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Chefredakteur

Reva-1 heisst das kleinste Bookshelf-Schmuckstück der neuen Reva-Serie. Wie von Wharfedale gewohnt, exzellent verarbeitet und zu einem attraktiven Preis zu haben. Das ist schonmal vielversprechend. Aber können die Briten auch klanglich mit der starken Konkurrenz in der Klasse der kompakteren Regallautsprecher mithalten?

Schnörkellos gestaltet: Die neue Reva-1 von Wharfedale ist zweifellos ein optisches Highlight.

Schnörkellos gestaltet: Die neue Reva-1 von Wharfedale ist zweifellos ein optisches Highlight.

Lautsprecher der Marke Wharfedale gehören seit mehr als einem halben Jahrhundert zu den gefragtesten Audio-Produkten Europas. Nicht ohne Grund, schließlich zählen Wharfedale-Schallwandler – wie beispielsweise die heute in zehnter Auflage offerierte Diamond-Serie – zum Besten, was es im (bezahlbaren) HiFi-Bereich zu kaufen gibt. Der enorme Erfolg des bereits 1932 gegründeten Unternehmens basiert auf einer einfachen Formel: die in jeder Klasse bestmögliche Klangqualität zu erschwinglichen Preisen zu bieten – und zwar ohne auf Anspruch in Verarbeitung, Design und Praktikabilität verzichten zu müssen. Eine Maxime, nach der Produkte die das Wharfedale-Logo tragen noch heute geplant, entwickelt und produziert werden, wenngleich die Marke aktuell zur „International Audio Group“, kurz IAG gehört. Mit ihrer Reva-Serie präsentierten die Briten Anfang des 2016 eine neue Linie, die mich schon auf den Norddeutschen HiFi-Tagen in Hamburg und auf der High-End in München neugierig werden ließ. Eine Serie, die sich direkt oberhalb besagter Diamond 10 ansiedelt und bereits auf den ersten Blick durch ihre zeitlos-schickes Äusseres und ihre sehr gute Verarbeitungsqualität auffällt.

Wohnraumtraum: die zeitlos-elegant gestaltete Reva-1 ist massiv konstruiert und erstklassig verarbeitet.

Wohnraumtraum: die zeitlos-elegant gestaltete Reva-1 ist massiv konstruiert und erstklassig verarbeitet.

Serie mit Serien-Highlight

Insgesamt fünf Modelle umfasst die in schneeweisser, tiefschwarzer Ausführung bzw. in hochglänzendem Rosenholz wählbare Reva-Serie. Zwei Standboxen, zwei Regallautsprecher und zur Komplettierung eines Mehrkanalsystems noch einen entsprechenden Center. Das Besondere dabei: die Material- und Verarbeitungsqualität der jeweiligen Schallwandler. Diese basieren beispielsweise auf einem massiv konstruierten, seitlich gewölbten und zur Rückseite hin leicht verjüngten Gehäusekorpus. Eine Form, die neben eines gewissen Designanspruches auch klangliche Vorteile bietet und deren Umsetzung einen gewissen arbeitstechnischen und finanziellen Aufwand bedeutet. Damit aber nicht genug, denn während andere Hersteller ihren Regallautsprechern dieser Preisklasse in der Regel ein Folienfurnier auftragen, spendiert Wharfedale seinen Reva-Familienmitgliedern eine Hochglanzlackierung. Genau genommen handelt es sich dabei um eine ungewöhnlich hochwertige, siebenschichtige (!) Hochglanz-Oberfläche, auf der selbst das kritische Auge Wellen, Kratzer oder Einschlüsse vergeblich sucht. In diesem Zusammenhang kurz zur Info: ich spreche hier über massiv konstruierte Zwei-Wege-Boxen zu einem Paarpreis von 699,00 Euro, was die Reva-1 für mich in Sachen Fertigung zu einem absoluten Serien-Highlight macht.
Unterstrichen wird dieser Eindruck von der aussergewöhnlichen Zwei-Wege-Bestückung, die hinter der magnetisch gehaltenen Gewebeabdeckung zum Vorschein kommt. Ganz oben: der 25 Millimeter-Hochtöner, der seinen Platz mittig in einer ihn umgebenden, leichten Vertiefung findet, die der gezielten Schallführung dient. Direkt darunter thront der 115 Millimeter durchmessende Tiefmitteltöner. Dieser erfreut sich einer Fieberglas-Membran aus Eigenentwicklung und -produktion, die extreme Stabilität bei zugleich geringstem Gewicht bietet. Attribute, die dem Ideal eines masselosen Schwingsystems sehr nahe kommen und ein agiles Impulsverhalten versprechen. Ein Blick auf die Rückseite der Reva-1 enthüllt dann ein weiteres, in dieser Preisklasse ebenfalls sehr seltenes, Highlight. Statt auf einfache Single-Wire-Klemmen, setzt Wharfedale anschlussseitig nämlich auf ein großzügig dimensioniertes und unglaublich hochwertig anmutendes Bi-Wire-Modul mit massiven Schraubklemmen. Diese nehmen nicht nur Bananas und Kabelschuhe, sondern ebenso unkonfektionierte Lautsprecherkabel größeren Querschnitts auf. Die obligatorische Bassreflexöffnung sucht man hier übrigens vergebens. Dennoch verzichtet Wharfedale keineswegs auf einen solchen Port, sondern versetzt diesen schlichtweg in die Gehäuseunterseite. Um ihm ausreichend Platz für einen adäquaten Druckausgleich zu gewähren, montierten die Briten darunter eine mattschwarze Sockelplatte, die mittels massiver Stelzen in einem definierten Abstand zum Lautsprechergehäuse gehalten wird. Ein System, das man sonst nur von einigen Standlautsprechern kennt. Zugleich eine clevere, wenngleich aufwändige Lösung, die der Reva-1 mehr Freiheiten in der Aufstellung bietet.

Sehr schön zu sehen: Die Reva-1 verfügen über leicht gewölbte Seitenwände und ein zur Rückseite hin verjüngtes Gehäuse.

Sehr schön zu sehen: Die Reva-1 verfügen über leicht gewölbte Seitenwände und ein zur Rückseite hin verjüngtes Gehäuse.

Die Bassreflexöffnung sitzt in der Gehäuseunterseite. Hier austretende Luft wird auf die im definierten Abstand gehaltene Sockelplatte geleitet.

Die Bassreflexöffnung sitzt in der Gehäuseunterseite. Hier austretende Luft wird auf die im definierten Abstand gehaltene Sockelplatte geleitet.

Tipps und Tricks zum besseren Klang

Mit dem Erwerb neuer Boxen geht in der Regel auch der Wunsch nach einer besseren Klangqualität einher. Eine, die eine akustisch stimmige Bühne aufbaut, agil agiert, satte und vor allem saubere Bässe liefert und im Hochton fein auflöst. Beachtet man einige einfach umzusetzende Tipps und Faustregeln, ist dieses Ziel einfacher zu erreichen, als man im ersten Moment vielleicht denkt. Das Beste aber ist: Sie benötigen weder Expertenwissen noch den Zukauf überzogen teurer Zubehörartikel um dem Sound in Ihren eigenen vier Wänden erheblich zu verbessern, sondern lediglich ein wenig Muße, Zeit und Mut. Ich habe die am einfachsten umzusetzenden Tipps einmal kurz zusammengefasst:

Boxen einspielen
Ein Vorgang, den Sie jedem neuen Lautsprecher – egal welcher Marke – gönnen sollten. Erst nach einer adäquaten Einspielzeit, die bei manchen Modellen auch 50, 60 oder mehr Stunden betragen kann, sind die Voraussetzungen für die bestmögliche Klangperformance gegeben. Die Begründung dafür findet sich mitunter in der anfangs hohen Steifigkeit einiger mechanischer Bauteile der Treiberkonstruktion. Eine entsprechende Einspielzeit ist somit Grundvoraussetzung für guten Klang und sollte auf keinen Fall vernachlässigt werden.

Fester Stand & Ausrichtung
Die vielleicht wichtigsten Punkte betreffen einen stabilen Stand und die korrekte Ausrichtung der Lautsprecher. Punkte, die viel zu oft vernachlässigt werden und die bei korrekter Vorgehensweise innerhalb weniger Augenblicke einen echten Klangunterschied ausmachen können. Achten Sie als allererstes darauf, dass die Box einen jederzeit stabilen und festen Stand hat. Handelt es sich (wie am Beispiel der Reva-1) um eine Regal- oder Kompaktbox, empfehlen sich diesbezüglich entsprechende Lautsprecherständer. Diese weisen in der Regel auch gleich die korrekte Höhe auf. Wird die Box im Regal oder einem Möbel platziert, achten Sie darauf, dass sich der Hochtöner in etwa auf Ohrhöhe befindet. Ist das erledigt, richten Sie Ihren Lautsprecher zunächst mit dem „Gesicht“ direkt auf Ihren Referenzplatz aus. Anschließend drehen Sie die Boxen parallel und in kleinen Zentimeterschritten vom Hörplatz nach aussen weg. Die ideale Ausrichtung ist gefunden, sobald der Klang nicht mehr an an den Lautsprechern „klebt“, sondern mittig im Raum zu stehen scheint.

Leicht auf den Hörplatz ausgerichtet, erhielten wir das beste räumlich Klangbild.

Leicht auf den Hörplatz ausgerichtet, erhielten wir das beste räumlich Klangbild.

Eck-Aufstellung vermeiden
Wichtig: Achten Sie bei der Aufstellung auch möglichst darauf, dass die Lautsprecher nicht zu weit in der Zimmerecke bzw. zu nah an der Wand stehen. Bei Modellen mit rückwärtiger Bassreflexöffnung sollte dieser Tipp besondere Beachtung finden, denn Wände im Rücken sorgen für eine nicht unerhebliche Anhebung im Tiefbass. Das kann ein Vorteil sein, führt in vielen Fällen aber auch zu nervigem Dröhnen, Verzerrungen und zu Präzisionsverlust im Bassbereich. Ein Punkt, der bei der Reva-1 aufgrund besagter Down-Eire-Reflexöffnung allerdings geringere Auswirkungen hat, aber dennoch nicht unterschätzt werden sollte.
Empfehlung: Stellen Sie Ihre neuen Schallwandler auf ihren endgültigen Platz und vergrössern den Abstand zur Rückwand in kleinen Schritten. Die ideale Distanz ist gefunden, sobald der Bass am lautesten erscheint, dabei allerdings weder verzerrt oder sich so weit in den Vordergrund schiebt, dass andere Klanganteile unterdrückt werden. Am Beispiel der Reva-1 habe ich mit rund 40 Zentimetern Abstand zur Rückwand den für meinen Geschmack perfekten Abstand gefunden.

Die richtigen Kabel
Für jedes HiFi-System und speziell für Lautsprecher gilt: Es kann nur so gut klingen, wie es das schwächste Glied der Kette zulässt. Setzen Sie deshalb immer auf etwas besseres Zubehör. In erster Linie sind hier hochwertige Lautsprecherkabel gemeint. Die oft im Lieferumfang befindlichen Strippen dienen dagegen maximal der ersten Funktionsüberprüfung und sollten am besten sofort gegen hochwertigere Signalleiter ausgetauscht werden. Das muss nicht zwingend teuer sein, ordentliche Verbindungen sind vergleichsweise günstig zu haben. In unserem HiFi-Test haben wir mit dem Oehlbach Silverline 40 erneut sehr gute Erfahrungen gemacht (uvP.: 9,99 Euro/Meter). Ein gut geschirmtes Kabel in transparentem Mantel, das sich ganz nebenbei auch noch flexibel verlegen lässt.

Die Reva-1 bietet ein großzügig dimensioniertes Bi-Wire-Anschlussfeld.

Die Reva-1 bietet ein großzügig dimensioniertes Bi-Wire-Anschlussfeld.

Reva-1 im Test: Feingeist mit Durchzug

Nachdem das Reva-1-Duo die obligatorische Einspielzeit beendet und ihren finalen Einsatzort gefunden hat, geht es nun endlich in den Hörtest der – auf Lautsprecherständern platziert – eher zierlich wirkenden Zwei-Wegler. Dass ihr Sound aber alles andere als zierlich oder dünn ist, beweisen die Reva-1 dann ab der Sekunde, in der sie Mark Knopflers “Haul Away” in Hörschall wandeln. Während die unverkennbare Stimme des Dire-Straits-Frontmanns sofort mittig zwischen den beiden Lautsprechern zu stehen scheint, gesellen sich die weiteren Instrumente wie Geige und Akkordeon akustisch rund um den britischen Künstler. In Folge dessen dehnt sich die Klangkulisse innerhalb weniger Augenblicke in ihrer Breite und Tiefe aus. Und während die Bühne nur etwas über die Positionen der beiden Schallwandler hinausragt, zeigt sie sich auch in ihrer Tiefe alles andere als zu weiträumig. Offensichtlich habe ich mit der leichten Ausrichtung auf den Hörplatz die richtige Winkelung gefunden. Eine, die eine eine realistische Klangkulisse nach sich zieht und die gleich noch einige weitere Besonderheiten parat hält. In erster Linie ist hier ihre tonale Ausgeglichenheit zu nennen, die gerade Freunde feinerer Töne begeistern wird. Daran ändert sich dann übrigens auch unter höheren Lautstärkepegeln kaum etwas. Die Reva-1 geht also sehr harmonisch zu Werke, hält dieses Niveau auch in höheren Pegellagen, beweist sich zugleich allerdings keineswegs als reiner Feingeist. Genau genommen würde ich sie eher als offen und direkt beschreiben. Den Beweis für meine EInschätzung tritt sie dann im darauf folgenden “Feel Good Inc.” von den Gorillaz an. Ein Song, der eine entsprechende Agilität, Elan und Lebhaftigkeit einfordert, um ordnungsgemäß und mit reichlich “Schmackes” wiedergegeben zu werden. Hier benötigt es also rege Betriebsamkeit. Kein Problem für unsere Testgäste, die sich auch unter diesen Umständen keine Blöße geben und durch zuvor ungeahnte Energie, eine satte Grundtonperformance und eine sauber dargestellte Instrumentalisierung überzeugen. Noch eine Spur umtriebiger bzw. impulsiver gehen die Wharfedales dann zu Werke, als ich auf Godsmacks “Awake” wechsle. Jetzt nämlich fetzen die Wharfedales so richtig los. Und zwar voller Tatendrang. Dabei beweisen sie, dass sie im Oberbass sehr wohl jede Menge Druck erzeugen können, dabei aber jederzeit straff und durchzugsstark bleiben. Nichts versumpft, nichts wirkt wummrig oder unkontrolliert – übrigens auch unter deutlich höherem Pegel nicht.
Was trotz aller Dynamik auffällt: wenn es darum geht in den absoluten Tiefbassbereich hinabzusteigen, hält sich die Wharfedale vornehm zurück. Das ist in diesem Fall allerdings nicht als Kritik, sondern eher als Vorteil zu sehen. Während nämlich viele andere Lautsprecher ähnlichen Volumens mehr auf Tiefbasswiedergabe gedrillt sind und schnell einmal dazu neigen zu voluminös oder drückend zu agieren, schenkt sich die Reva-1 die letzte Stufe hinab in den Tiefbasskeller, bleibt dafür aber jederzeit durchhörbar, homogen und somit absolut langzeittauglich.
Kurz zusammengefasst: Sind Sie Fan elektronischer Musik, dessen Beats in Frequenzbereichen unterhalb 30 Hertz mit Druck ins Wohnzimmer gepumpt werden sollen, ist diese Box vielleicht nicht das Ideal für Sie. Sind Sie dagegen auf der Suche nach einem wohnraumtauglichen Lautsprecher mit dem Klassiker aus Rock, Jazz, Blues und Pop agil, mit Energie und imponierendem Grundtonschub zeitrichtig reproduziert werden sollen, dann sind Sie bei der Reva-1 an der richtigen Adresse.

Clevere Lösung: Der 25 Millimeter-Hochtöner sitzt in einer leichten Vertiefung, die als effektive Schallführung dient.

Clevere Lösung: Der 25 Millimeter-Hochtöner sitzt in einer leichten Vertiefung, die als effektive Schallführung dient.

Fazit

Die Reva-1 ist bildhübsch, durchdacht gefertigt und erstklassig verarbeitet. Geradlinig, zeitlos, ohne Schnickschnack und doch ein echter Hingucker, den man gern präsentieren darf. Auch klanglich gehört sie zweifellos zum besten ihrer Klasse, wobei sie durch Ausgewogenheit und – bei Bedarf – jede Menge Dynamik im Grundton auffällt. Die Ideale Lösung für den Einsatz in kleineren Räumen, mit der man es zwischenzeitlich auch mal heftiger krachen lassen kann.

Test & Text: Roman Maier
Fotos: www.lite-magazin.de

Gesamtnote: 1,0
Klasse: Oberklasse
Preis-/Leistung: sehr gut

95 %

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100 %

160831.Wharfedale-Testsiegel

Technische Daten

Modell:Wharfedale
Reva-1
Produktkategorie:Regallautsprecher
Preis:349,00 Euro / Stück (uvP)
Garantie:5 Jahre
Ausführungen:- Weiß.Hochglanz
- Schwarz, Hochglanz
- Rosenholz, Hochglanz
- Walnuss
Vertrieb:IAD, Korschenbroich
Tel.: 02161 / 617830
www.iad-audio.de
Abmessungen (HBT):317 x 172 x 235 mm
(ohne Terminals)
Gewicht:5,6 Kg / Stück
Hochtöner:25mm Gewebekalotte
Tief-/Mitteltöner:115mm Fieberglas-Membran
Besonderes:- hochwertige Chassis
- Bi-Wire-Anschlussports
- exzellente Verarbeitung
- zeitlos elegantes Design
- Siebenschicht-Hochglanzlack
- Downfire-Reflexport
- hohe Grundtonagilität
Lieferumfang:- Reva-1
- Abdeckgitter (magnetisch)
- Transporttaschen
Benotung:
Klang (60%):1,0
Praxis (20%):1,0
Ausstattung (20%):1+
Gesamtnote:1,0
Klasse:Oberklasse
Preis-/Leistungsehr gut

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