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Der A-40AE ist ein 43-Zentimeter-HiFi-Verstärker im klassischen Design. Pioneer verzichtet auf Features wie Multiroom, Streaming und Bluetooth etc. und stattet seinen Stereo-Amp stattdessen mit der klangfördernden Direct-Schaltung und ausreichend analogen und digitalen Eingängen aus. Ein richtig guter HiRes-DAC macht ihn zum vielleicht interessantesten Stereo-Verstärker 2018.

Auf den ersten Blick erscheint der Pioneer A-40AE vielleicht wie ein klassischer HiFi-Verstärker …

Auf den ersten Blick ist der Pioneer A-40AE ist ein HiFi-Amp der alten Schule. 43 Zentimeter breit, großer Lautstärkesteller, kleinere Regler für Bass, Treble und Balance, sowie ein Input-Selektor und ein paar kleine Knöpfchen. Das Design ist schlicht, die Linienführung geradlinig und die Ausstattung klassisch – aber üppig. Nichts Besonderes, sollte man also meinen. Weit gefehlt, der A-40AE zeigt sich optisch zwar HiFi-typisch, die genauere Untersuchung fördert dann aber doch einige Besonderheiten zutage. Eine dieser Besonderheiten ist seine Verarbeitung: Statt einer einfachen Plastikfront, ist der Stereo-Amp mit einer gebürsteten Aluplatte bestückt. Gleiches gilt für das große Lautstärkerad, das ebenfalls aus Aluminium gedreht wurde. Letzteres sitzt satt zwischen den Fingern und erfordert ein kleines bisschen Kraft um bewegt zu werden. Sehr gut, das kennt man von hochwertigen HiFi-Komponenten und erlaubt eine feine Pegel-Dosierung. Und es sind nur zwei Ausstattungsmerkmale, die schonmal einen richtig guten Eindruck machen.

Der große Lautstärkesteller liegt perfekt in der Hand und erlaubt die punktgenaue Pegelanpassung.

Klassiker für die Moderne

Weiter geht es auf der Gehäuserückseite, hier gibt es eine klare Zuteilung: Oben die Digitalsektion, unten die analogen Anschlüsse. Bei einem Verstärker dieser klasse nicht ganz üblich sind die beiden Digitaleingänge – je ein optischer und ein koaxialer. Das Besondere daran: hinter beiden Anschlüssen sitzt ein moderner Digital-zu-Analog-Konverter (DAC). Er ist in der Lage ist sogar HiRes-Musikdateien bis zu einer Abtastrate von 192 Kilohertz entgegen zu nehmen. Bedeutet: Der A-40AE nimmt auch Signale moderner Quellen wie von Streamern, Media- und Netzwerkspielern (z.B. dem Pioneer N-50AE) oder Spielekonsolen entgegen. Ausstattungsmerkmale, die man bei einem klassischen HiFi-Verstärker der „Unter-400-Euro-Klasse“ ebensowenig erwartet, wie die eingangs beschriebene Material- und Ausstattungsgüte.
Direkt darunter sitzen gleich sechs analoge Eingänge in typischer Cinch-Ausführung. Einer davon ist als MM-Phono-Eingang mit zusätzlicher Masseklemme versehen. Der hier ebenfalls platzierte Vorverstärker-Eingang (ganz rechts) nimmt Audio-Signale von einem anderen Vor- oder Vollverstärker entgegen. So verbunden, lässt sich der A-40AE dann alternativ als reine Endstufe einsetzen. Ein analoger Cinch-Ausgang (Line-Out) und acht Lautsprecher-Schraubklemmen runden die Anschlusssektion ab.

Die Anschlusssektion des Pioneer-Amps: Zwei digitalen Eingängen stehen sechs analoge Zugänge zur Seite.

Quellen und Boxen dran und los geht`s …

Wer seine klassische HiFi-Anlage bisher immer allein angeschlossen hat, bekommt das hier auch hin. Der A-40AE wird einfach per Kabel mit den entsprechenden Quellen – in meinem Fall mit dem streamingfähigen CD-Spieler Creek Evolution 50CD, dem Elac-Plattenspieler Miracord 90 – und mit den vorhandenen Lautsprechern verbunden. Wichtig ist lediglich, dass der Pioneer rundum etwas Platz „zum Atmen“ hat, das gilt im gleichen Maße aber auch für jeden anderen Verstärker. Anschließend wird die Stromversorgung hergestellt und schon kann es losgehen. Eine aufwändige Installation wie bei den meisten Netzwerkspielern oder stundenlanges Studium der Bedienungsanleitung sind hier glücklicherweise nicht nötig.

Digital, warm, impulsstark

Die Anlage um den A-40AE herum ist innerhalb weniger Minuten installiert, so kann ich gleich in den Praxistest starten. Dazu wird zunächst der große, links auf halber Höhe in die Front eingelassene Ein-/Ausschalter betätigt. Nach etwa fünfsekündiger Wartezeit bestätigt ein „Klack“, dass die Endstufen raufgefahren sind und der Amp betriebsbereit ist. Die Einschaltverzögerung funktioniert also einwandfrei. Als ich anschließend die Quelle „Coaxial“ wähle, beginnt der nebenan befindliche LED-Indikator zu blinken. Der Pioneer signalisiert mir so, dass etwas nicht stimmt. Korrekt, der CD-Spieler ist noch nicht eingeschaltet. Kaum ist dies geschehen, wird dies vom Pioneer entdeckt und besagte LED leuchtet konstant Blau.
Dem Druck auf die Wiedergabe-Taste des Creek-Players folgen die ersten Töne aus Eddy Louiss´ “Blues For Klook”. Ein perkussives Synthie-Stück, das vom Verstärker und den mitspielenden Boxen Agilität und Impulskraft einfordert und das schon so manches Testgerät vor größere Herausforderungen gestellt hat. Von Letzterem fehlt hier allerdings jede Spur, Schwierigkeiten oder Probleme hat der Pioneer mit diesem Stück nicht. Im Gegenteil, nach dem eher geordneten Intro geht der Amp umgehend nach vorn, als Leistung und Energie gefordert sind. Die jetzt kredenzte Impulskraft imponiert und ist für einen Verstärker der „unter-400-Euro-Klasse“ fast schon unglaublich. Besonders beeindrucken mich dabei der Knack und die Geschwindigkeit im Grundtonbereich. Oberbässe sind genauso schnell wieder weg, wie sie kamen. So wirkt der Sound jederzeit sauber, übersichtlich und geordnet statt überfrachtet und unkontrolliert. Wow, das macht richtig Laune und schreit quasi nach mehr. Dieses „mehr“ kommt dann gleich nach dem Wechsel der Quelle. Jetzt soll sich der A-40AE an James Blake und „Unluck“ versuchen. Ein Song, den ich gern und ausschließlich zu Testzwecken zücke und der mir Auskunft über Agilität und Antritt gibt, mich zeitgleich aber auch über die Tiefbasseigenschaften meines Testprobanden informieren soll. Das tut er dann auch, bereits nach wenigen Sekunden bebt der Hörraum förmlich. Die angeschlossenen Canton Standboxen A45 drücken tiefste Bässe Richtung Publikum, der Pioneer zeigt sich auch jetzt als agil und spritzig. Elektronisch generierte Subfrequenzen werden dynamisch reproduziert, während dem A-40AE auch der Abstieg in den Basskeller locker gelingt. Was aber so richtig beeindruckt: Die inzwischen regelrecht attackierenden Grund- und Tiefbassanteile wirken auch jetzt weder beschnitten oder gedrosselt, sondern sind einfach nur durchzugsstark und fast schon frei von jeglicher Limitierung. Neben dem packenden, nach vorne spielenden Gestus imponiert mir dabei vor allem die tonale Sicherheit mit der der Amp das Bühnenbild in den Raum projiziert. An seine Grenzen kommt der Verstärker dann übrigens erst weit oberhalb der vielzitierten Zimmerlautstärke. OK, das war zu erwarten, stellt aber überhaupt kein Problem dar. Wer größere Räume zu beschallen hat oder generell lauter hört und auch unter allerhöchsten Pegeln eine blitzsaubere, akkurate und impulsstarke Wiedergabe einfordert, wird sich vermutlich ohnehin für einen deutlich größeren, leistungsstärkeren und teureren Amp oder gar eine Vor-/Endstufen-Kombi entscheiden. In allerhöchste Leistungs- und Klanggefilde dringt der A-40AE also nicht vor, dafür wurde er aber auch nicht konzipiert und das ist für den aufgerufenen Preis auch nicht möglich. Und doch liefert er einen Sound der sprichwörtlich direkt ins Blut übergeht und einfach nur Spaß macht! Und: Der Pioneer hat genug Leistungsreserven um Räume bis zu einer Größe von 30-35 Quadratmetern locker mit Musik zu füllen.

Zum Lieferumfang gehört auch die übersichtlich strukturierte Infrarot-Fernbedienung.

Vinyl rules – auch am A-40AE

Im nächsten Testabschnitt soll sich der A-40AE dann in der analogen Wiedergabe am Elac Miracord 90 bewähren. Schallplatte ist also angesagt! Die Installation ist fast so leicht wie beim CD-Player: Cinchkabel rein und Masse anschließen, fertig! Wie es sich für einen Stereo-Amp für die anspruchsvolle Musikfreunde gehört, gehören die entsprechende Masseklemme und ein MM-Vorverstärker selbstverständlich zum Ausstattungsumfang. Für meinen Test erwähle ich dann die neueste Produktion zum fünfunddreissigsten Jubiläum aus dem Hause Dali. Eine Doppel-LP in 180-Gramm-Ausführung, die ich jedem engagierten Musikfreund nur ans Herz legen kann. „Up To The Mountain“ von Hush eröffnet die zweite Hörsession, nachdem ich den Verstärker auf „Direct“ stelle. Bedeutet: Alle internen Klangregelungen wie Bass- und Höheneinstellungen sind nun deaktiviert. Alle eingehenden Signale werden auf direktem Wege an die Endstufen geliefert, reiner geht es kaum. Der Sound ist einfach schön und räumlich, das Klangbild löst sich sauber von den Boxen ab. Die Bühne ist breit aufgespannt und auch entsprechend tief. Die Musik spielt frei im Raum statt an den Lautsprechern zu kleben. Dazu die vielen Details, die die Hörsession fast schon zur Entdeckungsreise machen. Das leichte Zupfen der Gitarrensaiten, sanfte Geigenklänge und dazu die involvierende Stimme Dorthe Gerlachs. Alles wirkt gleichermaßen angenehm und geerdet. Eine Musikwiedergabe, die schlicht zum Zurücklehnen einlädt. So muss Musik sein, viel dran, viel drin aber nichts vordergründig, sondern ausgeglichen und mit vielen kleinen Highlights garniert.
Ähnlich geht es dann im nächsten Song mit Erann DD und „Sugar Man“ weiter. Die zugespielte Musik ändert sich, der Eindruck bleibt. Auch jetzt nimmt der A-40AE die ihm zugeführten Signale sorgfältig in seine Obhut, um sie nach der Verstärkung direkt an die Lautsprecher weiterzugeben. Auffällig ist dabei nichts. Das ist auch gut so, alles passt, alles ist harmonisch und irgendwie ist alles auch richtig und ich genieße schlichtweg die Schönheit der Musik.

Sehr cool: Die gerade gewählte Quelle wird über einen kleinen LED-Indikator angezeigt.

HiRes geht auch

Zum Testabschluss wechsle ich dann noch einmal die Art der Zuspielung: Aus analog wird wieder digital – diesmal optisch vom MacBook angeliefert und über den internen HiRes-DAC auf analoge Ebene gewandelt. Mit dem Tausch der Quelle geht dann auch der Wechsel der angeschlossenen Lautsprecher einher. Die A45 müssen jetzt den deutlich schmaleren Inklang 10.3 Advanced Line weichen. Mit Daft Punks „Doin` It Right“ will ich anschließend wissen, wie sich der A-40AE gibt, wenn das Quellmaterial komplexer ist und dabei auch noch Tiefgang und Tempo einfordert, schließlich hat der Song jede Menge Leben und Agilität zu bieten. Eigenschaften, die nach dem Druck auf die Play-Taste von der Theorie umgehend in die Praxis umgesetzt werden. Satten Beats stehen schnelle Synthie-Rhythmen gegenüber, über denen die elektronisch anmutenden Vocals des französischen Duos zu schweben scheinen. Bamm, das sitzt perfekt! Und zwar alles wieder homogen und in nahezu perfektem Einklang. Warme Klangfarben, eine präzise und lückenlose Darstellung und Homogenität. Punkte, die aus vielen Details ein großes Ganzes machen, dem man gern zuhört. Was mir dabei einmal mehr positiv auffällt, ist der Punch, den der Pioneer an den Tag legt und der sich in einer fast schon staubtrockenen Grundtonwiedergabe bemerkbar macht. Dass dabei aber auch der Tiefbass konturiert wird und nicht wummerig oder nervig erscheint, spricht für meinen Testprobanden, der die Musik schlichtweg ganzheitlich und nicht in Fragmenten reproduziert, wie man es von anderen preisgünstigeren HiFi-Verstärkern kennt.

IM Test musste sich der A-40AE u.a. auch an den Inklang 10.3 AdvancedLine behaupten.

Fazit

Wer sich nach einem klassischen HiFi-Verstärker in der „unter-400-Euro-Klasse“ umsieht, erhält oft klangliche Magerkost. Nicht so beim Pioneer A-40AE. Dieser Verstärker hält sich zwar optisch zurück und beschränkt sich in Sachen Ausstattung auf das Wesentliche, legt die klangliche Messlatte in seiner Preisklasse aber ganz nach oben. Egal, ob digital oder analog zugespielt, die Stärken des A-40AE liegen eindeutig in der Detailauflösung und seiner Impulskraft. Zwar ist der Pioneer kein Leistungswunder, Räumlichkeiten von bis zu 35 Quadratmetern füllt er aber dennoch problemlos mit sauberem Sound aus. Wer also nach einem preislich attraktiven HiFi-Verstärker im klassischen Design Ausschau hält, der exzellent klingt, agil und grundtonbetont aufspielt und Signale analoger wie digitaler Quellen entgegen nimmt, sollte sich diesen obendrein sehr gut verarbeiteten Stereo-Amp unbedingt mal anhören.

Test & Text: Roman Maier
Fotos: Philipp Thielen

Gesamtnote: 1,0
Klasse: Spitzenklasse
Preis-/Leistung: sehr gut

98 %

98 %

95 %

181008.Pioneer-Testsiegel

Technische Daten

Modell:Pioneer
A-40AE
Gerätekategorie:Vollverstärker
Preise:399 Euro (UVP)
Ausführung:- Schwarz
- silber
Vertrieb:Pioneer & Onkyo Europe, Willich
Tel.: +49 2154 / 913 13-0
www.pioneer.de
Abmessungen (H x B x T):129 x 435 x 323 mm
Gewicht:8,2 kg
Eingänge:1x optischer Digitaleingang (SPDIF)
1x Koaxial-Eingang
6x Stereo-Cinch-Eingang
Ausgänge:1x Stereo-Cinch-Out
2 Paar Lautsprecher-Anschlussklemmen
Lieferumfang:- A-40AE
- Netzkabel
- Bedienungsanleitung
- Fernbedienung
- Batterien
Besonderes:+ sehr guter Klang
+ hohe Grundtonagilität
+ große Anschlussvielfalt
+ HiRes-DAC (bis 192 kHz/24 bit)
+ sehr gute Verarbeitung
+ Klangregelung
+ Direct-Schaltung
Benotung:
Klang (60%):1+
Praxis (20%):1+
Ausstattung (20%):1,0
Gesamtnote:1+
Klasse:Einstiegsklasse
Preis-/Leistunghervorragend

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