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Redakteur
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Besser kann der Name kaum gewählt sein: Mit der Finesse 610 präsentiert Seta Audio einen in Größe und Geometrie, Komplexität und Know-how beeindruckenden Ausnahme-Lautsprecher. Hier treffen Spezialitäten wie der exklusive Ringstrahl-Hochtöner, die Chassis-Spezialbeschichtung und das Clusterflex-Gehäuse auf Novitäten wie die Mittelton-Radiatoren mit verblüffender Natural-Sicke – alles vereint in einem Gehäuse von atemberaubender Optik.

Die Seta Audio Finesse 610 bietet mit ihrer komplexen Formgebung, dem außergewöhnlichen Bambus-Gehäuse und der imposanten Größe eine außergewöhnliche Optik.

Die Seta Audio Finesse 610 bietet mit ihrer komplexen Formgebung, dem außergewöhnlichen Bambus-Gehäuse und der imposanten Größe eine außergewöhnliche Optik.

Das hätten wir wirklich nicht erwartet. Wir haben von Seta Audio ja bereits einige Lautsprecher getestet, etwa die imposante Soutilaire 12, die stattliche Soulitaire 8, die eher zierlichen Modelle Besa CS 2 und Rubicca oder den Monitor Soulitaire – und so innovativ ihre Technik ist, so klassisch erweist sich ihre prinzipiell quaderförmige Gestalt. Bei der Enthüllung der frisch vollendeten Finesse 610, die in unserer Redaktion ihre Premiere erlebt, trauen wir nun kaum unseren Augen: Vor uns steht ein Schallwandler, dessen Korpus den Kanon der geometrischen Figuren hinter sich lässt und uns mit seiner komplexen Formgebung ins Staunen versetzt. Automatisch starten wir einen erkundenden Rundgang – und genießen dabei auch gleich die zweite Attraktion: Das 140 mal 40 mal 64 Zentimeter messenden Gehäuse dieses hochgewachsenen Standlautsprechers ist komplett in Bambus realisiert.

Die Ausführung in attraktivem, hellen Bambus lässt die großen und raumintensiven Lautsprecher filigraner wirken.

Die Ausführung in attraktivem, hellen Bambus lässt die großen und raumintensiven Lautsprecher filigraner wirken.

Bildschöner Bambus in fraktaler Formgebung

Dieses bildschöne Bambusholz ist mit seiner beigen bis gold-gelben Farbe, der hellen und warmen Ausstrahlung und der intensiven, aber feinen Maserung eine echte Augenweide. Der besondere Hingucker ist dabei die satte vier Zentimeter dicke, vorgesetzte und durch eine Ziernut abgesetzte Front: Sie weist eine aparte Mehrschicht- und Lamellenstruktur auf. Diese Optik ist durch den transparenten, in acht Schichten aufgetragenen Mattlack bestens zu bewundern. Auf Wunsch wird die Finesse 610 auch in anderen Versionen oder Lackierungen gefertigt, Seta Audio ist eine Manufaktur, fertigt die Lautsprecher also in Handarbeit und kann dementsprechend auf Kundenwünsche eingehen. Doch diese aufwändige Bambus-Ausführung passt prima: In ihrer sichtbaren Massivität unterstreicht sie die Außergewöhnlichkeit dieses Lautsprechers. Die Materialstärke – auch der Boden ist vier Zentimeter dick, alle anderen Flächen haben eine Stärke von 19 Millimeter – ist zugleich ein Grund dafür, dass das Gehäuse gegen Resonanzen und Vibrationen gefeit ist.

Die komplexe fraktale Formgebung ist in der Profil-Ansicht besonders markant.

Die komplexe fraktale Formgebung ist in der Profil-Ansicht besonders markant.

Trapez-Künstler

Der zweite Grund ist die fraktale Formgebung: Der kunstvolle Korpus der Finesse 610 ist ein Polygon mit vierzehn Ecken, das aus einer Vielzahl von Trapez-Flächen besteht. Dies beginnt bei der sich nach oben verjüngenden Schallwand. Es setzt sich mit einem Trapez-Tripel auf der Oberseite fort, wo auf eine ansteigende, sich weitende Fläche zwei in verschiedenen Winkeln abfallende, sich verjüngende Trapeze folgen. Demgemäß weist der Korpus an seinen Wangen erst eine Verbreiterung auf, dann eine langgezogene Verschlankung hin zur Rückseite. Sie ist als einzige Gehäusewand rein rechtwinklig. Der Boden hingegen entspricht in seinem Trapez-Formverlauf der Oberseite, allerdings ohne Anstieg und Gefälle. Das ist übrigens für die Standfähigkeit enorm vorteilhaft. Die Finesse 610 erweist sich also als wahrer Trapez-Künstler. Die fraktale Formgebung ist aber kein Selbstzweck, sondern zeitigt die besten akustischen Ergebnisse hinsichtlich der Klangbeeinflussung durch den Korpus – auch weil im Verbund mit der besonderen innseitigen Konstruktion keine stehenden Wellen entstehen.

Die Tiefe des Gehäusekorpus erschließt sich bei der Halbprofil-Ansicht des rechten Lautsprechers.

Die Tiefe des Gehäusekorpus erschließt sich bei der Halbprofil-Ansicht des rechten Lautsprechers.

Komplexes Kammerspiel

Im Innern der Finesse 610 setzt Seta auf sein patentiertes „Clusterflex“-Prinzip: Das Gehäuse ist in zahlreiche Kammern unterteilt. Selbst die beiden Tieftöner spielen in einem jeweils eigenen Kompartment. Hierbei ist wiederum das obere in drei, das untere sogar in fünf Unter-Kammern separiert. Etliche dieser Kammern weisen allerdings über Durchbrüche eine akustische Kopplung auf. Diese Durchbrüche sind in Größe und Anzahl genau definiert und differieren von Kompartment zu Kompartment. Insgesamt präsentiert sich die 16-teilige Innenkonstruktion also als komplexes Kammerspiel. Dieses Clusterflex-Prinzip ist in seiner Funktionsweise weder mit einem Transmissionline-Aufbau noch mit einer Bassreflex-Abstimmung vergleichbar. Trotzdem besitzt die Finesse 610 am hinteren Teil der Wangen vier Ports, über die Schall abgestrahlt wird – und dabei vorwiegend Bassanteile. Die Mittenanteile hingegen werden durch die komplette Auskleidung der drei Mittelton-Kammern mit dem stark dämpfenden Werkstoff Corian absorbiert. Dies alles trägt zum sattes Gesamtgewicht bei: Die Finesse 610 bringt gut 90 Kilo auf die Waage.

Das Gehäuse der Finesse 610 ist nach Setas Clusterflex-Prinzip aufgebaut. Über die Schallöffnungen am hinteren Ende der Wangen werden vorwiegend Bassanteile des Schalls abgestrahlt. Dies ermöglicht einerseits eine wandnahe Aufstellung des Schallwandlers. Andererseits lässt sich durch Aufstellung der Lautsprecher mit nach innen oder nach außen weisenden Ports der Klangcharakter leicht verändern.

Das Gehäuse der Finesse 610 ist nach Setas Clusterflex-Prinzip aufgebaut. Über die Schallöffnungen am hinteren Ende der Wangen werden vorwiegend Bassanteile des Schalls abgestrahlt. Dies ermöglicht einerseits eine wandnahe Aufstellung des Schallwandlers. Andererseits lässt sich durch Aufstellung der Lautsprecher mit nach innen oder nach außen weisenden Ports der Klangcharakter leicht verändern.

Spezial-Ringstrahler für die Höhen

Der Spezialitäten-Reigen setzt sich bei den Chassis fort – und hier gleich beim Hochtöner: Die Frequenzen bis 28 Kilohertz schallwandelt ein von Seta entwickelter Ringstrahler. Er unterschiedet sich deutlich von der gängigen Bauart. Üblicherweise agiert eine Membran, die im Zentrum fixiert ist. Beweglich ist allein eine sickenartige Doppel-Wulst, die das Zentrum konzentrisch umgibt. Bei Setas Ringradiator hingegen schwingt stattdessen eine dünne und deshalb flink-impulstreu agierende Mylar-Folie. Die nötige Stabilität verleiht ihr eine spezielle Formung: Die Folie weist eine konzentrische, v-förmige Vertiefung mit flachen Flanken auf. Der aus dem fixierten Zentrum herausragende Metallkegel kompensiert dabei die allen Ringstrahlern eigene Tendenz zur Schallbündelung. Für eine vertikal wie horizontal homogene Abstrahlung sorgt zudem die schwarze Einfassung. Sie ist ebenfalls aus hochdämpfenden Corian gefertigt. Mit ihrer Terrassenform bewirkt dies Einfassung eine definierte Schallbrechung. Diese Terrassierung wird bei der Finesse 610 nun sogar durch feine Fräsungen auf der Bambus-Schallwand nahtlos fortgesetzt.

Die Höhen schallwandelt Setas selbstentwickelter Ringstrahler über eine speziell profilierte Mylar-Folie. Der zentrale kegelförmiger Phase Plug bewirkt eine breitere Abstrahlung. Die schwarze Einfassung sorgt mit ihrer Terrassierung für eine definierte Schallbrechung.

Die Höhen schallwandelt Setas selbstentwickelter Ringstrahler über eine speziell profilierte Mylar-Folie. Der zentrale kegelförmiger Phase Plug bewirkt eine breitere Abstrahlung. Die schwarze Einfassung sorgt mit ihrer Terrassierung für eine definierte Schallbrechung.

Frisches Mitteltöner-Duo mit erstaunlicher Sicke

Die nächste Besonderheit bietet die Mittelton-Sektion: Seta setzt erstmals auf frisch entwickelte Chassis von Purifi Audio. Hinter dem 2019 gegründeten dänischen Newcomer stecken kluge Köpfe wie Peter Lyngdorf, die sich hier auf die Forschung und Entwicklung von Leistungsverstärkermodulen und Lautsprechertreibern konzentrieren. Zwei Sechs-Zoll-Modelle von Purify zieren nun die Front der Finesse 610. Es sind hochgradig belastbare Mitteltöner mit einem großen linearen Hub von zwölf Millimetern. Optisch auffällig ist bei den Chassis ihre merkwürdige Membran-Einfassung: Was wie wild aus den Fugen quilllender Kunststoff aussieht, ist die von Purify entwickelte „Natural-Sicke“. Sie besitzt eine wellige Struktur, bildet eine ringförmige, regelmäßige Abfolge von sich vertiefenden und sich erhebenden Arealen und variiert dabei auch noch in der Dicke. Diese eigenartige Formgebung soll an den Membrankanten Resonanzen und Verzerrungen vermeiden. Sie entstehen bei herkömmlichen Sicken durch die Verformung beim Schwingen. Die Natural-Sicken hingegen ermöglichen den Membranen eine größere Auslenkung und halten dabei die Verzerrung gering.

Die beiden Mitteltöner sind frische Chassis von Purifi. Hier fällt insbesondere die neu entwickelte Natural-Sicke mit ihrer eigenartigen Formgebung auf.

Die beiden Mitteltöner sind frische Chassis von Purifi. Hier fällt insbesondere die neu entwickelte Natural-Sicke mit ihrer eigenartigen Formgebung auf.

SCT-Beschichtung und D’Appolito-Anordnung

Seta hat diese Membranen dieser Mitteltöner nun noch mit einer selbstentwickelten SCT-Beschichtung versehen. SCT steht für „Solid Cone-Technologie“. Dieses Verfahren ist für die Optimierung bereits bestehender Chassis entwickelt worden. Dabei wird eine genau auf den Lautsprecher angepasste Glasfaserstruktur im Verbund mit verschiedenen Harzen auf die Schwingflächen aufgetragen. Diese Modifizierung verringert Membranverformungen, reduziert die Anfälligkeit für Resonanzen sowie Partialschwingungen und verbessert das Impulsverhalten des Chassis. Die derart modifizierten Mitteltöner umgeben nun auf der Front der Finesse 610 den Hochtöner – im gleichen, genau bemessenen Abstand. Nur dann trägt diese vertikale Chassis-Abfolge den Namen „D’Appolito-Anordnung“ zu Recht. Namensgeber ist der amerikanische Physiker Joseph D’Appolito. Er entdeckte die vorteilhafte Fokussierung dieser Formation: Sie verringert die übermäßige vertikale Abstrahlung des Schalls. Dadurch werden also die eher unerwünschten Boden- und Deckenreflexionen reduziert, welche das Klangbild eintrüben.

Woofer-Team für amtlichen Tiefton

Für den Bass kommt ebenfalls ein Chassis-Duo zum Zuge. Die Zehn-Zoll-Woofer stammen aus dem PA-Bereich und glänzen dementsprechend mit großer Hub-Potenz und extremer Belastbarkeit. Zusammen mit dem üppigen Gehäusevolumen bürgt das für einen kraftvollen und tiefreichenden Bass. Seta attestiert der Finesse 610 ein Tieftonvermögen bis 25 Hertz. Diese Woofer wurden ebenfalls optimiert: Optisch ziert sie eine neue Einfassung durch einen metallenen Blendenring. Akustisch sind auch die Tieftöner per SCT-Behandlung optimiert. Die Spezialbeschichtung ist auf die Rückseiten der Papiermembranen aufgetragen. Hierbei hat Seta den unteren Woofer 20 Gramm schwerer gestaltet. Dadurch agiert er etwas anders, beim Zusammenspiel mit seinem Kollegen ist er für eine Extra-Portion Schub im unteren Bass zuständig. Das Tiefton-Team bringt es im gemeinsamen Parallelbetrieb auf eine Impedanz von acht Ohm, damit begründen sie die ungewöhnlich hohe Stabilität der Finesse 610 und machen sie so auch absolut Röhrenverstärker-tauglich. Im Ganzen liefert sie dabei einen Kennschalldruck von üppigen 96 Dezibel.

Für den voluminös-kraftvollen Bass sorgen zwei Zehn-Zoll-Woofer mit ihrer großen resultierenden Membranfläche und ihrem langen Hub – im Verbund mit dem üppigen Gehäusevolumen.

Für den voluminös-kraftvollen Bass sorgen zwei Zehn-Zoll-Woofer mit ihrer großen resultierenden Membranfläche und ihrem langen Hub – im Verbund mit dem üppigen Gehäusevolumen.

Die Finesse des Lautsprechers

Dieses Zusammenspiel wird durch eine Weiche orchestriert, deren Filter mit ungewöhnlich niedriger Flankensteilheit von sechs Dezibel pro Oktave arbeiten. Dies begünstigt eine phasenrichtige Wiedergabe. Da sind Filter höherer Ordnung, die mit zwölf oder 18 Dezibel pro Oktave agieren, kritischer. Sie trennen steiler, benötigen dafür aber mehr phasenbeeinflussende Bauteile. Mit Sechs-Dezibel-Filtern schafft man hingegen sehr sanfte Übergänge vom Bass zu den Mitten und von den Mitten zu den Höhen – mit großen Übergangsbereichen. So beginnt der Abfall der Tieftöner bei rund 120 Hertz, der Einsatz des Mitteltöners ist hingegen bei etwa 180 Hertz ausgewiesen, die Trennfrequenz zum Hochtöner wiederum liegt nur scheinbar sehr hoch bei fünf Kilohertz. Hier nun ein stimmiges Zusammenspiel der Chassis zu erreichen, ist eine Kunst für sich, die nur mit perfekt harmonierenden Chassis, extrem hochwertigen Weichenbauteilen und reichlich Know-how gelingt. Das ist die Finesse dieses Lautsprechers – und so ist der Drei-Wege-Schallwandler auch zu seinem Namen gekommen.

Die definiert den Schall brechende Terassierung der schwarzen Einfassung findet im Bambusgehäuse ihre Fortsetzung.

Die definiert den Schall brechende Terassierung der schwarzen Einfassung findet im Bambusgehäuse ihre Fortsetzung.

Die Seta Audio Finesse 610 in der Praxis

Diese Finessen wollen wir nun auch endlich hören. Wir paaren die 610 zuerst mit dem Duo Lindemann Musicbook: Source II / Musicbook: Power II. Diese kompakte High End-Kombi ist klanglich exzellent und mit kräftigen 500 Watt pro Kanal auch in der Amplifizierung hochpotent. Dabei braucht die Finesse 610 gar keine Leistungsboliden, wie wir schnell feststellen: Der Class D-Verstärker ist gerade mal in seiner Komfortzone, doch wir hören bereits in allergehobenster Zimmerlautstärke. Wir beginnen mit Eva Cassidys wunderschöner Fassung von „Ain’t No Sunshine“. Die Aufnahme stammt vom legendären Konzertmitschnitt ihres Gigs im New Yorker Blues Alley-Club. Eigentlich wollten wir mit dieser Nummer erst mal die Lautsprecher ausrichten, so dass der Gesang stabil und größenrichtig in der Mitte abgebildet wird. Das geht flott, weil die Finesse 610 sich hier völlig unkompliziert zeigt: Standard-Aufstellung im gleichschenkligen Dreieck, leichte Einwinklung hin zum Hörplatz, kleine Ausrichtungs-Korrektur – schon haben wir die stimmige Abbildung.

Die Finesse 610 ermöglicht dank ihres Clusterflex-Gehäuses auch eine wandnahe Aufstellung.

Die Finesse 610 ermöglicht dank ihres Clusterflex-Gehäuses auch eine wandnahe Aufstellung.

Herrliche Akkuratesse

Natürlich nehmen wir im Rahmen der Aufstellung auch schon wahr, was klanglich abläuft – und da packt uns die Finesse 610 direkt. Bereits die Akustikgitarre, mit der Eva Cassidy den Song einleitet, ist ein Traum: Die gezupften Töne perlen nur so in unseren Raum: Wir hören am leicht gedämpften Ton genau, dass Cassidy die Saiten mit den Fingern zupft, beim Durchstreichen von ganzen Akkorden hingegen schimmert dann auch die schöne Brillanz der Stahlsaiten durch. Dazu hören wir das Holz des resonierenden Gitarrenkorpus, der den Tönen ihre angenehme Fülle verleiht. Vor allem: Diese Saitenanschläge haben eine herrliche Akkuratesse. Die Töne klingen ungemein klar, präzise und präsent. Dann setzt Eva Cassidy mit ihrem Gesang ein – und hier wird uns richtig warm ums Herz: Die Sängerin hat eine überaus attraktive, wunderbar sanfte und wohltimbrierte Stimme, die die Finesse 610 exzellent abbildet. In diesem Gesang liegt aber auch eine gewisse Verletzlichkeit.

Angehaltener Atem

Diese Fragilität können wir dank der holografischen Wiedergabe der Finesse 610 geradezu spüren. Eva Cassidy steht zwei Meter vor uns, sie intoniert die ersten Zeilen von „Ain’t No Sunshine“ – und wir erleben das zarte Hauchen, mit dem sie diese Worte singt, das sanfte Vibrato, mit dem sie die erste Zeile ausklingen lässt, fast unhörbar leise. Aber die Finesse 610 zeigt uns auch dieses kostbare Verstummen ihrer Stimme. Wir merken, dass wir unwillkürlich den Atem angehalten haben, weil wir keinen Moment verpassen wollen. Mit dem Gesang hat auch der Bass eingesetzt. Chris Biondo zupft seinen Viersaiter songdienlich-dezent, aber trotzdem entfaltet sich dieser behutsame Bass in unserem Raum mit einem wunderbar voluminösen, entspannten Tiefton. Bald treten Keith Grimes‘ zweite Gitarre sowie Lenny Williams‘ Piano hinzu – und trotzdem bleibt die Wiedergabe herrlich aufgeräumt. Die Instrumente sind perfekt voneinander abgesetzt, klar auf der Bühne verortbar. Trotzdem bilden sie ein harmonisches Ganzes.

Die Finesse 610 2 ist mit State-of-The-Art-Polklemmen von WBT ausgestattet. Die nextgen-Anschlüsse sind so weit wie möglich aus Kunststoff gefertigt. Dies sorgt für eine Minimierung der Metallmasse – und dies wiederum für weniger Klangbeeinflussung. Metallisch sind nur die notwendigen Kontaktflächen. Sie sind hier in Silber ausgeführt. Zudem besitzen die Klemmen einen materialschonenden Drehmoment-Indikator: Ist bei der Einführung von Litzen oder Kabelschuhen der optimale Anpressdruck erreicht, erzeugen die Klemmen ein Ratschen-Geräusch und bieten einen leichten Widerstand.

Die Finesse 610 2 ist mit State-of-The-Art-Polklemmen von WBT ausgestattet. Die nextgen-Anschlüsse sind so weit wie möglich aus Kunststoff gefertigt. Dies sorgt für eine Minimierung der Metallmasse – und dies wiederum für weniger Klangbeeinflussung. Metallisch sind nur die notwendigen Kontaktflächen. Sie sind hier in Silber ausgeführt. Zudem besitzen die Klemmen einen materialschonenden Drehmoment-Indikator: Ist bei der Einführung von Litzen oder Kabelschuhen der optimale Anpressdruck erreicht, erzeugen die Klemmen ein Ratschen-Geräusch und bieten einen leichten Widerstand.

Dynamisches Feuerwerk

Dieses Harmonie bleibt auch nach einem Komponenten-Wechsel erhalten. Als Zuspieler dient jetzt unser Oppo UDP-203, als Class AB-Verstärker der Hegel H360. Die Finesse 360 offenbart aber auch locker die Unterschiede: Nun hat der Gesang noch mehr Schmelz. Die Instrumente sind etwas weniger brillanzbetont, fügen sich so umso selbstverständlicher zu einem homogenen Klangbild zusammen. Zudem verzeichnen wir bei der Dynamik und beim Bass Zugewinne. Dann legen wir doch mal Musik auf, wo die Finesse in diesen beiden Disziplinen ihre Potenz ausspielen kann: Charly Antolinis „Arabian Desert Groove“. Diese Nummer ist eigentlich ein Schlagzeug-Showcase: Während Antolini stoisch die Hi-Hat durchlaufen lässt, setzt der Großmeister auf Toms und Becken erst einzelne, wirkungsvolle Akzente, vollführt dann aber immer aberwitzigere komplexe Patterns. Wir hören jeden Kessel, jedes Fell, auch wie die Trommeln dieses perfekt gestimmten Schlagzeugs miteinander schwingen und einen Gesamtklangkörper abgeben. Diese Intonation als auch die realistische Wiedergabe des Drumsets sind hohe Kunst!

Mörderbass mit sagenhafter Schubkraft

Dazu tobt sich der kongenialen Percussionisten Nippy Noya auf einem Beckensortiment aus. Zusammen fackeln Antolini und Noya ein Feuerwerk ab, dass in seiner Fein- und Grobdynamik atemberaubend ist. Das ist keine Floskel, denn wir haben den „Arabian Desert Groove“ peu à peu in immer höherer Lautstärke gehört. Seta Audio sagt, wir können diese Boxen „prügeln“. Aber ehrlich gesagt: Es läuft andersherum. Bei dem physischen Druck, den dieser Lautsprecher liefern kann, ist irgendwann dann der Punkt gekommen, wo wir gerne wieder umkehren. Dazu trägt auch der Mörderbass bei: Der Tiefton-Titan Wolfgang Schmid spielt die allertiefsten Lagen seines Fünfsaiters, so hat der Bass mit der Finesse 610 bereits bei Zimmerlautstärke ein herrliches Volumen und eine sagenhafte Schubkraft. Mit zunehmendem Pegel erreicht dieser Tiefton eine Mächtigkeit, die uns regelrecht den Magen massiert. Uff! Dabei bewahrt die Finesse 610 die Akkuratesse und die Auflösung, der Klang bleibt trotz der hohen Lautstärke klar und durchsichtig.

Die beiden Mitteltöner fassen den Hochtöner ein: Diese senkrechte-Anordnung mit genau definierten Chassis-Abständen nennt sich D'Appolito-Formation. Sie bewirkt eine geringere Schallabstrahlung Richtung Boden und Decke.

Die beiden Mitteltöner fassen den Hochtöner ein: Diese senkrechte-Anordnung mit genau definierten Chassis-Abständen nennt sich D’Appolito-Formation. Sie bewirkt eine geringere Schallabstrahlung Richtung Boden und Decke.

Präzisions-Plus mit Spikes

Aber: Hier geht noch mehr. Die Finesse 610 ist hinten und vorne auf massiven, runden Stahl-Traversen gelagert. Diese Querträger sind bislang mit Standfüßen unterfüttert. Sie schonen empfindliche Böden und erleichtern ein Verschieben der Lautsprecher. Diese Füße sollte man eigentlich nur solange verwenden, bis die Lautsprecher ihren endgültigen Standort eingenommen haben. Dann sollten die mitgelieferten Spikes eingesetzt werden. Wir haben diesen Fuß-Wechsel bislang unterlassen, weil wir erst noch eine Vermutung überprüfen wollten: Die bisher von uns getesteten Seta-Lautsprecher konnten wir problemlos in ziemlicher Wandnähe betreiben. Und ja: So verhält es sich auch mit der Finesse 610: Sie vermeidet ebenfalls jene Bassüberhöhungen, wie sie insbesondere Bassreflex-Boxen vollführen. Prima! Dann können wir ja jetzt die Spikes einschrauben. So erreichen wir eine bessere Ankopplung an den Boden – und das bewirkt ein überraschend deutliches. Davon profitiert zum einen die Transparenz, zum anderen die Dynamik: So ist Antolinis Schlagwerk-Feuerwerk akustisch noch furioser!

Das Gehäuse thront auf zwei massiven Metall-Traversen, sie wiederum sind mit höhenverstellbaren Spikes an den Boden angekoppelt. Dies trägt er zu einer präziseren Wiedergabe bei. Hier setzt Seta ebenfalls auf eine Novität, nämlich auf die Bronze-Spikes von Liedtke Metalldesign.

Das Gehäuse thront auf zwei massiven Metall-Traversen, sie wiederum sind mit höhenverstellbaren Spikes an den Boden angekoppelt. Dies trägt er zu einer präziseren Wiedergabe bei. Hier setzt Seta ebenfalls auf eine Novität, nämlich auf die Bronze-Spikes von Liedtke Metalldesign.

Meisterin der Leisestärke

Die Finesse 610 beherrscht aber auch das Kunststück, bei flüsterleisem Pegel ein vollwertiges Klangbilds zu liefern. Wir haben unseren Hegel auf seine Start-Lautstärke „20“ gestellt. Für die meisten Lautsprechern ist das zu gering, sie bedürfen eines etwas höheren Pegels, bis der Klang in Balance ist. Der Finesse 610 hingegen gelingt diese Ausgewogenheit schon jetzt: Drums und Percussion haben einen knackigen Punch, beim Bass merken wir bereits sein Volumen und seine Macht. Die Finesse 610 erweist sich also ebenso als Meisterin der Leisestärke. Das bleibt auch so beim Wechsel vom Kompakt-Ensemble zum Klangkörper-Großformat: Wir hören das Vorspiel der „Walküre“ von Richard Wagner, Zubin Mehta dirigiert das Bayerische Staatsorchester. Hier starten die Streicher mit einem nervösen Streichertremolo, das durch beherzte Staccati der Celli und Kontrabässe unterlegt ist – und hier können wir trotz der geringen Lautstärke sogar den Bogenstrich der Geigen und Bratschen wahrnehmen als auch die gestoßenen Noten der Tiefton-Fraktion. Chapeau!

Zur Schonung von empfindlichen Böden liefert Seta auch Teller für die Spikes mit.

Zur Schonung von empfindlichen Böden liefert Seta auch Teller für die Spikes mit.

Herausragende Plastizität und Räumlichkeit

Trotzdem macht es etwas lauter mehr Spaß. So können wir auch besser die herausragende Plastizität und Räumlichkeit genießen. Die Finesse 610 präsentiert uns das Bayerische Staatsorchester nämlich in exzellenter Dimensionierung: Der Klangkörper hat eine wunderbare Tiefe, so dass wir nach dem Tremolo-Anfang die vielfältigen Verflechtungen, die durch die Stimmen der verschiedenen Instrumentengruppen entstehen, mit Leichtigkeit nachverfolgen können. Es ist, als würden wir einen akustischen Rundgang durchs Orchester vollführen: Hier die Frage der ersten Geigen, dort die Antwort der zweiten Streicher, etwas zurückgesetzt die oktavierten Ein-Ton-Einwürfe der Flöten und Oboen, die fanfarenartigen Horn-Motive, und dann, nach stetiger Steigerung, ganz hinten der Wirbel der Pauken und die Unheils-Dissonanzen der Posaunen und Trompeten. Wir können jedes Instrument im Klangkörper heraushören und verorten. Die Musiker wirken ungemein plastisch und greifbar, wir vernehmen in dieser Live-Aufnahme sogar die kleinen Nebengeräusche, die ein Verbund so vieler agierender Musiker produziert – bis hin zum unterdrückten Huster.

Noch mitreißender mit Röhrenverstärker

Noch mehr Spaß macht uns das Walküre-Vorspiel nach einem abermaligen Kraftwerkswechsel: Nun haben wir mit dem Thivan Labs 805 Gold Lion einen Röhrenverstärker angeschlossen. Die Finesse 610 ist dank ihrer hohen Stabilität auch perfekt für das Zusammenspiel mit einem Glimmkolben-Aggregat geeignet. Aufgrund des hohen Wirkungsgrads braucht es auch keinen brachialen Boliden. Der optisch durchaus imposante Thivan etwa liefert nominell 40 Watt. Das klingt wenig, ist aber immens viel Power. So wundert es nicht, dass wir den Verstärker gerade mal ein Drittel aufdrehen brauchen, um schon eine allersatteste Lautstärke zu erzielen. Viel wichtiger: Es klingt noch mitreißender! Die Streicher erscheinen aufwühlender, die Paukenwirbel haben mehr Grandezza – und die ganze Wiedergabe verströmt, bei aller Schwere der gebotenen musikalischen Kost, eine noch größere Luftigkeit und Leichtigkeit. Die gesamte Raumatmosphäre ist so noch intensiver. Das verstärkt abermals die Illusion, dass wir live im Nationaltheater sitzen – auf den besten Plätzen.

Die Trapezform definiert die Front dieses Drei-Wege-Standlautsprechers, ist aber für den gesamten Korpus der Seta Audio Finesse 610 prägend.

Die Trapezform definiert die Front dieses Drei-Wege-Standlautsprechers, ist aber für den gesamten Korpus der Seta Audio Finesse 610 prägend.

Fazit

Die Finesse 610 macht ihrem Namen allerhöchste Ehre. Mit ihrer komplexen Formgebung, dem außergewöhnlichen Bambus-Gehäuse und der imposanten Größe ist sie allein schon optisch atemberaubend. Sie beeindruckt zudem mit etlichen Delikatessen: Zu Seta-Spezialitäten wie dem Ringstrahl-Hochtöner, der SCT-Membranbeschichtung und dem Clusterflex-Gehäuse kommen Novitäten wie die Mitteltöner mit neuentwickelter Natural-Sicke. Dank reichlichem Know-how ist bei diesem Drei-Wege-Lautsprecher zudem der knifflige Einsatz einer flachflankigen Weiche grandios gelungen. Klanglich führt all dies zu einer Wiedergabe von exzellenter Klarheit und herrliche Akkuratesse. Die Finesse 610 punktet mit einer herausragenden Plastizität und Räumlichkeit, sie agiert mit einer sagenhaften Grob- wie Feindynamik – und sie liefert einen abgrundtiefen, machtvollen Mörderbass. Dabei kann sie auch ganz anders: Die klangliche Balance erreicht sie bereits bei Flüster-Pegeln. So erweist sich die Finesse 610 als Trapezkünstlerin auf dem High End-Hochseil.

Test & Text: Volker Frech
Fotos: www.lite-magazin.de

Gesamtnote: 98/100
Klasse: Referenzklasse
Preis-/Leistung: angemessen

99 of 100

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Technische Daten

Modell:Seta Audio
Finesse 610
Produktkategorie:Standlautsprecher
Preis:38.500 Euro / Paar
Garantie:10 Jahre
Ausführungen:- Bambus (natur / mit mattem Klarlack-Finish)
- andere Ausführungen: auf Wunsch
Vertrieb:Seta Audio, Mainz
Tel. +49 177 31 21 375
www.seta-audio.de/home
Abmessungen (HBT):1400 x 460 x 640 mm (ohne Traverse/Fuß und Terminal)
1450 x 500 x 670 mm (mit Traverse/Fuß und Terminal)
Gewicht:ca. 90 kg / Stück
Bauart:Drei Wege, passiv, Clusterflex-Gehäuse
Hochtöner:1 x 50 mm (Ringhochtöner, Mylar-Membran)
Mitteltöner:2 x 165 mm (Konus, SCT-optimierte Fasermischung-Membran)
Tieftöner:2 x 254 mm (Konus, SCT-optimierte Papier-Membran)
Frequenzbereich:25 Hz - 28 kHz (Herstellerangabe)
Trennfrequenzen:120 Hertz, 5 kHz (Herstellerangabe)
Impedanz:4 Ω (Herstellerangabe)
Wirkungsgrad:96 dB (Herstellerangabe)
Lieferumfang:- Seta Audio Finesse 610
- schraubbare Standfüße sowie Spikes inkl. Spike-Teller
Pros und Contras:+ außergewöhnliche Formgebung
+ attraktives Bambus-Gehäuse
+ exzellente Klarheit und Transparenz
+ herrliche Akkuratesse und Präsenz
+ herausragenden Plastizität und Räumlichkeit
+ sagenhaften Grob- wie Feindynamik
+ abgrundtiefer, machtvoller Mörderbass
+ klangliche Balance bereits bei Flüster-Pegeln
+ hochstabile Impedanz, damit auch perfekt für Röhrenverstärker geeignet
+ aufstellungsunkritisch
+ zahlreiche technische Delikatessen wie Ringstrahl-Hochtöner, SCT-Membranbeschichtung, Clusterflex-Gehäuse, WBT nexgen-Polklemmen oder Purifi-Mitteltöner mit neuentwickelter Natural-Sicke
+ 10 Jahre Garantie

- raumintensiv
Benotung:
Klang (60%):99/100
Praxis (20%):97/100
Ausstattung (20%):97/100
Gesamtnote:98/100
Klasse:Referenzklasse
Preis-/Leistungangemessen
Gehört mit:- CD-Spieler/Streamer: Lindemann Musicbook: Source II, Oppo UDP-203
- Verstärker: Lindemann Musicbook: Power II, Hegel H360, Thivan Labs 805 Gold Lion
- Signalkabel: Viablue NF-S6 Air XLR, Viablue NF-S6 Air Cinch
- Lautsprecherkabel: Viablue SC-6 Single-Wire

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