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Redakteur

Angesichts vieler neuer Hersteller und Produkte auf dem Lautsprecher-Markt darf man schon fast vermuten, dass der Trend inzwischen eher zu hübsch anzusehenden, klanglich dagegen schwächer ausgeprägten Boxen geht. Boxen, die preislich allerdings keineswegs irgendeinen Vorteil gegenüber echten HiFi-Lautsprechern haben. Aber so ganz allumfassend ist dieser Eindruck zum Glück nicht, denn natürlich werden auch weiterhin richtig gute Lautsprecher entwickelt, die sich auf das konzentrieren, was bei Musik wichtig ist: der Klang!

Schon auf den ersten Blick ist klar: Klipsch ist in Stilfragen ein kompetenter Ansprechpartner.

Schon auf den ersten Blick ist klar: Klipsch ist in Stilfragen ein kompetenter Ansprechpartner.

 

Die Serie „Reference Premiere“ mit dem Flaggschiff RP-280F von Klipsch ist ein treffendes Beispiel für diese Garde. Fast schon beiläufig werden dabei auch optisch sehr ansprechende Modelle konstruiert, die durch ihren vornehme Art und schlichte Eleganz auch gleich mal deutlich machen, dass ihnen die auffälligen Emporkömmlinge aus dem Massenmarkt-Segment in keiner Weise das Wasser reichen können.

Klipsch Reference Premiere – Qualität und Vielfalt auf höchstem Niveau

Mit besagter Serie Reference Premiere hat Klipsch eine sehr vielfältige Linie hervorgebracht, die auch die Zusammenstellung von Surround-Sets (mittlerweile sogar für Dolby Atmos geeignet) erlaubt. So gibt es neben der RP-280F (uvP. 750 Euro) noch zwei weitere, etwas kleinere Standlautsprecher. Dabei handelt es sich um die Modelle RP-260F (uvP. 600 Euro) und RP-250F (uvP. 450 Euro). Passend bieten die Amerikaner gleich drei Center-Modelle in verschiedenen Größen sowie zwei Bookshelf- und zwei Surround-Speaker. Das größere der beiden Regallautsprecher-Modelle, die RP-160M, hat der Kollege Jonas Bednarz übrigens bereits getestet. Ergänzend zu besagtem Programm bietet Klipsch gleich noch fünf passende Subwoofer an, um das Heimkino-Set zu vervollständigen. Alle Lautsprecher haben den bereits aus der New-Reference-Linie bekannten 90/90 Tractrix-Horntrichter gemeinsam, der für optimiertes Abstrahlverhalten sorgt. Auch die Cerametallic-Tief- und Tiefmitteltöner, die einen Klipsch-Lautsprecher unverwechselbar machen und selbstverständlich auch ihre klangliche Bewandnis haben, sind natürlich mit an Bord.

Unser Testmodell steckt in einem Gehäuse in der Ausführung „Cherry“.

Unser Testmodell steckt in einem Gehäuse in der Ausführung „Cherry“.

 

Unser Testmodell steckt in einem Gehäuse in der Ausführung „Cherry“, das trotz einer Höhe von 109 Zentimetern und einer Tiefe von 46,5 Zentimetern sowie der recht schlichten „Kastenform“ irgendwie trotzdem nicht klobig wirkt. Möglicherweise liegt das am abgeschrägten Standfuß, der den mächtigen Lautsprecher optisch etwas verschlankt. Vom Hörplatz verstärkt sich dieser Eindruck sogar noch, da man hier ja sowieso nur auf die Front der RP-280F blickt und damit zumindest von der Tiefe nichts bemerkt. Wer mag, kann die Front ebenfalls sehr schlicht halten, indem einfach die mit schwarzem Stoff bespannte Blende per Magnetbefestigung angebracht wird. Allerdings sind die dahinter sitzenden, im Durchmesser 20,3 Zentimeter großen Cerametallic-Tiefmitteltöner viel zu schade zum Verstecken, schließlich schimmern sie – wie das Herstellerlogo übrigens auch – in einem sehr edel wirkenden Kupferton. Allein das macht schon deutlich, dass diese Lautsprecher etwas von ihrem Fach verstehen. Der Horntrichter ganz oben im Gehäuse schließlich ist natürlich das Markenzeichen der Klipsch-Lautsprecher – aus reinen Design-Aspekten gibt es dazu auch erstmal nicht viel mehr zu sagen und uns geht es ja im Endeffekt auch vor allem um den Klang, den er produziert.

Die Cerametallic-Tiefmitteltöner sind ein echter Hingucker in der sonst schlichten Front.

Die Cerametallic-Tiefmitteltöner sind ein echter Hingucker in der sonst schlichten Front.

Immer schön auf Abstand bleiben!

Beim Aufstellen der beiden Lautsprecher auf hartem Boden ist nichts weiter nötig. Um die Box vom Untergrund zu entkoppeln, empfiehlt Klipsch jedoch den Einsatz der mitgelieferten Spikes, was zugleich die Standfestigkeit der RP-280F erhöht. Das heißt aber auch: Unterlegplättchen gibt es nicht, also ist hier Vorsicht geboten, um den Bodenbelag nicht zu beschädigen. Im Zweifel bieten kleine Münzen aber den gleichen Schutz. Letzterer ist wichtig, denn da wir es hier mit Hornlautsprechern zu tun haben, ist für die Ausrichtung ein wenig Feinarbeit nötig. Um ein wenig hin und herrücken wird mit hoher Wahrscheinlichkeit also kaum jemand herumkommen. Und da die Hornvertiefung den Schall gezielt bündelt, ist eine präzise Ausrichtung auf den Hörplatz sehr wichtig, um das volle und große Potenzial in Sachen Sound, dass diese Lautsprecher zu bieten haben, auch tatsächlich voll und ganz ausnutzen zu können.
Generell ist es dabei zunächst sehr hilfreich, wenn man die beiden Lautsprecher im identischen Abstand zum Hörplatz aufstellen kann. Klipsch selbst empfiehlt in der beiliegenden Bedienungsanleitung, dass der Abstand zum Hörplatz mindestens so groß sein sollte wie der Abstand der Lautsprecher zueinander – noch besser ist die eineinhalbfache Distanz. Der Abstand der Lautsprecher zueinander wiederum sollte irgendwo zwischen 1,80 und 4,60 Metern liegen, wobei das natürlich in den meisten Fällen stark davon abhängt, wie die räumlichen Gegebenheiten so aussehen. Das gilt vor allem auch für den Wandabstand, denn der Bassreflexport auf der Rückseite der RP-280F erfordert ein wenig Freiraum, damit sich der Tiefton sauber entfalten kann.

Die Schallführung des Hornlautsprechers erfordert ein bisschen Feintuning beim Aufstellen.

Die Schallführung des Hornlautsprechers erfordert ein bisschen Feintuning beim Aufstellen.

 

Ebenfalls auf der Rückseite erfolgt (wie üblich) der Anschluss der Kabel, hier hat Klipsch sehr kräftige Schraubklemmen installiert, die auch die Bi-Wiring-Verkabelung ermöglichen. Ab Werk sind die beiden Klemmenpaare über eine Brücke miteinander verbunden. Entscheiden Sie sich fürs Bi-Wiring, werden diese natürlich entfernt. In der klassischen Anschlussvariante bleibt sie dagegen an ihrem Platz. Ist der Anschluss der Signalleiter erledigt, geht es ans Feintuning. Das klingt jetzt nach mehr Aufwand als es ist, denn im Grunde genommen ist „nur“ noch die schrittweise Drehung in Richtung Referenzplatz nötig, um dann doch relativ schnell ein respektables Ergebnis hervorzuzaubern. Beginnen Sie hier mit der direkten Ausrichtung der Standlautsprecher auf den Hörplatz und drehen diese anschließend in kleinen Schritten vom Referenzplatz weg. Sobald man nicht mehr das Gefühl hat, dass der Klang direkt aus den Boxen strömt, sondern vielmehr „im Raum steht“, hat man sein Ziel erreicht und darf fortan einfach nur noch die Qualität der Klipsch-Lautsprecher genießen.

Auf der Rückseite finden sich sehr kräftige Schraubklemmen für die Kabel.

Auf der Rückseite finden sich sehr kräftige Schraubklemmen für die Kabel.

Knackiger Sound mit mächtigem Volumen

Genau das haben auch wir vor und greifen für den Hörtest einmal mehr auf „The War On Drugs“ zurück und eröffnen die Hörsession mit dem Track „Red Eyes“. Der Einsatz von Synthesizern und rasanten Gitarrensoli macht den Titel nicht unbedingt zu einem leichten Einstieg, doch die beiden Klipsch-Schallwandler werden angesichts dieser Herausforderung keineswegs nervös. Vielmehr scheinen sie sich über die Musikauswahl genauso zu freuen wie auch wir und gehen von der ersten Sekunde an ordentlich mit. Sehr gut und sehr vielversprechend! Also setzen wir gleich mal ein bisschen was drauf und lassen Jimi Hendrix mit „Crosstown Traffic“ für Stimmung sorgen. Der leicht chaotisch wirkende und mit einer Vielzahl an Spuren ausgestattete Song scheint genau der richtige, um die Klipsch-Boxen mal unter extremen Bedingungen zu testen. Die meist schrille und bisweilen übersteuerte Gitarre ist schließlich nicht unbedingt das, was Lautsprecher dieser Preisklasse im Normalfall wiederzugeben gewohnt sind. Aber auch hier scheinen die RP-280F äußerst begeistert bei der Sache und spielen völlig unbeeindruckt und mitreißend auf. Besonders auffällig: das Schlagzeug kommt äußerst knackig rüber und die Platzierung der diversen Instrumente und Gesangsstimmen stimmt fast auf den Millimeter genau. Nun gut, dann wechseln wir mal die Richtung und stellen mit dem wesentlich melodischeren und eher ins Legato tendierenden „All Along The Watchtower“ auch die Fähigkeiten der Lautsprecher hinsichtlich musikalischer Ausgewogenheit auf die Probe. Sie haben es wahrscheinlich schon längst vermutet – auch das stellt absolut kein Problem dar, denn wie bei den vorherigen Titeln klingt alles einfach super, um es mal salopp aber dennoch treffend zu formulieren.

Die abgeschrägte Bodenplatte sorgt für eine optische Verschlankung des mächtigen Gehäuses.

Die abgeschrägte Bodenplatte sorgt für eine optische Verschlankung des mächtigen Gehäuses.

 

Schließlich wagen wir noch einen großen Sprung über die Jahrzehnte und lassen „A Perfect Circle“ einmal mehr auf unsere Testkandidaten los. Mit dem Track „The Noose“ wollen wir dabei den Tiefton genauer in Augen- bzw. „Ohrenschein“ nehmen. Nach unseren bisherigen Erfahrungen mit Lautsprechern der Marke Klipsch ist das Ergebnis dann nicht überraschend. Denn auch die RP-280F entfaltet nun als gewaltiges Fundament, das das enorme Volumen der nun dargestellten Soundkulisse in seiner voller Pracht zur Geltung bringt. Gepaart mit der eindrucksvollen, charismatischen Stimme von Maynard James Keenan entwickelt sich fast schon ein gewisser Hymnen-Charakter – das klingt so unglaublich gut, dass man sich unwillkürlich fragt, warum so viele Leute immer noch schlechte „Musik“ über billige Plastikboxen oder -Kopfhörer hören, obwohl es doch so grandiose Alternativen gibt. Naja, was soll’s – ich höre einfach weiter, das vertreibt solche Gedanken ja auch ganz schnell wieder!

Sieht gut aus und klingt auch so: Das Cooper-Cerametallic-Chassis.

Sieht gut aus und klingt auch so: Das Cooper-Cerametallic-Chassis.

Fazit

Mit der RP-280F bietet Klipsch eine ganze Menge Spaß, fordert allerdings eben auch ein wenig Einsatz vom neuen Besitzer, damit das Potenzial der schicken Lautsprecher auch voll genutzt werden kann. Dieser (trotz allem noch überschaubare) Aufwand lohnt sich aber absolut, denn die RP-280F überzeugen mit sehr agilem Auftreten, „grooviger“ Dynamik und einem gewissen Faible für griffige und zupackende Rockmusik. Mit einem derart gutem Sound vergisst man die Welt um sich herum dann ganz schnell.

Test & Text: Martin Sowa
Fotos: www.lite-magazin.de, Herstellerbilder

Gesamtnote: 1,0
Klasse: Oberklasse
Preis-/Leistung: sehr gut

97 %

92 %

91 %

150927.Klipsch-Testsiegel

Technische Daten

Modell:Klipsch
RP-280F
Produktkategorie:Standlautsprecher
Preis:750,00 Euro / Stück
Ausführung:- cherry
- ebony
Vertrieb:Osiris Audio AG, Wiesbaden
Tel.: 06122 - 72 76 00
www.osirisaudio.de
Abmessungen (HBT):1094 x 268 x 465 mm
Gewicht:27,5 kg / Stück
Bauart:Zwei-Wege, Bassreflex
Hochtöner:2,54 cm Titanium Linear Travel Suspension (LTS) 90x90 Hybrid Tractrix ® Horn
Mittel-/Tieftöner:20,3 cm Spun Cooper Cerametallic
Frequenzbereich:32Hz - 25kHz +/- 3dB (Herstellerangabe)
Übergangsfrequenz:1.750 Hz (Herstellerangabe)
Lieferumfang:- RP-280F
- Spikes
- Klebefüße
- Bedienungsanleitung
Besonderes:- Bi-Wire-/Bi-Amp-Terminal
- hohe Grundtonagilität
- sehr schöne Detaildarstellung
- schickes Design
Benotung:
Klang (60%):1,0
Praxis (20%):1,1
Ausstattung (20%):1,1
Gesamtnote:1,0
Klasse:Oberklasse
Preis-/Leistungsehr gut

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