Die KEF R3 ist der Nachfolger der bekannten KEF R300. Neu sind insgesamt 1043 Punkte, u.a. das nochmals optimierte Uni-Q-Chassis. Die R3 ist etwas superedel verarbeitet, schmaler, dafür aber etwas höher als der Vorgänger. Aber kann sie sich dabei mit ihren vielen Neuerungen auch klanglich erneut in Szene setzen?

Die KEF R3 sieht verdammt gut aus (Location: BoConcept, Düsseldorf).

(Fast) alles neu in der R3

Dem neuen Modell hat die Ken Engineering & Foundry (KEF) nicht nur zwei Nullen gestrichen. Die Briten haben in der KEF R3 gleich 1043 Bauteile gegenüber dem 300er Modell modifiziert. Die meisten Neuerungen befinden sich für den Hörer unsichtbar im Inneren der Box. Von außen erkennt man nur die neue Membranabdeckung und vielleicht den Spalt zwischen Hochtonlautsprecher und Mitteltonlautsprecher im Uni-Q-Chassis. Im Vergleich zum Vorgänger fällt außerdem die Platzierung des Marken-Logos auf. Diesmal ist es direkt auf die Box aufgetragen und nicht mehr als Plakette an der Oberkante ausgestellt. Auch die Blenden sind inzwischen vollständig schwarz statt silbern. Auf der Rückseite findet sich immer noch das robuste Terminal, allerdings sitzt die Bassreflexöffnung nun höher. Darüber hinaus offeriert KEF neben den Hochglanzausführungen Schwarz und Weiß jetzt auch eine Variante in Walnussholz mit passenden Bronze-eloxierten Membranen. Aber werfen wir doch zunächst mal einen Blick auf die technischen Daten der Lautsprecher:

Die Verarbeitung der R3 ist schlichtweg hervorragend (Location: BoConcept, Düsseldorf).

Bekannte und doch neue Technik

Die KEF R3 wurde technisch stark überarbeitet, entsprechend haben sich auch die Maße etwas verändert. Das Gehäuse ist mit 199,5 Millimetern in der Breite etwas schmaler geworden. In der Höhe ist die Box dafür etwas angewachsen und misst nun 422,2 Millimeter. In der Tiefe hat sich dagegen nicht ganz so viel verändert, hier werden 33,5 Zentimeter inklusive Terminal gemessen. Da es sich hier um eine nach hinten abstrahlende Bassreflexkonstruktion handelt, sollte man der R3 nach hinten etwas mehr Platz zur Wand bereitstellen. Wie wir später noch feststellen werden liefert die KEF ein sattes Bassfundament. Allein deshalb sollte man ihr etwas Freiraum gönnen, damit es untenrum nicht zu präsent wird. Ich habe sie in etwa 50 Zentimetern Abstand zur dahinterliegenden Wand getestet. Als ich sie dichter gerückt habe, wurde mir der Bass persönlich zu fett. Aber das ist Geschmackssache und auch die Hörräume unterscheiden sich ja in ihren akustischen Eigenschaften. Hier ist also ein bisschen Probieren angesagt.
Das Gehäuse der R3 ist absolut hochwertig verarbeitet und bei meinem Testgast von schwarzem Hochglanzlack überzogen. Das sieht sehr schick aus und bietet einen schönen Kontrast zu den matt gehaltenen Chassis. Andererseits ist der Lack auch ein Magnet für Fingerabdrücke. Zum Glück hantiert man mit dem 13,5 Kilogramm schweren Gehäuse aber nicht so viel herum, wie beispielsweise mit dem Smartphone. Der Lautsprecher ist technisch als Drei-Wege-System ausgeführt. Das Uni-Q-Chassis nimmt die 25-Millimeter-Hochtonkalotte in die Mitte des 125-Millimeter-Mitteltonchassis. Technisch bietet das u.a. den Vorteil, dass hohe Frequenzen phasengleich mit dem Mitteltonbereich abgestrahlt werden. Für den Tieftonbereich ist dann ein großes 165-Millimeter-Tieftonchassis zuständig. Alle Treiber sind in Aluminium ausgeführt. Ein Material, das bei allen drei Treibern ein schnelles Impulsverhalten verspricht.

Für eine KEF-Box ist ein Uni-Q-Chassis unerlässlich. In der R3 sitzt die allerneueste Version dieses KEF-Markenzeichens (Location: BoConcept, Düsseldorf).

Aufstellung nach Geschmack

Die Aufstellung der KEF R3 sollte sorgfältig ausprobiert werden – aber das gilt auch für jeden anderen Lautsprecher. Die Schwierigkeit liegt hier allerdings nicht darin, ein klanglich feines Stereodreieck zu bilden. Die Kantenlänge des Dreiecks spielt in meinem Test kaum eine Rolle. Der Abstand zur Wand macht sich hingegen deutlicher bemerkbar. Ab 50 Zentimetern Abstand zur Wand gelingt eine schöne ausgewogene Basswiedergabe ohne Überzeichnungen. Allerdings steht der Lautsprecher bei mir aber auch direkt vor einer Betonwand ohne Bedämpfung. Durch leichtes Eindrehen der Lautsprecher auf die Hörposition kann der Abstand dann etwas verringert werden. Der Lautsprecher deckt laut Datenblatt einen Frequenzbereich von 38 Hertz bis 50 Kilohertz ab. Schon bei den ersten Hörtests zur Suche des optimalen Aufstellungsortes stelle ich schnell fest, dass der Basstreiber sehr stattlich zur Sache geht. KEF empfiehlt zum Betrieb einen Verstärker mit 15 bis 180 Watt Ausgangsleistung an 8 Ohm. Ich teste wieder mit dem mir sehr gut bekannten Magnat RV 4. Mit zwei Mal 120 Watt an 8 Ohm liegt er noch gut im Leistungsspektrum, auch wenn er in den Spitzen deutlich mehr Leistung abgeben kann. Die KEF R3 wird über ihr äußerst robustes Anschlussterminal verbunden. Dieses ist auch für Bi-Wiring vorbereitet und nimmt sowohl Bananenstecker in Empfang wie auch dicke Lautsprecherkabel. Eine Besonderheit hier: Für Bi-Wiring muss keine Brücke entfernt werden. Das Terminal bietet dafür zwei Drehregler, über die man die Brücke im Terminal auftrennt. Da ich gerade kein passendes Regal zur Verfügung habe, habe ich die Lautsprecher auf Standfüße platziert, um sie auf Ohrhöhe zu bringen. Nachdem nun alles eingerichtet ist, lege ich mal mit dem Hörtest los:

Clever und edel: Statt externer Brücken wird die Hoch-/Mitteltonsektion über Drehregler gelöst/verbunden (Location: BoConcept, Düsseldorf).

Brachiales Bassbombardement aus der kleinen Box

Hier ist es dann nahezu egal, welches Material ich der Box darreiche. Immer wieder überrascht mich die R3 durch ihr sattes Bassfundament. Das Genre spielt dabei nahezu keine Rolle. Ein Beispiel? Klassik: „Toccata con Fuga“ in d-Moll von Johann Sebastian Bach. Gerade zuvor habe ich einen Lautsprecher angehört, der seinen zwei Basstreibern mit etwa 65 Litern wirklich viel Volumen bietet, der deutlich zierlicheren KEF R3 kann er aber nicht das Wasser reichen. Die tiefen Pfeifen erhalten in der R3 eine solide Bassgrundlage. Hierauf bauen die hölzernen Pfeifen im mittleren Bereich sauber auf. Auch kann ich das sanfte Anblasen wahrnehmen und selbst die kleinsten Pfeifen flöten hier glasklar durch den Raum. Die Übergänge vom tiefen Bereich bis in die feinsten Höhen gelingen den Chassis und der perfekt angepassten Frequenzweiche perfekt. Dem Uni-Q-Chassis gelingt ganz nebenbei auch eine hervorragende Verteilung der einzelnen Orgelpfeifen. Die Räumlichkeit der Kirche breitet sich eindrucksvoll in meinem viel kleineren Abhörraum aus. Meine Neugier ist geweckt. Und wenn es um tiefen, raumgreifenden Sound geht, wähle ich gern „Ufo“ von Ellen Allien. Tatsächlich gelingt es der R3 (aus ihren geschätzten 15 Litern Gehäusevolumen) auch in diesem Song einen knackigen, wuchtigen Bass hervorzuzaubern. Die leichten Alu-Membranen beweisen, dass es nicht immer auf die Größe der Schwingflächen oder des Gehäuses ankommt. Auch ein einzelner 165-Millimeter-Treiber kann die Luft ordentlich beschleunigen. Noch schöner kommt dies in „30 000 Days“ von Yello zur Geltung. Einzig die Stimme von Dieter Meier könnte noch einen Hauch mehr Saft im tiefen Bereich vertragen, aber das ist Meckern auf höchstem Niveau, denn irgendwann ist schließlich die Grenze des physikalisch Machbaren erreicht. Die Bassperformance ist absolut top – und nicht nur sie kann absolut überzeugen.

Im Hörtest musste sich die R3 in verschiedenen Szenarien beweisen (Location: BoConcept, Düsseldorf).

In der Mitte liegt die Macht

Gerade für Stimmen ist der Frequenzbereich im Übergang vom Tief- zum Mittelton interessant. Gerne teste ich hier mit Suzanne Vega, die eine wunderbar sanfte Alt-Stimme besitzt. In „Tom’s Diner“ bekommt man sie sogar ganz ohne störende Instrumente präsentiert. Hier zeigt die KEF R3 erwartungsgemäß ebenfalls keine Schwächen. Alle Details in der Stimme werden präzise intoniert. Die Box positioniert Suzanne Vega sauber vor mir im Raum. Es klingt, als sänge sie gerade live vor meinem Sofa. Ebenso anspruchsvoll ist die Wiedergabe von Jennifer Rush im Intro von „Destiny“. Natürlich sticht hier sofort wieder der knackige und saftige Bass im Intro hervor. Als die ausgebildete Opernsängerin dann einsetzt, wird aber klar, dass hier nicht nur der Bass ordentlich zupackt. Die Stimme der Amerikanerin bekommt sofort die passende Unterfütterung, um nur kurz darauf in höhere Stimmlagen zu wechseln. Wow! Dieser Lautsprecher macht einfach Spaß, darum habe ich gleich noch Station bei Susan Tedeschi gemacht. In „Back to the River“ hat mich allein das Intro der Gitarre aus den Socken gehauen. Die warme und doch fetzige Abstimmung des Saiteninstruments wird von den offensichtlich perfekt abgestimmten Chassis ganz trocken und kraftvoll wiedergegeben. Ich kann die Spannung in den Saiten förmlich hören. Auch die Sängerin wird, wie schon ihre beiden Vorgängerinnen, exzellent und in allen Details im Hörraum projiziert. Während die tief abgestimmte Bass-Drum den Rhythmus mit dem nötigen Biss in den Raum stellt, klingen auch die begleitenden Schlaginstrumente schmissig und präzise, aber niemals unterkühlt.

Steht die KEF näher an der Wand …

Die Höhen können streicheln, aber auch zubeißen

Jetzt fehlt nur noch die satte Orgel des Delvon Lamarr Organ Trios in „Concussion“. Und schon wieder überrascht mich der Lautsprecher mit einem tiefreichenden Fundament, das der Organist dem Instrument mit dem Pedalen entlockt. Der angenehm warme und doch zupackende, voluminöse Klang der Orgel im Mitteltonbereich versetzt mich sofort wieder ins Publikum. Zugleich spielt sich die Gitarre, die direkt den Mitteltonbereich beackert, nicht in den Vordergrund. Ich maße mir nicht an die 50 Kilohertz, die KEF für die KEF R3 angibt, zu hören. Das heißt aber nicht, dass dieser Frequenzbereich hier nur auf dem Papier steht. Was meine Ohren in den oberen Frequenzlagen geliefert bekommen, überzeugt auf ganzer Linie. Das Konzept den Hochtöner in das Mitteltonchassis zu integrieren, funktioniert auch hier tadellos. Die beiden Lautsprecher schaffen es jederzeit eine breite Bühne aufzuspannen. In der „Toccata con Fuga“ von Bach spannt sich die riesige Kirche im Hörraum auf. In „Friction“ von den Imagine Dragons bereiten die Toms die breite Bühne für den Rest der Band. Darüber hinaus sind alle Instrumente exakt im Raum zu orten. Der Hochtöner beweist in „Equinoxe Teil 4“ von Jean-Michel Jarre eindrucksvoll, wie er die Balance zwischen knackig zwitschernden Klängen und sanften säuselnden Synthesizersounds zelebriert. Quer durch alle Genres entdecke ich hier immer wieder neue, interessante Details. Gerade bei „Kiss The Cloud“ von Yello wimmelt es vor zaghaften Geräuschen, die hier klar akzentuiert aber nicht überbetont werden. Die Becken des Schlagzeugs von Susan Tedeshi erschallen wunderbar präzise und drängen sich nie zu sehr in den Vordergrund. Richtig zubeißen darf der Tweeter dann wieder in „Ufo“ von Ellen Allien. Ab Minute 1:31 wird ein peitschender Sound wiedergegeben, der den R3 aber gerade einmal ein sanftes Lächeln abfordert.

… sollte man die Bassreflex-Öffnung über die mitgelieferten Schaumstoffzylinder verschließen (Location: BoConcept, Düsseldorf).

Gibt es noch mehr?

Na sicher. Wer an der KEF R3 Gefallen findet, kann sich aus der neuen R-Serie ein ganzes Heimkino inklusive Dolby Atmos aufbauen. Sollte die R3 zu klein ausfallen, stehen noch drei Standlautsprecher mit vergleichbarer Technik zur Verfügung. Die R11 stellt hierbei den größten Kandidaten mit vier Basstreibern dar. R7 und R5 bieten je zwei Bass-Chassis. Als Dolby-Atmos-Lautsprecher dient die Aufsatz-Box R8a. Der R2c bietet sich zudem als reiner Center-Lautsprecher an. Wer dann immer noch nicht genügend Bass findet, ergänzt sein Setup um den Subwoofer R400b mit 500 Watt Leistung und zwei 225-Millimeter-Basschassis. Alle Lautsprecher (mit Ausnahme des Subwoofers) sind selbstverständlich mit der neuesten Version des legendären KEF-Uni-Q-Chassis ausgestattet.

Das untere Chassis ist einzig und allein für die Tieftonwiedergabe vorgesehen. Und Bass hat die R3 jede Menge zu bieten (Location: BoConcept, Düsseldorf).

Fazit

Sie spielen hart und gleichzeitig warm und ausgesprochen harmonisch über den gesamten Frequenzbereich. Der Bass ist voluminös, das gefällt mir. Selbst unter geringen Lautstärken ist noch ein ausreichendes Bassfundament vorhanden. Bei gehobener Lautstärke fetzt es dann so richtig. Dabei fügt sich alles passgenau zusammen, keine Frequenz drängt sich vorschnell nach vorn. Das Uni-Q-Chassis arbeitet wunderbar präzise, seziert alle Bestandteile messerscharf und positioniert sie auf einer breiten Bühne, die der Basstreiber mit dem notwendigen Fundament unterlegt. Musikliebhaber, die gerne auch mal etwas lauter hören, finden in der R3 einen kompakten Lautsprecher, der alle Genres bedienen kann.

Test & Text: Dieter Pfeil
Fotos: Philipp Thielen
Fotos entstanden mit freundlicher Genehmigung bei BoConcept in Düsseldorf

Gesamtnote: 93/95
Klasse: Spitzenklasse
Preis-/Leistung: sehr gut

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190307.KEF-Testsiegel

Technische Daten

Modell:KEF
R3
Produktkategorie:Drei-Wege-Regallautsprecher
Preis:ca. 1.598,00 Euro/Paar
Garantie:- 2 Jahre
- 5 Jahre (bei Registrierung)
Ausführungen:- Weiß (Hochglanz)
- Schwarz (Hochglanz)
- Walnuss
Vertrieb:GP Acoustics, Essen
Tel.: 0201 / 170390
www.kef-audio.de
Abmessungen (HBT):422 x 100 x 116 mm
Gewicht:13,5 Kg / Stück
Prinzip/Bauart:Drei-Wege/Bassreflex
Chassis:- 125 mm Uni-Q
- 1 x 165 mm Aluminium
Anschluss:- Bi-Wire-Schraubklemmen
Lieferumfang: - Bedienungsanleitung
- Gummifüßchen
- Schaumstoffzylinder
Pros und Contras:+ exzellente Lackierung
+ neuestes Uni-Q-Chassis
+ perfekte Chassis-Abstimmung
+ zeitloses Design
+ neutrale Klangeigenschaften
+ dynamische Bassperformance
+ durchzugsstarke Grundtondynamik
+ hochwertiges Anschlussfeld

- empfindlicher Lack
Benotung:
Klang (60%):93/95
Praxis (20%):94/95
Ausstattung (20%):94/95
Gesamtnote:93/95
Klasse:Spitzenklasse
Preis-/Leistungsehr gut

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