Home » Lifestyle » Digitale Wallets – was sie heute können und was bald kommt
3. Dezember 2025Digitale Wallets entwickeln sich zunehmend zu zentralen Begleitern im Alltag. Statt nur als Ergänzung zur Bankkarte zu dienen, übernehmen sie immer mehr Funktionen, die bisher physische Dokumente oder separate Geräte erforderten. Der Wandel vollzieht sich sowohl technisch als auch regulatorisch, und es zeigt sich deutlicher denn je, dass Wallets ein breiteres Einsatzgebiet abdecken werden als reines Bezahlen.

Wallets bieten heute jedoch deutlich mehr Funktionen als den Ersatz der physischen Zahlungskarte (Foto: pexels.com/Lukas).
Wachsende Nutzung und neue Funktionen
Digitale Wallets zählen weltweit zu den am stärksten wachsenden Bezahlmethoden und erreichen in mehreren Märkten bereits hohe Anteile am E-Commerce. In Deutschland nimmt die Nutzung mobiler Zahlungen zu, was sich in steigenden Kontaktlos- und Wallet-Transaktionen widerspiegelt. Händler reagieren darauf, indem sie mobile Zahlarten verstärkt integrieren und ihre bestehenden Kassensysteme um mobile und kontaktlose Optionen erweitern. Gleichzeitig breiten sich SoftPOS-Lösungen aus, die es ermöglichen, Zahlungen direkt auf Smartphones zu akzeptieren. Händler können damit kontaktlose Zahlungen direkt über ihre mobilen Geräte annehmen, ohne zusätzliche Hardware. Die Technik nutzt NFC und erfüllt die Standards der Kartenanbieter, wodurch sie sowohl für kleine Geschäfte als auch für mobile Dienstleister attraktiv wird. SoftPOS senkt Kosten, vereinfacht Abläufe und unterstützt die zunehmende Verlagerung hin zu flexiblen Transaktionen. Wallets bieten heute jedoch deutlich mehr Funktionen als den Ersatz der physischen Zahlungskarte.
Neben dem Online-Shopping ermöglichen sie Zahlungen in Bereichen wie Streaming-Abos, Mobilitätsdiensten, Lieferplattformen oder App-Stores. Kreditkarten werden dabei zunehmend über Wallets genutzt, da sie dort für kontaktlose Zahlungen, wiederkehrende Abos und In-App-Käufe hinterlegt werden können. Auch Online Casinos mit Kreditkarten Zahlungsmöglichkeit sind weit verbreitet, obwohl dieser Sektor als Vorreiter für die Implementierung flexibler Zahlungsarten gilt, wollen viele Kunden auf die Option der Kartenzahlung auch im iGaming nicht verzichten. In vielen Regionen dienen Wallets zudem als Sammelstelle für Tickets, Kundenkarten, Zugangsausweise oder Bordkarten. Ein besonders dynamischer Bereich ist der Zugang zu Fahrzeugen. Samsung hat beispielsweise im Sommer 2025 die Nutzung digitaler Autoschlüssel in Zusammenarbeit mit Mercedes-Benz eingeführt. Besitzer kompatibler Fahrzeuge können ihr Smartphone verwenden, um das Auto zu entriegeln, zu verriegeln und zu starten. Die Kommunikation basiert auf Technologien wie Ultra Wideband und erfüllt hohe Sicherheitsstandards. Solche Beispiele zeigen, wie sich Wallets zunehmend zu Schlüssel- und Identitätsplattformen entwickeln.
Regulierung als Beschleuniger
Die Europäische Union verstärkt den Trend zu digitalen Identitäten durch den Aufbau einer einheitlichen Infrastruktur. Die European Digital Identity Wallet soll Bürgern europaweit ermöglichen, Ausweise, Führerscheine oder Gesundheitsdokumente digital zu speichern und vorzuzeigen. In Deutschland haben mehr als 75 Unternehmen und Institutionen entsprechende Absichtserklärungen unterzeichnet. Die verpflichtende Umsetzung der EUDI-Wallet in allen Mitgliedstaaten ist bis spätestens 2026 vorgesehen. Damit entsteht ein Rahmen, der Wallets zu zentralen Identitäts- und Berechtigungswerkzeugen machen könnte und der über rein kommerzielle Anwendungen hinausgeht. Parallel dazu arbeitet die Europäische Zentralbank an den Grundlagen für einen digitalen Euro. Dieser soll nicht als Ersatz für Bargeld dienen, sondern als zusätzliche Bezahloption. Ziel ist es, langfristig eine europäische Infrastruktur zu schaffen, die unabhängiger von internationalen Zahlungsanbietern ist. Ein digitaler Euro könnte ebenfalls über Wallet-Systeme genutzt werden und würde deren Rolle im Zahlungsverkehr weiter stärken.
Technische Entwicklung und bestehende Hürden
Neben regulatorischen Vorgaben ist die technische Weiterentwicklung maßgeblich. Instant-Payment-Systeme werden häufiger genutzt, da sie eine direkte Geldübertragung ermöglichen. Wallet-Anbieter implementieren zunehmend Sicherheitsmechanismen, die früher spezialisierten Geräten vorbehalten waren. Bei digitalen Fahrzeugschlüsseln kommen Zertifizierungen wie EAL6+ zum Einsatz. Die zunehmende Vielfalt an Funktionen stellt jedoch Anforderungen an Kompatibilität und Interoperabilität. Smartphone-Hersteller, Automobilunternehmen, Banken und Behörden verfolgen nicht immer die gleichen Standards, was den Einsatz einzelner Funktionen regional oder modellabhängig begrenzt. Europa ist zudem ein Markt mit sehr unterschiedlichen Zahlungsgewohnheiten. In einigen Ländern sind Mobile-Payments alltäglich, in anderen dominieren weiterhin Karten oder lokale Verfahren. Im Zuge wachsender Funktionsvielfalt steigen die Anforderungen an den Schutz sensibler Daten. Wallets können je nach Anbieter digitale Tickets, Zugangsdaten oder weitere Nutzerinformationen speichern. Nutzer müssen sich darauf verlassen können, dass diese Daten sicher geschützt und bei Geräteverlust schnell wiederherstellbar sind.
Die Kombination aus politischer Regulierung, technischem Fortschritt und wachsender Akzeptanz schafft ein Umfeld, in dem Wallets weitere physische Dokumente ersetzen könnten. In Bereichen wie Mobilität, Verwaltung oder Handel entstehen klare Anwendungsszenarien: vom digitalen Führerschein über Fahrzeugzugang bis hin zu europaweit anerkannten digitalen Identitätsnachweisen. Für Nutzer bedeutet dies ein vereinfachtes Handling, für Unternehmen effizientere Prozesse und für Staaten einheitliche Standards. Wallets entwickeln sich damit zu Plattformen, die verschiedene Lebensbereiche verbinden und den Alltag zunehmend digitalisieren.
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