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30. Dezember 2025
von Volker Frech
RedakteurGeht’s auch mal kleiner? Accustic Arts beantwortet diese Frage mit dem neuen Amp I: Die Stereo-Endstufe lässt das kubische Boliden-Maß und den Watt-Maximalismus hinter sich – und bietet trotzdem einen beeindrucken Anblick und eine imposante Leistung: Für die 330 Watt pro Kanal sorgt Accustic Arts-typisch ein Dual-Mono-Design nach dem Stromspiegel-Prinzip, auch bei den Features sind alle Finessen der großen Brüder an Bord. Wie der Amp I klingt, zeigt unser Test.

Der Accustic Arts Amp I ist, wie alle Komponenten der Lauffener Manufaktur, ein Traum in Aluminium und Chrom – aber ganz untypisch ein Endstufe im sideboardfähigen Format.
Endstufen sind bei Accustic Arts bislang zentimeterreiche und wattstarke Würfel: Wer das Portfolio der Manufaktur studiert, aus dem wir bereits den Mono IV, den Mono VI und den Amp V getestet haben, findet hier durchweg kniehohe kubische Kraftwerke mit teils vierstelliger Watt-Potenz. So wuchtig und brachial braucht’s nicht jeder – und so kam von Fans und Vertrieben die Frage, ob die High End-Manufaktur nicht quasi einen halben Amp IV fertigen könnte. Klar kann sie – und mit dem Amp I ist nun erstmals seit geraumer Zeit wieder eine Endstufe im Programm, die eine Platzierung im Rack oder auf dem Board ermöglicht und auch im Preis deutlich Konto-schonender ist. So passt dieser Endverstärker prima zu dem bald folgenden Vorverstärker Preamp I – und Accustic Arts hat dann auch wieder eine ausgewiesene Vor-/Endstufen-Kombination in der Top-Serie, die mit dem Player III auch gleich den Klangketten-komplettierenden CD-Spieler bietet.

Die perfekt in die Oberseite gefräste Modellbezeichnung ist eine absolute Augenweide – und ein Parade-Beispiel für die herausragende Material- und Fertigungsqualität. Dies ist die wohl attraktivste Lösung zur Ventilierung eines Verstärkers.
Audiophiler Traum aus Aluminium und Chrom
Zurück zum Amp I. Auch wenn er kleiner ist als seine raumgreifenden Brüder: Auf unserem Redaktionstisch glänzt der 21 mal 48 mal 42 Zentimeter einnehmende und satte 27 Kilo wiegende Endverstärker mit einem eindrucksvollen Auftritt. Doch das liegt nicht allein an seiner stattlichen Statur, sondern an seinem edlen Design und seiner superben Verarbeitungsqualität. Wie seine Verstärker-Verwandten ist er sofort als Accustic Arts-Komponente erkennbar: Auch der Amp I ist ein audiophiler Traum aus Aluminium und Chrom. Für den Hochglanz sorgt die zentral auf der Front positionierte Blende: Dieses wie eine Intarsie absolut bündig eingelassene Inlay besteht aus massivem Messing, welches makellos verchromt ist und somit perfekt spiegelt. Auf dieser Blende ist im oberen Bereich das Logo der Manufaktur als Medaille eingesetzt. Im unteren Areal beherbergt dieses Inlay das einzige Bedienelement der gesamten Front: den ebenfalls metallenen und verchromten An/Aus-Schalter. Drei darunter angeordnete LED informieren uns dann über den Betriebszustand des Verstärkers.

Die Wangen des Amp I sind komplett als Kühlkörper ausgelegt. Die aus dem Vollen gefrästen Rippen-Areale bietet eine große Abstrahlfläche und sorgen so für eine effektive Abfuhr der Wärme: Die Leistungstransistoren des Verstärkers haben über eine massive innseitige Metallplatte unmittelbaren thermischen Kontakt mit den Kühlkörpern. Die elegant abgerundeten Lamellen befördern die optische Leichtigkeit und Eleganz des Verstärkers – wie auch die feine Fasung aller Kanten. Die Front beeindruckt wie immer bei Accustic Arts mit dem Strichbild des gebürsteten Aluminiums und dem sanften Schimmer der veredelten Oberfläche.
Nobles Schimmern
Abseits des Inlays präsentiert sich der Amp I in einem Gehäuse aus massivem Aluminium. Die Kanten sind perfekt gefast, die Flächen fein gebürstet und eloxiert. So ist das attraktive Strichbild erkennbar, und das Metall besitzt einen noblen, sanften Schimmer. Unser Modell ist in Silber belassen, die Eloxierung ist aber auch in Schwarz realisierbar. Die Blende kann zudem vergoldet statt verchromt werden, ebenso die Medaille und die Füße. Mit dem Edelmetall-Überzug, der eine Reinheit von 98% aufweist, ist der Amp I dann erst recht eine Wertanlage. Zur Gewichtigkeit diese Verstärkers tragen offensichtlich seine dickwandigen Korpus-Platten bei: Die Metallstärke der Oberseite beträgt acht Millimeter, bei der Front ist es gar ein Zentimeter. Auch die aus dem vollen Metall gefrästen Kühlrippen-Areale der Wangen weisen diese Dicke auf, bevor das massive Material zu beiden Seiten in ein Spalier feiner Lamellen übergeht. Diese filigranen, geriffelten und attraktiv abgerundeten Rippen-Reihen erhöhen die elegante Anmutung.
Exzellenz in Qualität und Fertigung
Sie verleihen dem Amp I zudem eine gewisse Leichtigkeit. Dies befördern die vier Metallfüße, auf denen der Verstärker thront: Akustisch bewirken sie mit ihren gummierten Unterfütterungen eine Vibrationsabsorption, optisch lassen sie den Amp I scheinbar schweben. Im Ganzen weist dieser Verstärker eine exzellente Materialqualität und eine perfekte Verarbeitung auf. Für dieses Referenz-Niveau ist die Lauffener Manufaktur, die jede ihrer High End-Komponenten in penibler und akkurater Handarbeit fertigt, ja bekannt. Wir haben diese Top-Qualität nicht nur bei den Endstufen kennengelernt, sondern auch etwa beim Player VI, beim Tube Preamp V und beim Preamp V Phono oder beim Power III Phono erlebt. Der Amp I knüpft hier nahtlos an. Ein Highlight aller Accustic Arts-Komponenten ist immer auch die Gestaltung der Oberseite: Der Amp I beeindruckt hier mit einer vollendeten Ausfräsung seiner Modellbezeichnung. Diese Durchbrüche sind mit einem Lochgitter unterlegt. Das ist eine überaus elegante und edle Art, das Verstärkergehäuse zu ventilieren.

Nobles Design: Die hochglänzende und spiegelglatte Chromblende ist absolut bündig als edle Intarsie in die Front eingelassen. In dieses Inlay ist wiederum die Medaille mit dem siegelartigen Accustic-Arts-Logo eingelegt.
Dual-Mono-Aufbau
Diese Belüftung sorgt in Kooperation mit den Kühlrippen-Arealen für die gebotene Wärmeabfuhr. Hier kommt schon das eine oder andere Grad Celsius zusammen, denn der Amp I hat im Leerlauf eine Leistungsaufnahme von stattlichen 75 Watt, im Betrieb liefert er dann an vier Ohm satte 330 Watt – pro Kanal natürlich. Diese Power erreicht der Amp I Accustic Arts-typisch mit einer Verstärkerschaltung im Dual-Mono-Design. Der linke und rechten Kanal des Stereo-Signals werden also von komplett eigenen und strikt getrennten Hochleistungsverstärkern amplifiziert. Dieser Dual-Mono-Aufbau ermöglicht eine optimale Kanaltrennung. Im Gehäuse sind die Platinen dieser beiden Verstärker nun entlang den Wangen eingesetzt. Sie durchziehen hier zu beiden Seiten fast den gesamten Innenraum. Die eigentlichen Verstärker, also die Transistoren der Ausgangsstufe, sind dabei auf externen Metallplatten montiert, die wiederum direkten Vollkontakt mit den seitlichen Kühlkörpern haben. Im Zentrum des Gehäuses thront dann ein üppig dimensionierter Ringkern-Transformator: Er erklärt ebenfalls das satte Gewicht des Amp I.
Kräftige Versorgung, kurze Signalwege
Dieser magnetisch geschirmte und vergossene Hochqualitäts-Umspanner stellt den beiden Verstärkern über getrennte Wicklungen bis zu 600 Voltampere zur Verfügung. Mit dieser Potenz bürgt er für eine große Stromlieferfähigkeit und hohe Leistungsreserven. Dies ist bei jedem Verstärker entscheidend für die Kraft, die Dynamik und die Ruhe der Wiedergabe. Hierzu trägt aber auch die nachfolgende Glättung und Siebung bei: Sie wird von ebenfalls preisintensiven Premium-Kondensatoren mit einer Netzteilkapazität von über 80.000 Mikrofarad besorgt. Dabei ist der gesamte Schaltungsaufbau mit kürzestmöglichen Leitungs- und Signalwegen realisiert. Dies kommt dem Störspannungsabstand zugute. Der durchdachte Innenaufbau ist in seiner Aufgeräumtheit und der Attraktivität der schwarz gehaltenen und leiterbahnvergoldeten Platinen übrigens ebenfalls eine Augenweide. Bei der Realisation des Verstärkers hat Accustic Arts das Schaltungsdesign vereinfacht und konzentriert – und deshalb hier auf die Brückenschaltung verzichtet, wie sie etwa beim Mono IV zum Zuge kommt, bei dem, obwohl er ein Mono-Amp ist, quasi zwei Endstufen die Verstärkung besorgen.

Die Rückseite des Amp I bietet übersichtlich-aufgeräumt die Anschlussmöglichkeiten für die zuspielende Vorstufe und die schallwandelnden Lautsprecher.
Stromspiegel-Prinzip als Verstärker-Markenzeichen
Unverhandelbar ist hingegen das Stromspiegel-Prinzip: Auf dieses Schaltungskonzept setzt Accustic Arts bei sämtlichen Endstufen. Dabei wird aus einem vorhandenen Referenz-Stromsignal ein weiteres Stromsignal abgeleitet – es wird also quasi gespiegelt. Im somit stromgesteuerten Amp I besorgen nun in jedem der beiden Verstärkerzüge acht streng selektierte, hochqualitative MOSFET-Transistoren die eigentliche Signalkräftigung. Ihre Vielzahl bürgt zugleich für eine hohe Stromlieferfähigkeit und vermeidet, dass die MOSFETs an ihre Leistungsgrenze gelangen. Dies befördert die Verzerrungsarmut des Verstärkers. Aufgrund dieses Schaltungsaufbaus und der letztlich daraus resultierenden hohen Stromlieferfähigkeit kann der Amp I auch mühelos niederohmige und fordernde Lautsprecher anzutreiben. Dazu besitzt der Amp I umfangreiche Schutz-Schaltungen. Sie behüten den Verstärker und die Schallwandler vor hochfrequenten Schwingungen und schalten die Lautsprecherausgänge ebenso bei Clipping und zu großem DC-Offset ab. Hierbei handelt es sich um unerwünschte Gleichstromanteile im Musiksignal: Sie hieven die Signalkurve auf ein anderes Bezugspotenzial und sind auch deshalb für Lautsprecher-Chassis unbekömmlich bis schädlich.
Feines Feature: die Dämpfungsfaktor-Linearisierung
Zu den Finessen jeder Accustic Arts-Endstufe zählt auch die zuschaltbare Dämpfungsfaktor-Linearisierung. Der Dämpfungsfaktor soll bei einem modernen gegengekoppelten Leistungsverstärker gerne groß sein. Dann ist der Innenwiderstand des Verstärkers wesentlich kleiner als der Widerstand des angeschlossenen Lautsprechers. Das sorgt für gutes Klirrverhalten und hohe Kontrolle über das Schwingverhalten der Lautsprecher-Chassis. Hier setzt Accustic Arts jedoch ein Aber: Die Lautsprecherchassis weisen ihr optimales Ein- und Ausschwingverhalten eben nicht bei maximalem Dämpfungsfaktor auf, sondern bei einem leicht darunter liegenden Wert. Dieser Faktor sollte außerdem über einen großen Frequenzbereich hinweg konstant sein. In der Realität gibt es jedoch prinzipbedingt ab etwa fünf Kilohertz einen Abfall. Hier kommt nun die Dämpfungsfaktor-Linearisierung ins Spiel: Ist sie aktiviert, stößt der Dämpfungsfaktor im bestmöglichen Bereich nicht mehr an dessen oberste Grenze, sondern liegt geringfügig darunter. Dafür weist der Dämpfungsfaktor nun im Frequenzverlauf einen wesentlich sanfteren Abfall auf: Er bleibt bis rund zwanzig Kilohertz innerhalb der optimalen Zone.

Die zuschaltbare „Damping Control“ ist eine Accustic Arts-typische Schaltungsdelikatesse: Die Dämpfungsfaktor-Linearisierung soll eine bestmögliche Balance schaffen zwischen hoher Verstärker-Kontrolle über die Lautsprecher-Chassis, optimalem Schwingverhalten der Lautsprechermembranen und zugleich hohem und konstantem Widerstandsverhältnis vom Verstärker-Ausgangswiderstand zur Lautsprecher-Impedanz.
Stummschaltung und Anschluss-Vielfalt
Die Aktivierung oder Deaktivierung dieser „Damping Control“ gelingt mit einem Druckschalter. Er ist auf der Rückseite des Amp I zur Linken der Eingangs-Sektion positioniert. Zur Rechten ermöglicht ein zweiter Druckknopf das Stummschalten der Lautsprecherausgänge. Das geschieht, wie auch die Freischaltung der Signalwege nach dem Einschalten der Endstufe, über hörbar klackende Relais. Dieses beruhigende Geräusch versichert uns, dass die Signalwege mechanisch und elektrisch absolut sauber getrennt oder verbunden werden. Dank der „Mute“-Schaltung lassen sich flott und einfach andere Vorverstärker oder Lautsprecher anschließen. Eingangsseitig bietet der Amp I hierfür einen symmetrischen XLR-Input wie auch einen unsymmetrischen Cinch-Eingang. Die Auswahl des Eingangs trifft man ebenfalls über einen Druckschalter. Dabei erlauben beide Inputs neben der gängigen AC-Kopplung auch die DC-Kopplung: Es kann also ein Vorverstärker angeschlossen werden, dessen Signal am Ausgang keinen Koppel-Kondensator durchläuft, welcher DC-Anteile blockt. Nun zu den Ausgängen: Hier bietet der Amp I vier exzellente WBT nextgen-Klemmenpaare und ermöglicht damit Bi-Wiring.

Eingangsseitig punktet der Amp I mit einem unsymmetrischen Cinch-Input sowie einem symmetrischen XLR-Eingang. Die Auswahl und Freischaltung des gewünschten Eingangs trifft man mit dem „Input Selection“-Schalter.
Der Accustic Arts Amp I in der Praxis
Für den Hörtest nutzen wir die gängige Single-Wiring-Anschluss-Art, weil unser Lautsprecher Audio Physic Midex mit einem Klemmenpaar ausgestattet ist. Vor den Amp I schalten wir als kombinierten Lied-Lieferanten und Vorverstärker den Lumin P1 mini. Ihn verkabeln wir zunächst unsymmetrisch mit dem Amp I und starten mit „Three Shades Of A House“ vom Bobo Stenson Trio. Gleich die ersten Takte des Songs lassen uns gebannt und gespannt auf dem Sofa sitzen. Das liegt einerseits an Bassist Anders Jormin und Schlagzeuger Jon Fält, die den Song eröffnen und bei ihrem Dialog ihre Instrumente unkonventionell-solistisch handhaben. Es liegt andererseits an der Wiedergabe über den verstärkenden Amp I: Mit dieser klanglichen Klasse haben wir das Intro noch nicht gehört! Jormin eröffnet mit einer flotten Folge von Flageoletts – und schon diese Obertöne, die durch leichtes Auflegen eines Greifhand-Fingers an der richtigen Saiten-Stelle und gleichzeitigem Anzupfen dieser Saite mit der Schlaghand entstehen …

Für den Lautsprecher-Anschluss bietet der Amp I gleich zwei Klemmenpaare. Diese Ausgänge sind gleichwertig. So können Schallwandler im Bi-Wiring-Verfahren angeschlossen werden. Die Polklemmen sind ausgezeichnete Modelle aus der nextgen-Reihe von WBT. Sie besitzen einen minimalen Metallanteil zugunsten einer maximalen Klangneutralität. Zudem sind sie mit einem Drehmoment-Indikator ausgestattet: So werden, wenn man blanke Litze verwendet, die feinden Drähtchen beim Anziehen nicht beschädigt. Falls das Lautsprecherkabel über eine separate Leitung für die Abschirmung verfügt, offeriert der Amp I hierfür sogar eigene Erdungskontakte.
Atemberaubende Echtheit
… hat eine atemberaubende Echtheit: Die Töne besitzen genau jene drahtige Glockigkeit, die eine dicke, metallumsponnene Bass-Saite bei dieser Spieltechnik verströmt. Dazu kommen die Töne mit phänomenaler Promptheit und Akkuratesse, was wir als herrliche Gegenwärtigkeit erleben: Es ist, als stünde Jormin mit seinem Bass direkt vor uns. Diese Wahrnehmung wird auch dadurch verstärkt, dass jeder seiner Saitenanschläge einen leichten, aber merklichen Druck erzeugt, der uns den Bass auch physisch erleben lässt – obwohl diese Flageoletts ganz feine, zarte und leise Töne sind. Wow! Gleich mit dem ersten dieser Töne werden wir auch in einen andern Raum versetzt, denn die Auflösung der Wiedergabe ist so hoch, dass schon der erste Saitenanschlag uns die Schallreflexionen des Studioraums liefert, welche die dortigen Mikrofone aufgenommen haben. Diese Ambiente-Vermittlung gelingt in der Wiedergabe derart vollkommen, dass der imaginierte Raum sofort die neue Realität wird – und die wirklichen Wände unseres Zimmers schlicht weggezaubert sind.
Spannendes Hörspiel
Dieser Eindruck intensiviert sich mit dem Einsatz von Jon Fält: Der Drummer legt noch vor seinem ersten musikalischen Mitwirken den Hebel an seiner Snare um, wodurch der sogenannte Teppich, der der Snare zu ihrem markanten Rasseln verhilft, unter das Resonanzfell gespannt wird – und selbst dieses Geräusch ist bei dieser Wiedergabe zu hören, wie schon zuvor Jormins Spielgeräusche beim Berühren und Zupfen der Bass-Saiten. Es sind genau diese Geräusche, die das akustische Salz in der Musik-Suppe sind: Erst durch sie wirkt eine Wiedergabe wie echt, erst durch sie haben wir das Gefühl, das hier reale Musiker vorn uns spielen. Dies vermittelt der Amp I mit Bravour! Nun setzt Fält in die Pausen der Bass-Flageoletts zarte Schläge auf sein Splash-Becken, auf die Glocke seines Ride-Beckens und auf den Rand seiner Tom. Dieser Dialog von Bass und Schlagzeug ist wie ein spannendes Hörspiel – und wir erkennen alle mitwirkenden Materialien!

Die Stereo-Endstufe scheint wegen der vier entkoppelnden Füße, leicht zu schweben. So wirkt der mit 27 Kilo durchaus gewichtige Verstärker deutlich leichter.
Klarheit, Reinheit und Ruhe
Wir hören die akustische Signatur vom Holz der Schlagzeug-Sticks, vom Metall der Becken und der Schlagzeugkessel-Rahmen, vom Stahl der Saiten – und wissen wegen der Dumpfheit des Anschlag-Geräuschs, dass hier menschliche Finger die Saiten zupfen. Das alles ist auch deshalb so sensationell gut und genau erlebbar, weil die Wiedergabe eine ungemeine Klarheit und Sauberkeit hat – und mit einer geradezu verblüffenden Rausch- und Geräuscharmut agiert. Selbst wenn wir den zuspielenden und vorverstärkenden Lumin im Leerlauf weit aufdrehen, leistet der Amp I sein Amplifizierungs-Werk mit maximaler Stille. Damit liefert er mit Bravour jenen „tiefschwarzen Hintergrund“, vor dem die Musik sich frei von jeglicher Ablenkung entfalten kann und auch allerkleinste Details hörbar bleiben, weil sie nicht in einem Grundrauschen untergehen. Die herausragende Reinheit ermöglicht eine herrliche Ruhe und Transparenz. Diese Meriten, die wir schon bei den großen Endstufen von Accustic Arts geschätzt haben, besitzt auch der Amp I.

Der „Mute“-Knopf dient der Stummschaltung der Endstufe. Dies ist ein feines Feature, weil es ein geräuschloses und schnelles Tauschen von Kabeln ermöglicht – und ebenso das stille Umschalten bei der Eingangswahl und der Damping Control erlaubt.
Immersive Raumwahrnehmung
Schließlich spielt auch Pianist Bobo Stenson auf seinem rechts neben dem Kontrabass aufgestellten Flügel mit. Jetzt haben wir ein komplettes Abbild des Trios auf der Bühne – und bekommen eine vollendete Vorstellung vom Auditorio Stelio Molo des RSI, in dem die Aufnahme stattgefunden hat. Mit seiner Transparenz, seiner Akkuratesse und seinem Detailreichtum imaginiert der Amp I eindrucksvoll die großzügige Räumlichkeit – und wir können immersiv in das Ambiente diesen Rundfunk-Konzertsaals eintauchen. Auch Stensons Klavierspiel hat eine stupende Realitätsnähe: Wir hören jeden Anschlag der filzbezogenen Hämmerchen auf den Saiten, als säßen wir ganz nah am geöffneten Kasten seines Flügels. Wir können sogar das Zusammenschwingen der rund 230 Saiten hören, denn auch die gespannten Drähte der nicht gespielten Töne werden mitangeregt, sorgen durch ihr Resonieren für eine Kräftigung oder eine Auslöschung verschiedenster Frequenzen, was sich zudem mit dem Akkord-Ausklingen stets verändert. Diese Changieren des Tonspektrums sorgt für den magischen Klang eines Klaviers.

Die Robustheit des Gehäuses zeigt sich insbesondere bei der zehn Millimeter starken Front, aber auch bei der dickwandig-gewichtigen Oberseite und den massiven Kühlkörper-Wangen.
Grandiose Dynamik, wahrhaftige Lebendigkeit
Ab dem Einsatz des Klaviers bespielt Bassist Jormin öfters die unterste Lage seines Viersaiters – und hier zeigt der Amp I seine Power: Der Kontrabass hat genau jenen Tiefgang, jenen Druck und jene Tragkraft, die dieses akustische Instrument über seinen Holzkorpus liefern kann – wenn die Wiedergabe kraftvoll genug ist. Dazu punktet die Endstufe mit ihrer immensen Impulstreue: Diese Präzision ermöglich, in Kombination mit der Leistungsstärke, eine grandiose Dynamik. Davon profitiert natürlich insbesondere das Schlagzeugspiel, weil Fält seine Drums wie ein Soloinstrument einsetzt und dabei von leisesten Touchierungen irgendwelcher Gestänge-Teile bis zu derben Schlägen die ganze Lautstärke-Skala vom Pianissimo bis zum Fortissimo nutzt. Neben der Wiedergabe allerfeinster Geräusche ist es die Dynamik, die einer Wiedergabe wahrhaftige Lebendigkeit verleiht – und diese Vitalität und Frische liefert der Amp I mit Exzellenz. Dabei bleibt seine Performance völlig entspannt. Zu welcher Fehleinschätzung das führt, merken wir, als wir unseren Hörraum verlassen, …
Verblüffendes Performance-Plus
… denn der von außen wahrnehmbare Pegel der Wiedergabe ist verblüffend hoch. Doch so laut empfinden wir die Musik im Raum gar nicht. Dies ist immer das gute Zeichen für eine saubere, verzerzungsarme und stimmige-harmonische Verstärkung – und die gelingt dem Amp I mit Bravour. Bislang haben wir den unsymmetrischen Input genutzt, nun wechseln wir zum symmetrischen Eingang – und erleben bei gleicher Lautstärke die Wiedergabe als abermals direkter, die Musiker und ihre Instrumente als noch präsenter. Die Auflösung ist abermals feiner, die Räumlichkeit deshalb noch besser erfahrbar. Der Bass wirkt etwas kraftvoller, die Drums gewinnen an Durchschlagskraft. Klare Sache: Dies ist unser Favoriten-Eingang! Nun sind wir gespannt, was die Damping Control bewirkt – und ihre Wirkung ist noch verblüffender als der Input-Wechsel. Gerade das Klavier ist noch klarer, die Töne sind crisper, perlender, die Akkorde sind feinauflösender wahrnehmbar, was das irisierende Tonspektrum bei ihrem Ausklingen noch faszinierender macht.

Die frontseitige Chromblende bietet als einziges Bedienelement den Ein/Aus-Druckschalter. Unter ihm geben drei LED Auskunft über den aktuellen Zustand der Stereo-Endstufe: Die blaue LED signalisiert die Betriebsbereitschaft, die beiden äußeren roten LED leuchten hingegen während des Aufwärm-Vorgangs. Sobald mit hörbarem und beruhigendem Relais-Klacken die Signalwege freigeschaltet werden, erlöschen diese LED. Leuchten sie währende des Betriebs, weisen sie auf eine Störung oder eine Verzerrung hin.
Kraft, Kontrolle, Klangkultur
Zudem ist die Dynamik abermals anspringender. Das merken wir vor allem beim Schlagzeug: Die Trommelschläge haben noch mehr Verve und Frische, wirken noch impulsiver. Auch die leisesten Becken-Berührungen haben nun eine geradezu staunenswerte Präsenz. Das verdankt sich der gleichfalls gesteigerten Transparenz und Durchhörbarkeit: Die Wiedergabe wirkt noch aufgeräumter, weiträumiger, offener. Die 3D-Abbildung hat nun eine geradezu atemberaubend intensive Breiten- und Tiefenausdehnung. Alle akustischen Ereignisse – Klavierklänge, Basstöne oder Drum-Schläge, aber auch die Spielgeräusche der Musiker – entfalten sich noch freier. Der Grund dafür ist auch ein nochmals konturierterer Bass: Der Tiefton bewahrt seine Kraft und Tragfähigkeit, gewinnt aber an Definition. Dadurch wird die gesamte Wiedergabe abermals aufgeräumter. So nimmt uns dieses musikalische Kammerspiel, das das Bobo Svenson Trio hier liefert, vollends gefangen. Mit dieser stupenden Performance knüpft der Amp I nun an die herausragende Klangkultur an, mit der uns schon die großen Endstufen von Accustic Arts begeistert haben.
Abbildungs-Magie
Das erleben wir auch mit anderen Musikstücken. Bei „Godzillas Birthday“, den Schlagzeuger Charly Antolini, Percussionist Nippy Noya und Bassist Wolfgang Schmid mit furiosem Schlagwerk-Feuerwerk und donnernd-abgrundtiefem Bass feiern, glänzt der Amp I gerade in puncto Dynamik, Kraft und Kontrolle. So wird der Song zum mitreißenden Monster-Geburtstag. Die Klarheit, Durchhörbarkeit und Weiträumigkeit feiern wir final in der Oper: Nadine Sierra singt im Auditorium RAI di Torino und in Begleitung des RAI-Rundfunkorchesters „Ah, fors’è lui“ aus Verdis „Traviata“. Die Darstellungskraft ist phänomenal: Wir verorten beim Klangkörper bis hin zu den hintersten Orchestermusikern, wo die Stimmgruppen sitzen und die einzelnen Instrumente spielen. Im Vordergrund betört uns dann Nadine Sierra mit der Schönheit ihrer Stimmen samt makelloser Technik. Bei ihren artistischen Solo-Passagen halten wir den Atem an – denn dank der Abbildungs-Magie des Amp I genießen wir auf dem besten Platz des Konzertsaals bis hin zu Sierras zartesten Atmern den Zauber ihrer Stimme.

Der Accustic Arts Amp I im Hörraum. Hier spielt die Stereo-Endstufe mit dem Lumin P1 mini und einem Paar Peak Consult Sonora.
Fazit
Der Accustic Arts Amp I liefert den Beweis: Eine exzellente Endstufen-Verstärkung ist auch in kompakterem Maßstab möglich. Hierfür verschlankt die Lauffener High End-Manufaktur den Verstärkeraufbau, bewahrt aber die entscheidenden Markenzeichen: Gespeist von einer hochpotent-reservenreichen Stromversorgung verstärken selektierte MOSFET-Transistoren in einer Schaltung, die nach dem Stromspiegel-Prinzip funktioniert und im strikten Dual-Mono-Design realisiert ist. So bietet diese 330 Watt liefernde Stereo-Endstufe eine Wiedergabe, die an die herausragende Klangkultur der ganz großen Accustic Arts-Kraftwerke anknüpfen kann – insbesondere bei aktivierter Dämpfungsfaktor-Linearisierung. Die Performance punktet mit herausragender Rausch- und Geräuscharmut sowie immenser Reinheit und Transparenz. Die Kombination aus Kraft und Kontrolle sorgt für eine absolut aufgeräumte Wiedergabe mit stupender Durchhörbarkeit bis hinab zum schubstark-konturierten Bass. Dank des hochgradigen Detailreichtums und der ausgezeichneten Auflösung gelingen dem Amp I eine immersiv-dreidimensionale Räumlichkeitsdarstellung und eine phänomenal plastisch-präsente Darstellung der Musiker und ihrer Instrumente. Auch aufgrund der superben Dynamik-Fähigkeit erleben wir eine beeindruckende „Wie-Echt“-Wiedergabe – in audiophiler Exzellenz.
Test & Text: Volker Frech
Fotos: Simone Maier
Klasse: Luxury-Klasse
Preis/Leistung: angemessen

Technische Daten
| Modell: | Accustic Arts Amp I |
|---|---|
| Produktkategorie: | Endstufe (Stereo) |
| Preise: | - mit Chrom-Inlay: 17.900,00 € - mit Gold-Inlay: 19.200,00 € |
| Garantie: | 2 Jahre |
| Ausführungen: | - Gehäuse: Silber, Schwarz - Applikationen (Inlay, Medaille, Füße): verchromt, vergoldet |
| Vertrieb: | Accustic Arts, Lauffen Tel.: +49 7133 97477-0 www.accusticarts.de |
| Prinzip: | Transistor-Verstärker, Dual-Mono-Aufbau, Stromspiegel-Prinzip |
| Abmessungen (HBT): | 206 x 482 x 420 mm |
| Gewicht: | 27,3 kg |
| Eingänge (analog): | 1 x symmetrisch (XLR) 1 x unsymmetrisch (Cinch) |
| Eingangsimpedanz: | - symmetrisch (XLR): 16 kΩ (Herstellerangabe) - unsymmetrisch (RCA): 15 kΩ (Herstellerangabe) |
| Ausgänge (analog): | 2 x Lautsprecher |
| min. Anschlussimpedanz: | 4 Ω (Herstellerangabe) |
| Leistung: | Sinus-Ausgangsleistung (@ 1 kHz, THD+N = 0,1%): - max. 2 x 330 W an 4 Ω (Herstellerangabe) - max. 2 x 210 W an 8 Ω (Herstellerangabe) |
| Spannungsverstärkung | 25 dB (Herstellerangabe) |
| Störspannungsabstand: | -96 dB an 4 Ω bei 1 kHz und 10 W (Herstellerangabe) |
| Klirrfaktor (THD+N): | < 0,01 % an 4 Ω bei 1 kHz und 10 W (Herstellerangabe) |
| Übersprechdämpfung: | > 86 dB bei 1 kHz (Herstellerangabe) |
| Leistungsaufnahme im Leerlauf: | ca. 75 W (Herstellerangabe) |
| Ruhestrom: | ca. 160 mA (Herstellerangabe) |
| Lieferumfang: | - Accustic Arts AMP I - Netzkabel (1,8 m) - 1 Paar Handschuhe - Reinigungstuch - 2 Ersatzsicherungen - Qualitäts- und Prüfungszertifikat - Bedienungsanleitung (Deutsch) - Holz-Zubehörkasten |
| Optionales Zubehör: | Flightcase für den Transport (480,00 €) |
| Pros und Contras: | + superbe Verarbeitung + edles Design, hochwertige Anmutung + herausragende Rausch- und Geräuscharmut + immense Reinheit und Transparenz + hochgradiger Detailreichtum + exzellente Räumlichkeitsdarstellung + stupende Plastizität + superbe Dynamik + satte Kraft und herausragende Kontrolle + herrliche Entspanntheit und Ruhe in der Wiedergabe + Dämpfungsfaktor-Linearisierung (deaktivierbar) + Schutzschaltung gegen Clipping, Hochfrequenzschwingungen und zu hohem DC-Offset + Einschaltstrombegrenzung mit DC-Netzfilter + symmetrischer Eingang (XLR) sowie unsymmetrischer Eingang (Cinch), umschaltbar + Mute-Schalter ermöglichen geräuschlosen Kabelwechsel + 4 Anschlussklemmen ermöglichen Bi-Wiring + Erdungsklemmen für abgeschirmte Lautsprecherkabel - hohe Leistungsaufnahme im Leerlauf |
| Benotung: | |
| Gesamtnote: | 100+ |
| Klasse: | Luxury-Klasse |
| Preis-/Leistung: | angemessen |
| Getestet mit: | Getestet mit: - Streaming-Vorstufe: Lumin P1 mini - Lautsprecher: Audio Physic Midex - Signalkabel: Audioquest Black Beauty XLR, Black Beauty RCA - Lautsprecherkabel: Audioquest Rocket 88 - Netzkabel: Audioquest Monsoon |















































