert die Classic 15, auch dank der Bassreflexabstimmung, einen vollen Tiefton. So glänzt die Classic 15 optisch und akustisch – und bei der sichtbar hohen Material- und Fertigungsqualität brilliert sie auch mit einem exzellenten Preis-/Leistungsverhältnis.

Test & Text: Volker Frech
Fotos: Philipp Thielen

Gesamtnote: 92/95
Klasse: Spitzenklasse
Preis-/Leistung: exzellent

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191204.Audio Physic-Testsiegel

Technische Daten

Modell:Audio Physic
Classic 15
Produktkategorie:Standlautsprecher
Preis:ab 2.790,00 Euro / Paar
Garantie:- 5 Jahre ohne Registrierung
- 10 Jahre mit Registrierung
Ausführungen:Schwarz (Glas), Weiß (Glas), Rot, (Glas) Anthrazit (Glas), Silbergrau (Glas), Perlweiß (Glas)
Vertrieb:Audio Physic GmbH, Brilon
Tel.: +49 2961 961 70
www.audiophysic.com
Abmessungen (HBT):- 990 x 210 x 300 mm (mit Sockel)
- 960 x 170 x 240 mm (ohne Sockel)
Gewicht:16,4 kg / Stück
Bauart:2,5-Wege, Bassreflex
Impedanz:4 Ohm
Hochtöner:1 x 22 mm Kalotte (Kunstseiden-Membran)
Mitteltieftöner:1 x 150 mm Konus (Glasfasergewebe-Membran)
Tieftöner:1 x 150 mm Konus (Glasfasergewebe-Membran)
Frequenzbereich:38 Hz - 30 kHz (Herstellerangabe)
Trennfrequenzen:500 Hz / 3 kHz
Wirkungsgrad:89 dB (Herstellerangabe)
Empfohlene Verstärkerleistung:20-120 W
Lieferumfang:- Audio Physic Classic 15
- Spikes mit Überwurfmuttern
- Urkunde mit Bestätigung der Fertigungskontrolle und der akustischen Prüfung
- Bedienungsanleitung (Deutsch)
Optionales Zubehör:- VCF II M8 Magnetic (Standfüße), 699,00 Euro / 8 Stk.
Pros und Contras:+ schlankes, modernes Glas-Design
+ offene, detailreiche, dynamische Wiedergabe
+ gute räumliche Abbildung
+ kräftiger Bass
+ ausgezeichnete Verarbeitung
+ instruktive Bedienungsanleitung

- ein Paar Klemmen erlaubt ausschließlich Single-Wiring-Betrieb (Bi-Wiring-Terminal gegen Aufpreis möglich)
Benotung:
Klang (60%):92/95
Praxis (20%):93/95
Ausstattung (20%):93/95
Gesamtnote:92/95
Klasse:Spitzenklasse
Preis-/Leistungexzellent

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