von

Chefredakteur

Mit seiner NS-5000 lässt Yamaha alte HiFi-Zeiten in Sachen wieder aufblühen. Die Optik ist Retro, im Gehäuse des Boxen-Flaggschiffs werkelt allerdings beste, zum Teil patentierte Technik. Klanglich liefert die 5000er zudem einen Sound , von dem sich ähnlich eingepreiste Modelle namhafter Lautsprechermarken eine dicke Scheibe abschneiden können.

Das neue Yamaha-Lautsprecher-Flaggschiff; die NS-5000.

„Yamaha und High-End-Lautsprecher?“, diese Frage werden sich einige HiFi-Freunde spätestens dann stellen, wenn sie den Preis für Yamahas NS-5000 hören. 15.000 Euro muss man nämlich beim Händler seines Vertrauens auf den Tisch legen, wenn man ein Pärchen dieser Boxen in seinem Wohnzimmer spielen hören will. Eine Preislage, in der man sich üblicherweise in der Auslage ausgewiesener Lautsprecherspezialisten umsieht. An Yamaha denkt in diesem Zusammenhang vielleicht nicht jeder Musikfreund, da gebe ich Ihnen Recht. Sollte man aber, denn was den einen oder anderen vielleicht überraschen wird: Yamaha gehört zur ersten Garde in der Lautsprecher-Entwicklung – und das seit vielen vielen Jahren. Ein Fakt, der in unserem Land, in dem es so viele Lautsprechermarken wie in vermutlich keinem anderen gibt, manchmal vielleicht ein bisschen untergeht. Und aufgepasst: in Deutschland hat Yamaha ein Produktportfolio, dessen Breite selbst den einen oder anderen Lautsprecher-Branchen-Primus hierzulande träumen lässt. Das übrigens aus Tradition, Schallwandler der japanischen Audio-Spezialisten sind nämlich bereits seit vielen Jahrzehnten zu haben. Eine Zeit, die unter anderem Meilensteine wie die aktuelle Soavo NS-F901, die NS-690 II oder die 1976 vorgestellten NS-1000 und NS-1000M hervorbrachte, die unter vielen eingefleischten HiFi-Freunden als beste Schallwandler ihrer Zeit galten.

IN Saxhen Verarbeitung und Lackgüte macht Yamaha niemand etwas vor.

NS-5000; Referenz in vielen Belangen

Schaut man sich letztgenannte Modelle an, wird dann auch schnell klar, woher der Wind in der aktuellen NS-5000 weht. Designtechnisch hat man sich optisch eindeutig an den 1000er-Modellen aus den 70ern des letzten Jahrtausends orientiert. Retro ist eben wieder in. Der Grund für die Eckigkeit der 5000er basiert aber nicht allein auf Designgründen, sondern hat auch akustische Gegebenheiten. Die Kastenform lässt sich nämlich einfacher verarbeiten und, was noch wichtiger ist, noch effektiver versteifen. Das Versteifen sämtlicher Aussenwände hat allerdings nur dann so richtig Sinn, wenn das Holz möglichst wenig Eigenresonanzen aufweist. Es muss also massiv und stabil sein und möglichst wenig schwingen. Anforderungen, die beispielsweise laminiertes Schichtholz mitbringt und das hier in 20 Millimeter Wandstärke verbaut wurde. Da in der Front deutlich mehr Bewegung herrscht und ein größerer Druck entsteht, setzt Yamaha dort sogar auf eine Dicke von 30 Millimetern. In Sachen Gehäusedesign macht den Japanern eben niemand etwas vor. Kein Wunder, schließlich gehören sie zu den weltgrößten Herstellern für Pianos, Gitarren und andere Musik-Instrumente. Gleiches gilt im Übrigen für die hervorragende Lackarbeit der 5000er, natürlich in beeindruckender Mehrschicht-Qualität. Ohne jeden Makel, ohne Wellen, Einschlüsse oder andere Unsauberkeiten. Stattdessen hochglänzend und mit einer Tiefenwirkung, an der man sich kaum satt sehen kann – eben so, wie man es von den ganz großen Pianos der Japaner kennt. Und in einer Güte, die man im HiFi-Bereich nur ganz ganz selten zu Gesicht bekommt. In diesem Zusammenhang noch ein Wort zu den Ständern der neuen Lautsprecher-Flaggschiffe, den SPS-5000: Die NS-5000 ist nämlich so konstruiert, dass sie ihre beste Performance auf genau diesen Ständern liefern, die zum Lieferumfang der Boxen gehören. Sie bestehen zwar nicht aus Holz, sondern aus Metall, ein Material mit dem man bei Yamaha als einer der weltweit führenden Hersteller für Blas- und Blechinstrumente ebenfalls sehr gut umzugehen weiss. Neben der Tatsache, dass sich die Lautsprecher perfekt und in Waage auf ihnen platzieren lassen und die Stative in ihrer Höhe entsprechend auf die Drei-Wege-Schallwandler abgestimmt sind, wurden sie so entwickelt, dass auch möglichst wenig Kantenbrechungen an ihnen entstehen. Alles soweit optimiert, wie möglich. Dass die Ständer mit höhenverstellbaren Spikes ausgestattet sind und die Lautsprecher fest mit den SPS-5000 verschraubt werden können, um beide zu einer festen Einheit zu verschmelzen, ist ebenfalls selbstverständlich.

Zylon auf allen drei Wegen: Yamaha setzt auf identische Membranmaterialien für alle Chassis. Besonders beeindruckend: die 80-Millimeter-Mitteltonkalotte.

Besonderheiten machen es besonders

Gehäuse und Ständer bieten der Technik also beste Voraussetzungen. Selbstverständlich bedient sich Yamaha auch in dieser Beziehung nicht mit Bauteilen von der Stange, stattdessen setzt man auf eigens und speziell für diesen Einsatzzweck entwickelte Bauteile. Das gilt in allererster Linie für die drei Chassis aus eigener Entwicklung. Richtig gelesen, sämtliche Chassis stammen aus der Feder der eigenen Ingenieure und werden auch bei Yamaha gebaut. Die nächste Besonderheit stellt das Chassis-Material dar. Hier heisst das Zauberwort „Zylon“. Dabei handelt es sich um einen Kohlefaser-/Glasfaserverbund, dessen Festigkeit beispielsweise die von Kevlar übertreffen soll, wobei das Grundmaterial sogar weniger Gewicht in die Waagschale wirft. Ideale Voraussetzungen, die dem Schwingsystem schnellere und kontrolliertere Hubbewegungen erlauben und eine präzisere Audio-Reproduktion versprechen. Ebenso ungewöhnlich ist in diesem Zusammenhang, dass Yamaha seinen federleichten und hochfesten Materialmix nicht nur in einem Chassis, sondern in gleich allen Treibern einsetzt. Heisst: sowohl Hoch-, Mittel- und Tieftöner bestehen aus dem selben patentierten Verbundstoff, was eine ausgeglichene Wiedergabe über den gesamten Frequenzbereich verspricht. Die nächste Besonderheit folgt auf dem Fuße, mit seinem 80 Millimeter durchmessenden Mitteltöner bieten die Japaner nämlich die aktuell größte Mitteltonkalotte der Welt auf. Zylon macht`s möglich, zeigt sich aufgrund seiner spezifischen Zusammensetzung aber als äusserst schwer zu verarbeiten. Ein Grund, der besondere Maßnahmen, in diesem Fall den Einsatz spezieller Fertigungsmaschinen erfordert. Ein lohnender Aufwand, denn der Vorteil der Kalottenform liegt klar auf der Hand. Die nach aussen gewölbte Membranfläche neigt nämlich weniger dazu abgestrahlte Frequenzanteile zu bündelt. Das wiederum soll sich in einer gesteigerten räumlichen Darstellung bemerkbar machen. Aussergewöhnlich wird es dann auch hinter den Kalotten für die Hoch- und Mitteltonwiedergabe. Für das neugierige Auge unsichtbar, sind beide rückseitig mit je einem definierten Röhrengehäuse bestückt, das die nach hinten abgegebene Energie eliminieren soll. Ein Konstrukt, das man in ähnlicher Form bereits von anderen Lautsprecher-Herstellern kennt. Yamaha geht die Sache allerdings etwas anders an, man zwingt die nach hinten gedrückte Luft in ein zweiteiliges, verwinkeltes Röhrensystem an dessen Ende sich der ungewollte Schall gegenseitig auslöschen soll. Überflüssig zu erwähnen, dass sich Yamaha diesen Aufbau natürlich patentieren lassen hat.

Lautsprecherständer mit Grips, die SPS-5000: Optisch zurückhaltend, akustisch perfektioniert:

Sanfter, räumlich und schnell, unheimlich schnell

Genug der Rede, jetzt wird gehört. Diesmal nicht in unserem Hörraum, sondern auf Yamaha-Einladung in München bei den Kollegen von Lowbeats. Nach einer ca. zwanzigminütigen Warmhör-Runde geht es dann ans Eingemachte. Zunächst mit einem eher ruhigeren Track, der zuvor noch über einen Lautsprecher eines anderen namhaften Herstellers angespielt wurde. Kaum nehmen sich die NS-5000 des gleichen Songs an, selbstverständlich über die gleiche Elektronik in identischer Lautstärke zugespielt, geht förmlich der Vorhang auf. Ein himmelweiter Unterschied. Die zunächst als viel zu groß dargestellte Stimme des Künstlers erscheint nun absolut Lebensecht. Während zuvor offensichtlich ein Drei-Meter-Mann das Mikrofon zur Hand nahm, scheint die gleiche Person nun auf menschliches Normalmaß gebracht. Plötzlich scheint alles irgendwie richtiger, korrekter und auch eine Spur straffer. Auffällig ist die gute Auflösung der 5000er. Alles wirkt differenziert, durchhörbar aber doch wie ein großes, zusammengehöriges Ganzes und jederzeit homogen. Bestätigung findet dieser Eindruck dann im zweiten Stück. Ein Song mit ordentlich Bewegung und Drive, in dem die Yamahas dann auch schnell beeindruckend darlegen, wie beweglich, agil und rhythmisch intensiv ein Lautsprecher spielen kann. Dabei verbindet er Spielfreude mit Feinzeichnung und Luftigkeit und zeigt, dass er selbst in eher ruhigeren, leiseren Passagen ausreichend Knack und eine Extraportion Schwärze im Bass zu liefern imstande ist – immer vorausgesetzt, er wird von einem entsprechendem Verstärker befeuert. In diesem Fall sorgt Yamahas AS-3000 für den entsprechenden Antrieb. Die Vorstellung war bislang absolut beeindruckend, es soll aber noch besser kommen. Nach einigen weiteren Songs wechselt der Vorführer schließlich zu James Blood Ulmer Live Experience mit „Crying“. Ein eher ruhiges Stück mit einer sehr markanten Bassdrum, die bereits nach wenigen Sekunden für erstaunte Gesichter sorgt. Diese Präzision, dieser Punch, diese Schnelligkeit. So schnell der Bass kommt, so schnell ist er auch wieder weg. Die dynamischen Fähigkeiten: absolut beeindruckend und mitreissend. Ein Punch, der sich gewaschen hat und der an Speed kaum zu überbieten ist. Alles absolut sauber, intensiv und unverwaschen, schneller geht es einfach nicht. Die NS-5000 kann aber mehr und das zeigt sie hier auch. Neben dem imponierenden Druck im Grund- und Tieftonbereich präsentiert sich die Drei-Wege-Box auch in Sachen Raumauflösung und Detaildarstellung auf absolutem Top-Niveau. Der Raum scheint mit Musik gefüllt, alles sauber gestaffelt und fast greifbar.

High-End im Retro-Design: die Yamaha NS-5000.

Fazit

Die Optik ist Retro – aber nicht altbacken, die Verarbeitung exzellent und die Technik hochmodern und in jedem Detail auf den gewollten Einsatz zugeschnitten. Die NS-5000 ist ein beeindruckender Schallwandler, der höchsten Ansprüchen an Auflösung, Raumdarstellung, Staffelung, Homogenität, Schnelligkeit und Dynamik entspricht. Ein Lautsprecher, befreit von Markenklang. Einer, der einfach Spaß macht und niemals übers Ziel hinausschießt, mit dem das Musikhören richtig Spaß macht und der einen die eigene Musiksammlung neu erleben lässt. Für mich ist die NS-5000 tatsächlich einer der besten Lautsprecher, die ich je gehört habe und tatsächlich jeden Cent wert.

Test & Text: Roman Maier
Fotos: www.lite-magazin.de

Klasse: Referenzklasse
Preis-/Leistung: angemessen

98 %

94 %

97 %

lite - DAS LIFESTYLE & TECHNIK MAGAZIN Über uns | Impressum | Datenschutz | Kontakt