Auf den ersten Blick ist der Yamaha MusicCast Vinyl 500 ein ganz gewöhnlicher Plattenspieler. Abseits seiner Hauptfunktion bietet er allerdings noch jede Menge Zusatzmöglichkeiten für den modernen Audio-Alltag. Er spielt Langspielplatten, Singles und Maxis in analoger Manier ab. Mit seinen zahlreichen digitalen Schnittstellen und Funktionen streamt er die Platte aber auch ins Netzwerk oder dient als Quellgigant. Analoge Platten in der digitalen Welt? Kann dieses Konzept überzeugen?

Auf den ersten Blick ein sehr schicker aber normaler Plattenspieler: Der Yamaha MusicCast Vinyl 500.

Im Gegensatz zu digitalen Geräten, bei denen vielleicht noch der Anschluss eines Netzsteckers erforderlich ist, schaut mich aus dem Karton des Yamaha MusicCast Vinyl 500 erst einmal eine Art Bausatz an. Das kennt man von Plattenspielern. Im Karton finden sich dann zunächst eine Abdeckung und ein Paar Scharniere, darunter dann das Hauptgerät. Das gibt soweit erst einmal keine Rätsel auf. Der Gummiriemen schmiegt sich um den Antriebszylinder und kann durch die Öffnungen im Plattenteller mit dem Antrieb verbunden werden. Das Headshell samt Tonabnehmer wird anschließend aufgesteckt und angezogen. Dann schiebe ich das Gegengewicht auf den Tonarm und drehe es leicht ein, bis es einrastet. Nun wird noch die Unterlegmatte auf den Plattenteller gelegt und die Schutzkappe vom Tonabnehmer abgenommen. Fertig, jetzt sieht der MusicCast Vinyl 500 auch tatsächlich aus wie ein Plattenspieler.

Das Gegengewicht wird auf den Tonarm geschoben und leicht festgedreht.

MusicCast Vinyl 500: Plattenspieler mit dem gewissen Extra

Nach etwa zehn Minuten ist der Aufbau des Yamaha MusicCast Vinyl 500 dann abgeschlossen. Und die Erscheinung macht jetzt schon etwas her. Der 500er ist richtig schön gestylt und wirkt nobel und hochwertig. Mein Testexemplar ist komplett in schwarz gehalten und mit seidigem Glanz überzogen. Da gibt es keine zwei Meinungen, der Yamaha sieht einfach gut aus. Auch in weißer Ausführung wirkt dieser Plattendreher einfach schlichtweg edel. Das liegt auch an seinen Proportionen: Die Maße bewegen sich im HiFi-Standard. In der Breite messe ich 45 Zentimeter, in der Tiefe 36,8 und mit geschlossener Haube 13,6 Zentimeter in der Höhe. LPs können also auch bei geschlossener Abdeckung problemlos abgespielt werden. Das Gerät verfügt frontseitig über vier silberne Tasten. Links fürs ein- und ausschalten und die Umschaltung zwischen 33⅓ und 45 Umdrehungen pro Minute. Rechts sind weitere Taster für die Quellwahl und zur Wiedergabe eingelassen. Ein Stückchen daneben befinden sich die Indikatoren für WLAN und Bluetooth. Rückseitig stehen dann einige Anschlüsse zur Verfügung. Natürlich gibt es hier auch den Eingang für die Versorgungsspannung. Ins Auge fallen jedoch sofort die vier analogen Audio-Ausgänge sowie der Netzwerkanschluss. Für den rein analogen Betrieb als „unsmarter Plattenspieler“ nutz man den Phono-Out. Wird der Plattenspieler über diesen Weg mit dem Verstärker verbunden, umgeht er die bordeigene Vorverstärkerstufe und leitet sein Signal direkt an den MM-Eingang des externen Amps weiter. Gleich nebenan befindet sich der Line-Out. Verwendet man diesen, nutzt man den implementierten Phono-Vorverstärker und leitet einen AUX-kompatiblen Pegel zum Verstärker. Der hier ebenfalls platzierte USB-Port ist nicht für den Signaltransport, sondern ausschließlich für Service-Zwecke gedacht.

Der MusicCast Vinyl 500 bietet gleich zwei analoge Ausgänge an. So lässt sich dieser Plattenspieler an nahezu jeder HiFi-Anlage betreiben.

Frei von Kabelzwängen

Über den Ethernet-Port lässt sich der Yamaha aber auch ins Netzwerk bringen. Damit komme ich auch schon zur großen Besonderheit dieses Plattenspielers: Es ist auch möglich, ganz auf die klassische Audioverkabelung zu verzichten, der Vinyl 500 ist nämlich voll musicCastfähig und somit auch kabellos betreibbar! Via MusicCast-App kann die Musik der gerade abgespielten Platte so beispielsweise ganz einfach an kompatible Geräte weitergereicht werden. Nochmal: Das funktioniert ganz ohne Signal- oder Lautsprecherkabel! Ganz so drahtlos wie man meint, ist er allerdings nicht, denn ohne Stromzuführung passiert gar nichts. Aber Spaß beiseite, ist das Stromkabel eingesteckt, kann es theoretisch sofort losgehen.

Für meinen Test habe ich den Vinyl 500 u.a. kabellos mit einem Paar MusicCast 50 gepaart.

Total analog

Zu Beginn meines Tests möchte ich aber zunächst den einfachen, zugleich aber auch offensichtlichsten Teil des Yamaha MusicCast Vinyl 500 ausprobieren. Dazu nutze ich das mitgelieferte Cinch-Kabel und verbinde die Phono-Out-Buchse mit dem MM-Eingang meines Magnat-Verstärkers RV 4. Damit der Plattenspieler auch wirklich über den Phono-Out spielt, muss der Schalter neben dem Eingang noch entsprechend umgelegt werden. Das Auflagegewicht der mitgelieferten Nadel stelle ich, wie im Handbuch empfohlen, auf 3,5 Gramm ein. Als Referenz dient mir die von Dali gepresste-Platte zum 35-jährigen Jubiläum. Die mit ihren 180-Gramm recht wuchtige Scheibe wird sanft auf die Filzunterlage gebettet, anschließend betätige ich die Play-Taste. Der Plattenteller versetzt sich in Drehung und ich warte geduldig darauf, dass sich der Tonarm zur Plattenrille bewegt. Na gut, Platten hören hat ja nichts mit Bequemlichkeit zu tun, sondern mit Genuss. Und irgendwie zelebriert man das Plattenauflegen ja auch gern. Also führe ich den Tonarm selbst zur Rille und lasse ihn sanft auf das Vinyl gleiten. Klanglich gibt es dann vom ersten Moment an nichts auszusetzen. Den Verstärker erwartet ein fein aufgelöstes Klangspektrum. Eines, aus dem ein beeindruckend breites Klangfeld kreiert wird. Angenehm warmer Sound flutet den Raum, angereichert vom leichten Knistern alter Zeiten. Nach einigen Jahren Platten-Abstinenz bin ich angenehm überrascht, wie gut Musik von Schallplatte klingen kann. Die Agilität der abtastenden Nadel verträgt sich bestens mit der Röhrenvorstufe des Verstärkers. Klanglich kann ich hier überhaupt nichts beanstanden. Man merkt dem Medium Vinyl schnell an, das hier nach fast 90 Jahren Entwicklung kaum noch ein Geheimnis mehr im Verborgenen liegt.

Auch mit Haube sieht der MusicCast Vinyl 500 richtig gut aus.

Analog geht, digital geht noch mehr

Als klassischer Plattenspieler macht der Yamaha MusicCast Vinyl 500 also schonmal eine richtig gute Figur. Bei der Fülle an Anschlüssen wird aber schnell deutlich, dass dieser Vinyl-Abspieler mehr drauf hat, als nur Platten abzuspielen. Zu besagter Anschlussvielfalt gehört die bereits angesprochene Ethernetbuchse, über die sich das Gerät direkt ins heimische Netzwerk einbinden lässt. Ins WLAN lässt sich die Elektronik selbstverständlich ebenso integrieren. Es ist aber völlig egal welchen Weg man wählt, geht es an die Netzwerkeinbindung, kommt Yamahas MusicCast-Technologie zum Einsatz. Dank dieses Systems kann man Inhalte der gerade abgespielten Platte auch an andere MusicCast-Geräte streamen – kabellos. Bedeutet: Der Plattenspieler steht im Wohnzimmer und die gerade abgetastete Vinylscheibe ist über einen Netzwerklautsprecher wie dem MusicCast 50 in der Küche oder auf der Terrasse zu hören. Es ist sogar möglich, das ganze Haus mit Musik von Vinyl über das Musikverteilsystem zu beschallen – immer vorausgesetzt, es befinden sich weitere MusicCast-Komponenten in den jeweiligen Räumen.

Der MusicCast Vinyl 500 lässt sich mit jeden MusicCast-Produkt von Yamaha verbinden. U.a. auch mit dem kompakten MusicCast 20.

Kabellose Stereoanlage

Dank MusicCast-Funktionalität ist es beispielsweise aber auch möglich ein HiFi-Setup – bestehend aus Yamaha MusicCast VINYL 500 und Drahtlos-Lautsprechern aus der MusicCast-Reihe – aufzubauen. Der große Vorteil hier: Es müssen tatsächlich keine Kabel verlegt werden! Via App habe ich dazu zunächst zwei MusicCast 50 als Stereopaar eingerichtet und diese dann mit dem Plattenspieler verbunden. Was sofort auffällt: Die Bedienung geht wunderbar einfach von der Hand. In der App werden die beiden Lautsprecher schnell gekoppelt. Anschließend lege ich eine Platte auf und befehle die Ausgabe über die MusicCast-Lautsprecher – auch das ist supereinfach erledigt.

Plattenspieler und zwei Kabellos-Lautsprecher: So einfach und flexibel kann ein HiFi-Setup aufgebaut sein.

Neue Möglichkeiten

Kaum ist die Wiedergabe gestartet, erklingt die Schallplatte auf beiden Lautsprechern. Dass die Musik nun per Funk übertragen wird, ist nicht im Ansatz wahrzunehmen. In meiner Plattensammlung findet sich das Album „The Colour Of Spring“ von Talk Talk. Das erste Stück „Happyness Is Easy“ beginnt direkt mit einer beeindruckend klaren Wiedergabe der Hi-Hats, gepaart mit dem druckvollen Bass der schön straff abgestimmten Base-Drum. Um etwas Tiefgang aus der Wiedergabe zu nehmen, schalte ich noch die Bassanhebung der MusicCast 50 in der App aus. Dort könnte ich den Klang über einen Dreiband-Equalizer nun noch weiter auf meine Bedürfnisse abstimmen, aber das ist gar nicht notwendig. Der Plattenspieler gibt die schön breit angelegte Orgel auch räumlich beeindruckend über beide Lautsprecher aus. Zugleich wird der Kinderchor sauber auf der Bühne aufgereiht und klingt durchgehend präsent. Der Bass schnurrt angenehm knackig unter den klar gezeichneten Gitarren. Irgendwelche Verzerrungen durch die Funkübertragung, wie man sie von manchen Bluetooth-Übertragungen kennt, suche ich hier vergebens. Der Sound ist einfach richtig, druckvoll und auch in seiner räumlichen Abbildung sehr gut. In mir steigt die Frage auf, warum ich eigentlich fingerdicke Kabel hinter den Schränken zu meiner heimischen HiFi-Anlage versteckt habe. Yamaha zeigt hier beeindruckend auf, dass es auch durchaus möglich ist Musikgeräte nahezu beliebig und frei von Kabellimitierung im Wohnzimmer beziehungsweise im ganzen Haus zu platzieren. Einzig eine Stromversorgung muss bei jedem Gerät in der Nähe sein.

Yamaha liefert seinen MusicCast Vinyl 500 mit einem Audio-Technica-MM-Tonabnehmer aus.

Millionen von Songs auf Knopfdruck

Dieser Plattenspieler kann aber noch viel mehr. Dazu gehört beispielsweise die Möglichkeit tausende von Internetradiosendern zu empfangen oder auf Musik von freigegebenen NAS-Platten zuzugreifen. Das wird dann besonders spannend, denn ist der Vinyl 500 mit einer klassischen HiFi-Anlage verbunden, wird diese automatisch netzwerkfähig. Über den Plattenspieler empfangenen Daten werden in diesem Fall über den vorhandenen Verbindungsweg ganz einfach in den Verstärker der konnektierten HiFi-Anlage geleitet und über die dort angeschlossenen Lautsprecher ausgegeben. Der Clou dabei: Man muss nicht zwingend eine Yamaha-Anlage besitzen, die Netzwerkaufrüstung funktioniert auch mit markenfremden Musik-Systemen, wie an meiner Anlagen mit meinem Magnat RV 4 und den KEF R3-Lautsprechern!
Über die umfangreiche MusicCast-Controller-App stehen einem aber noch viele weitere Quellen zur Verfügung. Dazu gehören zum Beispiel Musikdienste wie Napster, Spotify, Deezer, Tidal und qobuz. Da sich MusicCast dazu direkt aus dem WLAN bedient, müssen dafür keine weiteren physikalischen Zuspieler vorhanden sein. Selbst das Smartphone dient jetzt nur noch als Fernbedienung. Wie das alles im Detail funktioniert, haben wir bereits ausführlich in unserem Test des Yamaha WXC-50 beschrieben.

Der Vinyl 500 kommt in tadellos verarbeiteter Hochglanzausführung.

Fazit

Der Yamaha MusicCast Vinyl 500 ist einzigartig und ein beeindruckendes Multitalent. Ein hochwertiger Plattenspieler, der in seinem klassischen Einsatzgebiet absolut überzeugt. Klanglich spielt der 500er in seiner Preisklasse hier ganz weit vorn mit und fällt durch seine dynamische, frische und räumlich schöne Wiedergabe auf. Wer einen schick gestylten Vinyldreher im mittleren Preissegment sucht, kann hier auf jeden Fall bedenkenlos zugreifen. Der Vinyl 500 kann aber noch viel mehr: Dank voller MusicCast-Kompatibilität offeriert dieser Vinyldreher jeder Musik-Anlage den einfachen Zugang in die Streaming- und Multiroom-Welt und macht er sogar betagte HiFi-Systeme netzwerkfähig und modern.

Test & Text: Dieter Pfeil
Fotos:  Philipp Thielen

Gesamtnote: 79/80
Klasse: Mittelklasse
Preis-/Leistung: hervorragend

79

79

80

190407.Yamaha-Testsiegel

Technische Daten

Modell:Yamaha
MusicCast Vinyl 500
Produktkategorie:Plattenspieler, kabellos (netzwerkfähig)
Preis:599,00 Euro
Garantie:2 Jahre
Ausführungen:- Schwarz
- Weiß
Vertrieb:Yamaha, Rellingen
Telefon: 04101 / 30 30
www.yamaha.de
Abmessungen (HBT):136 x 459 x 368 mm
Gewicht:5,7 kg
Formate:MP3, WMA, MPEG4, AAC, WAV, FLAC, AIFF, ALAC, DSD
Maximale Samplingraten/
Auflösungen
- WAV, FLAC, AIFF: 192 kHz/24 Bit
- ALAC: 96kHz/24 Bit
- MP3, WMA, MPEG4, AAC: 48 kHz
- DSD: 11,2 MHz
Eingänge:- Ethernet
- WLAN
Ausgänge:1 x Line (Cinch)
1 x Phono Out (Cinch)
WLAN
Lieferumfang:- Yamaha MusicCAst Viny 500
- Tonabnehmer (Audio-Technica)
- Tonarm
- Netzteil
- Anleitung
Besonderes:- MusicCast (Vernetzung kompatibler Audio-Komponenten)
- Streaming via LAN, WiFi, Airplay und Bluetooth
- hervorragende Verarbeitung
- Works with Amazon Alexa
Benotung:
Klang (60%):79/80
Praxis (20%):79/80
Ausstattung (20%):80/80
Gesamtnote:79/80
Klasse:Mittelklasse
Preis-/Leistunghervorragend

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