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Redakteur

Die Wharfedale Diamond 11.1 ist wohnraumtauglich designed, üppig ausgestattet und preislich ein echter HiFi-Schnapper. Klanglich soll sie eine Etage über ihrem Preisschild spielen, womit sich die schicke Regalbox nahtlos in die Diamond-Ahnenreihe einreihen würde. Der ideale Lautsprecher für kleinere Wohnräume und Musikfreunde mit kleinem Budget. Wir haben die obendrein hübsche Zwei-Wege-Box auf den Testparcours geschickt.

Die Familienzugehörigkeit ist eindeutig, dennoch hebt sich die Diamond 11.1 in Sachen Design deutlich von ihrem Vorgänger ab.

Regallautsprecher sind meist kompakterer Natur und lassen sich fast überall einsetzen. Sie machen den Wohnraum nicht zum Boxenlager und haben klanglich meist richtig auch noch richtig was drauf. Trotz all dieser Vorteile genießen sie meist aber nicht den besten Ruf. Zu Unrecht, ein vorbildlich entwickelter Regallautsprecher kann nämlich schnell zum heimlichen Star der heimischen HiFi-Landschaft werden. Ohne zuviel vorweg zu nehmen; der Wharfedale Diamond 11.1 hat das Zeug dazu! Das lässt sich unter anderem auch aus den Erfahrungen schließen, die wir beispielsweise mit dem Vorgängermodell Wharfedale 10.1 machen durften. Basierend darauf lässt sich vermuten, dass der aktuell in unserem Hörraum befindliche Zwei-Wege-Schallwandler sich aus der breiten Masse preislich ähnlich orientierter Lautsprecher deutlich abheben wird.

Der 130 Millimeter durchmessende Tief-/MItteltöner ist erstaunlich schnell und präzise, sorgt aber auch für eine satte und erstaunlich tiefe Basswiedergabe.

Qualität in Serie: Die lange Tradition der Diamond-Serie von Wharfedale

Fast jede Marke hat es, ein Identifikationsobjekt, das den Markenkern widerspiegelt und das wie kein anderes Produkt die typischen Merkmale der Markenphilosophie vertritt. Bei Porsche ist es wohl der 911 Turbo, bei Apple das jeweils neueste iPhone und im Hause Chanel ist es mit Sicherheit der Traditionsduft N°5. In den mittlerweile 85 Jahren, in denen es die Marke Wharfedale gibt, hat sich ebenfalls eine Produktreihe als zentrales Element der Markenidentität herauskristallisiert: die berühmte und vielfach preisgekrönte Diamond-Serie! Das erste Mitglied dieser verkaufsstarken Familie erblickte im Jahr 1981 das Licht der Welt, seit dieser Zeit produziert Wharfedale mit jeder neuen diamantenen Generation einen Bestseller nach dem anderen. Jedes neu entwickelte Modell wird dabei, gemäß dem neuesten Stand der Technik, mit kleinen aber feinen Neuheiten versehen – so ist die Diamond Serie auch in ihrer elften Auflage absolut up-to-date. Wie schon bei den Vorgängern aus dem vergangenen 36 Jahren stehen einige Eigenschaften der Wharfedale Diamond 11.1 auch heute noch im Fokus des Herstellers und der Kunden: Eine Wharfedale Diamond befindet sich technisch und klanglich auf einem sehr hohen Niveau, das war schon immer so und ist auch heute noch so. Sie besitzt ein wohnraumfreundliches, ansehnliches Design und dazu ist dieses attraktive Gesamtpaket auch für Musikfreunde mit geringem Budget zu einem erstaunlich erschwinglichen Preis zu haben. Voraussetzungen, die die Briten mit jeder neuen Generation der Reihe einlösen konnten und die wir auch in der aktuellsten Serie erwarten …

Gebogene Seitenwände und ein sich zur Rückseite hin verjüngendes Gehäuse sind in dieser Preisklasse eher eine Seltenheit.

Ein erster Blick von außen

Mit einer gewissen Portion Vorfreude mache ich mich an die Arbeit. Zunächst wird der Karton mit der verheißungsvollen Aufschrift „Wharfedale Diamond 11.1. geöffnet. Nachdem die schützenden Verpackungsteile entnommen sind, fallen mir auch schon die beiden Schmuckstücke ins Auge. Wie bestellt, handelt es sich um die in klassischem Schwarz gehaltenen Modelle (erhältlich aktuell auch in Weiß, Walnuss und Rosenholz), mit einer Höhe von je 31 Zentimetern bei einer Breite und Tiefe von 194 x 285 Millimetern. Für einen Regallautsprecher handelt es sich also um einen vorbildlich proportionierten Schallwandler, der ein Gewicht von rund 6,8 Kilogramm auf die Waage bringt. Der sehr gut verarbeitete Holzkorpus ist stabil und kompakt zugleich und sorgt in Verbindung mit der dezent geschwungenen Front für ein absolut stimmiges Gesamtbild. Im Vergleich zu vielen Konkurrenz-Lautsprechern fallen mir dabei besonders die eleganten Rundungen positiv ins Auge. Die kleinen aber sehr stabilen Füßchen sorgen für einen festen Stand, die rückseitig verbauten Schraubklemmen wirken überaus edel und zeugen von einer exzellenten Materialwahl. Einen Aspekt, der nicht auf den ersten Blick zu sehen, der aber aus der Produktbeschreibung hervorgeht und der mir sehr wichtig erscheint, möchte ich an dieser Stelle gerne noch ansprechen: Die Lautsprecher verfügen über ein im Sockel integriertes Bassreflex-System, dadurch haben sie einen großen Vorteil gegenüber vielen anderen Regalboxen. Sie können nämlich nah an der Wand positioniert werden, ohne dass es zu Klangeinbußen kommt. Dies ist gerade bei Standorten mit geringer Tiefe (normale Regalböden zum Beispiel) ein deutlicher Pluspunkt! Mein erster Eindruck vom neuen „Diamanten“ aus dem Vereinigten Königreich ist durchweg positiv. Mal sehen – oder besser gesagt hören – wie sich dieses Empfinden während des Praxistests entwickelt, das werde ich jetzt mal herausfinden.

Auf das Hochtonsystem ist man bei Wharfedale besonders stolz. Die 25 Millimeter durchmessende Schwingfläche sitzt im Zentrum einer sie umgebenden Schallführung.

Angeschlossen und losgelegt: jetzt gibt’s was auf die Ohren!

Nachdem ich ein bisschen Platz gemacht habe (viel Raum brauchen die kompakten Lautsprecher ja zum Glück nicht), sind die beiden Schmuckstücke mit wenigen Handgriffen im optimalen Winkel in Richtung Testcouch ausgerichtet und verkabelt. Ich kann es mir also gemütlich machen und die Spiele beginnen lassen! Bevor es allerdings musikalisch wird und lautstärketechnisch die Post abgehen soll, steht mir der Sinn nach einer halben Stunde literarischer Unterhaltung. Ich suche in meiner Audible-Bibliothek und entscheide mich, nach langer Zeit mal wieder ein bisschen über Moritz Netenjakobs „Milchschaumschläger“ zu schmunzeln. Und es funktioniert: Während mich die Story um Daniel, Aylin und die herrlichen kölsch-türkischen Kulturdifferenzen amüsiert, kann ich mich auch über die klangliche Qualität der Lautsprecher richtig freuen. Wohlgemerkt habe ich den Sound kräftig aufgedreht, dennoch ist Netenjakobs angenehm sonore Stimme glasklar, fein bassbetont und natürlich. Was ebenso auffällt: die Stimmfarbe in der Betonung. Kein Vergleich zu dem was man beispielsweise von vielen kompakten Bluetooth-Speakern kennt. Statt überzogener Höhen oder muffigem Klangbrei erlebe ich hier eine saubere, differenzierten und sauber akzentuierte Wiedergabe – ebenso, als würde man bei einer Lesung in der ersten Reihe sitzen. Die erste, unmusikalische Etappe der Testtour hat die Diamond 11.1 also schon mal mit Bravour bestanden. Gute Gründe einfach nahtlos weiter zu machen – aus einer Laune heraus mit einem „Britpop-Battle“ Blur gegen Oasis, die 90er lassen grüßen! Während Damon Albarn und Kollegen ihre Klassiker wie „Country House“ „Song 2“ und „Girls And Boys“ präsentieren, schnoddern die Gallagher-Brüder in ihrer typischen Art „Rock ’n’ Roll Star“, „Roll With It“ und „Don’t Look Back In Anger“ aus den Boxen. Dass es hierbei nicht um die feinsten Töne der Musikgeschichte geht, sondern eher um die etwas derbe Garagen-Rock-Atmosphäre des damaligen Britpops, ist mir klar und gewollt. Das Gewollte liefern Wharfedales Lautsprecher dann auch – und zwar in Reinform! Der eher rohe Charakter des Musikstils wird auf den Punkt getroffen und versetzt mich unwillkürlich in das Lebensgefühl der britischen Arbeiterklasse – und des 90er Jahre-Zoffs zwischen besagten Bands. Gerade weil es hierbei nicht auf die „feine Klinge“ des Sounds ankommt, sondern auf die Atmosphäre und das Gefühl, bin ich positiv davon angetan, dass alles unverfälscht klingt. Und zwar so, wie es sich gehört: laut, dreckig und mit einer gewissen „Scheißegal-Attitüde“. Das beeindruckt und zeigt den neutralen Charakter meiner Testprobanden aus dem britischen Königreich! Im nächsten Genre kommt es da schon etwas mehr auf die individuellen Fähigkeiten eines Lautsprechers an, mit Faithless und den mittlerweile legendären Tracks „Insomnia“ und „God Is A DJ“ stehen die akkurate Basswiedergabe und ein ausgewogener Sound viel mehr im Fokus als eben bei Oasis, Blur und Co. Entsprechend meiner Erwartungen liefern die Wharfedale Diamond 11.1 jetzt wirklich großes (und lautes) akustisches Kino! Kaum ist der erste Song gestartet, macht sich eine unwahrscheinliche Dynamik breit, während die Bässe einen unglaublich dichten Klangteppich vor sich her treiben. Wow, das ist mehr als beeindruckend – vor allem vor dem Hintergrund, dass ich es hier mit eher kompakten Lautsprechern der 350-Euro-Klasse zu tun habe, die das Wohnzimmer sofort in eine beeindruckende Clubatmosphäre verwandeln.

Edel und dezent: Der Wharfedale-Schriftzug ist direkt oberhalb des “Bassreflex-Sockels” platziert.

Die Diamond 11.1 kann es auch feiner

Bisher hatten es die britischen Lautsprecher mit ausschließlich britischer Musik zu tun. Unter Landsleuten war die Performance der Boxen bereits überdurchschnittlich gut. Ob das auch im internationalen Vergleich so bleibt, das teste ich nun in der Königsdisziplin Oper! Für solche Zwecke hatte ich mir vor einiger Zeit mal die leider viel selten genutzte CD „Die beliebtesten Tenorarien“ von Luciano Pavarotti and Friends gekauft. Jetzt kommt sie mal wieder zum Einsatz. Ich lasse „La fleur que tu m’avais jetée” aus Carmen laufen, anschließend „La donna è mobile” aus Rigoletto und zum Abschluss noch „Di quella pira” aus Verdis Il Trovatore. Das Testergebnis ist eindeutig: Auch die italienische Sprache und das Lebensgefühl der genannten Werke beherrscht das Lautsprecherpaar sicher und kraftvoll. Dabei stehen die Stimmen von Pavarotti und seinen Kollegen immer im Vordergrund, ohne dabei aber zu dominant aufzutreten. Und ohne, dass irgendein Instrument aus dem Orchester vernachlässigt oder gar unterdrückt würde. Die Diamond 11.1 liefert die Oper als stimmiges Gesamtkunstwerk, das bei den leisen Tönen gewollt dezent zurückgenommen wirkt, um dann im großen Finale alles an Dynamik und Power auszupacken, was einen Opernabend ausmacht. Wahnsinn, wie breit dieser Lautsprecher akustisch aufgestellt und was er zu leisten imstande ist. Selbst wenn man sich – wie Professor Börne im Tatort Münster – eine Arie in voller Lautstärker gibt, leidet die Klangqualität in keinster Weise. Während des gesamten Tests konnte ich, selbst nahe der „Vollbelastung“ kein störendes Kratzen oder Verzerren feststellen (mit Ausnahme des beabsichtigten „Gallagher-Sounds“). Kurzum: Dreht man die Diamond 11.1 von Wharfedale mal so richtig auf, können sich die Nachbarn durchaus über die Lautstärke beschweren, auf keinen Fall aber über schlechte Musikqualität!

Perfekte Spaltmaße, saubere Kanten; die Verarbeitung der Diamond 11.1 ist erstklassig.

Fazit

Eigentlich könnte ich das Fazit in lediglich einem Wort zusammenfassen: beeindruckend! Ein paar Sätze möchte ich dem aber dann doch noch hinzufügen, das bin ich einem solch starken Produkt einfach schuldig. Wharfedales Diamond 11.1 überzeugen durch ihr neues, leicht gerundetes Design, hochwertige Materialien und ihre hervorragende Verarbeitung. Ganz besonders ist es allerdings der Klang, der imponiert. Das Boxen-Duo kommt mit jeder Menge Power daher – allerdings ohne, dass die Soundqualität auch nur einen Deut darunter leidet. Kurz und gut: Die aktuelle Generation der Diamond knüpft nahtlos an die hervorragenden Ergebnisse ihrer Vorgänger an – und übertrifft diese sogar noch. Wenn ich in der Einleitung davon sprach, dass Regallautsprecher zu den „heimlichen Stars“ der HiFi-Kette werden können, diese Zwei-Wege-Schallwandler haben tatsächlich das Zeug dazu! Aus meiner Sicht ist diese Box ein echter Tipp für ein musikalisches Weihnachtsgeschenk mit viel Dynamik!

Test & Text: Stefan Meininghaus
Fotos: www.lite-magazin.de

Gesamtnote: 1,0
Klasse: Spitzenklasse
Preis-/Leistung: sehr gut

97 %

92 %

96 %

171114.Wharfedale-Testsiegel

Technische Daten

Modell:Wharfedale
Diamond 11.1
Preis:ab 349,00 Euro / Paar
Garantie:5 Jahre
Ausführungen:- black
- white
- walnut
- rosewood
Vertrieb:IAD, Korschenbroich
Tel.: 02161 / 617830
www.iad-audio.de
Abmessungen (HBT):310 x 194 x 285 mm
Gewicht:6,8 Kg / Stück
Hochtöner:25 mm Gewebekalotte
Tief-/Mitteltöner:130 mm Kevlar-Membran
Besonderes:- druckvoller Grundton
- sehr gute Stimm- und Detailwiedergabe
- exzellentes Preis-/Leistungsverhältnis
- sehr gute Verarbeitung
- Gehäuse in Bugform
Lieferumfang:- Diamond 11.1
- Gewebeabdeckungen
- Anleitung
Benotung:
Klang (60%):1+
Praxis (20%):1,0
Ausstattung (20%):1,0
Gesamtnote:1+
Klasse:Einstiegsklasse
Preis-/Leistunghervorragend

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