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Redakteur
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Würde man die Canton GLS 9 in einem Satz beschreiben wollen, folgt man am besten der Vorlage des Herstellers selbst: „Chrono-Technik mit Aluminiumgitter als Frontabdeckung“. Damit ist ja eigentlich schon alles gesagt, oder? Na gut, ein paar Worte mehr kann man sicher noch verlieren.

Trotz der schlichten Grundform weiß die GLS 9 dank diverser Akzente auch optisch zu überzeugen.

Trotz der schlichten Grundform weiß die GLS 9 dank diverser Akzente auch optisch zu überzeugen.

Insbesondere für die Leser, die weder Cantons Chrono-Serie noch die GLS 9 je gesehen beziehungsweise gehört haben: Eins ist sicher, wiedererkennen würden sie unsere Testkandidaten sofort. Die GLS 9 gehört nämlich zu der Sorte Standlautsprecher, die schon auf den ersten Blick auffällt. Die grundlegende Form der GLS 9 entspricht im Wesentlichen dem schlichten, Canton-typischen „Kasten-Design” – allerdings durch eine etwas überstehende Bodenplatte aufgelockert. Diese lässt sich übrigens wahlweise mit selbstklebenden „Noppen“ oder Spikes bestücken, die natürlich zum Lieferumfang gehören (werden dann von unten festgeschraubt), um die Standlautsprecher vom Boden zu entkoppeln.

 

Schutzgitter für die „schwebende“ Schallwand

Zwischen der Bodenplatte und der Schallwand befindet sich eine schmale Vertiefung, die bei genauem Hinsehen den optischen Effekt eines „schwebenden“ Klangkörpers vermittelt. Der eigentliche Hingucker ist allerdings das Frontgitter aus Aluminium, das man in dieser Form nicht oft sieht. Meist sind ja stattdessen feinmaschige Stoffblenden im Einsatz, die entweder magnetisch oder per Steckpins gehalten werden. Bei der GLS-Serie setzt Canton allerdings auf eine weitere Option, nämlich auf das Eindrücken der Frontgitter in eine Nut in der Schallwand. Klingt ungewöhnlich, funktioniert aber sehr gut und sieht auch richtig schick aus. Die fein gelöcherte Abdeckung – die einige Leser sicher an die “alte” GLE-Serie Cantons erinnert – fügt sich dank Lackierung in Gehäusefarbe gut fast perfekt Gesamtbild ein und erlaubt gleichzeitig und bei entsprechenden Lichtverhältnissen einen Blick auf die dahinter liegenden Chassis. Dazu aber gleich mehr. Insbesondere durch die leichte Welle im Gitter ergibt sich ein sehr hübscher Akzent, der durch das Herstellerlogo nochmals betont wird. Ein Effekt, der sogar bestehen bleibt, sobald man das Gitter abnimmt. Nun nämlich dient die erwähnte Nut als dezente Verzierung im Stile einer Gravur, die nun in der Schallwand zu sehen ist.

Die etwas überstehende Bodenplatte lockert das "Kasten"-Design auf.

Die etwas überstehende Bodenplatte lockert das “Kasten”-Design auf.

Angesprochene Schallwand ist übrigens in seidenmattem Schwarz lackiert, das restliche Gehäuse hingegen ist in schwarzem Kunststofffurnier in Holzstruktur-Optik gehalten. Selbstverständlich ist die Oberfläche, wie von Canton gewohnt, sehr robust und zumindest bis zu einem gewissen Grad nicht anfällig, falls mal jemand etwas unvorsichtig damit umgeht. Soll heissen: Die Box ist weitestgehend unempfindlich gegen neugierige Kinderfinger. Selbstverständlich zeigt auch die Verarbeitung der GLS 9 keine Schwächen, hier geht man gewohnt sorgfältig zu Werke. So funktioniert auch das Einrasten der Aluminium-Frontgitter sehr gut. Besser geht es kaum, denn hier passt alles millimetergenau. Zusätzlich punktuell aufgeklebte Filzpunkte an den Abdeckungen sorgen übrigens dafür, dass die Gitter fest in der Nut sitzen.

Das Gehäuse ist in schwarzer Holzoptik gehalten.

Das Gehäuse ist sauber gearbeitet und in schwarzer Holzoptik gehalten.

Hier sitzt die Bassreflexöffnung mal vorn

Ist das Frostige entnommen, zeigt sich die Front optisch eher ungewöhnlich, schließlich ist eine Bassreflexöffnung auf der Vorderseite eines Lautsprechers nicht unbedingt das übliche Bild. Canton hat dies allerdings auch schon in der Chrono-Serie so praktiziert. Und das nicht ohne Grund, denn gerade im Wohnraumeinsatz werden Lautsprecher zumeist wandnah aufgestellt, was bei rückwärtigem Bassreflex-Port schnell zu nervigem Dröhnen und Kontrollverlust im Tiefbass führt. Mit der GLS 9 tritt dieser Effekt dann nicht auf und erweist sich als sehr vorteilhaft, falls möglichst keine Raumfläche verschenkt werden und die Technik möglichst weit aus dem Zentrum eines Zimmers verbannt werden soll.

Ungewöhnlich: Die Frontgitter werden einfach in eine vorgefräste Nut in der Schallwand gedrückt.

Ungewöhnlich: Die Frontgitter werden einfach in eine vorgefräste Nut in der Schallwand gedrückt.

Die Bassreflexöffnung bildet den unteren Abschluss der Treiber-Anordnung. Direkt darüber sind zwei Tieftöner mit jeweils 18 Zentimetern Durchmesser installiert. Hier setzt Canton traditionell auf seine bewährten Aluminium-Membranen, die darüber hinaus mit der neuesten Wave-Sicken-Technologie ausgestattet sind. Damit beim Ein- und Ausschwingverhalten die Balance der Kräftesymmetrie gewährleistet ist, kommen drei exakt definierte Sickenbögen zum Einsatz. Was sich jetzt erstmal sehr technisch liest, bedeutet letztlich eigentlich nichts anderes, als dass der Klang der GLS 9 auch bei hochdynamischer Wiedergabe nichts ins Stolpern gerät.

Punktuelle Filzpunkte sorgen dafür, dass die Frontgitter fest sitzen.

Punktuelle Filzpunkte sorgen dafür, dass die Frontgitter fest sitzen.

Akzente setzen mit Aluminium-Membranen

Richtet man den Blick etwas weiter nach oben, fällt zunächst der Hochtöner ins Auge, der bei der GLS 9 unter dem Mitteltöner sitzt. Der eigene Anspruch an möglichst hohe Präzision fährt bei der Entwicklung dieses Modells dazu, dass Canton für die oberen Frequenzen auf ein Alu-Mangan-System mit 25 Millimetern Durchmesser zurückgreift. Auch das ist der Chrono-Serie „entliehen“ und erhält durch eine als Wave-Guide dienende Transmission Front-Plate ein nochmals optimiertes Abstrahlverhalten. Und damit hier nichts passiert, hat der Hochtöner auch noch ein eigenes, filigranes Schutzgitter bekommen, das ihn vor mechanischer Beschädigung schützt. Ganz oben in der Treiber-„Säule“ ist schließlich der Mitteltöner zu finden, der im Prinzip seinen Kollegen aus dem Tiefton-Bereich entspricht und für die Wiedergabe sämtlicher Frequenzen im Bereich 300 bis 3000 Hertz verantwortlich zeichnet.

Doppelt sicher: Der Hochtöner hat noch ein eigenes Schutzgitter spendiert bekommen.

Doppelt sicher: Der Hochtöner hat noch ein eigenes Schutzgitter spendiert bekommen.

Betrachtet man die Rückseite der GLS 9, findet man dort lediglich das Single-Wiring-Anschlussterminal. Dieses besteht folglich aus zwei Schraubklemmen für ein Lautsprecherkabel. Das darf auch gerne etwas dicker sein, die versilberten Klemmen können auch Querschnitte von bis zu 10 mm² aufnehmen. Bananas und Kabelschuhe finden natürlich ebenso Anschluss. Die Verbindung funktioniert so problemlos, wie man das eben kennt. Sobald die Kabel dann fixiert sind, kann man die GLS 9 auch schon nah an die Wand schieben – schließlich will man Lautsprecher ja vor allem hören und nicht nur angucken.

Die Anschlussterminals auf der Rückseite bieten jeweils ein Paar massive Schraubklemmen.

Die Anschlussterminals auf der Rückseite bieten jeweils ein Paar massive Schraubklemmen.

Und ab geht die Post!

In Sachen Heimkino-Sound haben die GLS 9 mit ihren Kollegen schon ordentlich begeistert und eine sehr schwungvolle und effektgeladene Wiedergabe dargeboten. Dabei haben wir festgestellt, dass die GLS-Serie ein im absolut positiven Sinne aggressives Auftreten an den Tag legt. Das führt bei Filmtonreproduktion dazu, dass nicht nur ein sehr druckvolles Bassfundament geliefert wird, sondern darüber hinaus auch kleinste Details ausgeprägt und im vollem Umfang zur Geltung kommen. Aber funktioniert das bei Musik auch? Wir machen direkt den Härtetest, indem wir mit dem eher ruhigen Klassiker „Girl From Ipanema“ einen Titel zuspielen, für den es eine gewisse Wärme in der Wiedergabe braucht – also eigentlich das Gegenteil dessen, was beim Filmton so positiv aufgefallen ist. Aber wir werden nicht enttäuscht, wenngleich die beiden Canton-Lautsprecher sich erst im Laufe einer längeren Einspielphase etwas lockern müssen.

Das Herstellerlogo findet sich auch direkt an den Konussystemen.

Das Herstellerlogo findet sich auch direkt an den Konussystemen.

Bis dahin merkt man den GLS 9 schon ziemlich deutlich an, dass sie eher etwas in Richtung „aktive Verspieltheit“ tendieren – die Höhen machen auf sich aufmerksam und treten eher selbstbewusst in Erscheinung. Aber ist das überhaupt schlimm? Ganz und gar nicht, schließlich gilt hier dasselbe Prinzip wie beim Motto „Es gibt kein schlechtes Wetter, nur die falsche Kleidung“. Will sagen: Ein Lautsprecher ist nicht zwingend für jedes noch so exotische Genre prädestiniert, kann dafür aber bestimmte Stilrichtungen umso besser aufbereiten.

Der Hinweis auf den Hersteller fällt mit dem Logo knapp über dem Standfuß dezent aus - ebenfalls sehr schön: die geschwungene Nut, die dem Frontgitter Halt bietet.

Der Hinweis auf den Hersteller fällt mit dem Logo knapp über dem Standfuß dezent aus – ebenfalls sehr schön: die geschwungene Nut, die dem Frontgitter Halt bietet.

Bei den GLS 9 ist das ganz klar alles, was mit Tempo und Agilität daherkommt. Da kommt uns natürlich ein Album in den Sinn, das genau das perfekt umsetzt: „Californication“ von den Red Hot Chili Peppers ist schließlich nicht umsonst eins der erfolgreichsten Alben der Rockgeschichte und macht einfach immer wieder Spaß. Die GLS 9 sehen das genau so und legen gleich richtig los. Mit „Around The World“ wird zum Einstieg mal direkt klargestellt, in welche Richtung es hier geht: Steil nach vorn! Genau gesagt kredenzt mir das hessische Duo nun Spaß und Energie pur. Und das begleitet von einer Impulsstärke, die von den Canton-Lautsprechern so mitreißend und präzise in den Raum gestellt wird, dass man sich direkt in die Garage versetzt fühlt, in der diese Aufnahmen stattfanden. Erstes Fazit: “Hut ab”!

Besonders die dynamisch-groovenden Bassläufe von Flea kommen über die GLS 9 sauber und druckvoll zur Geltung und werden weder verschluckt noch verwischt. Eine Vorgabe, die dem Klang einen sehr „knackigen“ Charakter verleiht, der sofort zu begeistern weiß. Insbesondere gilt dies nach dem Anspielen der eher funkigen Tracks wie „I Like Dirt“ oder „Purple Stain“. Aber auch in Kombination mit eher ruhig angelegten Titeln à la „Road Trippin‘“ oder dem ins Legato tendierenden „This Velvet Glove“ funktionieren die Cantons wunderbar, da Betonungen, Akzente und Effekte nahezu perfekt dargestellt werden. Ganz ehrlich: Bei der jetzt erlebten Performance ist kaum vorstellbar, dass noch jemand einfach regungslos lauschend im Sessel sitzen bleibt. Zu groß ist die Motivation, zumindest die Luftgitarre mal wieder auszupacken.

Alternative Option für empfindliche Böden: Canton legt auch selbstklebende Füße bei.

Alternative Option für empfindliche Böden: Canton legt auch selbstklebende Füße bei.

Fazit

Mit den GLS 9 hat Canton ein sehr spielfreudiges Standlautsprecher-Modell im Portfolio, das sich bei temporeicher Musik so richtig austoben und seine Stärken ausspielen kann. Für generell eher „warm“ klingende Genres wie etwa Soul oder R’n’B sind die GLS 9 hingegen vielleicht etwas zu agil, wobei es natürlich auch immer auf den Charakter des antreibenden Stereo-Verstärkers ankommt. Abgesehen davon hauen die Drei-Wege-Lautsprecher aber einen knackig-dynamischen Sound raus, der auch noch hübsch und modern verpackt daherkommt und für ein vergleichsweise geringes Budget in die eigenen vier Wände zu holen ist. Und wer schon den Gedanken im Hinterkopf hat, seine neuen Standboxen irgendwann mal für die Nutzung im Heimkino auszubauen, findet in den weiteren Modellen der brandneuen GLS-Serie die perfekten Erweiterungsmöglichkeiten.

Test & Text: Martin Sowa
Fotos: www.lite-magazin.de, Herstellerbilder

Gesamtnote: 1,0
Klasse: Oberklasse
Preis-/Leistung: sehr gut

97 %

94 %

95 %

151213.Canton-Testsiegel

Technische Daten

Modell:Canton GLS 9
Produktkategorie:Standlautsprecher
Preis:549 Euro / Stück
Ausführungen:schwarz (Holzoptik und seidenmatt lackierte Schallwand)
Vertrieb:Canton, Weilrod
Tel.: 06083 2870
www.canton.de
Abmessungen (HBT):105 x 24 x 30 cm
Gewicht:21 kg / Stück
Hochtöner:25 mm Alu-Mangan
Mitteltöner:180 mm, Aluminium (Wave-Sicke)
Tieftöner:2 x 180 mm, Aluminium (Wave-Sicke)
Prinzip:3-Wege-Bassreflex
Besonderes:- DC-Technologie
- Aluminium-Frontgitter
- Transmission Front-Plate
Lieferumfang:- Bedienungsanleitung
- selbstklebende Gummifüße
- Spikes
Benotung:
Klang (60%):1,0
Praxis (20%):1,0
Ausstattung (20%):1,0
Gesamtnote:1,0
Klasse:Oberklasse
Preis-/Leistungsehr gut

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