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Redakteur
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Revox, das ist einer dieser Namen, bei denen eingefleischte HiFi-Kenner leuchtende Augen bekommen, die bei jüngeren Generationen dennoch eher unbekannt ist. Neben hochmodernen digitalen Audio-Lösungen bietet das Traditionsunternehmen seit kurzem auch wieder einen analogen Plattenspieler an. Der neue Revox Studiomaster T700 richtet sich an anspruchsvolle Hörer jeden Alters und er sieht auch noch richtig gut aus.

Optisch zeitlos und dennoch schick: Der Revox Studiomaster T700 ist ein Hingucker in jeder Wohnumgebung.

Durch den weiter anhaltenden Schallplattenboom der vergangenen Dekade gibt es immer mehr neue und traditionelle Hersteller, die wieder Plattenspieler anbieten. Revox gehört definitiv zur zweiten Kategorie, denn das Unternehmen ist über 70 Jahre aktiv. Seinen exzellenten Ruf unter Kennern hat sich das Unternehmen in erster Linie durch höchstwertige Bandmaschinen erworben. Die hat der Firmengründer Willi Studer für den Studiobetrieb unter seinem eigenen Namen verkauft und unter dem Namen Revox für anspruchsvollstes Heimaudio. So konnten Audiophile ihre Lieblingsalben zuhause mit Ablegern des Equipments hören, mit dem sie im Studio produziert wurden. Plattenspieler höchster Güte gehörten damals natürlich ebenfalls zum Produktprogramm. Was alle Produkte dem legendären Ruf nach verband, ist die hohe Qualität gepaart mit absoluter Zuverlässigkeit sowie einem durchdachten Bedienkonzept. All das sind Eigenschaften, die wir auch am neuen Revox Studiomaster T700 wiedergefunden haben. Insofern scheint sich an der Firmenphilosophie seither nicht viel verändert zu haben. Das ist gut so.

In unserem Test durfte sich der Studiomaster T700 u.a. im Verbund mit der Revox Joy-Serie und den Spendor Audio D7.2 beweisen.

Durchdachtes Konzept

Wenn der nächste Plattenspieler auch der letzte sein soll – nicht, weil man danach entnervt aufgibt, sondern weil er einfach gut ist – dann ist der Revox Studiomaster T700 genau der richtige Kandidat. Er richtet sich damit aus unserer Sicht an zwei Käufergruppen: Erstens an Wiedereinsteiger, die ihren Plattenspieler mit dem Aufkommen der CD abgegeben haben und nun keine Lust auf Experimente haben. Zweitens an Einsteiger, die nach den ersten Gehversuchen mit günstigeren Geräten auf der Suche nach einer langfristig erstklassigen Lösung sind. Hat man sich den Revox T700 zugelegt, gibt es eigentlich keinen rationalen Grund sich weiter mit dem Thema Plattenspieler zu beschäftigen. Abgesehen vom Musikhören selbst natürlich. Ist der Studiomaster aufgestellt, muss von Zeit zu Zeit lediglich der Riemen gewechselt werden und maximal der Tonabnehmer gegen ein neues Exemplar getauscht werden. Mit weiteren Aspekten braucht man sich, auch dank des integrierten Phonoverstärkers, nicht beschäftigen.

Beeindruckend vollständiger Lieferumfang

Geliefert wird der Revox Studiomaster T700 in einem riesigen Karton, der auch einen fetten Verstärker enthalten könnte. Darin befindet sich der Plattenspieler mit vormontiertem Tonarm und justiertem Tonabnehmer. Außerdem der schwere Plattenteller samt Subteller sowie eine transparente Abdeckhaube. Abgerundet wird der Lieferumfang von einer hervorragenden Anleitung sowie einer Zubehörschachtel. Diese Holzschachtel ist sinnvoll und vollständig zusammengestellt, wie es uns bisher noch nicht begegnet ist. In ihr befinden sich neben Riemen, Gegengewicht und Antiskatinggewicht auch eine Carbonbürste zur Reinigung der Schallplatten vor dem Abspielen. Außerdem einige kleine Inbusschlüssel zur Montage und eine Dosenlibelle zur perfekten waagerechten Ausrichtung des Laufwerks. Das echte Highlight aber ist die Revox-Tonarmwaage, mit der die Auflagekraft des Tonabnehmers perfekt eingestellt werden kann. Hervorragend! Was leider fehlt, ist ein Nadelreiniger, denn auch die Nadel sollte mindestens alle paar Plattenseiten gereinigt werden. Wer sich diesen noch besorgt, ist für alle Zeiten vollständig ausgerüstet.

Wow, soviel an sinnvollem Zubehör findet man bei Plattenspielern sonst eher selten.

Montage

Während die Konkurrenz noch dabei ist, Laufwerk, Tonarm, Tonabnehmer und Phonoverstärker passend zu kombinieren, machen wir uns an die Inbetriebnahme des schicken All-in-One-Konzepts. Diese ist kein Hexenwerk und dank der Anleitung auch für Neulinge absolut ohne Schwierigkeiten durchzuführen. Die massive Zarge des Revox ist, wie das gesamte Gerät, komplett in schwarz gehalten. Das moderne und zeitlose Design passt daher sicher in viele Wohnumgebungen und ist immer ein Hingucker. Unterseitig befindet sich der bereits erwähnte Phonoverstärker, der bereits passend zum montieren Tonabnehmer voreingestellt ist. Wir können den Revox also gleich auf seine drei Füße stellen, dank derer er garantiert nicht kippelt. Dennoch sollte die Stellfläche natürlich eben und möglichst massiv sein, damit sie nicht vibriert und die empfindliche Abtastung beeinflusst. Damit er perfekt waagerecht steht, können die drei Füße durch Verdrehen in der Höhe verstellt werden. Dank der beiliegenden Libelle ist die Ausrichtung im Nu erledigt.

Tellerlager und Plattenteller

Steht der Studiomaster an seinem Platz, kann die Abdeckung vorsichtig vom Tellerlager aus Sinterbronze geknibbelt werden. Sie verhindert Verschmutzung des Lagers während des Transports und hält das Lageröl sowie eine kleine Stahlkugel darin. Nun kann die Achse des metallenen Subtellers vorsichtig im Lager versenkt werden. Da die Passung wirklich sehr genau ist, kann es ein paar Sekunden dauern bis die Achse vollständig im Lager verschwunden ist. Dann nimmt die kleine Kugel die kompletten vertikalen Kräfte auf und die Lagerwände sind lediglich für die horizontale Führung verantwortlich. So sollen Lagergeräusche auf ein Minimum reduziert werden, um die Wiedergabe möglichst klar und nebengeräuschfrei zu bekommen. Dies unterstützt auch die Materialwahl des schweren Plattentellers, denn der ist aus dem als besonders resonanzarm geltenden Kunststoff Polyoxymethylene, kurz POM, gefertigt und natürlich schwarz durchgefärbt. Er hat unterseitig eine exakt passende Aussparung, mit der er einfach auf den Subteller aufgesetzt wird.

Ein kleiner Sensor unter dem Plattenteller kontrollirt die Einhaltung der Sollgeschwindigkeit.

Der Antrieb

Mit einem sanften Schubser kann man sich nun von der tadellosen Arbeit des Lagers überzeugen, denn der Teller dreht beeindruckend lange nach. Damit wir nicht dauern schubsen müssen, verfügt der Studiomaster natürlich über einen eigenen, höchstwertigen Antrieb. Der Motor dazu sitzt klassisch hinten Links im Chassis und treibt den Teller über einen schwarzen Riemen an, der außen um den Teller läuft. Den Riemen fischen wir nun aus der Zubehörbox und legen ihn vorsichtig um den Teller und anschließend um das Motorpulley. Das Pulley ist die Treibscheibe auf der Motorachse. Es hat nur einen Durchmesser für beide Geschwindigkeiten, da die Umschaltung elektronisch stattfindet. Dazu verfügt der Motor über eine aufwändige Motorsteuerung. Sie setzt die beiden Drehzahlen 33 und 45 und kontrolliert deren genaue Einhaltung. Dazu ist auf der Unterseite des Tellers eine Markierung angebracht, die von einem optischen Sensor erfasst wird. Das sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt.

Der Tonarm

Natürlich ist der hochwertige Tonarm des Revox Studiomaster T700 ebenfalls komplett schwarz. Der filigrane Ausleger bringt alle Eigenschaften und Funktionen eines State-of-the-Art-Tonarms mit. Er ist an der Basis höhenverstellbar, so dass er auf die Bauhöhe unterschiedlicher Tonabnehmer angepasst werden kann. Wer den T700 mit einer dämpfenden Kork- oder Filz-Plattentellerauflage betreiben möchte, freut sich über die Möglichkeit zur Höhenverstellung. Das Tonarmrohr besteht aus hochfestem Karbonfaserverbund. Was auf den ersten Blick überdimensioniert wirkt, hat einen guten Grund. Mit der Rigidität zwischen dem Headshell und der Plattentellerachse steht und fällt das Klangergebnis. Um jede ungewollte Relativbewegung zwischen Platte und Tonabnehmer zu verhindern, müssen die Teile dazwischen stabil und spielfrei sein. Dies wird durch modernste Materialien des Tonarmrohrs und hochwertige Tonarmlager sichergestellt. Diese Spielfreiheit garantiert dem Tonabnehmer beste Arbeitsbedingungen bei der mechanischen Abtastung der Schallplatte, denn Nadel und Spulen sind das einzige, was sich bewegt.

Das Tonarmrohr besteht aus hochfestem Karbonfaserverbund.

Der hochwertige Abtaster Ortofon Quintett Bronze

Die Nadel gehört in diesem Fall zum einzigen Farbklecks am Studiomaster T700, dem orangefarbenen Quintet Bronze. Der Tonabnehmer kommt vom dänischen Spezialisten Ortofon. Das hochwertige Moving Coil-System kostet solo über 600 Euro, gehört also schon zum größeren Besteck. Da die Montage eines Tonabnehmers keine ganz triviale Aufgabe ist und durch Unachtsamkeiten Tonabnehmer und Platten ruiniert werden können, hat Revox diese Aufgabe übernommen. So ist der Tonabnehmer bereits perfekt im voll verstellbaren Headshell montiert. An dieser Stelle aktiv zu werden ist zwar nicht nötig, wer dennoch wissen möchte, wie und warum ein Tonabnehmer justiert wird, der findet die Antworten im Artikel zum Goldring E3. Vereinfacht gesagt, wird durch die Justage nach speziellen Schablonen versucht, die Spur des Tonabnehmers genau auf den Verlauf der Plattenrillen auszurichten. Denn Tonarmbahn und Rillen verlaufen unterschiedlich, wodurch es zu einem Spurfehler kommt. Dieser wird durch die Justierung minimiert.

Ausgeliefert wird der Studiomaster T700 mit einem vormontierten Ortofon Quintet Bronze.

Einstellung der Auflagekraft

Für einen definierten Rillenkontakt des Abtastdiamanten sorgt das Gegengewicht, über das die Auflagekraft eingestellt wird. Dazu wird es aus der Zubehörbox entnommen und vorsichtig hinten auf den Ausleger des Tonarms gedreht. Sobald die Achse wieder zum Vorschein kommt, kann der Tonarm testweise aus der Halterung genommen werden. Er sollte in der Schwebe bleiben. Tut er das nicht, muss das Gewicht weiter verdreht werden. Ist er ausbalanciert, wird der Tonarm wieder in seiner Halterung arretiert und die mitgelieferte Tonarmwaage auf dem Plattenteller positioniert. Nun das Gegengewicht noch einige Umdrehungen auf den Ausleger schrauben, um vorn ein Übergewicht zu erzielen. Bevor die Nadel vorsichtig auf der Waage abgesetzt wird, muss noch der Nadelschutz abgenommen werden, damit das Ergebnis nicht verfälscht wird. Nun sollte die Tonarmwaage einen Wert von genau 2,3 Gramm anzeigen. Zeigt sie weniger an, muss das Gegengewicht weiter auf den Ausleger geschraubt werden und umgekehrt.

Die Auflagekraft wird über das Gegengewicht am Ende des Tonarms eingestellt.

Letzter Handgriff: Das Antiskating-Gewicht

Nun steht der Revox Studiomaster T700 bereits fast spielfertig vor uns. Einzig das kleine Antiskatinggewicht fehlt noch. Dabei handelt es sich um ein kleines Metallgewicht, das an einem Nylonfaden hängt. Dieser wird durch eine Öse hinten am Tonarm gezogen und mit einer Schlaufe an einem kleinen Ausleger hinten am Tonarm eingehängt. Das Gewicht wird von der Schwerkraft nach unten gezogen und zieht den Tonarm, durch die Umlenkung über die Öse, in Richtung seiner Ruheposition. Durch diesen einfachen Mechanismus wird die bei der Abtastung entstehende Skatingkraft kompensiert. Sie entsteht durch die Reibung des Abtastdiamanten an den Rillenflanken der Schallplatte und zieht den Tonarm zur Plattenmitte hin. Durch die stetige, einseitige Reibung würde nun der Diamant einseitig abnutzen. Um dies zu verhindern erfolgt die beschriebene Kompensation. Wegen der vergleichsweise Hohen Auflagekraft des Quintett Bronze empfiehlt die Anleitung die maximale Antiskatingkraft.

Der Anschluss

Der Aufbau des gediegenen Plattenspielers hat kaum länger gedauert, als diesen Text zu lesen. Zum Schutz der empfindlichen Feinmechanik vor dem Verstauben, liegt eine transparente Abdeckhaube bei, die über die zwei Scharniere kippbar am Gerät befestigt wird. Als letzte Handlung vor der ersten Platte muss der Studiomaster T700 noch mit der Anlage und dem Stromnetz verbunden werden. Für den Anschluss an die Anlage benötigt der Käufer noch ein Cinch-Kabel, das leider nicht Teil des Lieferumfangs ist. So ist man flexibler hinsichtlich der Kabelwahl, muss jedoch noch ein paar Euro zusätzlich investieren, falls sich im eigenen Fundus kein passendes Kabel findet. Nettes Nachfragen beim Händler könnte an dieser Stelle jedoch durchaus erfolgt haben, so dass sich eine passende Strippe als Dreingabe ergattern lassen könnte. Da der Phonovorverstärker bereits integriert ist, findet der Revox Anschluss am normalen Line-Eingang des Verstärkers. Für die Stromversorgung liegt ein Netzteil bei.

Der Revox Studiomaster T700 stellt einen analogen Ausdioausgang zu Verfügung – mehr wird auch gar nicht benötigt.

Der Phonoverstärker

Wie bereits erwähnt, verfügt der Revox Studiomaster T700 über einen integrierten Phonovorverstärker. Dieser hebt das winzige Signal des MC-Tonabnehmers auf Line-Level an und decodiert das Schallplattensignal. Denn um Platz zu sparen, ist das Signal verzerrt auf der Schallplatte gespeichert. Da Bässe eine große seitliche Auslenkung der Rille benötigen und Höhen im Rillenrauschen untergehen könnte, sind beide gegensätzlich verbogen. Die Bässe sind also abgesenkt und die Höhen angehoben. Ohne diese Verzerrung anhand der RIAA-Kennlinie würden nur circa fünf Minuten Musik auf eine Schallplatte passen. Abgespielt ohne passenden Entzerrvorverstärker wäre der Klang viel zu hell und bassarm. Das Hören würde keinen Spaß machen. Der Phonoverstärker stellt daher wieder Normalität her und biegt den Frequenzgang wieder gerade. Außerdem hebt er das winzige Tonabnehmersignal von nur circa 0,3 Tausendstel auf etwa ein Volt Ausgangsspannung, so dass der folgende Verstärker etwas damit anfangen kann.

Anpassung an den Tonabnehmer

Ein weiteres Merkmal eines guten Phonoverstärkers ist die Anpassbarkeit an den Tonabnehmer. Diese bringt der integrierte Verstärker des Revox Studiomaster natürlich mit. So ist er in vier Schritten an den Ausgangspegel des Tonabnehmers anpassbar und kann daher mit vielen MC-Tonabnehmern kombiniert werden. Die oft günstigeren MM-Tonabnehmer passen mit ihrer höheren Ausgangsspannung jedoch nicht zum Revox. Außerdem benötigen MMs einen Abschlusswiderstand von 47 Kiloohm, MC-Tonabnehmer hingegen selten mehr als ein Kiloohm. So bietet der Revox sechs entsprechende Werte von 47 Ohm bis zwei Kiloohm an. Auch diese Werte sind praxisnah und bieten volle Flexibilität hinsichtlich der Tonabnehmerwahl, solange es sich um ein System mit bewegten Spulen handelt. Damit ist die zur Verfügung stehende Auswahl größer als man sie in Anspruch nehmen kann, wenn man den Tonabnehmer alle empfohlenen 4-5 Jahre oder 500-800 Betriebsstunden wechselt, wobei letztere Grenze auch recht niedrig wirkt.

Die Anpassung geschieht über die kleinen Umsteller auf der Gehäuseunterseite.

Coole Geschwindigkeitswahl

Für den Klangtest landen natürlich verschiedene LPs aus unterschiedlichen Musikstilen auf dem Plattenteller. Nur so kann man sich einen vollständigen Überblick die Qualitäten eines HiFi-Geräts machen. Als erste Platte lege ich „Undercurrent“ von Bill Evans & Jim Hall auf. Bevor die ersten Klänge ertönen, bemerke ich jedoch eine weitere Besonderheit des T700: Die Bedienung erfolgt nicht über klassische Tasten, sondern über beleuchtete Sensortasten. Diese sind vollständig in die perfekt hochglänzende Oberfläche eingelassen und reagieren auf Fingerauflegen. Betätigt man eine der beiden Geschwindigkeitswahltasten, dauert es einen Moment bis der Studiomaster ein „Klack“ von sich gibt und der Teller langsam beginnt, sich zu drehen. Dass der Teller seine Arbeit in diesem Fall besonders gemächlich aufnimmt, ist Absicht. Die Softstart-Funktion, die den schweren Teller langsam auf Drehzahl bring, soll den Riemen schonen. Während des hochdrehen pulsiert die gewählte Taste, bis die Solldrehzahl erreicht ist, anschließend leuchtet sie durchgehend.

Der Studiomaster T700 ist ein Feingeist

Nun senkt sich die Nadel also zum ersten Mal auf die hochwertige MoFi-Pressung. Was schon vor dem Auftreffen des Diamanten auf das Vinyl auffällt, ist die Stille des internen Verstärkers. Brummen oder Rauschen sind ihm komplett fremd. Das macht sich auch bei der Wiedergabe bemerkbar. So vermittelt der Revox Studiomaster T700 ein ungetrübtes Bild dessen, was sich auf der Platte befindet. Ironischerweise ist die aufgelegte Scheibe aufgrund des Alters der Aufnahme selbst unterlegt von feinem Rauschen. An Instrumenten gibt es nur eine Gitarre und ein Piano, die jedoch kongenial Zusammenspielen. Während das Piano raumfüllend und sanft wiedergegeben wird, ist die Gitarre in ihrer Positionierung und den Abmessungen klar abgegrenzt. So ergänzen sich die beiden Instrumente nicht nur musikalisch, sondern auch hinsichtlich der audiophilen Qualitäten. Insgesamt wirkt die Performance extrem realistisch und wohlklingend. Die Stimmung ist perfekt für einen kurzweiligen Sonntagmittag.

Der T700 ist ein Feingeist – aber kein Schönspieler. Wer diesem Platendreher zuhört, bekommt das geliefetrt, was auf der Platte vorhanden ist.

Musikalisch vielseitig

Mehr als nur eine Spur dynamischer ist die, ebenfalls von Mobile Fidelity vertriebene, 1978er Aufnahme von „The Planets“. Dirigiert von Sir Georg Solti und eingespielt vom London Philharmonic Orchestra. Mit den feinen und futuristischen Melodien hat Gustav Holst sicher nicht nur einen Science-Fiction-Soundtrack inspiriert. Über den Revox kommen die futuristischen Melodien ätherisch und fein differenziert rüber. An anderen Stellen geht es mit vielen Bläsern teilweise jedoch auch ordentlich zur Sache, auch diese Gangart beherrscht er. Getragen wird das Ganze von einem subtilen, wenn es darauf ankommt jedoch extrem nachdrücklichen Tiefton. Grundsätzlich bin ich kein riesiger Freund von Orchestermusik auf Schallplatte. Bei dieser Kombination aus guter Aufnahme, hochwertiger Pressung und der erstklassigen Wiedergabe durch den Revox Studiomaster frage ich mich jedoch, warum eigentlich nicht. Ein ausgesprochener Freund bin ich dagegen von Captain Beefheart. Besonders das erste Album „Safe As Milk“ kann ich kaum oft genug hören.

Neutrale Wiedergabe

Das avantgardistische Blues-Rock Album von 1967 war noch einigermaßen auf kommerziellen Erfolg hin produziert, der natürlich trotzdem ausblieb. Es klingt tatsächlich auch nicht im herkömmlichen Sinne gut oder schön. Wummernde Bässe, klirrende Gitarren und jammernde Theremins sind einfach nichts, was klassische Rockhörer oder Audiophile suchen. Der Revox Studiomaster T700 macht dennoch das Beste daraus. Nicht in dem Sinne, dass er irgendetwas schönfärbt, sondern indem er das wiedergibt, was da ist. Stampfende Bässe, flirrende Gitarren und die bereits beeindruckende Stimme des 26-jährigen Captain Beefheart, der schon damals selbst Tom Waits und Howlin Wolf wie Schuljungen klingen ließ und mit seiner extrem breitbandigen Stimme mit Sicherheit zu den besten Sängern der sogenannten Unterhaltungsmusik zählt. Der Revox macht außerdem das Bisschen der enthaltenen Rauminformation hörbar und präsentiert den Klang dementsprechend sogar mit etwas Tiefenstaffelung. Ein harter Kontrast dazu ist das aktuelle Marilyn Manson Album:

Die Geschwindigkeitsregelung erfolgt über die eben eingelassenen Sensortaster links.

Klangliche Präzision

Das ist ordentlich produziert und klanglich nicht schlecht. Leider ist die Musik unterirdisch. Nicht nur im direkten Vergleich zum vorherigen Meilenstein ist es einfach schlecht. Dabei startet zum Beispiel der Titelsong „We Are Chaos“ mit unverzerrter, metallischer Gitarre vielversprechend. Was dann aber folgt ist eine Mischung aus Stadionrock und ESC-Beitrag. Glücklicherweise hat die Platte einen Pressfehler und ich kann sie zurückschicken. Stattdessen höre ich „Wonderful, Glorious“ von den EELS und die Welt ist wieder in Ordnung. Das Album startet mit dynamischen Trommeln und macht vom ersten Moment an Freude. Nicht ohne Grund gilt es als eines der freundlichsten EELS-Alben. Über den Revox wiedergegeben, fällt mir eine fast schon digitale Präzision des Klangs auf. Die Abtastung ist extrem sauber, alle Klänge sind fein umrissen und klar. Klangliche schärfe oder harsche Töne sind ihm hingegen fremd, so dass er bei aller Präzision dennoch analog klingt.

Zum Lieferumfang gehört natürlich auch die passende Staubschutzhaube.

Fazit

Der Revox Studiomaster T700 ist ein rundum gelungener Wiedereinstieg. Sowohl der traditionsreiche Hersteller kann sich mit diesem Wiedereinstieg in die analoge Wiedergabe sehen lassen, als auch der wieder schallplattenhörende Käufer. Der Revox T700 richtet sich aus unserer Sicht an anspruchsvolle Wiedereinsteiger oder Aufsteiger. Er bietet ein vollständiges Gesamtpaket aus hochwertigem Laufwerk und Tonarm. Einem passenden, anspruchsvollen und bereits montierten Tonabnehmer des Spezialisten Ortofon, der von einer eingebauten Phonostufe erstklassig versorgt wird. So kann der Revox innerhalb weniger Minuten aufgebaut werden und findet am normalen Line-Eingang eines jeden Verstärkers Anschluss. Klanglich bietet er viel mehr als das einfache Setup vielleicht erwarten lässt. Dabei zeigte sich in unserem Hörtest: Nach dem Erwerb des Studiomaster T700 braucht man sich um das Thema Plattenspieler keine rationalen Gedanken mehr zu machen, so gut ist er. Das schicke Design und die hochwertige Ausführung tun ihr Übriges.

Test & Text: Jonas Bednarz
Fotos: Philipp Thielen

Gesamtnote: 94/95
Klasse: Spitzenklasse
Preis-/Leistung: hervorragend

94 of 100

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95 of 100

Technische Daten

Modell:Revox
StudioMaster T700 Turntable
Produktkategorie:Plattenspieler
Preis:3.450,00 Euro
Garantie:2 Jahre
Ausführungen:- Schwarz
Vertrieb:Revox, Villingen-Schwenningen
Tel.: 07721/87040
www.revox.com
Abmessungen (HBT):336 x 470 x 156 mm
Gewicht:10,3 kg
Antrieb:Riemenantrieb
Geschwindigkeiten:- 33 ⅓ Upm
- 45 Upm
Ausgang (analog)1 x Cinch
Lieferumfang:- Studiomaster T700
- Netzteil
- Haube
- Tonarm
- Headshell
- Tonabnehmer
- Anleitung
- Baumwollhandschuhe
- Tonarmwaage
- Dosenlibelle
- Karbonbürste
Pros und Contras+ hochpräziser Klang
+ enorme Laufruhe
+ umfangreiches Zubehör
+ schickes Design
+ exzellente Verarbeitung
+ Wechselheadshell
+ Ortofon Quintett Bronze-Tonabnehmer
+ integrierter Phono-Preamp

- keine Contras
Benotung:
Klang (60%):94/95
Praxis (20%):94/95
Ausstattung (20%):95/95
Gesamtnote:94/95
Klasse:Spitzenklasse
Preis-/Leistung:hervorragend

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