Home » Tests » SPL Phonos duo – Vorzüglicher Vielkönner für Vinylisten
16. Oktober 2025
von Volker Frech
RedakteurMit dem frischen Phonos duo präsentiert SPL einen ebenso kompakten wie klangstarken Vielkönner für Vinylisten: Die Phono-Vorstufe für MM- und MC-Plattenspieler punktet mit vielfältiger Kapazitäts-, Impedanz- und Gain-Anpassung, symmetrischen sowie unsymmetrischen Ein- und Ausgängen, Rumpelfilter und Mono-Schaltung. Für die akustische Top-Qualität bürgen eine clever konzipierte RIAA-Entzerrung und SPLs VOLTAiR-Verstärkertechnologie. Was der potente Preamp noch in petto hat und wie er klingt, zeigt unser Test.

SPL Phonos duo präsentiert sich in schlankem Style und modernem Look – und hebt sich mit seinem schicken Design von den konventionellen, kastigen und oft platzraubenden HiFi-Komponenten ab.
SPL macht’s clever: Ursprünglich war die Niederkrüchtener Manufaktur allein auf den Profi-Bereich ausgerichtet und hat sich hier mit ihrem Audio-Equipment für Tonstudio und Mastering einen superben Ruf erworben. Doch seit etlichen Jahren nutzt SPL dieses geballte Know-How auch für den HiFi-Bereich und bietet mit der „Professional Fidelity“-Serie ausgezeichnete Komponenten für anspruchsvolle Audiophile an. Aus dieser Reihe waren bereits die Kopfhörerverstärker Phonitor xe und Phonitor se, die Stereo-Endstufen Performer s1200 und Performer s900 sowie die DAC/Vorverstärker Director Mk2 und Diamond zu Gast in unserer Redaktion. Nun erweitert der frische Phonos duo das Portfolio – und zwar als zweiter Vorverstärker für Vinylisten: Diese duo-Version überbietet den ursprünglichen Phonos, der auch weiterhin der Serie erhalten bleibt, in puncto Konnektivität, Feature-Vielfalt und Einstellungsmöglichkeiten und punktet zudem mit einem aktualisierten Verstärker-Design. Schauen wir uns den Neuen mal näher an.

Markantes SPL-Design: Die abgerundete Front, die kleinen Kippschaltern und die großen Drehschalter sorgen für den hohen Wiedererkennungswert. Die zentrale LED glimmt, wenn der rückseitige An-Schalter betätigt worden ist und der Verstärker im Standby-Betrieb ruht. Die LED leuchtet, wenn man den frontseitigen On-Schalter bedient hat: Dann ist der Verstärker spielbereit.
Cooler Look im Slim-Design
Rein optisch bleibt beim Neuen alles beim Alten – und das ist gut so: Der Phonos duo präsentiert sich im gleichen cool-charakteristischen Look, mit dem sich alle SPL-Komponenten wohltuend vom konventionellen Consumer-HiFi-Standard abheben und zudem eine hohe Ambiente-Freundlichkeit aufweisen. Dafür sorgt insbesondere die flach-kompakte, langgestreckte Gehäuse-Geometrie: Beim Phonos duo misst dieser Korpus gerade mal 6 mal 28 mal 30 Zentimeter. Zum Slim-Style gesellen sich eine geschmeidig gerundete Formgebung und eine Stirnseite, die mit ihren markanten mattierten Metallknöpfen und den kleinen Kipp-Schaltern das typische SPL-Design komplettieren. Das robuste Metallblechgehäuse, die vorgesetzte Front aus fein gebürstetem und edel eloxiertem Aluminium und die saubere Verarbeitung verleihen auch dem Phonos duo jene hochwertige Anmutung, die wir von SPL-Komponenten gewohnt sind. Die fünf Millimeter starke Vorderseite ist bei uns in Schwarz gehalten. Alternativ wird sie in mattem Silber oder leuchtendem Rot realisiert. In allen drei Versionen macht der Phonos duo bella figura auf dem Sideboard.

Der langgestreckte Korpus steckt in einer Mantelung aus robustem, Pulverlack-beschichtetem Stahlblech. Die U-Form des Deckels ermöglich eine schraubenlose Optik, was zum Clean Design des Vorverstärkers beiträgt.
MM- oder MC-Betrieb mit Impedanz- oder Kapazitätsanpassung
Wie der ältere Serien-Bruder Phonos ist der Phonos duo für Plattenspieler mit Moving Magnet-Abtaster sowie Moving Coil-Tonabnehmer ausgelegt. Über einen Kippschalter wählt man zuerst die MM- oder MC-Systemart aus, um anschließend mit den satt und sauber rastenden Drehschaltern die optimale Anpassung an den Abtaster vorzunehmen. Das ist sehr komfortabel gelöst. Bei anderen Herstellern muss man für diese Einstellungen mitunter das Gerät umdrehen, um rückseitige oder bodenseitige Mäuseklaviere mit Miniatur-Schiebeschaltern zu konfigurieren. Der Phonos duo punktet hier nun mit mehr Einstellmöglichkeiten als sein Bruder. Für den MM-Betrieb bietet er sechs verschiedene Kapazitäts-Einstellungen zwischen zwölf und 330 Pikofarad an, weil dieses Systemart empfindlich auf die Kapazität des verwendeten Anschlusskabels reagiert. Die Eingangsimpedanz beträgt für MM-Abtaster gemäß dem Standard immer 47 Kiloohm. Für den MC-Betrieb hingegen ist dieser Widerstandswert veränderbar, weil Moving Coil-Abtaster verschiedenste Impedanz-Anforderungen stellen. Der Phonos duo bietet hier sechs Anpassungs-Optionen zwischen 20 und 1.000 Ohm.

Die Phono-Vorstufe ist für Plattenspieler mit MM- und MC-System ausgelegt. Die Kapazitäts- und Impedanz-Drehschalter ermöglichen mit je sechs einstellbaren Werten die optimale Anpassung an den Abtaster.
Gain-Anpassung und Mono-Schaltung
Zudem lässt sich über den Gain-Schalter die Verstärkung verändern. Sie ist ist generell für MC um 20 Dezibel höher ausgelegt als für MM, denn Moving Coil-Systeme erzeugen prinzipbedingt ein extrem kleines Signal von nur wenigen Hundert Mikrovolt. Mit dem dreistufigen Gain-Schalter lässt sich die Verstärkung nun von „Low“ auf „Mid“ oder „High“ setzen, was jeweils eine Steigerung um zehn Dezibel bewirkt. Für MM-Systeme ist so eine Verstärkung zwischen 30 und 50 Dezibel einstellbar, für MC-Systeme zwischen 50 und 70 Dezibel. Mit diesen zahlreichen Kapazitäts-, Impedanz- und Gain-Anpassungsoptionen untertsützt der Phonos duo eigentlich alle marktüblichen MM- und MC-Systeme. Darüber hinaus ermöglicht Phono-Vorverstärker auch auch den Betrieb mit Mono-Tonabnehmern, falls man entsprechende Schallplatten besitzt und artgerecht abtasten möchte. Mit dem „Mono“-Umschalter auf der Front lässt sich dafür das Stereo-Eingangssignal zu einem Mono-Signal summieren. Auch dieses Feature hat der Phonos duo seinem Bruder-Modell voraus.

Feature-Vielfalt: Mit sechs Kippschaltern bietet der Phonos duo etliche Einstellungs- und Optimierungsmöglichkeiten: Der Gain-Schalter dient der Verstärkungsanpassung, der Input-Schalter der Eingangswahl. Mit aktiviertem Rumble-Filter blockt man tieffrequente Störgeräusche des Musiksignals, die Mono-Schaltung ermöglicht den Einsatz eines Mono-Tonabnehmers für alte Schallplatten-Schätzchen. Mute sorgt für die schnelle Stummschaltung der Ausgänge. Der On-Schalter bewirkt die Erweckung aus dem Standby-Schlaf.
Feature-Trias gegen Rumpeln und Brummen
Segensreich ist dann der zuschaltbare „Rumble“-Filter gegen tieffrequente Störgeräusche. Sie entstehen durch die Antriebsmechanik des Plattenspielers, durch Trittschall oder durch das Abspielen welliger Platten. Diese unerwünschten Klang-Additive werden über die RIAA-Entzerrung und den hohen Verstärkungsfaktor eines Phono-Preamps noch betont. Die tieffrequenten Störungen sind nicht nur nervig, sondern auch Performance-mindernd: Sie verunklaren den Klang und verschlechtern die Dynamik, weil sie dem Verstärker viel Energie abverlangen, die ihm für die Amplifizierung der eigentlichen Musik nicht mehr zur Verfügung steht. Der durch den „Rumble“-Filter erreichte Zugewinn an Ruhe, Klangklarheit und Dynamik übersteigt deutlich den geringen Verlust im Frequenzgang, kaum eine Schallplatte liefert Töne unterhalb von 20 Hertz. Um neben diesen mechanisch verursachten Störungen auch elektrisch evozierte Brumm-Geräusche zu unterbinden, bietet diese Phono-Vorstufe zwei Abhilfen: Einerseits eine Erdungsklemme, falls das Anschlusskabel des Plattenspielers eine separate Erdungsleitung besitzt, andererseits einen Ground Lift-Schalter, mit dem man beim Phonos duo die interne Masse von der Gehäusemasse trennt.

Der Phonos duo bietet zwei Möglichkeiten, etwaiges Brummen in der Klangkette zu beseitigen. Hat das Kabel des Plattenspielers eine separate Erdungsleitung, schließt man diese an die Audio Ground-Klemme an. Dadurch werden Potenzialunterschiede aufgehoben und die Brummschleife beseitigt. Zweite Maßnahme zur Brumm-Beseitigung: Mit dem Ground Lift kann man die elektrische Verbindung von Gehäuseerde und Masse der Verstärkerschaltung trennen.
Symmetrische sowie unsymmetrische Ein- und Ausgänge
Prima ist auch der Mute-Schalter. Mit ihm kann man flott die Verstärkerausgänge stummschalten. Damit sind wir bei der Konnektivität des Preamps – und auch hier bietet der Verstärker ein Performance-Plus: Zusätzlich zu den unsymmetrischen Ein- und Ausgängen bietet die Rückseite symmetrische In- und Outputs. Das erklärt den Beinamen „duo“. Die symmetrische Signalführung ist im Profi-Bereich der Standard: Das Signal wird sowohl normal als auch invertiert übertragen, das phasenverkehrte Signal wird am Ende wieder umgedreht – und durch die Summation löschen sich alle Einstreuungen, die auf dem Kabelweg in das Musiksignal gelangt sind, gegenseitig aus, während das Signal selbst im Pegel kräftiger wird. Diese Plus von sechs Dezibel verbessert das Signal-Rausch-Verhältnis. Das ist gerade für die sehr schwache Spannung, die durch das Abtastsystem des Plattenspielers erzeugt wird, vorteilhaft: Der Output eines Moving-Coil-Tonabnehmers muss etwa um den Faktor 1.000 verstärkt werden, beim stärkeren Moving-Magnet-System ist immer noch eine rund hundertfache Kräftigung nötig.
VOLTAiR-Technologie für kraftvoll-klaren Klang
Da trifft es sich bestens, dass für die Verstärkung mit VOLTAiR die Referenz-Technologie von SPL zum Zuge kommt: So gut wie jedes Produkt der Niederkrüchtener ist mit dieser 120-Volt-Technik realisiert. Die Idee dahinter: Konventionelle Audiogeräte arbeiten mit einer ziemlich geringen internen Betriebsspannung von +/-15 Volt. Deshalb agieren die aktiven Komponenten der Schaltung oft im Grenzbereich. Das führt zu einer unruhigen Audio-Performance. Bei Pegelspitzen des Signals entstehen mangels Headroom mitunter sogar Übersteuerungen und somit Verzerrungen. Aus diesem Grund setzt SPL durchgängig auf Operationsverstärker aus eigener Entwicklung. Ihre Betriebsspannung ist vierfach höher als üblich, sie beträgt +/-60 Volt. Durch die hohe Betriebsspannung entfallen die genannten Beschränkungen eine niedervoltigen Versorgung. Dadurch haben die sogenannten Supra-Operationsverstärker deutlich mehr Aussteuerungsreserven – und damit gleich drei Pluspunkte: stark reduzierte Verzerrungsgefahr, deutlich vergrößertes Dynamik-Vermögen und signifikant vergrößerter Rauschabstand. Diese VOLTAiR-Technologie ist modular realisiert: Mehrere dieser senkrecht auf dem Mainboard stehenden Modul-Platinen sorgen für eine kraftvoll-klare Verstärkung.

Amtliche Anschlüsse: Zusätzlich zu den üblichen unsymmetrischen Ein- und Ausgängen bietet der Phonos duo sowohl für den Input wie den Output symmetrische Anschlüsse – und damit den Standard der Profis.
Neuer Schaltungsaufbau mit clever konzipierte RIAA-Entzerrung
Dabei wurde die gesamte Verstärkerschaltung überarbeitet. Das reicht von den symmetrischen Eingangs- und Ausgangsstufen bis hin zum neuen linearen Netzteil mit potentem Ringkerntrafo. Er liefert die benötigten Spannungen von +/- 60 Volt nun mithilfe von selbstentwickelten, diskret aufgebauten Reglern. Hierdurch konnten Störeinflüsse abermals drastisch reduziert werden – angeblich um bis zu 30 Dezibel. Unverändert geblieben ist hingegen das Konzept der RIAA-Entzerrungsmodule. Sie bringen das kodierte Schallplatten-Musiksignal wieder in seine ursprüngliche Gestalt. Zugunsten maximaler Klangtreue verwendet SPL hier extrem hochwertige Styroflex-Kondensatoren, die einen geringen sogenannten Verlustwinkel aufweisen. Zudem setzt SPL nicht auf wenige größere Kapazitäten, sondern auf mehrere kleinere Kondensatoren. Sie laden und entladen sich schneller. Dies bewirkt eine feinere Auflösung und ein flotteres Impulsverhalten. Die RIAA-Entzerrung erfolgt beim Phonos duo erst nach der Signalkräftigung durch eine Verstärkerstufe. Damit entfallen Rausch-, Linearitäts- und Verzerrungs-Probleme, die etwa eine Entzerrung verursacht, die in den Gegenkopplungspfad der Verstärkerschaltung integriert ist.
Der SPL Phonos duo in der Praxis
Gehen wir mit dem Phonos duo endlich in den Hörraum. Hier schließen wir ihn verstärkerseitig zuerst unsymmetrisch an unseren Hegel H360 an. Die Schallwandlung übernimmt die Audio Physic Midex. Als Plattenspieler kommt der Transrotor Dark Star zum Zug. Ihn bestücken wir zu Beginn mit dem Moving Magnet-Systrem Transrotor Uccello. Dementsprechend stellen wir den Schalter des Phonos duo auf die MM-Stellung und wählen mit dem zugehörigen Kapazitäts-Schalter jene 150 Pikofarad, die vom Hersteller empfohlen sind. Mit diesen zwei flott erledigten Einstellungen ist der Phono-Vorverstärker spielbereit – prima! Das ist ein schöner Komfort gegenüber anderen Vorstufen, bei denen mitunter ein frickeliges Hantieren an mehr oder minder gut zugänglichen Mäuseklavieren nötig ist, aus deren komplizierten Schalterkombination sich dann ein resultierender Kapazitätswert ergibt. Die Handhabung ist also schon mal top. Auch akustisch punktet der Phono-Vorverstärker, noch bevor überhaupt ein Ton Musik erklungen ist: Im Leerlauf fällt die sehr gute Rauscharmut auf.

Mit seinen zahlreichen Anpassungsmöglichkeiten unterstützt der Phonos duo fast alle MM- und MC-Abtaster. Wer bei MM-Systemen den vom Hersteller empfohlenen Kapazitätswert nicht kennt, kann ihn durch Hören ermitteln und fängt bei der niedrigsten Einstellung an. Solange der Hochtonbereich zunimmt, ist die Kapazität unter der des Tonabnehmers. Sobald der der Hochtonbereich abnimmt, ist die Kapazität höher als jene des Tonabnehmers.
Absolute Klarheit, fulminante Dynamik
Dabei haben wir den Gain erst einmal auf „Low“ gesetzt. So starten wir mit der satt produzierten Rockblues-Nummer „I’m Not Givin‘ In“ von Thorbjø Thorbjørn Risager & The Black Tornado – und haben gleich ein Grinsen im Gesicht: Die herrlich angezerrte E-Gitarre eröffnet den Song mit einem räudigen Riff in bester AC/DC-Manier, Schlagzeuger Martin Seidelin unterlegt dieses Akkordfolge bald mit fetten Beats seiner Monster-Bassdrum und satten Schlägen auf seine Snare, dann setzt Risager mit röhrender Shouter-Stimme ein, bis schließlich die komplette Acht-Mann-Band loslegt, zu der später noch ein Backgrund-Chor kommt. Wir sind aber schon nach wenigen Takten im Mittwipp-Modus, weil es auch dank fulminanten, spritzigen Dynamik richtig rockt. Trotz dieser großen Besetzung und dem wuchtigen Gesamtsound ist die Wiedergabe absolut klar und knackig. Das haben wir auch schon anders erlebt: Mitunter werden die Bassdrum und der in schweren Vierteltönen pumpende Bass überbetont und nicht differenziert genug wiedergegeben.
Es geht noch besser
Hier hingegen hat der Bass Fülle, aber keine bräsige Massigkeit oder gar Matschigkeit. Auch die Bassdrum ist bei aller Mächtigkeit schön definiert. So sind Schläge und Tön, obwohl sie genau aufeinanderliegen, leicht zu unterscheiden. So liefern Schlagzeug und Bass ein sauberes Fundament, auf dem das musikalische Geschehen sehr aufgeräumt wirkt – bis hin zu dem veredelnden zweistimmigen Chorgesang und dem schillernden Hammondorgel-Sound des Keyboards. Doch es geht noch besser: Wir setzen den Gain auf „Mid“. So hat die Wiedergabe auch bei daraufhin angepasster Verstärker-Lautstärke noch mehr Schmackes – ohne zu komprimieren oder zu verzerren. Ein abermaliges Performance-Plus bringt der Wechsel vom unsymmetrischen zum symmetrischen Ausgang: Die Wiedergabe ist weiträumiger, offener. Die Bühnentiefe ist größer, das Schlagzeug rückt weiter nach hinten, auch der Schellenkranz wird jetzt nicht mehr vorn am Bühnenrand geschüttelt. Die Band ist immer noch sehr kompakt in ihrem Auftritt, doch die Musiker haben nun mehr Raum zur Entfaltung.

Auf der Rückseite ist neben dem Stromanschluss der Netzschalter platziert, mit dem der Verstärker grundsätzlich eingeschaltet und in den Standby-Betrieb versetzt wird. Bei den Anschlüssen fällt auf, dass die Erdungsklemme, an die eine entsprechende Erdungsleitung des Plattenspielerkabels angeschlossen wird, nicht aufseiten der Input-Sektion sitzt, sondern neben den Output-Anschlüssen.
Famose Feindynamik, hervorragenden Auflösung
Genre-Wechsel: Das Esbjörn Svensson Trio präsentiert mit „Seven Days of Falling“ eingängig-melodiösen Jazz in der Besetzung Klavier, Bass und Schlagzeug. Nach der fulminanten Grobdynamik, mit der uns der Phonos duo vorhin Risagers Bluesrock-Band in mitreißender Frische präsentiert hat, glänzt der Phono-Preamp nun mit seinem feindynamischen Können. Schon der eröffnende Kontrabass ist ein Genuss: Wir hören nicht nur jeden Ton dieses herrlich drahtig-definierten und trotzdem druckvollen Viersaiters, sondern spüren jeden Fingeranschlag, mit dem Dan Berglund die Saiten berührt. Wir nehmen ebenso das schwingende Holz des Korpus wahr. Dies verdankt sich wiederum der hervorragenden Auflösung, die jedes Detail bis hin zu den Spielgeräuschen erlebbar und erfahrbar macht. Genau diese vermeintlichen Kleinigkeiten sorgen für die Lebendigkeit und das Wie-echt-Gefühl. So hat dieser Bass eine beeindruckende Gegenwärtigkeit, als stünde Berglund vor uns im Raum. Auch beim hinzutretenden Klavier registrieren wir nicht nur jede Note, die Svensson mit seinen vollgriffigen Akkorden spielt, …
Ruhe und Reinheit
… sondern auch das Auftreffen der filzbezogenen Hämmerchen auf die Metallsaiten im Klavierkasten. Weil Svensson diese Akkorden und auch die Melodietöne lange aushält, hören wir die wunderbare Farbigkeit, mit der sich die Töne zu Akkorden verbinden – und weil durch den Resonanzboden des Flügels alle 230 Saiten in Schwingung versetzt werden, ergibt sich ein irisierender Klangkosmos, der sich beständig verändert, weil die Saiten verschieden ausklingenden und sich so die Obertöne mal verstärken, mal ausdünnen. Es ist ein Faszinosum, diesem Klavierklang zuzuhören – wenn dieses Spektrum so vorzüglich und verfärbungsfrei wiedergegeben wird, wie es der Phonos duo vollführt. Beim diesem Klang-Nachspüren fallen zudem die Ruhe und Reinheit dieser Wiedergabe auf. Magnus Öströms Drumming wird ebenfalls zum Erlebnis: Der Schlagzeuger spielt songdienlich-reduziert, leise und zart mit Besen – und hier hören wir dank der immensen Impuls- und Detailtreue des Phonos duo kein diffuses Rauschen, sondern ein präzises Prasseln der Besen-Borsten aufs Snarefell.

Mit seinem schlanken und schicken Design macht sich der Phono-Vorverstärker bestens auf dem Sideboard und integriert sich geschmeidig in ein modern möbliertes Ambiente.
Akustischer Sonnenaufgang
Mit dem Kapazitäts-Wahlschalter des Phonos Duo können wir hier auch ein wenig Klanggestaltung betreiben: Wir erhöhen auf 220 Pikofarad. So ist der Klavier-Klangkosmos noch intensiver, auch die Räumlichkeit erscheint noch prägnanter. Allerdings sind die Schlagzeugbesen ebenfalls crisper und präsenter, das ist uns auf Dauer dann doch zuviel. Wir wechseln nun lieber das System und gehen von MM zu MC. Dafür kommt das Goldring Ethos unter die Headshell. Auch hier geht die Einstellung am Verstärker wieder flott, auch weil die festgelegte MC-Vorverstärkung gleich passt, so dass wir den einstellbaren Gain auf „Mid“ lassen können. So können wir gleich auf die Musik hören – und wir erleben als bekennende Moving Coil-Fans einen akustischen Sonnenaufgang. Kein Wunder: Die Wiedergabe legt in allen Disziplinen zu. Die Offenheit und Luftigkeit vermittelt uns eine Gefühl der Freiheit und Weite. Jetzt ist auch der imaginierte Raumeindruck fantastisch: Wir sitzen nicht bei uns im Hörzimmer, …
Realität, Materialität, Vitalität
…sondern im großzügig dimensionierten Stockholmer Atlantis Studio, in dem das Trio den Song eingespielt hat. Auflösung und Detailtreue sind also noch besser geworden – und der Phonos duo bildet dies mit Leichtigkeit ab. Auch die Instrumente sind noch präsenter und verströmen eine umso größere Realität und Materialität. So haben wir beim Kontrabass nun das Metall der umsponnene Saiten und das Holz von Griffbrett und Korpus förmlich vor Augen, weil neben den gespielten Tönen die typischen Klangcharaktere der Werkstoffe noch feiner wiedergegeben werden. Auch dynamisch legt die Wiedergabe zu. So wirkt jeder Saiten-, Tasten- und Trommel-Anschlag noch impulsiver und spritziger. So versprüht die Wiedergabe noch mehr Vitalität und Frische. Die MC-Vorteile eines größeren Detailreichtum und einer höhere Präzision erleben wir auch – nächster Genre-Wechsel – im Electro-Reich: Bei Trentemøllers „The Forrest“ ist jedes Knistern und Zirpen der Sound-Samples, die an verschiedensten Stellen des geradezu immersiven 3D-Kunstraum aufploppen, ein prickelnder Aufmerksamkeits-Kitzler.

Die symmetrischen Eingänge sind zu bevorzugen, wenn man ein per se symmetrisch ausgelegtes MC-System am Plattenspieler betreibt und dessen Signalkabel symmetrisch mit XLR-Steckern konfektioniert ist. Das eingehende Signal wird dann einer symmetrischen Eingangsstufe zugeführt, auch dadurch erzielt man hier einen besseren Fremdspannungsabstand als über den unsymmetrischen Cinch-Eingang.
Morsezeichen aus dem Frequenzkeller
Das Wandern der Töne im Panorama ist weiträumiger und intensiver, die Struktur des Soundgewebes und das Changieren der Klangflächen sind schlicht viel besser erfassbar. Das ist für den Hörgenuss bei dieser Musik essenziell. Genauso eindrucksvoll, wie der Phonos duo diese MC-Meriten belegt, entkräftet er das Vorurteil, dass Movin Coil-Abtaster bassärmer sind: Schon bei moderater Lautstärke sorgen die voluminösen, ultratiefen Synthesizer-Basstöne für einen satten Druck, den wir nicht nur auf den Ohren, sondern am ganzen Körper spüren. Trotzdem bleibt bei diesen mächtigen Morsezeichen aus dem Frequenzkeller die Definition gewahrt – auch hier wieder dank der bestens artikulierten Signalkräftigung durch den Phono-Vorverstärker. Beim Gegenhören mit dem MM-Abtaster fällt auf, dass der Bass mit MC mehr „atmet“, agiler und dynamischer wirkt, während er mit MM kompakter und statischer ist. Wir schalten aus Neugier mal den Rumble-Filter hinzu, den wir wegen der Laufruhe des Plattenspielers und des Schwingungsfreiheit des Untergrunds eigentlich nicht einsetzen brauchen: Ja, im alleruntersten Frequenzbereich wird der Bass etwas abgesenkt. So ultratief reicht also diese Aufnahme – und ihre Wiedergabe.
Spürbare Nähe
Auch im musikalischen Großformat zeigt der Phonos duo seine Wiedergabekultur – und auch hier umso eindrucksvoller mit dem MC-System: Wir hören aus Gounods Oper „Roméo et Juliette” das Duett „Nuit d’hyménée” mit Anna Netrebko und Rolando Villazón. Die Weltstars werden von der Staatskapelle Dresden begleitet. Schon die Orchestereinleitung zeigt uns ein weiträumiges, wunderbar tiefengestaffeltes Orchester. In diesem Musikerverbund können wir mit Leichtigkeit die Gruppen und einzelne Instrumente verorten. Bei den eingangs prominenten melodieführenden Geigen ist sogar der Bogenstrich wahrnehmbar. Noch eindrucksvoller ist das Gesangsduo: Netrebko und Villazón stehen wenige Meter vor uns, wir können die physische Nähe geradezu spüren und hören, weil nicht nur alle Stimmwendungen und Gesangskünste der betörenden Sopranistin und des leidenschaftlichen Tenors hörbar sind, sondern selbst die zarten Atmer zwischen ihren innigen Liebesschwüren. In der Dresdner Lukaskirche, in der diese Aufnahme stattgefunden hat und deren Raumakustik wir gleichfalls miterleben, haben wir die besten Plätze.

Der Phonos duo im Betrieb: Hier spielt der Phono-Vorverstärker mit dem Analog-Laufwerk Transrotor Dark Star.
Fazit
Der SPL Phonos duo glänzt gleich doppelt als kompakter Vielkönner und Amplifizierungs-Ass. Der Phono-Vorverstärker unterstützt sowohl MM- als auch MC-Systeme und bietet mit drei wählbaren Gain-Stufen sowie sechs einstellbaren Kapazitäts- und Impedanzwerten umfangreiche Anpassungsmöglichkeiten für eigentlich alle marktüblichen Abtaster. Dazu macht der Phonos seinem „duo“-Namenszusatz mit symmetrischen sowie unsymmetrischen Ein- und Ausgängen alle Ehre. Hinzu kommen feine Features wie Rumpelfilter, Ground Lift und Mono-Schaltung. Bei der Performance punktet der Preamp dank SPLs VOLTAiR-Verstärkertechnologie und der durchdachten RIAA-Entzerrung mit akustischer Top-Qualität: Hier trumpft er mit sehr gutem Rauschabstand und hoher Verzerrungsarmut. Die verfärbungsfreie Wiedergabe besitzt eine große Klarheit, Reinheit und Ruhe. Hinzu kommen eine hervorragende Auflösung mit großem Detailreichtum, eine frische, famose Dynamik und eine großzügige 3D-Raumabbildung mit plastisch-präsenter Darstellung der Musiker und ihrer Instrumente. Das alles bietet der Phonos duo in schickem Design und schlanker Dimensionierung – und zu einem Preis, der schlichtweg hervorragend ist. Ein absoluter Top-Verstärker für Vinylisten!
Test & Text: Volker Frech
Fotos: Simone Maier
Klasse: Spitzenklasse
Preis/Leistung: hervorragend
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Technische Daten
| Modell: | SPL Phonos duo |
|---|---|
| Produktkategorie: | Phono-Vorverstärker |
| Preise: | 2.999,00 € |
| Garantie: | 2 Jahre |
| Ausführungen: | - Front: Metallic-Rot, Gehäuse: Mattschwarz - Front: Mattsilber, Gehäuse: Mattschwarz - Front: Mattschwarz, Gehäuse: Mattschwarz |
| Vertrieb: | SPL electronics GmbH, Niederkrüchten Tel.: +49 2163 98340 https://spl.audio |
| Abmessungen (HBT): | 57* x 278 x 300 mm *incl. Füße |
| Gewicht: | 3,3 kg |
| Eingänge (analog): | 1 x Phono symmetrisch (XLR) 1 x Phono unsymmetrisch (Cinch) |
| Ausgänge (analog): | 1 x Line symmetrisch (XLR) 1 x Line unsymmetrisch (Cinch) |
| Eingangsimpedanzen: | - MM: 47 kΩ - MC: 20 Ω, 50 Ω, 100 Ω, 220 Ω, 500 Ω, 1 kΩ |
| Ausgangsimpedanz: | 75 Ω |
| Lastkapazitäten (für MM): | 12 pF, 47 pF, 100 pF, 150 pF, 220 pF, 330pF |
| Frequenzgang: | 10 Hz - 100 kHz (-3 dB) (Herstellerangabe) |
| Übersprechen: | -80 dBu (@ 1 kHz) (Herstellerangabe) |
| Rauschen: | - MM: -82 dBu (A-bewertet) (Herstellerangabe) - MC: -62 dBu (A-bewertet) (Herstellerangabe) |
| Dynamikumfang: | - MM: 132 dB (Herstellerangabe) - MC: 129 dB (Herstellerangabe) |
| Verstärkung: | - MM: Low: 30 dB, Mid: 40 dB, High: 50 dB (Herstellerangabe) - MC: Low: 50 dB, Mid: 60 dB, High: 70 dB (Herstellerangabe) |
| Leistungsaufnahme: | max. 30 VA (Herstellerangabe) |
| Stromaufnahme im Stand-By: | < 0,3 W (Herstellerangabe) |
| Lieferumfang: | - SPL Phonos duo - Netzkabel (1,5 m) - Bedienungsanleitung (Englisch, Deutsch) - Sicherheitshinweise |
| Pros und Contras: | + hoher Rauschabstand + Klarheit, Reinheit und Ruhe in der Wiedergabe + Verzerrungsarmut dank großem Headroom + fulminanten Grobdynamik, famose Feindynamik + verfärbungsfreie Verstärkung + bestens konturierte Basswiedergabe + hervorragenden Auflösung mit großem Detailreichtum + großzügige 3D-Raumabbildung + plastisch, präsente Darstellung + symmetrischer und unsymmetrischer Eingang + symmetrischer und unsymmetrischer Ausgang + Impedanz- und Kapazität-Anpassung für MM- und MC-Systeme + schaltbarer Ground Lift + 3 Gain-Stufen zur Pegelanpassung des Systems + Rumpel-Filter gegen tieffrequente Störgeräusche + Stereo/Mono-Umschaltung ermöglicht Einsatz eines Mono-Systems zur Wiedergabe von Mono-Schallplatte + Mute-Schalter ermöglicht schnelles Stummschalten der Ausgänge + leichte Handhabung mit unkomplizierter Einstellbarkeit der Kapazitäts- und Induktivitätswerte + außergewöhnliches, schlank-modernes Design + ausgezeichnete Komponenten- und Verarbeitungsqualität - Erdungsklemme sitzt aufseiten der Output-Anschlüsse |
| Benotung: | |
| Klang (60%): | 95/95 |
| Praxis (20%): | 95/95 |
| Ausstattung (20%): | 95/95 |
| Gesamtnote: | 95/95 |
| Klasse: | Spitzenklasse |
| Preis/Leistung: | hervorragend |
| Getestet mit: | - Plattenspieler: Transrotor Dark Star - Tonabnehmer: Transrotor Uccello (MM), Goldring Ethos (MC) - Verstärker: Hegel H360 - Lautsprecher: Audio Physic Midex - Signalkabel: Audio Black Beauty XLR, Audio Black Beauty Cinch - Lautsprecherkabel: Audioquest Rocket 88 |














































