English (Google Translate)

Bei der Buchardt Audio S400 handelt es sich um einen kompakten Zwei-Wege-Regallautsprecher, der sich überall wohlfühlt. Der Hersteller verspricht maximale Performance für wenig Geld. Der erste Eindruck imponiert. Aber ist für vergleichsweise wenig Geld tatsächlich ausgewachsener High-End-Sound drin?

Optisch halten sich die S400 zurück, klanglich spielen sie dagegen ganz vorn mit.

Buchardt Audio ist ein in Dänemark ansässiger Hersteller, der mit der Markteinführung seiner S200 im Jahre 2014 erste Bekanntheit erlangte. Der Grundstein wurde allerdings schon 2008 von Mads Buchardt (Musiker) und Kaspar Raun (ehemaliger Entwickler bei Dynaudio) gelegt. Die Philosophie: Möglichst kompromisslos klingende Lautsprecher zu einem erschwinglichen Preis zu bauen. Zeit spielte damals noch keine Rolle und so nutzen die Entwickler sie zunächst, um die idealen Komponenten zu finden und zu entwickeln. Die Buchardt Audio S400 verdankt dieser Akribie heute ihren unvergleichlichen Sound. Damit mehr Geld für Komponenten und Entwicklung bleibt, wird beispielsweise das Marketing auf ein Minimum reduziert. Außerdem werden Buchardt-Produkte nur im Direktvertrieb angeboten. In Deutschland sind die Lautsprecher entsprechend bei HifiPilot (https://hifipilot.de/Buchardt-Audio-S400) erhältlich, aus dessen Portfolio beispielsweise auch die IotaVX S3 stammt, die wir bereits im Test hatten.

Setzt man die runden Gewebeabdeckungen auf, ist von der Technik nichts mehr zu sehen, die S400 behalten aber weiterhin ihren Charakter.

Echte Ingenieursleistung

Zeit spielt auch heute keine übergeordnete Rolle. In der Buchardt Audio S400 stecken beispielsweise zwei Jahre Entwicklungsarbeit. Zahlreiche Prototypen waren erforderlich, um ans Ziel zu gelangen. Beim Auspacken rätselte ich allerdings zunächst einmal, wie der Lautsprecher eigentlich aufgestellt wird. Entgegen der üblichen Positionierung sitzt der Hochtöner in der S400 nämlich unten. Hier sitzt er ein einer Art Trichter mit beachtlicher Tiefe. Besagte Schallführung wurde mit über 5400 einzelnen Messpunkten immer weiter in seiner Form optimiert, bis er einen perfekten Anschluss an den darüber platzierten Tieftontreiber erzielte. In dieser hornähnlichen Schallführung wohnt dann der mit 19 Millimetern vergleichsweise kleine Hochtontreiber. Selbiger wurde von Ulrik Schmidt entworfen, der auch für die ScanSpeak „Revelator“-Reihe verantwortlich zeichnet. Aufgrund der Bass-Performance wählte er einen Aluminium-Treiber, der durch exzellente Kontrolle und Leistung auf sich aufmerksam macht. Rückseitig fällt dann sofort die nächste Besonderheit auf: Hier gibt es keine Bassreflexöffnung, sondern einen Radiator, also eine passive Membran. Dieser Radiator erlaubt es, das Gehäuse um 30 Prozent schrumpfen zu lassen. Darüber hinaus profitiert die S400 durch besagten Radiator von einer flexibleren Positionierbarkeit im Raum. Der Lautsprecher toleriert kürzere Distanzen zur Wand im Rücken und eignet sich damit tatsächlich perfekt als Regallautsprecher. Und auch im Inneren wurde nicht gespart. Die Frequenzweiche ist beispielsweise mit Metallpapierkondensatoren und Kupferkernen ausgestattet. Nicht nur profitiert der Toleranzbereich von der Präzision der Bauteile, der Hersteller verspricht auch eine höhere Langlebigkeit.

Der rückseitig platzierte Passivtreiber lässt die S400 noch eine Etage tiefer in den Basskeller steigen.

Optisches Highlight

Anhand der hochwertigen Komponenten und der erstklassigen Verarbeitung sieht man der Buchardt Audio S400 bereits den High-End-Charakter an. Ihr Design ist unaufdringlich und weist keine Spielereien oder unnötigen Schnörkel auf, das gefällt mir sehr gut. Der Hersteller ist gar so bescheiden, dass das Logo lediglich dezent in den Waveguide eingearbeitet wurde, so dass es erst auf den zweiten Blick auffällt. Der Korpus selbst ist in Mattschwarz, Mattweiß oder in Eichenfurnier verfügbar. So sollte für jeden Einrichtungsstil die passende Farbvariante dabei sein. Die Gehäuse-Verarbeitung ist exzellent, das lässt sich nicht anders beschreiben. Die Chassis sind dabei selbstverständlich bündig in das Gehäuse eingelassen. Optimieren ließe sich die Optik vielleicht, indem die Chassis von innen verschraubt würden. Das wäre aus meiner Sicht tatsächlich der einzige klitzekleine Kritikpunkt.
In diesem Zusammenhang gibt es dann aber auch einen sehr positiven Aspekt: Sehr gut gefallen mir nämlich die Chassis-Abdeckungen, die Buchardt jeder S400 beilegt. Hier handelt es sich nicht um einen großen eckigen Rahmen, sondern um zwei runde Abdeckungen, die magnetisch auf den Chassis haften. Der Vorteil dabei: Die Box behält ihren optischen Charakter auch dann noch, wenn der Besitzer seine Membranen vor neugierigen Kinderhänden schützen möchte. Schön wäre es noch, wenn Buchardt seiner S400 noch Filz- oder Gummifüße spendiert hätte, um sie tatsächlich auf dem Regal zu positionieren. Aber: Buchardt Audio offeriert ab 300 Euro optional auch passende Lautsprecherständer aus Holz, die zusätzlich mit Sand gefüllt werden können, um ihnen zusätzliche Stabilität zu bieten.

Der Hochtöner sitzt in der Buchardt Audio S400 unter dem Tiefmitteltöner.

Leistung und Technik

Das Gehäuse selbst misst 365 Millimeter in der Höhe und ist dabei leicht nach hinten geneigt. Das nimmt dem Lautsprecher die Strenge und lässt ihn etwas dynamischer wirken. Die Breite liegt mit 180 Millimetern in einem angenehmen Bereich und die 240 Millimeter in der Tiefe erlauben eine flexible Platzierung. Buchardt empfiehlt das Zusammenspiel mit einem Verstärker mit einem Leistungsspektrum von 40 bis 200 Watt. Das 15 Zentimeter messende Tieftonchassis soll dann sogar hinab bis 33 Hertz spielen. Ab 2000 Hertz übernimmt dann das mit 19 Millimetern vergleichsweise kleine Hochtonchassis, das dann bis hinauf zu 44 Kilohertz verantwortlich zeichnet. Angeschlossen wird der S400 über sein rückwärtiges Terminal, das auch Bananas entgegennimmt. Litzen mit einem Querschnitt von bis zehn Quadratmillimetern finden ebenfalls eine geeignete Aufnahme.

Leicht nach hinten geneigt und komplett ohne Schnörkel. Das dynamisch-zeitlos gestaltete Gehäuse verleiht der Buchardt Audio-Regalbox einen gehobenen Eindruck.

Warm abgestimmter Sound

Einmal aufgestellt, begrüßen die Buchardt Audio S400 den Hörer sogleich mit einem angenehmen runden Klang. Beim Aufbau habe ich aufgrund der aktuell hohen Sommertemperaturen leichte Chill-out-Musik laufen lassen. Die warmen Synthesizer-Klänge fanden in mir direkt einen wohlgesonnenen Abnehmer und sorgten innerhalb weniger Augenblicke für eine entspannte Atmosphäre. Beeindruckende Arbeit leistet dabei der Waveguide. Egal wo ich mich im Raum bewege, immer umzaubert mich ein angenehm klingender Sound – selbst wenn ich nicht auf dem üblichen Referenzplatz sitze. Der Klang löst sich mühelos von den Schwingsystemen und platziert sich gekonnt im Raum. Die Position der S400 lässt sich bei geschlossenen Augen nicht ausmachen. Im „Blindtest“ vermute ich sie viel tiefer im Raum und breiter aufgestellt, als sie es tatsächlich sind. Die Musik spielt dabei außergewöhnlich rund und warm. Der Übergang zwischen Hochton und Tieftonbereich geht unglaublich sanft vonstatten. Das schaffen nicht viele Mitbewerber, schon gar nicht in dieser Preisklasse! Suzanne Vegas „Tom’s Diner“ verzaubert mich beispielsweise mit einer sehr runden Stimmwiedergabe. Zwar empfinde ich hier eine leichte Überbetonung im Tiefmittenbereich, das ist allerdings so dezent ausgeprägt ist, dass es doch völlig stimmig erscheint. Um es besser zu erklären: Suzanne Vega erhält ein kleines bisschen mehr Präsenz und Volumen. So klingt es, als würde sie von deutlich größeren Lautsprechern wiedergegeben. Wunderbar! Auch „Friction“ von Imagine Dragons profitiert vom leicht warm abgestimmten Sound der S400. Die Toms klingen angenehm druckvoll und die Stimme Dan Reynolds´ wird mit einem unglaublich detailreichen Timbre dargestellt. Sehr schön fällt auch die faszinierende Verteilung der Sounds im Raum auf. Selbst hier in meiner PC-Ecke, drei Meter von dem äußersten Lautsprecher entfernt, komme ich noch in den Genuss des wundervollen Klangs der S400.

Übergänge, Spaltmaße, Flächenlackierung: Die Verarbeitung der Buchardt Audio S400 ist tadellos.

Satte Bässe aus dem Volumen eines Schuhkartons

Grob überschlagen, beträgt das Volumen, aus dem die Buchardt Audio S 400 ihren Sound schöpfen dürfen, etwa zehn Liter. Buchardt gibt in der Beschreibung einen Frequenzbereich an, der bis 30 Hertz hinabreichen soll. Und tatsächlich taucht sie, gemessen an ihrem geringen Volumen, erstaunlich tief ab. „Down To The River“ von Susan Tedeshi wartet mit einer unglaublich agilen Bassgitarre auf. Die Bass-Drum erhält den nötigen Schub, um den Punch mit jeder Menge Druck hervorschießen zu lassen. Durch die leichte Anhebung in den Mitten entsteht so ein wirklich rundes Zusammenspiel aller beteiligten Komponenten. Selbst „Animals“ von Martin Garrix konnte mich vom Hocker reißen, als die tiefreichenden Bässe angefordert wurden. Das schaffen nur ganz wenige Lautsprecher! Natürlich hält die S400 in tiefsten Bassgefilden nicht mit ausgewachsenen Standlautsprechern mit, aber das was die Buchardts hier leisten, ist für Schallwandler dieser Größe absolut imponierend. Andere, ähnlich dimensionierte, Lautsprecher liefern zwar auch straffe Bässe, die reichen aber nur selten so kompromisslos in die tiefen Bereiche hinab, wie es der S400 gelingt. Wer beispielsweise schonmal „Destiny“ von Jennifer Rush auf vergleichbar teuren Regallautsprechern gehört hat, wird hier direkt hellhörig. Wenn der Synthesizer im Intro in die tiefen Töne abrauscht, weiß die Buchardt auch den nötigen Dampf abzuliefern. Dabei sind übrigens gar keine ohrenbetäubenden Lautstärken erforderlich. Auch unter Zimmerlautstärke liefert sie einen exzellenten Hörgenuss und greifen beherzt zu. „Outshined“ von Soundgarden lässt mich hier übrigens sofort zur Luftgitarre greifen und das Bassriff mitspielen. Kurz gesagt: Mir macht es einfach Spaß dieser schlicht gestylten Zwei-Wege-Box mit ihrem erwachsenen und runden Klang zuzuhören.

Die S400 ist leicht warm abgestimmt. Das verleiht ihr einen angenhmen Klangcharakter und sorgt stundenlangen Musikgenuß ohne Ermüdungserscheinungen.

Erweiterbarkeit

Da die dänische Lautsprecherschmiede Buchardt Audio noch recht jung ist und erst wenige Modelle im Portfolio hat, beschränkt sich die Erweiterbarkeit der S400 tatsächlich auf Standfüße. Wie bereits kurz angerissen, sind sie aus Holz gefertigt und können mit Sand befüllt werden. Das macht sie stabiler und kommt auch der Klangqualität zu Gute. Ausschließlich in schwarzer Ausführung erhältlich, gehören hochwertige Spikes zum Lieferumfang. Ohne sie sind die Ständer 70 Zentimeter hoch. Die oben abschließende Platte bietet eine Auflagefläche von 180 x 240 Millimetern. Leider schon ausverkauft gab es die Buchardt Audio S400 für besondere Liebhaber noch in der „Signature Edition“ auch in limitierter Auflage mit schwarzem Eichenfurnier. Im Inneren weist diese, auf nur 25 Paar begrenzte, Version ebenfalls ein paar Besonderheiten auf: Die „Signature Edition“ verfügt über eine nochmals hochwertigere Frequenzweiche, die vom Jantzen Audio Team entworfen wurde. Die interne Verkabelung besteht aus Silberkabeln mit Teflon-Isolierung. Das Terminal ist aus Messing gefertigt und wird auch mit Messingschrauben angebracht.

Anschlussseitig ist der Zwei-Wege-Regallautsprecher mit griffigen Drehreglern bestückt, die Bananas oder auch unkonfektionierte Kabel größeren Querschnitts aufnehmen.

Fazit

Die Buchardt Audio S400 ist in jeder Hinsicht ein außergewöhnlicher Lautsprecher, der eindeutig im High-End-Bereich anzusiedeln ist. Mit seinen kompakten Abmessungen empfiehlt er sich in erster Linie für anspruchsvolle Musikfreunde, die keine Standlautsprecher aufstellen möchten oder können. Die etwas wärmere Abstimmung der S400 unterstreicht die ausgezeichnete Darstellung von Instrumenten und Stimmen, sogar in tiefe Frequenzbereiche hinab. Der Klang des Regallautsprechers ist schlichtweg exzellent und die Raumcharakteristik außergewöhnlich gut. Auch an der äußeren Erscheinung gibt es absolut nichts auszusetzen. Material und Verarbeitung sind tiptop! Selbst auf dem Schreibtisch machen die Boxen als Nahfeldlautsprecher noch eine sehr gute Figur. Ganz nebenbei beweist Buchardt Audio mit der S400, dass satter Sound nicht unglaublich teuer sein muss. Was mich betrifft, freue ich mich jetzt schon auf ein zukünftiges Paar der Dänen. Mich würde nämlich brennend interessieren, wie sie den Standlautsprecher revolutionieren.

Test & Text: Dieter Pfeil
Fotos: Simone Maier

Gesamtnote: 94/95
Klasse: Spitzenklasse
Preis-/Leistung: sehr gut

94

95

93

190910.Buchardt-Testsiegel

Technische Daten

Modell:Buchardt Audio
S400
Produktkategorie:Regallautsprecher
Preis:- 2.000,00 Euro/Paar
Garantie:- 10 Jahre
Ausführungen:- Weiß, matt
- Schwarz, matt
- Eiche, Furnier
Vertrieb:HiFiPilot GmbH, Eisingen
Tel: +49 7232 / 364 01 55
www.hifipilot.de
Abmessungen (HBT):365 x 180 x 240 mm
Gewicht:9 Kg / Stück
Prinzip/Bauart:Zwei-Wege mit Passiv-Radiator
Chassis:- 19 mm Hochtöner
- 150 mm Tiefmitteltöner
Anschluss:Bi-Wire (griffige Schraubklemmen)
Lieferumfang: - S400
- Gewebeabdeckungen
optionales Zubehör:- Standfuß (300,00 Euro)
Pros und Contras:+ sehr gute Verarbeitung
+ hervorragende Abstimmung
+ beeindruckende Bassabstimmung
+ verschiedene Farben
+ Magnetisch haftende Frontabdeckungen

- keine Standfüße
Benotung:
Klang (60%):94/95
Praxis (20%):95/95
Ausstattung (20%):93/905
Gesamtnote:94/95
Klasse:Spitzenklasse
Preis-/Leistungsehr gut

lite - DAS LIFESTYLE & TECHNIK MAGAZIN Über uns | Impressum | Datenschutz | Kontakt